Abduzensparese


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 7. Oktober 2018

Bei der Abduzensparese handelt es sich um eine Lähmung des sechsten Hirnnervs. Sie kann ein- oder zweiseitig auftreten und stets sind die Augen betroffen. Hauptsymptome sind Schielen und das Sehen von Doppelbildern. Die Krankheit tritt sowohl bei Säuglingen als auch bei Senioren auf und eine zahlenmäßige Zunahme aufgrund des Alters ist nicht erkennbar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Abduzensparese?

Der Fachbegriff Abduzensparese setzt sich aus zwei Wörtern zusammen, Abduzens und Parese. Beide haben ihren Ursprung im Lateinischen. Abucere bedeutet nach außen wegbewegen oder führen. Parese ist der allgemeine Terminus für Lähmung. Nervus abduzens und Musculus rectus lateralis (seitlicher gerader Muskel) sind zwei Bestandteile des Gehirns, deren Aufgabe im Seitwärtsdrehen der Augen besteht.

Der sechste Hirnnerv innerviert hier den Muskel und das heißt, dass er ihm die notwendigen Reize zur Bewegung des Augapfels gibt. Der Nervus abduzens gehört also zu den motorischen Nerven. Wird dieser Nerv durch Druck, Infektionskrankheiten oder Traumata eingeklemmt oder beschädigt, ist die Augenmuskellähmung die Folge. Lähmungserscheinungen der inneren und äußeren Augenmuskeln werden allgemein auch als Ophthalmoplegie bezeichnet.

Ursachen

Aneurysmen sind Aussackungen von Arterien und sie treten unter anderem im Bereich des Gehirns auf. Sie sind raumfordernd und durch die Zunahme ihres Volumens drücken sie auf den VI. Hirnnerv. Die Folge des Drucks ist, dass er den seitlichen Muskel des Auges nicht mehr ausreichend innerviert. Nervenentzündungen an der Schädelbasis können ebenfalls der Grund für die Abduzensparese sein. Thrombosen, Hämorrhoiden und Fisteln im Bereich des venösen Systems bilden Blutpfropfen, die, sobald sie auf den Hirnnerv drücken, zur Parese führen. Zu den Auslösern bei einer infektiösen Erkrankung gehört unter anderem die Syphilis.

Bei latentem, also unbemerktem Krankheitsverlauf kommt es dabei zu Durchblutungsstörungen im Gehirn. Das führt zu neurologischen Störungen, zu denen die Abduzensparese gehört. Die Sarkoidose ist eine Erkrankung, die vornehmlich die Lunge und die Lymphknoten betrifft. Es bilden sich dabei kleinste Granulome, die durch das lymphatische System bis zur Schädelbasis gelangen. Dort verursachen sie, dass die Funktion des VI. Hirnnervs unterbrochen wird. Erhöhter Hirndruck, der unter anderem durch Verletzungen, Tumore und das Korsakow-Syndrom (Amnesie aufgrund von Alkoholmissbrauch) ausgelöst wird, führt in vielen Fällen zur Abduzensparese.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome der Abduzensparese:

Unvermittelt auftretendes Schielen eines oder beider Augen ist eins der ersten Symptome. Bezeichnend ist dabei das "Einwärtsschielen". Das heißt, dass die Augen extrem nasenwärts gerichtet sind. Gleichzeitig berichten die Betroffenen von einer Diplopie, dem Doppelsehen. Halten sie ein Auge zu, wird es wieder einzelne Bilder erfassen. Das Doppelsehen tritt vermehrt beim Blick in die Ferne auf. Um das Symptom zu unterbinden, nehmen Patienten eine Zwangshaltung ein. Sie drehen dann den Kopf zur betroffenen Seite und verharren zwanghaft in dieser Position. Der Verlauf dieser Lähmung richtet sich nach der Ursache. Ist es eine kurzfristige Durchblutungsstörung, legen sich die Beschwerden nach wenigen Tagen oder Wochen von selbst. Wird nicht sehr früh die Ursache diagnostiziert und hält die Lähmung an, ist eine Operation häufig unumgänglich. Eine dauerhafte Kompression des Nervs führt zu irreparablen Schäden.

Diagnose

Der Augenarzt kann bereits durch eine Anamnese und das klinische Bild feststellen, dass eine Abduzensparese vorliegt. Danach muss stets die Ursache ermittelt werden. Schichtaufnahmen des Gehirns durch Computertomografie oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Schädels bringen ein klares Bild für den Grund der Lähmung. Mitunter wird auch die PET (Positronen-Emissions-Tomografie) eingesetzt. Durch die Gabe eines Kontrastmittels kann dabei die Aktivität des Gehirns genau beobachtet werden. Alle Maßnahmen gehören bei der Untersuchung des Gehirns zu den bildgebenden Verfahren. Bei älteren Patienten kann die Abduzensparese auf eine Diabetes-Erkrankung hinweisen. Hier sollte die Diagnose durch die Mithilfe von Internisten erfolgen. Stellen die Fachärzte eine Zuckerkrankheit, sind weitere Untersuchungen überflüssig. Durch die Behandlung der Grunderkrankung geht die Lähmung in den meisten Fällen von allein zurück.

