Konfrontationstherapie


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 27. August 2018

Die Konfrontationstherapie ist eine Methode aus dem Bereich der Verhaltenstherapie. Sie arbeitet beinahe ausschließlich mit der Betrachtung von Ängsten und mit der Konfrontation mit deren Auslösern.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Konfrontationstherapie?

Die Konfrontationstherapie stellt eine Therapieform zum gezielten Therapieren von Phobien dar. Sie arbeitet hierbei mit den entsprechenden Reizen, welche die Angst auslösen und bringt den Klienten dazu, mit diesem Reiz anders umzugehen. Dabei steht nicht zwingend im Vordergrund, den Therapierten emotional umzustimmen, sondern es geht um das Verstehen und Hinterfragen der Angst, sodass kognitive Reaktionen geändert werden. So soll sich anschließend eine Verhaltensänderung einstellen.

Hierfür arbeitet ein Therapeut mit seinem Klienten. Es gibt direkte Expositionen (also mit realen Angstauslösern) und mittlerweile auch virtuelle Methoden. Dieses psychotherapeutische Verfahren ist vor allem bei klar strukturierten Angststörungen als sehr wirksam zu beschreiben.

Wie funktioniert die Konfrontationstherapie?

Eine Konfrontationstherapie dient dazu, dem Betroffenen ganz konkret zu ermöglichen, mit einer Phobie besser umzugehen. Es geht dabei nicht darum, dass die Angst als solche völlig eliminiert wird - sie bleibt in vielen Fällen als Angst bestehen. Vielmehr soll die Reaktion auf einen angstauslösenden Reiz so weit verringert und kontrollierbar gemacht werden, dass der Phobiepatient trotz eines Treffens auf den Reiz keine nennenswerten Einschränkungen erlebt. Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn es sich um einen sehr häufig vorkommenden Trigger handelt - beispielsweise um große Plätze oder Menschenmengen - und der Angstpatient daher stark eingeschränkt im Alltag ist. Therapeut und Klient erarbeiten dabei gemeinsam, wie die Phobie aufgebaut ist, wie sie funktioniert und warum sie so einschränkend ist. Der Klient soll verstehen, warum er reagiert, wie er reagiert und soll erlernen, durch ein Umdenken anders zu reagieren.

Es handelt sich also beim Behandlungsziel um eine Veränderung der kognitiven Bewertung des Angstauslösers. So soll der Betroffene seine Reaktionen kontrollieren können. Im Fokus steht zudem die Angst vor der Angst abzubauen.

Bei welchen Problemen kann die Therapie helfen?

Die Expositionstherapie findet vor allem bei Phobien Anwendung. Beispiele sind etwa die Agoraphobie (offene Plätze), die Arachnophobie (Spinnen) oder eine beliebige andere spezifische Phobie. Insofern es sich bei der Phobie um ein für sich alleinstehendes Leiden handelt - die Phobie ist also nicht Teil eines weiteren Krankheitskreises in der Psyche des Betroffenen - kann eine Konfrontationstherapie angewandt werden. Ausschlaggebend ist lediglich, dass der die Phobie auslösende Reiz genau benannt werden kann und reproduzierbar ist. Die Konfrontationstherapie kann also immer dann zur Anwendung kommen, wenn der Betroffene den angstauslösenden Reiz kennt und dazu bereit ist, sich diesem (kontrolliert) zu näheren.

Außerdem findet die Expositionstherapie nicht nur bei klar definierten Phobien Anwendung, sondern kann auch zur Therapie von Panikstörungen genutzt werden. Insgesamt ist der Anwendungsbereich allerdings als beschränkt zu bezeichnen. So taugt eine Konfrontationstherapie etwa nicht zur Behandlung zahlreicher anderer Leiden, die mit anderen Methoden der Verhaltenstherapie einfach besser zu therapieren sind.

Dennoch hat die Expositionstherapie in ihrem Behandlungsbereich Erfolge zu verbuchen, die eben sehr für die Anwendung bei Ängsten sprechen. Je nach Phobie können so etwa 80 und mehr Prozent der Betroffenen nach einer Therapie als von dieser Angst befreit gelten.

Die Angst vor dem Fahrstuhlfahren (Klaustrophobie) kann mit der Konfrontationstherapie behandelt werden.

Anwendungsbereiche

Wie läuft die Therapie ab?

