Alkoholkrankheit

Letzte Aktualisierung am 21. September 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Die Alkoholkrankheit ist eine psychische Erkrankung, die aufgrund von Alkoholmissbrauch entsteht. Der Kauf und die Einnahme von Alkohol bestimmen den Tagesablauf. Das Verlangen trinken zu müssen, egal zu welcher Tageszeit und in welcher Situation, nimmt zu. Der Beruf, die Familie und die eigene Persönlichkeit treten in den Hintergrund. Wird der Verbrauch des Alkohols reduziert oder eingeschränkt, dann treten Entzugserscheinungen auf.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Alkohol?

Gemeinsam mit dem Arzt muss ein Entzug vorgenommen werden, um die lebensbedrohlichen Folgen des Alkoholmissbrauchs zu reduzieren.

Alkohol wird in der Chemie auch als Ethanol bezeichnet und ist eine von vielen Verbindungen, die auf den Menschen wie ein Nervengift wirken. Im Gegensatz zu den anderen ähnlichen Verbindungen ist Ethanol jedoch trinkbar. Er entsteht bei verschiedenen Herstellungsprozessen alkoholischer Getränke, beispielsweise bei der Gärung. Alkohol gilt als Genuss-, aber auch als Rauschmittel, dessen Konsum jedoch größtenteils erlaubt ist. Er birgt aufgrund seiner Wirkung als Nervengift viele schädliche Wirkungen, die sich nicht nur unmittelbar nach dem Genuss auswirken, sondern auch langfristige Folgeschäden nach sich ziehen können.

Wie wirkt Alkohol?

Alkohol wird im gesamten Verdauungstrakt vom Menschen aufgenommen, dieser Prozess beginnt bereits beim Kontakt mit der Mundschleimhaut. Seine unmittelbare Wirkung hängt vom Getränk ab, in dem er enthalten ist.

Warme Getränke oder alkoholische Heißgetränke können beispielsweise die Durchblutung wenige Minuten nach dem Genuss erhöhen. Kühle Getränke dagegen haben mit der Zeit eine enthemmende Wirkung und sorgen dafür, dass man sich ausgelassener und unkontrollierter verhält, je mehr man trinkt. Ferner wird heißer Alkohol schneller aufgenommen als kalter.

Der Giftstoff sorgt dafür, dass sich die Muskeln des Körpers entspannen, die Durchblutung wird verstärkt und er betäubt die Sinne, sodass er oft bei Frust getrunken wird. Ein geringer Teil des Alkohols wird direkt wieder ausgeschieden, der Rest wird in der Leber zu Ethanal metabolisiert. Dieser Stoff sorgt für die klassischen Symptome des Katers nach dem Alkoholgenuss, beispielsweise Kopfschmerzen und Übelkeit.

Mit der Zeit wirkt sich Alkohol auch auf die Resistenz des Menschen gegen das Nervengift aus: Wer häufiger viel trinkt, braucht nach Jahren weit mehr Alkohol als zu Beginn, bis er betrunken wird oder sich die ersten Anzeichen des Genusses zeigen.

Ursachen

Der Auslöser einer Alkoholabhängigkeit beginnt bei dem Menschen selbst. So ist neben den genetischen Anlagen sowie psychologischen Gründen die familiäre Situation entscheidend. Kinder beobachten das Verhalten der Erwachsenen und Jugendlichen in ihrer Nähe im Umgang mit Alkohol. Sie erleben, in welchen Situationen Alkohol getrunken wird und sie bemerken, wie sich der Alkohol auf die Menschen auswirkt.


Ruhige Menschen gehen aus sich heraus, andere werden aggressiv oder fangen an zu weinen.
Erste Erfahrungen mit dem Trinken werden in den Peergroups gemacht. Wenn die Stimmung in der Gruppe steigt, das Dopamin ausgeschüttet wird, wollen die Jugendlichen diese positive Erfahrung wiederholen. Das Feiern wird zur Routine.

Der Alkohol wird von den Menschen unterschiedlich vertragen. Wer von vornherein keinen Alkohol verträgt, der wird später wenig trinken. Das Konsumieren des Alkohols wird von den Erwachsenen dazu verwendet, um sich Mut anzutrinken oder sich zu entspannen. Wenn das rechte Maß im Umgang mit Alkohol verloren geht, dann kann daraus eine schwere Krankheit entstehen.

