Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Letzte Aktualisierung am 22. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Die narzisstische Persönlichkeitsstörung ist eine egozentrische Selbstüberschätzung des eigenen Ichs. Verhaltenstherapien oder psychoanaltische Verfahren begegnen nur den problematischen Symptomen, die charakteristisch sind für die narzisstische Persönlichkeitsstörung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Narzisstische Persönlichkeitsstörung?

Betroffene der narzisstischen Persönlichkeitsstörung wirken auf andere arrogant, selbstverliebt und angeberisch. Im Inneren mangelt es den Betroffenen jedoch an Selbstwertgefühl.

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung gründet auf einer mangelhaften Anerkennung der eigenen Persönlichkeit. Der Patient versucht dieses Defizit auszugleichen, indem er Bewunderung durch andere sucht. Wie bei anderen Persönlichkeitsstörungen auch sind einzelne Persönlichkeitsmerkmale in einer extremen Gravidität ausgeprägt. Dadurch werden Denk- und Verhaltensweisen starr und grobschematisch.

Der Betroffene ist unflexibel im sozialen Verhalten und kann seine Umwelt nicht mehr richtig verstehen. Es ist der Formenkreis der dissozialen oder antisozialen Persönlichkeitsstörungen, zu dem die narzisstische Persönlichkeitsstörung gehört.

Ursachen

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung ist die Folge von Erziehungsfehlern. Eine Ursache kann darin bestehen, dass Eltern ihr Kind zu wenig beachten und ihm zu wenig Anerkennung vermitteln. Unter diesen Bedingungen kann sich kein solides Selbstwertgefühl entwickeln. Um sich zu behaupten, eignet sich das Kind ein übertriebenes, fassadenhaftes und schauspielerisches Verhalten an.

Umgekehrt kann auch das andere Extrem eine narzisstische Persönlichkeitsstörung fördern. Wenn die Eltern ihr Kind nur positiv bewerten und es nicht auf Fehler aufmerksam machen, lernt es keinen angemessenen Umgang im sozialen Kontext. Ein solcher Mensch wird sich als Erwachsener immer anderen überlegen fühlen. Da diese Wahrnehmung aber völlig unrealistisch ist, werden die Erwartungen an das Leben stets an der Wirklichkeit scheitern. So führt die narzisstische Persönlichkeitsstörung den Lebensweg in eine Sackgasse.

Überwiegend soziale Faktoren scheinen die narzisstische Persönlichkeitsstörung hervorzurufen. Die Zwillingsforschung liefert aber auch Hinweise auf genetische Zusammenhänge. Wissenschaftler vermuten allerdings, dass Erbfaktoren nie als alleinige Ursache hinreichend sind, damit eine narzisstische Persönlichkeitsstörung entsteht.

Wann zum Arzt?

Betroffene sollten therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen, wenn sie unter ihrer psychischen Situation leiden. Ein typischer Anlass besteht in häufigen sozialen Konflikten und ständiger erlebter Kränkung. Narzissmus an sich ist keine Krankheit und muss nicht behandelt werden. Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung liegt erst dann vor, wenn der Narzissmus zu persönlichem Leiden oder zu Einschränkungen im Beruf, im Familienleben und/oder anderen Bereichen führt.

Da einige narzisstische Persönlichkeiten eine antisoziale Einstellung aufweisen, ist die Grenze für den Betroffenen selbst jedoch nicht immer deutlich zu erkennen. Narzissten sollten in diesem Fall hinterfragen, ob ihr Verhalten angemessen ist. Dazu kann es hilfreich sein, sich zu fragen: „Wie würde ich das Verhalten beurteilen, wenn eine andere Person sich mir gegenüber so verhalten würde?“

Für die Behandlung der narzisstischen Persönlichkeitsstörung ist vor allem eine Psychotherapie geeignet. Häufig suchen narzisstische Persönlichkeiten einen Therapeuten nicht (nur) wegen des Verdachts auf, an einer Persönlichkeitsstörung zu leiden.

In der Regel sind Begleiterkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, Sucht, Essstörung, Muskeldysmorphie und somatoforme Beschwerden der Auslöser, sich Hilfe zu suchen. Bei diesen Beschwerden ist es möglich, zunächst den Hausarzt aufzusuchen, um eine körperliche Ursache auszuschließen. Patienten sollten dabei auch den Verdacht ansprechen, möglicherweise an einer Persönlichkeitsstörung zu leiden und ggf. um eine Überweisung bitten.

