Gelbsucht bei Neugeborenen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. September 2017
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Die Gelbsucht bei Neugeborenen ist eine ziemlich häufig in verschiedenen Graden auftretende Erkrankung bei Babys. Sie ist nicht zu verwechseln mit der durch Viren hervorgerufenen Hepatitis und in der Regel weit harmloser als diese. Es können jedoch auch schwerwiegendere Erkrankungen zugrunde liegen oder Komplikationen auftreten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Gelbsucht bei Neugeborenen?

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Medikamente gegen: Kinderkrankheiten

Die Gelbsucht bei Neugeborenen ist weniger eine Krankheit im eigentlichen Sinne als vielmehr eine Anpassungsstörung des kindlichen Körpers an die neue Lebensumwelt. Sie zeigt sich in einer Gelbfärbung der Haut und der Augen. In den meisten Fällen ist die Erkrankung harmlos, kann aber in Einzelfällen auch zu Komplikationen führen.

Ursachen

Die Ursache der Neugeborenengelbsucht liegt im Abbau überflüssiger roter Blutkörperchen. Diese wurden im Mutterleib für die bessere Sauerstoffversorgung benötigt, sind aber nach der Geburt nicht mehr in diesem großen Umfang notwendig. Der in den Blutkörperchen enthaltene Farbstoff Hämoglobin wird dabei vom Körper in den fettlöslichen gelben Farbstoff Bilirubin umgewandelt, der wiederum von der Leber abgebaut wird.

Oft ist jedoch die Leber des Neugeborenen noch nicht in der Lage, große Mengen an Bilirubin zu verarbeiten. Dann wird der Farbstoff zunächst in Haut und Augapfel gespeichert um nach und nach abgebaut zu werden. Frühgeborene haben durch die oft unzureichende Entwicklung der Organe ein deutlich höheres Risiko an einer Gelbsucht zu erkranken. Durch eine verzögerte Darmentleerung, zum Beispiel durch eine zu geringe Nahrungsaufnahme, kann die Ausscheidung des Bilirubin zusätzlich verzögert werden. Wird der Stoff nicht ausgeschieden, wandert er zurück in den Blutkreislauf und wird von dort in Haut und Augäpfeln abgelagert.

In seltenen Fällen kann auch eine Blutgruppenunverträgichkeit zwischen Mutter und Kind die Ursache einer Gelbsucht bei Neugeborenen darstellen. Aufgrund umfassender Vorsorgeuntersuchungen ist dies aber in den seltensten Fällen die Ursache. Auch angeborene schwerere Erkrankungen treten sehr selten auf. Oft werden sie durch Vorgespräche in der Schwangerschaft und die dabei erfragten familiären Vorerkrankungen bereits erkannt oder ausgeschlossen.

Wann zum Arzt?

Im Gegensatz zur Gelbsucht, die bei einer Leberentzündung vorkommt, ist eine Gelbsucht bei Neugeborenen in den meisten Fällen harmlos. Eltern, die bei ihrem Kind den typischen gelblichen Hautton und leichte Krankheitszeichen bemerken, müssen also nicht unbedingt den Arzt einschalten. Nur wenn Komplikationen auftreten, ist ärztliche Hilfe notwendig. Sollte das Kind beispielsweise ständig müde sein und wenig Durst haben, liegt womöglich ein Kernikterus vor – eine Nervenschädigung infolge der Ablagerung des Gallenfarbstoffs Bilirubin im Gehirn.

Bei einem konkreten Verdacht auf eine solche Komplikation sollte umgehend der Kinderarzt konsultiert werden. Grundsätzlich sollte mit Kindern, die im Rahmen der Gelbsucht Verhaltensauffälligkeiten zeigen, der Arzt informiert werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn das Kind durch die Erkrankung weniger isst oder trinkt. Alleine, um eine Mangelernährung oder Dehydration zu vermeiden, empfiehlt sich medizinischer Rat. Nachdem die Erkrankung auskuriert ist, sollte noch einmal zum Arzt gegangen werden, um die Gesundheit des Kindes sicherzustellen und weitere Komplikationen auszuschließen.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome der Gelbsucht bei Neugeborenen:

Deutlichstes Symptom der Gelbsucht bei Neugeborenen ist eine Gelbfärbung der Haut und der Augäpfel. Hinzu kommt eine Braunfärbung des Urins sowie heller Stuhl. In der Regel treten diese Symptome ab dem zweiten Tag nach der Geburt auf und klingen nach 10 bis 14 Tagen durch den Abbau des Bilirubins ab. In einigen Fällen kann die Bilirubinkonzentration jedoch auch stark ansteigen und zu Hirnschäden führen.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt in erster Linie durch Betrachtung des Neugeborenen. Die Gelbfärbung stellt ein deutliches Symptom dar und lässt kaum eine andere Diagnose zu. Tritt die Gelbsucht auf, ist zusätzlich eine regelmäßige Kontrolle der Blutwerte notwendig um bei Übersteigen bestimmter Werte rechtzeitig eine entsprechende Therapie einzuleiten und Folgeerkrankungen zu vermeiden. Diese Blutuntersuchung dient auch dem Ausschluss anderer Lebererkrankungen.

