Horner-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 11. September 2017
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Beim Horner-Syndrom sind bestimmte Nerven geschädigt, die für die Funktion verschiedener Augenmuskeln verantwortlich sind. Es handelt sich hierbei nicht um eine eigenständige Krankheit, sondern um Anzeichen einer anderen zugrundeliegenden Erkrankung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Horner-Syndrom?

Das Horner-Syndrom wurde von dem Schweizer Augenarzt Johann Friedrich Horner im Jahr 1869 erstmals beschrieben und nach ihm benannt. Es äußert sich in einer Kombination aus drei verschiedenen Symptomen. Es tritt eine Miosis auf, das heisst die Pupillen sind verengt. Das Oberlid des betroffenen Auges hängt herab, was als Ptosis bezeichnet wird.

Außerdem kommt es zum Enophthalmus, bei dem der Augapfel etwas in die Augenhöhle einsinkt. Meist sind die Symptome auf eine Gesichtshälfte begrenzt. Aufgrund des dreiteiligen Symptomenkomplexes, das als Trias bezeichnet wird, heißt das Horner-Syndrom auch Horner-Trias.

Ursachen

Beim Horner-Syndrom sind Nerven geschädigt, die zum sogenannten Sympatikus, dem unwillkürlichen Nervensystem, gehören. Diese Nerven können nicht bewusst gesteuert werden und sind für die Erweiterung der Pupille und die Lidspaltenweite verantwortlich. Die Nerven befinden sich im Kopf-Hals-Bereich und werden vom Hirnstamm gesteuert. An jeder Stelle des langen und komplizierten Verlaufs dieser Nervenfasern vom Gehirn über das Rückenmark und zurück zum Kopf kann eine krankhafte Veränderung das Horner-Syndrom auslösen.

So können die Nerven durch eine Durchblutungsstörung im Hirnstamm oder durch einen Tumor geschädigt werden. Auch eine sogenannte Syringomyelie, eine krankhafte Höhlenbildung im Halsmark, kann ein Horner-Syndrom auslösen. Eine Plexusläsion, eine Verletzung des Arm-Nervengeflechts im Bereich der Halswirbelsäule, kann ebenfalls ein Horner-Syndrom nach sich ziehen. Eine angeborene Form des Horner-Syndroms wird auch nicht ausgeschlossen.

Wann zum Arzt?

Beim Verdacht auf das Horner-Syndrom sollte umgehend ein Arzt konsultiert werden. Typische Warnzeichen, die einer Abklärung bedürfen, sind Sehstörungen, verengte Pupillen sowie übermäßiges Schwitzen. Wer diese Symptome bei sich oder anderen bemerkt, leidet vermutlich unter einer ernsten Erkrankung – nicht immer handelt es sich dabei um das Horner-Syndrom. Eine medizinische Abklärung gibt Aufschluss darüber, welche Krankheit ursächlich ist und erlaubt eine zielgerichtete Therapie. In jedem Fall muss die Ursache des Horner-Syndroms behandelt werden, denn andernfalls können schwere Komplikationen auftreten.

Es empfiehlt sich, mit genannten Beschwerden zum Arzt zu gehen, wenn deren Ursache nicht bereits bekannt ist. Patienten, die bereits einmal einen Gehirntumor hatten, sollten mit dem zuständigen Arzt sprechen. Das Horner-Syndrom deutet möglicherweise auf einen erneuten Befall hin. Verschiedenste Nervenerkrankungen können ebenfalls zum Horner-Syndrom führen. Patienten mit einer entsprechenden Krankengeschichte sollten deshalb regelmäßige Kontrollbesuche beim Arzt durchführen und auf ungewöhnliche Symptome achten. Einmal erkannt, kann das Horner-Syndrom in der Regel mit Augentropfen behandelt werden.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome des Horner-Syndroms:

Kennzeichnend für das Horner-Syndrom sind die Miosis, die Ptosis und der Enophthalmus, die durch Lähmungen der entsprechenden Muskeln hervorgerufen werden. Ein weiteres Anzeichen ist eine gestörte Schweißsekretion der oberen Körperhälften. Hierbei sind Nervenfasern geschädigt, die für die Steuerung der Schweißabgabe in dieser Region verantwortlich sind. Dies führt zu unterschiedlich starkem Schwitzen in der betroffenen und der nicht betroffenen Körperhälfte.

Die Patienten sind jedoch in erster Linie durch die Augensymptomatik beeinträchtigt. Das Auge hat ein eingeschränktes Wahrnehmungsverhalten. Das herabhängende Augenlid schränkt das Gesichtsfeld ein und reduziert das dreidimensionale Sehen. Der veränderte Gesichtsausdruck kann für die Betroffenen auch eine psychische Belastung darstellen.

Der Verlauf des Horner-Syndroms hängt von der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Außerdem hat die Stärke der Nervenschädigung einen Einfluss hierauf. Bei einem komplett durchtrennten Nerv ist es nicht mehr möglich, die Symptomatik des Horner-Syndroms zu verbessern.

