Katheter

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 16. November 2021
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Katheter sind aus der heutigen Medizin kaum noch wegzudenken. Sie finden vielfältig Anwendung in diagnostischen und therapeutischen Verfahren und stellen oft die risikoärmste Methode einer Behandlung dar.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Katheter?

Katheter werden in Hohlorgane oder Körperhöhlen eingeführt, um diese kontrolliert zu überwachen, zu leeren oder zu füllen. Sie bestehen aus Röhrchen und Schläuchen, die je nach Anwendungsbereich aus unterschiedlichem Material hergestellt worden sind. Häufig kommen Katheter aus Latex oder Silikon vor, da diese flexibel sind. Dies ist vor allem wichtig, wenn der Katheter in der Blase lokalisiert ist. Andere Anwendungsgebiete sind das Herz-Kreislauf-System oder das respiratorische System. Dort sind Herzkatheter und zentrale bzw. periphere Venenkatheter sowie Bronchialkatheter zu finden. Die Art und der Ort der Anwendung richten sich nach den individuellen diagnostischen und therapeutischen Indikationen.

Anwendungsgebiete

Typische Anwendungsgebiete des Katheters:

Minimalinvasive Katheterablation bei Herzrhythmusstörungen - Die Verödungen von Gewebe an der Herzinnenseite sollen die fehlerhafte Impulsübertragung (Vorhofflimmern) verhindern.
  • Nervenfunktionsstörung
  • Blasenentleerungsstörung
  • Harnverhalt

Blasenkatheter gibt es entweder zur einmaligen Verwendung oder als Dauerkatheter. Einmalkatheter werden eingesetzt, wenn die Blase aufgrund einer Störung künstlich entleert oder der Urin untersucht werden muss. Dagegen dienen Dauerkatheter der längerfristigen Anwendung. Diese ist nötig, wenn der Patient inkontinent ist. Außerdem ermöglicht ein zusätzlicher Anschluss die Spülung und Medikamenteneinfuhr in die Blase. Ein Dauerkatheter kann entweder transurethral (durch die Harnröhre) oder suprapubisch (durch die Bauchdecke) eingeführt werden.

Ein weiteres Anwendungsgebiet von Kathetern ist das Herzkreislaufsystem. Häufig kommt hier der Zentralvenenkatheter zum Einsatz, da sich so nicht nur der Venendruck kontinuierlich überwachen lässt, sondern auch Medikamente und Infusionen mit geringem Aufwand zugeführt werden können. Die Spitze des Kunststoffschlauchs liegt dabei direkt vor dem rechten Vorhof des Herzens.

Auch periphere Venenkatheter eignen sich für die Zufuhr von Medikamenten. Wird der Katheter ganz in das Herz eingeführt, handelt es sich um einen Herzkatheter. Dieser wird eingesetzt, um verschiedene Herzerkrankungen zu diagnostizieren und zu therapieren. Daneben existieren Katheter, mit deren Hilfe die Bronchien künstlich beatmeter Patienten gespült werden. Zudem werden sie für die Dialyse verwendet.

Welche Methoden und Verfahren gibt es?

Beim Legen eines Katheters, also der Katheterisierung, müssen strenge hygienische Vorschriften beachtet werden. Die Indikationen sollten konkret vorliegen und alle Kontraindikationen, wie zum Beispiel eine Allergie gegen das verwendete Material, ausgeschlossen werden. Der Arzt gibt die Anordnung für die Katheterisierung, erst dann erfolgt diese durch geschultes pflegerisches Personal oder den Arzt selbst.

Nur der intermittierende Selbstkatheter für die einmalige Blasenentleerung kann vom Betroffenen selbst angewendet werden – natürlich erst nach entsprechender Anleitung und Anordnung durch den Arzt. Ansonsten müssen die Bedingungen immer steril sein, weshalb Katheter ausschließlich in Krankenhäusern und anderen pflegerischen Einrichtungen Verwendung finden. Die Pflege während der Anwendung erfolgt täglich in der Umgebung des Katheters sowie durch das Spülen einer Kochsalzlösung.

Was muss der Patient im Vorfeld und bei der Nachsorge beachten?

Im Vorfeld gibt es wenig, was der Patient beachten muss. Katheter werden meistens nach Bedarf gelegt. Bei einer bekannten Allergie oder Nebenerkrankungen sollte der Arzt aber informiert werden, um Komplikationen zu vermeiden. Während der Patient den Katheter mit sich führt, ist er in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Unbedingt sollte vermieden werden, an den Schläuchen zu ziehen oder die Röhrchen zu verschieben.