Symptome und Verlauf

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung ist in ihren Symptomen größtenteils auf innerpsychische Vorgänge beschränkt. Dominierend ist eine maßlose Selbstüberschätzung und Größenwahn. So produziert eine narzisstische Persönlichkeitsstörung verzerrte Ansprüche an die Umwelt. Die Sucht nach Bewunderung durch die Mitmenschen steht einer heftigen Angst gegenüber: Wer eine narzisstische Persönlichkeitsstörung entwickelt hat, fürchtet stets die schlechte Meinung anderer. Die Spannung zwischen schwachem Selbstwertgefühl und Großmanns-Phantasien führen zu außerordentlicher Verletzlichkeit. Stark reduziert ist hingegen die Fähigkeit, sich in andere hineinzudenken oder Mitgefühl zu entwickeln.

Von außen zu erkennen ist die narzisstische Persönlichkeitsstörung an Verhaltensweisen. Der Kranke hat den Hang, in elitären Kreisen Umgang zu pflegen. Er tritt seinen Mitmenschen mit Arroganz entgegen und versucht sie subtil zu demütigen. Menschen, die eine Narzisstische Persönlichkeitsstörung haben, sind in allen Sozialkontakten emotional distanziert. Die Umwelt nimmt sie als gefühlskalt wahr. Mit diesem Verhalten überspielt der Kranke sein soziales Problem. Denn Misstrauen und Unsicherheit sind ebenfalls Anzeichen für die narzisstische Persönlichkeitsstörung.

Diagnose

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert der Arzt überwiegend im Patientengespräch. Dabei fällt es dem Kranken schwer, seine Gedanken- und Gefühlswelt offen zu legen. Diagnostische Fragebögen erleichtern dem Arzt die Einschätzung und die Auswertung der Analyse.

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung ist meist nicht in der typischen Form ausgeprägt. Merkmale verwandter Persönlichkeitsstörungen wie das Borderline-Syndrom überlagern die Symptome, die eine narzisstische Persönlichkeitsstörung kennzeichnen. Die Diagnose erleichtert dann eine Beobachtung des Sozialverhaltens. Möglich ist das freilich nur, wenn der Patient mit einer stationären Therapie einverstanden ist. So erkennt das Team in der psychiatrischen Klinik dass eine narzisstische Persönlichkeitsstörung vorliegt.

Behandlung und Therapie

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung können die Ärzte nicht komplett heilen. Allerdings kann eine Psychotherapie dem Patienten helfen, einige Verhaltensweisen zu ändern. Zum Beispiel sind die Verhaltensmuster in Beziehungen oft sehr problematisch für den Patienten. Der Psychotherapeut führt mit dem Kranken spezielle psychologische Trainings-Programme durch und fördert seine Sozialkompetenz.

Begleitende Gespräche helfen dem Patienten, seine Rolle in der Lebenswirklichkeit besser zu verstehen.

In der Behandlung gelten diese Maßnahmen der verhaltenstherapeutischen Richtung der Psychotherapie als sehr erfolgversprechend. Diese Therapie ist ambulant oder stationär durchführbar. Ob eher eine Einzel- oder Gruppentherapie geeignet ist, entscheiden Arzt und Patient gemeinsam.

Ein weiterer Therapieansatz sind tiefenpsychologische Behandlungsformen. Im Rahmen dieser Einzeltherapie-Gespräche zielt der Therapeut auf ursächliche Zusammenhänge in der Lebensgeschichte des Patienten ab. Die Dauer der Therapie einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung wird mit mindestens 2 Jahren angesetzt.

Eine medikamentöse Therapie ist nur in schweren Fällen angezeigt. Zwar kann die narzisstische Persönlichkeitsstörung mit Psychopharmaka nicht grundlegend behandelt werden. Aber akute Begleiterkrankungen bedürfen teils der Intervention mit Antidepressiva. Denn Depressionen bis zur Selbstmordgefährdung begleiten oft die narzisstische Persönlichkeitsstörung.

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Vorbeugung

Für die narzisstische Persönlichkeitsstörung gibt es keine Vorbeugemaßnahmen. Allenfalls erziehende Eltern können darauf achten, grobe Erziehungsfehler zu vermeiden. Maßvolle Anerkennung und Zuwendung, aber auch klare Regeln und Grenzen sollten sich die Waage halten. Ein Erwachsener kann seinen Werdegang nicht mehr ändern. Er kann aber den Mut aufbringen, sich psychische Probleme einzugestehen und frühzeitig zum Therapeuten zu gehen. Das gilt auch für die narzisstische Persönlichkeitsstörung.

Quellen

  • Payk, T.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Dilling, H. & Freyberger, H.J.: Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, Huber Verlag, 6. Auflage 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Tölle, R., Windgassen, K.: Psychiatrie. Springer, Berlin 2014


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