Komplikationen

Der Patient leidet bei einer Abduzensparese in der Regel an Beschwerden an den Augen. Dabei tritt ein starkes Schielen auf und die Sicht ist meistens durch Doppelbilder gestört. Diese Beschwerden schränken den Alltag des Patienten ein und können ebenso zu psychischen Beschwerden führen. Oft kommt es aufgrund der Doppelbilder zu starken Schwindelgefühlen und damit nicht selten zum Erbrechen. Oft wird bei der Abduzensparese auch eine ungesunde Kopfhaltung eingenommen, um den Symptomen entgegenzuwirken. Dabei können Muskeln und Nerven im Rücken und am Hals beschädigt werden, sodass es an diesen Bereichen zu Komplikationen kommen kann.

Die Lebensqualität nimmt durch die Abduzensparese erheblich ab. Falls die Nerven im Gehirn über einen langen Zeitraum eingedrückt werden, können daraus auch irreversible Schädigungen entstehen. In den meisten Fällen ist ein operativer Eingriff möglich, der die Symptome der Abduzensparese entfernt und vollständig bekämpft. Sollte auch das Schielen nicht von alleine verschwinden, so kann auch eine zweite Operation durchgeführt werden. Der Muskel kann bei einer Muskeltransposition wieder behandelt werden, sodass der Betroffene seine Augen wieder gewöhnlich bewegen kann. Bei einer erfolgreichen Behandlung treten keine weiteren Komplikationen oder Beschwerden auf.

Behandlung und Therapie

Der erste Schritt bei der Behandlung einer Abduzensparese muss stets die Ursachenbekämpfung sein. Liegt der Auslöser in einer Entzündung, ist die Gabe von Medikamenten bis zu ihrem Ausheilen erforderlich. Raumfordernde Veränderungen im Gehirn müssen unter Umständen operativ entfernt werden. Das kann ein Tumor oder ein Blutgerinnsel sein. Je früher das geschieht, desto besser ist die Aussicht auf völlige Heilung. Der Nerv wird nur dann wieder ohne Einschränkung arbeiten, wenn der Druck nicht über Monate anhielt.

Augenärzte können eine Sofortbehandlung von Doppelbildern mit einer Prismenfolie starten. Die bewirkt, dass beim Geradeaussehen keine Doppelbilder mehr gegeben sind. Zu den weiteren Sofortmaßnahmen zählen das Tragen einer Augenklappe oder Abkleben eines Brillenglases mit einer matten Folie. Diese Maßnahmen werden häufig bei Kindern durchgeführt. Schielen bei Säuglingen und Kleinkindern muss rechtzeitig untersucht werden. Die Vorstellung bei einem Facharzt ist deshalb so wichtig, da das Gehirn ohne Therapie nicht in der Lage ist, normales Sehen zu lernen.

Eine angeborene Abduzensparese, die früh diagnostiziert und therapiert wird, heilt in der Regel völlig aus. Eine zu spät begonnene Therapie führt zum dauerhaften Verlust der gesunden Sehkraft. Falls die Lähmung selbst nach einem Jahr nicht zurückgeht, ist möglicherweise eine Operation notwendig. Sie kann in örtlicher Betäubung oder Vollnarkose durchgeführt werden. Ziel der Maßnahme ist, dass durch die Korrektur des Augenmuskels das Doppelbildsehen und Schielen völlig unterbunden oder auf ein Minimum reduziert wird. Die Methoden sind unterschiedlich. Ein zu starker Zug des Musulus rectus lateralis lässt sich durch Resektion mildern. Dabei handelt es sich um das Entfernen eines Teils des Muskels. Auch die Verlagerung oder das Falten des Muskels führt dazu, dass sein Zug normalisiert wird.

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Vorbeugung

Prophylaktische, aktive Maßnahmen gibt es nicht. Durch die frühzeitige Diagnose und Behandlung der als Ursache geltenden Erkrankungen, kann die Gefahr einer Abduzensparese gemindert werden. So ist wichtig, dass nach einem Schädel-Hirn-Trauma früh mit der Gabe von Blutgerinnungsmitteln begonnen wird. Säuglinge, die häufig schielen oder Kleinkinder, die ein Doppelsehen äußern, müssen einem Facharzt vorgestellt werden.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Payk, T., Brüne, M.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Bewermeyer, H.: Neurologische Differenzialdiagnostik, Schattauer Verlag, 2011


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