Treten unangenehme Symptome auf, ist der Arzt oder das Pflegepersonal anzusprechen. Patienten mit Blasenkathetern sollten außerdem viel trinken, um eine Infektion zu verhindern. Der Katheter muss täglich gepflegt werden, wobei die hygienischen Grundsätze einzuhalten sind. Nachdem ein Katheter entfernt wurde, wird ein Druckverband angelegt, um Blutungen zu stoppen und die Einstichstelle zu schützen.

Sport, schwere Arbeit, wie zum Beispiel das Tragen und Heben schwerer Sachen, und der Besuch eines Schwimmbades ist daraufhin zu vermeiden. Insgesamt sollte die Einstichstelle entlastet werden. Bei Schmerzen, Schwellungen und anderen Symptomen muss sofort der Arzt kontaktiert werden. Da bereits die Indikationen und Anwendungsgebiete sehr unterschiedlich sind, ist auch die Nachsorge individuell mit dem zuständigen Arzt zu besprechen und durchzuführen.

Durchführung - Wie läuft die Untersuchung ab?

Entsprechend des Ortes, an dem der Katheter gelegt wird, unterscheidet sich auch die Durchführung dieses Vorgangs. Immer wird der Katheter über die entsprechende Körperhöhle eingeführt und fixiert. Blasenkatheter können entweder direkt durch die Harnröhre, also transurethral, oder durch die Bachdecke, also suprapubisch, in die Blase geleitet werden. Die suprapubische Variante eignet sich für eine längere Verweildauer. Sie ist weniger anfällig gegenüber Infektionen. Transurethral wird der Genitalbereich zuerst gut desinfiziert. Dann wird ein Gleitmittel auf die Katheterspitze aufgetragen, die das anschließende Einführen erleichtert.

Suprapubische Katheter erfordern mehr Aufwand, da die Punktion in der Bauchdecke durch den Arzt erfolgt. Periphere Venenkatheter werden meistens am Arm mittels einer Hohlnadel zugeführt. Über diese wird der Katheterschlauch in das Blutgefäß geschoben und mit einem Pflaster fixiert. Ist die herznahe Anwendung notwendig, kann ein zentraler Venenkatheter über eine Punktionsstelle am Hals bis an die entsprechende Position vorgeschoben werden. Bei längerfristigen Maßnahmen werden implantierbare Katheter benutzt, sogenannte Portkatheter, die Selbstständigkeit des Patienten zu verbessern. Katheter, die nicht vollständig implantiert werden, sind Hickman-Broviac- und Groshong-Katheter. Das Vorschieben bis zum Herzen, also ein Herzkatheter, erfolgt in den meisten Fällen über eine Leistenarterie.

Eigenleistung oder Krankenkasse - wer übernimmt die Kosten?

Wird aus medizinischen Gründen das Legen eines Katheters verordnet, muss die Krankenkasse diese Kosten übernehmen. Ist nachweisbar, dass die medizinische Notwendigkeit besteht, muss nichts dazu gezahlt werden. Dies trifft auch auf intermittierende Selbstkatheter zu, die von inkontinenten Personen regelmäßig selbst angewendet werden. Mittels eines Rezepts können diese aus der Apotheke oder von einem Lieferanten bezogen werden.


Risiken, Komplikationen und Nebenwirkungen

Sowohl beim Einführen des Katheters als auch während der Pflege besteht das Risiko einer Infektion. Diese kann natürlich verhindert werden, wenn die entsprechenden hygienischen Maßnahmen ergriffen werden. Das macht die Katheterpflege so wichtig. Wird sie nicht konsequent durchgeführt, können Keime entlang des Schlauchs in den Blutkreislauf oder den Harnweg gelangen. Dies würde zu einer Blutvergiftung bzw. einer Harnwegsinfektion führen. Verletzungen im Inneren durch einen Katheter sind selten, da Fachkräften dies in der Regel nicht passiert. Auch allergische Reaktionen treten weniger häufig auf. Das Kathetermaterial ist im Vergleich zu früheren Ausführungen reizarm. Durch Zentralvenenkatheter können zudem Thrombosen des Gefäßes entstehen.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin, Gerd Herold, 1. Auflage, 2013
  • Kindermann, W., et al.: Sportkardiologie. Steinkopff, Darmstadt 2007
  • Bieber, C. et al.: Duale Reihe Innere Medizin, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2012
  • Böhm M, Hallek M, Schmiegel W (Hrsg): Innere Medizin, begr. von Classen M, Diehl V, Kochsiek K, 6. Auflage, München Elsevier Urban & Fischer Verlag 2009

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der aktuellen medizinischen Fachliteratur und fundierter wissenschaftlicher Quellen verfasst.
Qualitätssicherung durch: Dr. med. Nonnenmacher
Letzte Aktualisierung am: 16. November 2021

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