Diagnose

Bei einem stark ausgeprägten Horner-Syndrom wird der Arzt bereits beim ersten Anblick des Patienten eine Diagnose stellen können, die anschließend durch die entsprechenden Tests verifiziert wird. Die betroffene Pupille ist weniger geweitet als die gesunde Pupille, das Oberlid des Auges hängt herab und der Patient kann das Lid auch mit Anstrengung kaum anheben. Für die weitere Diagnosestellung des Horner-Syndroms wird die Pupillenweite im Hellen als auch in der Dunkelheit gemessen.

Mit Hilfe von pharmakologischen Tests, bei denen eine Kokainlösung und eine Pholedrinlösung in die Augen getropft werden, lässt sich die Diagnose verifizieren und die Nervenschädigung lokalisieren. So führt das Eintropfen einer dieser Lösungen je nach der Stelle, an der die Nerven geschädigt sind, zu Unterschieden in der Pupillenerweiterung sowohl im Vergleich zum gesunden Auge als auch in Abhängigkeit von der Lokalisation der geschädigten Nerven.

Neurologische Untersuchungen können erforderlich sein, um die Schädigung weiterer Nerven festzustellen. Eine Blutuntersuchung gibt Aufschluss über erhöhte Entzündungswerte und die Gerinnungsfaktoren. Bei der Diagnosestellung ist es wichtig, dass auch die ursprüngliche Erkrankung, die das Horner-Syndrom auslöste, festgestellt wird. So können zusätzliche Untersuchungen wie eine Kernspintomographie, eine Ultraschalluntersuchung oder ein Langzeit-EKG erforderlich sein.

Komplikationen

Durch das Horner-Syndrom leiden die Betroffenen in erster Linie an starken Beschwerden an den Augen. In der Regel wird dadurch die Sehkraft des Patienten nicht negativ beeinflusst, sodass es nicht zu Störungen der Entwicklung bei Kindern kommt. Allerdings ist der Augapfel nicht selten stark zurückgezogen und das Oberlid hängt bei den Betroffenen herunter. Ebenso leiden die Patienten beim Horner-Syndrom nicht selten an einer Verengung der Pupille. Das Sichtfeld wird durch das Horner-Syndrom in einigen Fällen auch verkleinert, sodass es zu Einschränkungen im dreidimensionalen Sehen kommen kann.

In der Regel kommt es bei der Behandlung des Horner-Syndroms nicht zu besonderen Komplikationen oder zu anderen Beschwerden. Die meisten Beschwerden können dabei schon mit Hilfe von Augentropfen relativ gut behandelt und eingeschränkt werden. Allerdings ist nicht in jedem Falle eine vollständige Heilung möglich. Weiterhin ist auch die Behandlung der ursächlichen Krankheit notwendig, um weitere Beschwerden vorzubeugen. Die Lebenserwartung des Patienten wird durch das Horner-Syndrom allerdings nicht verringert.

Behandlung und Therapie

Eine direkte Therapie für das Horner-Syndrom gibt es nicht. Behandelt wird stattdessen die Erkrankung, aufgrund derer die Nerven geschädigt und das Horner-Syndrom ausgelöst wurde. Durch die Behandlung der eigentlichen Krankheit verbessern sich meist auch die Symptomatik des Horner-Syndroms. So muss für jeden Patienten die Behandlung individuell entsprechend der ursprünglichen Erkrankung erfolgen.

Da bei einem komplett durchtrennten Nerv die Symptomatik des Horner-Syndroms meist nicht mehr wesentlich verbessert werden kann, muss eine Therapie so früh wie möglich erfolgen. Nur wenn der betroffene Nerv noch nicht langfristig geschädigt war, ist ein vollständiges Abklingen der Symptomatik des Horner-Syndroms möglich.

Auch da die Krankheiten, die ein Horner-Syndrom auslösen, meist sehr schwere Erkrankungen sind, ist bei Hinweisen auf ein Horner-Syndrom schnellstmöglich ein Arzt aufzusuchen. Zusätzlich sollten Patienten einen Augenarzt aufsuchen, um eine Schädigung am Auge so weit wie möglich zu vermeiden.



Vorbeugung

Da das Horner-Syndrom aufgrund einer anderen Krankheit entsteht jedoch keine eigenständige Krankheit ist, kann ihm selbst nicht direkt vorgebeugt werden. Auf die Entstehung der zugrunde liegenden Erkrankung haben die Patienten in den meisten Fällen ebenfalls keinen Einfluss. Durchblutungsstörungen, einem Tumor oder einer Plexusläsion durch einen Unfall lässt sich meist auch bei einem gesunden Lebensstil nicht vorbeugen.

Bücher über Augenheilkunde

Quellen

  • Grehn F.: Augenheilkunde. Springer Verlag. 30. Auflage 2008
  • Lang, G.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wutta, H.P., Brucker, K.: Theorie und Praxis der Augen-Akupunktur. Hippokrates Verlag, Stuttgart 2014
  • Zervos-Koop, J.: Anatomie, Biologie und Physiologie: Ergotherapie Prüfungswissen. Thieme Verlag, Stuttgart 2013
  • Faller, A. et al.: Der Körper des Menschen. Thieme, Stuttgart 2012

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