Am Anfang steht das Formulieren eines Behandlungsziels. Es wird konkret festgesetzt, welches Verhalten - in der Regel eine Panikreaktion aufgrund des Angstauslösers - abgebaut oder verändert werden soll. Der Reiz wird betrachtet und analysiert. Dabei wird genau eruiert, was an ihm angstauslösend sein kann und welche Gedanken und Gefühle dies beim Klienten weckt. Er muss verstehen, was in ihm vor sich geht, wenn der Reiz auftritt. Dabei können verschiedene Erkenntnisse zutage gefördert werden, denn nicht selten ist ein Angstverhalten irrational.

Anfangs wird das Therapieziel formuliert. Hierzu ist es wichtig, dass sich der Psychotherapeut weitestgehend in die Gedanken- und Gefühlslage des Klienten hineinversetzen kann.

So stellt sich zumeist heraus, dass es sich um eine fehlerhafte Bewertung des Reizes - und damit um das Einleiten einer fehlerhaften Reaktion auf den Reiz handelt.

Der Angstauslöser an sich ist Teil der Therapie. Es kann hier zu Stufenmodellen gegriffen werden (der Klient wird Stück für Stück an den Reiz herangeführt) oder es wird direkt mit einer harten Exposition gearbeitet. Welches Modell vorteilhafter ist, entscheidet sich nach der Art der Phobie und nach dem Patienten. Dabei ergibt es bei mehreren Phobien auch Sinn, vorher Strategien zum Umgang mit dem Angstauslöser zu erarbeiten.

Einige Phobien sind durch ein Stufenmodell auch physisch nicht darstellbar, weshalb auch auf imaginäre und virtuelle Verfahren zurückgegriffen werden kann. Beim imaginären Verfahren findet ein Heranführen an den Reiz über ein tiefergehendes Gespräch statt. Der Betroffene erlebt seine Angst in seiner Vorstellung, weiß aber, dass die Situation nicht real ist. Dies kann ein wertvoller erster Schritt sein.

Virtuelle Möglichkeiten bestehen beispielsweise in VR-Brillen oder anhand von Darstellungen. Auch dies macht den Angstauslöser betrachtbar, ohne dass der Klient ihm tatsächlich ausgesetzt wäre.

Am Ende steht aber immer das Ziel, dass der Angstpatient sich dem Reiz näheren kann und nicht in Panikreaktionen verfällt. Er erlernt durch andere Denkansätze und Strategien, den Reiz neu zu bewerten und seine eigene Reaktion darauf zu hinterfragen.

Dafür ist es auch notwendig, dass der Klient im Laufe der Therapie wortwörtlich mit seiner Angst konfrontiert wird - beispielsweise, indem er eine Spinne berührt oder große Höhen erklimmt.

Die Anzahl der Sitzungen ist hierfür nicht fix. Aber insgesamt ist die Konfrontationstherapie, da sie sich konsequent einem einzigen Bereich widmet, recht zügig mit Fortschritten verbunden.

Eigenleistung oder Krankenkasse - wer übernimmt die Kosten?

Die Krankenkassen übernehmen im Falle von angetreten Konfrontationstherapien die Kosten in Höhe einer Leistung, die einer Kompensation von bis zu 80 Stunden entspricht. Dies ist in den meisten Fällen mehr als genug zum Überwinden einer Angststörung.

Die Krankenkassen übernehmen allerdings nur die Kosten, wenn die Phobie einen echten Krankheitswert hat (also einschränkend ist). Eine diffuse Angst vor schlechten Gerüchen etwa mag zwar therapierbar sein, die Therapie wird aber aller Wahrscheinlichkeit nicht finanziell durch die Krankenkassen gedeckt.

Risiken, Gefahren und Nebenwirkungen

Die Konfrontationstherapie ist arm an Risiken und Nebenwirkungen. Ist der Klient nicht dazu in der Lage, das Behandlungsziel zu erreichen, kann eine solche Therapie abgebrochen werden. Allerdings kann ein Abbruch der Therapie die Angststörung verschlimmern und das Selbstbewusstsein senken. In seltenen Fällen werden erfolgreiche therapierte Menschen rückfällig. Bei einigen dreht sich die Angststörung auch in eine regelrechte Zuneigung um: So wurde etwa mehrfach von ehemaligen Spinnenphobikern berichtet, die anschließend Spinnen als Haustiere hielten.

Quellen

  • Faller, H. & Lang, H.: Medizinische Psychologie und Soziologie, Springer Verlag, 2010
  • Payk, T., Brüne, M.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Dilling, H. & Freyberger, H.J.: Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, Huber Verlag, 6. Auflage 2012


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