Psychotherapie

Letzte Aktualisierung am 1. September 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Die Psychotherapie ist ein anerkanntes Verfahren mit dem Ziel, psychische Leiden festzustellen und eine Linderung der seelischen Beschwerden zu erzielen. Sie dient der Verbesserung der Lebensqualität und wird bei verschiedenen Störungsbildern angewendet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Psychotherapie?

Ein vertrautes Verhältnis zwischen Psychotherapeut und Patient ist eine wichtige Bedingung für den Erfolg einer Psychotherapie.

Seelische Erkrankungen werden von Psychotherapeuten diagnostiziert und behandelt. Durch die Anwendung verschiedener Therapiemethoden werden gegenwärtige psychische Leiden gelindert, um eine Verbesserung der Lebensqualität zu erreichen.

Menschen, die bei der Bewältigung belastender Situationen, Krisen oder Lebensumbrüchen eine psychische Unterstützung benötigen, können mit der Psychotherapie ihre Selbstheilungskräfte aktivieren und Veränderungen erzielen. Über Gespräche, Verhaltenstechniken oder Reflektionsmethoden werden Situationen aus dem Lebensalltag des Patienten ausgewertet und hinterfragt.

In unterschiedlichen Übungen können neue Verhaltensweisen erlernt oder Ansichten zu Personen sowie Sachverhalten verändert und optimiert werden. Motive und Erwartungen des Patienten werden innerhalb der Therapie geprüft und modifiziert.

Anwendungsbereiche und Therapieziele

Die Psychotherapie wird angewendet, um vorhandene seelische Belastungen zu lindern oder diagnostizierte psychische Erkrankungen zu heilen. Zu den typischen Anwendungsbereichen gehören psychosomatische Beschwerden, Ängste, Zwangsstörungen, Depressionen und Süchte. Darüber hinaus werden häufig Ess-, Persönlichkeits- und Sexualstörungen mit der therapeutischen Methode behandelt.

Zusätzlich kann die Psychotherapie auch bei weiteren Beschwerden Anwendung finden. Seelische und körperliche Leiden stehen bei vielen Patienten in einer unmittelbaren Verbindung zueinander. Die Verknüpfungen werden in einer Therapie analysiert, damit über die Regenerierung der Psyche auch eine körperliche Linderung der Beschwerden erfolgen kann.

In der Psychotherapie werden alltägliche Themen und Problematiken aus dem Leben des Betroffenen aufgegriffen. Als ernstzunehmende Hinweise gelten dabei emotionale Belastungen, wie ein mangelndes Selbstvertrauen, starke Schüchternheit oder eine allgemeine Unzufriedenheit mit dem Leben oder dem eigenen Körper. Fehlen Perspektiven bei der Gestaltung der persönlichen Zukunft oder kam es zu immensen Lebensveränderungen sowie Schicksalsschlägen, können psychische Leiden entstehen, die in einer Therapie in der Zusammenarbeit mit dem Patienten erarbeitet und besprochen werden.

Ziel der Psychotherapie ist es, die Sorgen und Nöte des Menschen individuell zu klären und aufzulösen. Dabei lernt der Patient sich selbst, sein Verhalten und sein Denken besser zu verstehen. Der Therapeut ermutigt in den Sitzungen, sich den aktuellen Herausforderungen und Themen zu stellen und Veränderungen der eigenen Situation herbeizuführen. Es werden in der Therapie neue Sichtweisen vermittelt und mithilfe verschiedener psychotherapeutischer Techniken aktiv an der Lösung bestehender Konflikte oder Unstimmigkeiten gearbeitet.

Krankheiten

  • Sexualstörungen

Was erwartet den Patienten?

Der Patient sollte sich im Vorfeld damit beschäftigt haben, welche Konsequenzen mit der Durchführung einer Therapie verbunden sind. Oftmals kommt es zu einer Umstrukturierung der vorhandenen Lebensabläufe oder Veränderungen innerhalb bestehender sozialer Beziehungen. Auch wenn eine Verbesserung der Lebensqualität und Linderung der psychischen Beschwerden erreicht wird, ist es wichtig zu wissen, dass es als Folge einer Psychotherapie zu Umbrüchen gewohnter Prozesse oder zwischenmenschlicher Verbindungen kommen kann.

Die Bereitschaft zur Selbstreflektion wie auch zur Veränderung der eigenen Kognitionen oder Verhaltensmuster sind Voraussetzungen für das erfolgreiche Erreichen des Therapieziels. Für eine vertrauensvolle Atmosphäre sind Offenheit, Ehrlichkeit und eine aktive Mitarbeit des Patienten unentbehrlich. Vor dem Beginn einer Therapie sollte daher geprüft werden, ob für ein vertrauensvolles Miteinander der ausgewählte Psychotherapeut der richtige Ansprechpartner ist.

In einer Therapie kann es zu peinlichen, schmerzhaften oder beängstigenden Situationen kommen. Um das gewünschte Ziel erreichen zu können, ist es notwendig, dass sich der Patient dem Therapeuten anvertrauen kann. Bestehen darüber nach dem ersten Gesprächstermin Unsicherheiten, ist es empfehlenswert vor dem Beginn der Psychotherapie weitere Kennlerngespräche in Anspruch zu nehmen. In diesen probatorischen Sitzungen können darüber hinaus die genutzten Methoden und deren Vorgehensweisen besprochen und offene Fragen geklärt werden. Es wird ein Behandlungsplan erarbeitet und es erfolgt eine Aufklärung über die Wirkung der Psychotherapie.

