Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Schwäche, LRS)

Letzte Aktualisierung am 8. Juni 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Schwäche, LRS) wird oft bereits im Kindesalter entdeckt, wenn der oder die Betroffene Schwierigkeiten aufweist, die jeweilige Schriftsprache zu erwerben. Unabhängig vom Intelligenzquotienten haben Legastheniker Probleme, ein flüssiges Lesen und Schreiben von Wörtern zu entwickeln.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Schwäche, LRS)?

Kinder mit Legasthenie haben Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben. Eine Förderung der phonologischen Bewusstheit kann den Betroffenen helfen.

Legasthenie ist auch unter dem Namen Lese-Rechtschreib-Schwäche bekannt. Laut dem Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie leiden in Deutschland vier Prozent aller Schüler unter der Krankheit. Alle Kinder weisen bei dem Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechnen zahlreiche Fehler auf, welche bei Nichtlegasthenikern jedoch nach einiger Zeit verschwinden, während die Probleme bei Betroffenen konstant gleich bleiben oder sogar zunehmen.

Legasthenikern fällt es auch nach mehreren Schuljahren und spezieller Förderung schwer, korrekt zu lesen oder zu schreiben. Wird die Krankheit diagnostiziert und frühzeitig behandelt, kann der Lernfortschritt zugunsten der Kinder beeinflusst werden.

Ursachen

Legasthenie hat ihren Ursprung in verschiedenen Bereichen. Neben genetischen Ursachen werden auch Probleme in der visuellen sowie auditiven Wahrnehmung und Umsetzung in Betracht gezogen. Ein weiterer Verdächtiger ist das phonologische Bewusstsein, bei dem es sich um die Verarbeitung von sprachlichen Begebenheiten handelt. Ist dieses gestört und kann das Wissen nicht einwandfrei aufgenommen und widergegeben werden, kann es zu Legasthenie kommen.

Auffällig ist es, dass bei Legasthenie oft mehrere Familienmitglieder die Krankheit aufweisen, wodurch sich ein genetischer Ursprung erklären lässt. Besonders wahrscheinlich ist hierbei die Fehlfunktion des 15. Chromosoms. Neben diesem haben Forscher jedoch auch Zusammenhänge mit anderen Genen herausgefunden, sodass die genetischen Begebenheiten komplex sind. Zur Störung des phonologischen Bewusstseins gehört die Schwierigkeit, lautliche Details der Sprache zu differenzieren und diese im Gehirn abzuspeichern, was dazu führt, dass Betroffene Buchstaben keinen Lauten zuordnen können und andersherum.

Hierbei wurde herausgefunden, dass die Regionen im Gehirn, welche die Wahrnehmung von Sprachsegmenten abwickeln, bei Legasthenikern in reduziertem Maße aktiviert werden. Bei Störung der visuellen Wahrnehmung nimmt das Gehirn von Betroffenen die gelesenen Worte, sowie die enthaltenen Informationen, verzögert auf.

Symptome und Verlauf

Erstes Symptom der Legasthenie ist die nicht flüssig ablaufende Verschriftlichung von Worten sowie das Lesen ebendieser. Wörter oder Wortteile werden ausgelassen, verdreht oder hinzugefügt. Die Lesegeschwindigkeit ist sehr niedrig, Wörter werden vertauscht, Buchstaben, Silben oder ganze Wörter ersetzt. Das Gelesene wird im Zusammenhang nicht erkannt, es können die enthaltenen Informationen nicht wiedergegeben werden. Menschen, die an Legasthenie erkranken, weisen meistens bis ins Erwachsenenalter Schwierigkeiten in den oben genannten Bereichen auf.

Sie erreichen unabhängig von ihren kognitiven Fähigkeiten einen niedrigeren Schulabschluss und ein geringeres Berufsausbildungsniveau. Bis Ende der 90er Jahre wurde davon ausgegangen, dass die Schwäche durch optimale Förderung in den Jahrgangsstufen 1 bis 6 behoben werden könnte. Dies wurde jedoch bisher nicht nachgewiesen. Stattdessen haben Menschen, die als Kinder bereits eine Leseschwäche hatten, auch im Erwachsenenalter noch Schwierigkeiten mit dem Ablesen von Wörtern.

