Infusion


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 11. September 2018

Das Wort Infusion leitet sich ab vom Lateinischen „infundere“, was soviel bedeutet wie „hineingießen“. Sie bezeichnet ein flüssiges Medikament oder eine Lösung welche im Rahmen einer Infusionstherapie oder aus einem anderen medizinischen Grund in den Körper eingebracht wird. Als Zugangsort wird häufig eine Körpervene gewählt, wobei aber auch alternative Applikationswege möglich sind.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Infusion?

Mit einer Infusion werden kontinuierlich größere Flüssigkeits- oder Medikamentenmengen meist über einen venösen Zugang in den Körper eingeführt.

Es existiert eine große Breite an Substanzen und Lösungen, die als Infusion verabreicht werden können. Am gebräuchlichsten sind dabei unspezifische Elektrolytlösungen, welche auch als Kristalloide bezeichnet werden. Hier dominieren die 0,9% Kochsalzlösung und die Ringer-Laktat-Lösung. Sie werden vor allem eingesetzt um eine Dehydratation (Austrocknung) und einen Elektrolytmangel zu behandeln. Darüber hinaus finden sie Verwendung als Trägersubstanz für andere Medikamente und als Spüllösung.

Daneben existieren die Vollelektrolytlösungen, die alle natürlich im Blut vorkommenden Elektrolyte in einer ähnlichen Zusammensetzung enthalten. Auch beinhalten sie organische Anionen, was sie isoton macht. Als weitere unspezifische Infusionslösung existiert die Glukose Lösung, welche keine weiteren Salze enthält.

Spezifische Lösungen, also solche mit einer besonderen Funktion, sind die sogenannten Kolloide, Ernährungslösungen, Osmotherapeutika oder Pufferlösungen. Die Vollelektrolytlösungen können aufgrund ihrer Isotonie nur eingeschränkt zur Behandlung eines Volumenmangels im Herzkreislaufsystem genutzt werden und haben darüber hinaus noch weitere Anwendungsgebiete.

Kolloide enthalten Makromoleküle wie langkettige Zucker oder Eiweiße und besitzen dadurch eine sehr ausgeprägte Wirkung auf das Blutvolumen bzw. den Füllungszustand der Blutgefäße.

Infusions-Arten und Anwendungsgebiete

Vollelektrolytlösungen

Die isotonischen Lösungen besitzen in der Regel ein eingeschränktes Einsatzgebiet. Die 0,9% Kochsalzlösung fungiert, wie bereits beschrieben, als eingeschränkte Behandlung der Dehydratation, als Spül- und Trägerlösung. Bei der isotonischen Dehydratation erweist sich ihre Zusammensetzung als Natrium und Chlorid auch als therapeutisch wirksam. Die Vollelektrolytlösung finden für gewöhnlich Einsatz zur Volumentherapie, Ausgleich von Elektrolytverschiebungen und wie die Kochsalzlösung auch als Träger von Medikamenten.

Kolloidale Infusionslösungen

Die Kolloidalen Infusionslösungen finden gezielt Einsatz bei der Behandlung von starkem Volumenmangel im Gefäßsystem. Die ihnen beigemischten Moleküle können anders als Ionen die Gefäßwände nicht durchdringen und binden so bis zu ihrem Abbau Flüssigkeit im Intravasalraum. Glukosehaltige Lösungen verfolgen den Zweck, den Körper mit schnell verfügbarer Energie zu versorgen und finden Anwendung bei Patienten mit einem reduzierten Blutzuckerwert. Dies sind beispielsweise Diabetiker oder Patienten, die Nahrung nicht bei sich behalten können.

Ernährungslösungen

Einen Schritt weiter gehen die Ernährungslösungen, welche alle relevanten Nährstoffe, Vitamine und Mineralien enthalten und so einen Patienten vollständig ernähren können. Sie sind vor allem dann sinnvoll, wenn eine normale Nahrungsaufnahme unmöglich oder nicht mehr ausreichend ist, um einen Patienten zu versorgen.

Osmotherapeutika

Die sogenannten Osmotherapeutika erhöhen den osmotischen Druck im Zwischenzellraum und rekrutieren so schnell große Flüssigkeitsmengen in den Blutgefäßen. Sie dienen der Behandlung von Hypotonien (niedriger Blutdruck), Vergiftungen und dem Ausschwemmen von Ödemen und Steigerung der Harnproduktion. Die erwähnten Pufferlösungen deinen dazu, eine Übersäuerung (Azidose) des Blutes durch Stoffwechselprodukte abzumildern oder zu verhindern und dadurch Schaden abzuwenden.

Welche Infusionen werden verabreicht?

Zur Verabreichung von Infusionen kommt in erster Linie ein künstlich geschaffener Zugang zu einer Vene in Frage. Dazu wird ein peripherer Venenkatheter durch die Haut in das Gefäß eingestochen und oberflächlich z.B. mit einem Pflaster fixiert. Soll eine Gefäßzugang über einen längeren Zeitraum bestehen wird in der Regel ein ZVK (Zentraler Venenkatheter) in eine große, Körperstamm nahe Vene eingelegt. Gebräuchlich ist hier beispielsweise eine Halsvene (Vena jugularis externa).