Folgen von Alkoholmissbrauch: Organschäden.

Wann zum Arzt?

Bei einem regelmäßigen Alkoholkonsum sollte grundsätzlich ein Kontrollbesuch bei einem Arzt stattfinden. Auch wenn sich der Betroffene beschwerdefrei fühlt, können sich schleichend organische Probleme ergeben, die rechtzeitig erkannt und behandelt werden müssen. Wird die Körperpflege vernachlässigt, kommt es zu Schlafstörungen oder stellt sich das Gefühl ein, dass der Tag ohne Alkohol nicht überstanden werden kann, ist es ratsam, mit einem Arzt über die Probleme zu sprechen.

Häufig benötigt der Betroffene eine emotionale Unterstützung, um Hilfe annehmen zu können. Das Verkennen der eigenen Lage und die Abhängigkeit von Alkohol zählen zu den Begleiterscheinungen der Alkoholkrankheit. Angehörige und Bekannte sind daher aufgefordert, im Umgang mit dem Erkrankten besonders sensibel und auch verständnisvoll zu sein. Es kann hilfreich für den Betroffenen sein, wenn sich die Angehörigen ebenfalls ärztliche Ratschläge für das richtige Verhalten in dieser schwierigen Situation einholen.

Leidet der Betroffene unter körperlichen Schmerzen, einem allgemeinen Unwohlsein, Schweißausbrüchen oder Konzentrationsproblemen, sollte er einen Arzt aufsuchen. Durch die Alkoholkrankheit kommt es zu Schäden einzelner Organe, die zu einer Lebensbedrohung werden können. Andauerndes Zittern, innere Unruhe, Kopfschmerzen oder Verhaltensänderungen treten auf, wenn kein Alkoholkonsum stattfindet. Es handelt sich hierbei um besorgniserregende Entzugserscheinungen, die grundsätzlich von einem Arzt abgeklärt werden sollten.

Symptome und Verlauf

Der Alkoholkonsum wirkt sich auf den Körper und die Gesundheit aus, wobei die Schäden erst nach Jahren auftreten. Die Betroffenen bleiben lange unauffällig, bis einzelne körperliche und psychische Reaktionen offenkundig werden. Sie sind gereizt, leiden unter Übelkeit und Gewichtsabnahme. Die Folgen einer schweren Alkoholabhängigkeit sind Herz-, Leber- und Krebserkrankungen. Von den Angehörigen auf den Konsum angesprochen, streiten sie alles ab oder spielen es herunter.

Der Betroffene trinkt jeden Tag mehr Alkohol und er kauft ihn sich heimlich, damit die Familie nichts bemerkt. Der Alkohol steht jederzeit zur Verfügung. Verabredungen und Termine werden nicht eingehalten. Wenn sie versuchen weniger zu trinken oder kein Alkohol zur Verfügung steht, kommt es zu Entzugserscheinungen. Die Personen können das Zittern nicht mehr verbergen, sie schwitzen und leiden unter Schlafstörungen. Nur das Trinken hilft, damit die Beschwerden erträglich werden. Jetzt wird konsumiert, weil es der Körper verlangt. Sie werden gleichgültig und vernachlässigen Pflichten.

Diagnose

Die Gedanken befassen sich mit einem Thema, dem Alkohol. Körperlich und psychisch geht es den Betroffenen schlecht. Der Hausarzt stellt dem Patienten Fragen, damit er eine Diagnose stellen kann. Eine körperliche Untersuchung und die Auswertung der Blutwerte gehören dazu. Aufgrund der Blutwerte lässt sich feststellen, ob die Leber gesund ist. Der Verzicht auf Alkohol hilft dem Patienten – die Krankheit wird ihn sein Leben lang begleiten.

Komplikationen

Durch die Alkoholkrankheit kommt es sowohl zu psychischen als auch zu physischen Komplikationen. In der Regel kommt es zu einer fortschreitenden Retardierung des Betroffenen, da die Gehirnzellen durch den erhöhten Alkoholkonsum stark geschädigt werden. Ebenso entsteht eine aggressive Grundhaltung, falls es zum Entzug der Droge kommt. Die sozialen Kontakte werden eingeschränkt und der Patient kapselt sich oft von Freunden und Verwandten ab. Durch die auftretenden Gangstörungen beim Alkoholkonsum kann es auch zu Unfällen kommen. Die Leber wird durch die Alkoholkrankheit stark geschädigt, sodass es zur Fettleber oder zu einer Leberzirrhose kommen kann. Im schlimmsten Falle verstirbt der Betroffene an der Alkoholkrankheit.