Komplikationen

Die Gelbsucht bei Neugeborenen ist bei den meisten Säuglingen frei von Komplikationen. Die Symptome bilden sich im Normalfall wenige Tage nach der Geburt vollständig zurück, so dass keine weiteren Beschwerden eintreten oder Beeinträchtigungen vorhanden sind. Meist müssen die Eltern bei der Erkrankung mitbetreut und beruhigt werden. Bei ihnen löst das gelbliche Hautbildes ihres Säuglings Angst und Panik auf. Neigen die Eltern zu Panikattacken, müssen sie behandelt werden, da das Risiko einer Angststörung deutlich erhöht ist. Bei der Erkrankung treten Stoffwechselprobleme auf. Mit der Geburt findet eine neue Versorgung des Organismus statt, der zu einer Änderung aller Funktionen im Organismus führt.

Neben dem gelben Hautbild zeigt das Neugeborene eine allgemeine Schwäche und Antriebslosigkeit. Die Müdigkeit ist stark erhöht und die Nahrung wird verweigert. Es droht in Einzelfällen eine Unterversorgung des Organismus, dass die Zufuhr von lebensnotwendigen Stoffen überwacht werden muss. In schweren Fällen kommt es zu einer inneren Trockenheit, die Schäden der Organe bewirkt und einen lebensgefährdenden Zustand zur Folge hat. Der Säugling schreit in wachen Phasen häufiger als Gleichaltrige und zeigt Verhaltensauffälligkeiten. Darüber hinaus kann es zur einer Atemnot, Aussetzern der Atmung und Krampfbildungen im Körper kommen. Treten derart seltene und intensive Komplikationen ein, müssen die Eltern emotional unterstützt werden.

Behandlung und Therapie

Solange die Blutwerte im Normalbereich liegen ist keine weitere Therapie notwendig. Steigen die Werte jedoch über den Grenzwert, wird in der Regel mit einer Lichttherapie begonnen. Dazu stehen Lampen zur Verfügung, die über dem Bett angebracht werden. Damit wird das Neugeborene über einen bestimmten Zeitraum hinweg täglich für eine festgelegte Zeit bestrahlt. Hierbei ist auf einen Schutz der Augen zu achten.

Auch Tageslicht kann den Abbau von Bilirubin beschleunigen, wobei direkte Sonneneinstrahlung jedoch vermieden werden sollte. Durch die Lichteinwirkung wird das fettlösliche Bilirubin in wasserlösliches Lumirubin umgewandelt und kann über den Urin ausgeschieden werden. Frühzeitig unterstützt werden kann die Bilirubinausscheidung durch häufiges Füttern des Kindes.

Die in vielen Krankenhäusern übliche und teils verpönte Kontrolle der Trinkmenge durch Wiegen vor und nach der Nahrungsaufnahme kann also als Vorbeugung einer Gelbsucht angesehen werden: ist die Trinkmenge zu gering, kann das Bilirubin nicht in einem ausreichendem Umfang ausgeschieden werden. In selten auftretenden, schweren Fällen kann ein Blutaustausch notwendig sein. Dazu wird das Blut des Neugeborenen durch Spenderblut der Blutgruppe 0 rh negativ ausgetauscht. Dieses enthält weniger abgebautes Hämoglobin, der Anstieg der Bilirubinwerte wird damit gebremst.



Vorbeugung

Eine Vorbeugung im eigentlichen Sinne ist bei der Neugeborenengelbsucht nicht möglich. Die Blutkörperchen müssen in jedem Fall abgebaut und ausgeschieden werden. Jedoch ist es möglich, schweren Verläufen vorzubeugen. So sollte in jedem Fall auf eine ausreichende Trinkmenge des Neugeborenen geachtet werden.

Auch ein Platz am geschlossenen Fenster, bei starker Sonneneinstrahlung zusätzlich mit vorgezogenen dünnen Vorhängen, kann den Bilirubinabbau wie beschrieben beschleunigen.

Um schwerwiegendere Erkrankungen oder eine Blutgruppenunverträglichkeit rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln, sollten Schwangere die empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen.

Bücher über Gelbsucht

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Arastéh, K., et al.: Duale Reihe. Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

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