Bei sehr schlechten Venenverhältnissen und Zeitdruck, wie etwa bei einer Reanimation, kann eine Infusionen auch intraossär verabreicht werden. Dazu wird die Markhöhle eines Knochens mit speziellem Werkzeug punktiert und steht dann zur sicheren Nutzung zur Verfügung.

Besteht keine unmittelbare Eile, wie z.B. während einer Chemotherapie, kann ein sogenannter Port als Zugangspunkt eingesetzt werden. Dies erfordert allerdings einen kleinen chirurgischen Eingriff.

Infusionen können auch über die Haut (subkutan) verabreicht werden, wobei nur bis in eine tiefere Hautschicht eingestochen werden muss. Alle genannten Optionen werden als „parenteral“ bezeichnet, da sie den menschlichen Verdauungstrakt umgehen.

Wie werden Infusionen verabreicht?

Die Verabreichung einer Infusion kann auf mehrere verschieden Arten erfolgen. Die einfachste stellt ein frei tropfendes System dar, bei der lediglich die an der Infusionsleitung befindliche Rollklemme geöffnet wird und die Flüssigkeit mit einer mehr oder weniger genau bemessenen Geschwindigkeit einfließen kann.

Ein einfaches Hilfsmittel stellt ein Tropfenzähler dar, der die Genauigkeit etwas verbessert. Präzisere technische Hilfsmittel stellen elektrische Spritzenpumpen und Infusionspumpen dar, die eine sehr genaue Dosierung der Infusionsmenge erlauben. Sie werden vor allem dann eingesetzt, wenn Medikamente beigemengt sind oder eine sehr gleichmäßige Abgabe erzielt werden soll.

Wie bei allen Medikamenten erfordert auch die Gabe von Infusionen eine umsichtige Handhabung. Dazu gehört die hygienische Vorbereitung des gesamten Infusionsystems, die eindeutige Zuordnung zum jeweiligen Patienten, die Prüfung des Inhalts und aller Komponenten sowie die sichere Verbindung mit dem entsprechenden Zugangsort am oder im Körper des Patienten.

Was muss der Patient bei der Nachsorge beachten?

Abhängig von der jeweiligen Indikation (Anzeige) für die Infusion und die gewählten Substanzen und Zugangswege sollte der Patient verschieden Faktoren beachten. Generell sollte die Einstichstelle des Venenkatheters regelmäßig inspiziert werden, um Rötungen, Verhärtungen oder Schwellungen frühzeitig zu erkennen. Diese weisen auf Entzündungen oder ein einen Austritt von Infusionslösung in das Gewebe hin.

Je nach beigemengtem Medikament können auch entsprechende Nebenwirkungen auftreten. Gerade Zytostatika („Chemo“) weisen hier eine Reihe für den Empfänger sehr unangenehmer Wirkungen auf.

Wässrige Infusionslösungen wirken sich in der Regel harntreibend aus, da sie ungewohnt hohe Mengen an Flüssigkeit zuführen. Daran sollte gedacht werden. Infusionen stellen selten die alleinige Behandlung eines Zustandes oder einer Erkrankung dar, weshalb der Betroffene mit einem Mediziner Rücksprache halten sollte, um alle Details seiner Behandlung zu verstehen.

Risiken und Komplikationen

Da Infusionen direkt mit dem Blut in Kontakt treten und dabei natürliche Barrieren (Haut) umgehen, stellen sie immer eine potenzielle Infektionsquelle dar. Auch können große Luftmengen, die über ein Infusionssystem in den Blutkreislauf gelangen zu sogenannten „Luftembolien“ führen. Das bedeutet, das engere Gefäße durch die Luftblasen verlegt werden und dort den Blutfluss empfindlich stören, was aber äußerst selten ist.

Elektrolytlösungen können, in großen Mengen, zu Elektrolytverschiebungen beitragen. Dabei verändert sich die natürliche Konzentration von Ionen im Blut hin zu einer unnatürlichen. Die Effekte können sehr unterschiedlich sein.

Auch können sie Ödeme (Schwellungen) in Gehirn und Lunge herbeiführen, welche fatale Folgen haben können. Glucose und vor allem Chemotherapeutika im Zuge der Krebsbehandlung können schwere Schäden des Körpergewebes hervorrufen, sollten sie aus der Vene herausdringen können.

Die Kolloide bergen aufgrund der in ihnen gelösten organischen Moleküle ein höheres Risiko, allergische Reaktionen auszulösen. Auch wird ihnen eine Schädigung der Nieren nachgesagt. Im Allgemeinen können große Flüssigkeitsmengen das Herz des Patienten zusätzlich belasten und den Druck im Gefäßsystem übermäßig steigern.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin, Gerd Herold, 1. Auflage, 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Striebel, H.-W.: Die Anästhesie: Band I und II, Schattauer Verlag, 3., vollst. überarb. u. aktual. Aufl., 2013


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