Auch das Herz wird geschwächt und es kann zu inneren Blutungen kommen. Durch die Beschädigung der Leber wird ihre Entgiftungsfunktion eingeschränkt, sodass der Alkohol nicht mehr richtig abgebaut werden kann. Beim starken Konsum kommt es auch zu psychischen Beschwerden, Depressionen und zu einem Realitätsverlust. Oft werden die Patienten unter Alkoholeinfluss gewalttätig. Die Behandlung der Alkoholkrankheit erfolgt in der Regel durch einen Entzug. Die weiteren Komplikationen und Beschwerden hängen stark von der Dauer der Alkoholkrankheit ab. Oft treten irreversible Schäden an den Organen auf, die nicht mehr rückgängig gemacht werden. Die Lebenserwartung verringert sich mit der Dauer der Alkoholkrankheit.

Behandlung und Therapie

Je früher die Behandlung begonnen wird, desto besser sind die Erfolge. Die Therapie kann ambulant oder stationär stattfinden. Die Behandlung wird von der Krankenkasse übernommen. In Selbsthilfeeinrichtungen und Beratungsstellen werden die Patienten unterstützt. Nachdem der Hausarzt die Therapie mit dem Patienten besprochen hat, beginnt die Reduzierung des Alkohols oder der körperliche Entzug. Dafür muss sich der Patient ins Krankenhaus begeben. Die körperlichen Beschwerden können so stark werden, dass der Betroffene im Koma liegt und ärztlich überwacht werden muss.

Nachdem der Körper entgiftet wurde, gilt es dem Alkohol zu widerstehen. Eine Behandlung in einer Klinik dauert einige Wochen an, aber sie lässt sich auch ambulant durchführen. In beiden Fällen muss der Alltag ohne Alkohol bewältigt werden. Die Entgiftung ist schwierig, aber anschließend kann die Therapie beginnen. Solange die Patienten in der Klinik sind, ist das Risiko eines Rückfalls geringer. Zuhause darf sich der Patient nicht isolieren, er muss im Kontakt mit dem Therapeuten bleiben.

Für den Fall, dass die Verführung des Alkohols zu groß ist, können Medikamente eingesetzt werden. Diese Mittel (Acamprosat, [[Naltrexon, Nalmefen) helfen, aber sie sind kein Ersatz für eine therapeutische Behandlung. Bei allen Maßnahmen sollte die Familie involviert werden, damit die Kinder oder der Ehepartner nicht zu Co-Abhängigen werden. Dieses Verhalten kann passieren, wenn dem Kranken alles abgenommen wird. Häufig verschweigen die Familien das Problem, indem sie für den Betroffenen lügen und den Alkoholkonsum vertuschen.

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Vorbeugung

Im Alltag ist der Kranke vielen Situationen ausgeliefert, in denen er Alkohol trinken kann. Ob Einladungen, Geburtstage, Geschäfte, überall kann Alkohol konsumiert werden. Die Gefahr, wieder in den Alltagstrott zurückzufallen, ist groß.

Die Familie sollte gemeinsame Regeln aufstellen und sich gegenseitig unterstützen. So können auch Angehörige zu den Anonymen Alkoholikern gehen und dort professionelle Hilfe bekommen.

Viele Patienten die es geschafft haben und trocken sind, werden wieder rückfällig. Aus diesem Grund sollte genau beobachtet werden, was der Auslöser für einen Rückfall sein kann. Dann muss wieder ein neuer Versuch einer Therapie unternommen werden.

Zusammengefasst: Wer an sich selbst beobachtet, dass er nicht ohne Alkohol auskommt, der sollte seinen Hausarzt konsultieren, um sich beraten und untersuchen zu lassen.

Quellen

  • Payk, T.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Dilling, H. & Freyberger, H.J.: Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, Huber Verlag, 6. Auflage 2012
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Tölle, R., Windgassen, K.: Psychiatrie. Springer, Berlin 2014


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