Diagnose

Existiert der Verdacht des Bestehens von Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Schwäche, LRS), sollten zuerst organische Möglichkeiten wie eingeschränktes Hör- und Sehvermögen ausgeschlossen werden. Ebenso könnte eine seelische Komponente eine Rolle spielen, deswegen muss geklärt werden, ob psychische Probleme das Erlernen des Lesens und Schreibens erschweren. Kann kein Grund für die Schwierigkeiten gefunden werden, hilft ein Test bei der Diagnostik. Dieser besteht aus einem standardisierten Lese,- Rechtschreib- und Intelligenztest. Zudem wird mit den Eltern ein Gespräch über die Entwicklung des Kindes geführt. In das Ergebnis fließt auch die familiäre Situation ein.

Komplikationen

Eine Legasthenie schränkt Betroffene in ihrer Lebensgestaltung erheblich ein. Bereits im schulischen Bereich führt eine Lese-Rechtschreibstörung zu vielen Misserfolgen, durch die sich schnell Resignation und Lernunlust einstellen. Legastheniker entwickeln dadurch Minderwertigkeitsgefühle und leiden unter einem stark beeinträchtigten Selbstbewusstsein. Auch ausgeprägte Versagensängste und Schulangst können in manchen Fällen auftreten. Bei den Betroffenen führen die Ängste schließlich zu depressiven Verstimmungen oder zu auffälligem, aggressivem Verhalten.

Im späteren Leben haben Betroffene häufig Schwierigkeiten bei der Berufsfindung und sind generell in ihren beruflichen Möglichkeiten eingeschränkt. Wird die Legasthenie allerdings frühzeitig behandelt, können die genannten Komplikationen vermieden werden. Die Therapie selbst verläuft meist ohne größere Probleme, insofern die Betroffenen fachlich unterstützt werden und sich an die empfohlenen Lernmaßnahmen halten. Dennoch leiden viele Legastheniker darunter, dass sie zusätzlichen Unterrichtsstoff durcharbeiten müssen. Nachhilfe und Therapie stellen in Verbindung mit dem normalen Schulalltag eine erhebliche Belastung dar, die meist nicht ohne die Unterstützung der Eltern bewältigt werden kann.

Behandlung und Therapie

Am besten therapieren lässt Legasthenie sich, bevor der Betroffene mit der schriftlichen Sprache in Berührung kommt. Diese Behandlung beruht auf der Förderung des Sprachbewusstseins, also der phonologischen Bewusstheit. Bleibt die Problematik bestehen und hindert den Betroffenen später daran, akkurat das Lesen und Schreiben zu erlernen, sollten Förderungsmaßnahmen so früh wie möglich ergriffen und weitergeführt werden. Wichtig ist auch die Akzeptanz im Elternhaus. Eltern sollten ihren Kindern das Gefühl geben, trotz bestehender Schwächen akzeptiert zu werden.

Ist das Verhältnis aufgrund der Problematik und damit einhergehenden Übungsstunden bereits vorbelastet, sollte daraufhin gearbeitet werden, ebendieses zu entspannen. Im Einklang mit Therapeuten und Lehrern sollte die Angst abgebaut und die Lernmotivation erhöht werden. Es ist nicht nur wichtig die Konzentration und Entspannung zu fördern, auch Selbstbestätigung und Techniken zur Selbstkontrolle sollten nicht zu kurz kommen.

Schulen übernehmen bei der Therapie von Legathenikern eine entscheidende Rolle, sind die Lehrer letztendlich dafür verantwortlich, den Kindern das Lesen und Schreiben zu vermitteln. Hierbei setzen die Schulen auf unterschiedliche Konzepte. Bei der Binnendifferenzierung sollen die Kinder im Klassenverband gefördert werden, indem die Kinder in Leistungsgruppen eingeteilt werden. Einige wenige Schulen bieten Fördergruppen zusätzlich zum Unterricht an. In weiteren Therapieansätzen werden Teile des Gehirns, Psychomotorik wie Emotionen, visuelle Wahrnehmung und der Bewegungsapparat trainiert.

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Vorbeugung

Die Ursachen der Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Schwäche, LRS) sind komplex und teilweise genetisch verankert, wodurch sich ein Auftreten der Krankheit nicht verhindern lässt. Durch früheste Schulung von Grob- sowie Feinmotorik und Stärkung des Selbstwertgefühles kann jedoch das Außmaß der Krankheit eingeschränkt werden.

Quellen

  • Payk, T.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Dilling, H. & Freyberger, H.J.: Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, Huber Verlag, 6. Auflage 2012
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Bergner, T. M. H.: Burnout-Prävention. Schattauer, Stuttgart 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Tölle, R., Windgassen, K.: Psychiatrie. Springer, Berlin 2014


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