Der Patient sollte im Vorfeld erfahren, dass eine Therapie mit einer gewissen Behandlungsdauer verbunden ist und die Lösungsansätze schrittweise erprobt werden müssen. Die meisten psychischen Erkrankungen haben sich über eine lange Zeit und aufgrund verschiedener Vorkommnisse entwickelt. Dies gilt es zu verstehen, damit bestimmte Arbeitsschritte eine dauerhafte Verbesserung bewirken können.

Ablauf der Therapie

Die Behandlung richtet sich nach dem Ziel der Therapie. In der Zusammenarbeit mit dem Therapeuten wird auf der Basis der Probleme sowie der Erkrankung ein realistisches Behandlungsziel erarbeitet. Je nach dem vorhandenen Ziel werden die genutzten Methoden und Techniken besprochen. Kommt es während der Therapie zu Veränderungen oder aktuellen Ereignissen, können jederzeit das Ziel sowie die Methoden angepasst und optimiert werden.

In Absprache mit dem Patienten können wöchentlich Aufgaben vergeben werden, die der Patient erfüllen sollte. Der verbale Austausch steht im Mittelpunkt einer Therapie. Ereignisse werden reflektiert, neue Verhaltensweisen ausprobiert und Gedankenmodelle durchgespielt. Der Schwerpunkt der Arbeit erfolgt nach der gewählten Methode.

Bei einer Verhaltenstherapie werden weniger die Ursachen der Beschwerden ermittelt. Der Fokus liegt auf der Analyse von aktuellen Verhaltensmustern und möglichen neuen Verhaltensideen. Bei einer tiefenpsychologischen Behandlung hingegen werden Erinnerungen an Geschehnisse detailliert besprochen und nachempfunden. Emotionen und Gefühle sollen in der Therapie wiedererlebt werden, um eine Heilung zu erfahren.

Die Psychotherapie erfragt Erwartungen, Motive für Verhalten und beschäftigt sich mit dem Erleben. Dabei betrachtet der Patient in der Unterstützung mit dem Therapeuten mögliche Glaubensmuster, Erziehungsmodelle und gesellschaftliche Vorgaben. Einschränkungen, die als Belastung erlebt werden, mangelnder Mut oder Angst vor bestimmten Situationen werden sollen in einem permanenten Austausch mit dem Therapeuten aufgelöst werden.

Die Therapie kann in einer Praxis in entspannter und ruhiger Atmosphäre stattfinden, aber auch verbunden werden durch das Aufsuchen angstauslösender Situationen. Die Gefühlswelt des Patienten ist das zentrale Thema einer jeden Sitzung. Es findet eine Auseinandersetzung der eigenen Empfindungen statt, die bei vielen Schritten reflektiert und bewusst hinterfragt werden. Zu Beginn einer Therapie erhält der Patient eine Vorstellung seiner Erkrankung. Er wird über das Krankheitsbild aufgeklärt, um das Verständnis über sich selbst und seine Wahrnehmung besser zu verstehen.

In der nächsten Phase kommt es zu einer Auseinandersetzung mit den vorhandenen Problematiken. Lösungen werden erarbeitet, ausprobiert und sobald nötig, angepasst und erweitert. In den letzten Sitzungen löst sich der Patient langsam von der engen Zusammenarbeit mit dem Therapeuten. Er erlernt Möglichkeiten und Strategien, die er selbständig nach der Therapie nutzen kann.

Eigenleistung oder Krankenkasse - wer übernimmt die Kosten?

Die Kostenübernahme einer Psychotherapie ist abhängig von der Art der Krankenversicherung des Patienten. Darüber hinaus hat der Patient stets die Möglichkeit, eine Therapie in Eigenleistung zu übernehmen. In diesen Fällen wird nach jeder Sitzung eine Rechnung erstellt, die der Patient begleicht. Eine gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten einer Behandlung, sobald ein Antrag gestellt, dieser überprüft und genehmigt wurde. Das Antragsformular wird gemeinsam mit dem Psychotherapeuten ausgefüllt.

Zusätzlich muss der Psychotherapeut einen Bericht mit einer Begründung für die Notwendigkeit einer Therapie erstellen. Der Bericht wird von einem Gutachter geprüft. Bei einer Kurzzeittherapie wird häufig auf das Gutachten verzichtet. Bei einer privaten Krankenversicherung muss der Patient individuell prüfen, welche Leistungen von der Krankenkasse übernommen werden. Sobald die Kostenübernahme im Vertrag enthalten ist, müssen ebenfalls ein Antrag eingereicht und ein Bericht des Psychotherapeuten erstellt werden.

Risiken, Gefahren und Nebenwirkungen

Keine Psychotherapie kann einen gewünschten Erfolg versprechen. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer Verschlechterung der vorhandenen Beschwerden sowie der Ausbildung neuer Symptome. Ist das Vertrauensverhältnis zwischen dem Therapeuten und der Patienten nicht ausreichend oder wird es während der Therapie gestört, hat das unmittelbaren Einfluss auf den Therapieverlauf.

Die vorhandene Grunderkrankung kann dafür verantwortlich sein, dass eine Linderung der Beschwerden nicht möglich ist. Bei einigen Patienten zeigt sich erst im Verlauf der Therapie, welche Erkrankung oder welche Erkrankungen vorliegen.

Ist der Patient nur wenig an einer Heilung interessiert oder gehört die mangelnde Krankheitseinsicht zum Krankenbild, kann keine erfolgreiche Therapie erfolgen. Wird das Verhältnis zwischen dem Patienten und dem Therapeuten zu intim, kann ebenfalls nicht optimal an der Erreichung der Ziele gearbeitet werden.

Quellen

  • Faller, H. & Lang, H.: Medizinische Psychologie und Soziologie, Springer Verlag, 2010
  • Payk, T., Brüne, M.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Dilling, H. & Freyberger, H.J.: Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, Huber Verlag, 6. Auflage 2012


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