Geheimratsecken

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 26. Juli 2017
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Die Geheimratsecken kommen am häufigsten zusammen mit dem Haarausfall vom männlichen Typ vor. Die Ausprägungen reichen weit auseinander. Manche Männer können schon mit einem Alter von 30 Jahren eine ausgeweitete Oberkopfglatze haben, während andere bis ins hohe Alter nur geringfügig von Geheimratsecken betroffen sind.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Geheimratsecken?

Geheimratsecken sind eine besonders häufige Form des Haarausfalls an den Schläfen, der durch männliche Geschlechtshormone hervorgerufenen wird. Selten werden Geheimratsecken auch als Stirnglatze oder Ministerwinkel bezeichnet. Nicht selten können Geheimratsecken auch ein Zeichen von beginnender Glatzenbildung sein, die durch das Alter bedingt ist.

Oft treten Geheimratsecken bereits in jungen Jahren auf. Dadurch sind sie für einige junge Männer ein schwer tragendes Ärgernis, das sogar bis zu Depressionen führen kann. Die Methoden zur Behandlung reichen von Ernährungstherapie über die Medikamententherapie bis hin zu Haarersatz oder Haartransplantation.

Ursachen

Die Ursache von Geheimratsecken wird bedingt durch hormonell-erblichen Haarausfall. Er beruht auf einer Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegen ein Zwischenprodukt des männlichen Geschlechtshormons, dem Dihydrotestosteron (DHT). Das Zwischenprodukt DHT wird im Körper aus dem Geschlechtshormon Testosteron mit Hilfe von einem Enzym gebildet, der 5α-Reduktase.

Wenn sich in der Kopfhaut bei Personen mit Geheimratsecken zu viel von diesem Hormon befindet und genetisch bedingt eine Überempfindlichkeit dafür besteht, so erfolgt eine Verkürzung der Wachstumsphase der einzelnen Haare. Eine Person mit einer Glatzenbildung hat also nicht weniger Haarfollikel als eine Person mit vollständiger Haarpracht.

Vielmehr ist es die Wachstumsphase des Haares, die zu solch einem Ausmaß verkürzt ist, dass sie mit dem Auge kaum zu sehen sind. Insbesondere verglichen mit der Höhe der Härchen auf der Stirn können diese winzigen Haare kaum noch an die Oberfläche hervortreten. Zudem verkümmern bei Betroffenen von Geheimratsecken die Haarfollikel mit der Zeit.

Symptome und Verlauf

Geheimratsecken sind häufig der Beginn von Glatzenbildung.

In den Geheimratsecken haben die Haarfollikel viele DHT-Rezeptoren. Diese Rezeptoren führen dazu, dass frühzeitiger Haarausfall meistens in den Geheimratsecken auftritt. Die Kopfhaare Hinterkopf- und Nackenbereich sind hingegen weiterhin unempfindlich gegen das DHT und wachsen normal wie bei jeder anderen Person.

Die beiden Geheimratsecken liegen an der Haargrenze an und befinden sich im Winkel zwischen der horizontalen Haargrenze über der Stirn und der vertikal verlaufenden Haargrenze an den Schläfen. In den meisten Fällen beginnt der Haarausfall bei den Männern an den Schläfen in den Geheimratsecken.

Da Geheimratsecken genetisch bedingt sind, entwickelt sich in vielen Fällen ein ähnlicher Verlauf des Haarausfalls bei einer Person wie bei seinem Vater oder Großvater. Man spricht bei Geheimratsecken im Zusammenhang mit Haarausfall von männlichem Typ bei männlichen Jugendlichen auch von Alopecia praematura oder simplex, wenn bei diesen Jugendlichen die Geheimratsecken familiär gehäuft auftreten und meistens am Vorderkopf und an den Schläfen beginnen.

Diagnose

Mit Geheimratsecken ist im eigentlichen Sinne nur der männliche Haarausfall gemeint. Doch Haarverlust geht ohne spürbare Symptome einher und kann somit durchaus mit weiteren Arten des Haarausfalls verwechselt werden, die alle ihre verschiedene Ursachen haben.

Eine andere Art des Haarausfalls, gegen dem die Geheimratsecken abzugrenzen sind, ist der kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata). Bei dieser anderen Art von Haarausfall bilden sich kreisrunde Gebiete mit Haarausfall. Außerdem gibt es noch einen sogenannten dreieckigen Haarausfall (Alopecia triangula), bei dem sich in besonderen Fällen ein geheimratsecken-förmigem Haarverlust beobachten lässt.

Komplikationen

Geheimratsecken sind zumeist genetisch bedingt und stellen bei Männern kein medizinisches Problem dar. Entsprechend gibt es keine medizinischen Komplikationen, die auftreten können. Die Ausnahme besteht in einer möglichen psychischen Belastung, die bei den Betroffenen durch die freier werdende Stirn ausgelöst wird. Zeichen des Alterns und das steigende Bewusstsein für die Vergänglichkeit des jugendlichen Körpers können bei Betroffenen zu Depressionen führen. Männer, die besonders jung Geheimratsecken bekommen, sind hier besonders betroffen.

Komplikationen treten außerdem höchstens im Falle fragwürdiger Behandlungsmethoden auf. So versprechen viele Produkte das Wiederaufkommen von Haarwuchs oder sollen den Ausfall verhindern. Dies ist tatsächlich nur limitiert durch bestimmte Mittel (meist Hormonhemmer) möglich, bedeutet aber in keinem Fall einen Neuwuchs der verloren gegangenen Haare. Linderung versprechende Mittel enthalten oftmals eine Reihe chemischer Substanzen, deren gesundheitlicher Wert für das restliche Haar und die Kopfhaut bezweifelt werden darf. Auch kann es vorkommen, dass besonders starke Mittel in den Stoffwechsel des Betroffenen eingreifen. Sollten Personen, die auf vermeintliche wirksame Mittel gegen das Bilden von Geheimratsecken zurückgreifen, bei sich Symptome feststellen, ist ein Gang zum Arzt angezeigt.

Behandlung und Therapie

Die Geheimratsecken können mit einer Gruppe von Medikamenten behandelt werden, die das Geschlechtshormon DHT an den Rezeptoren der Haarfollikel abfängt. Der Haarausfall kann damit bei vielen Anwendern stark verlangsamt oder ganz gestoppt werden. Die Haare verdichten sich durch diese Medikamente wie das Finasterid oder Dutasterid jedoch nur selten sowie in geringen Maßen. Eine Verdichtung sowie andauernde Behandlung der Geheimratsecken ist durch die Haartransplantation möglich.

Bei einer Haartransplantation wird Eigenhaar aus dem Hinterkopfbereich entnommen und direkt in die Geheimratsecken eingesetzt. Die entnommenen Hinterkopfhaare können genetisch bedingt lebenslang nachwachsen und so werden die Stellen der Haarentnahme nach der Haartransplantation durch natürlichen Haarwuchs am Hinterkopf wieder bedeckt.

Eine spezielle Methode zur Haartransplantation bei der Behandlung von Geheimratsecken stellt die Gewinnung haarfollikulärer Einheiten da. Bei dieser Art der Haartransplantation werden zusammenhängende Bündelungen von ein bis vier Haarfollikeln entnommen und wieder eingepflanzt. Die Besonderheit bei dieser Methode der Behandlung von Geheimratsecken ist, dass die in diesen Bündeln entnommenen Haare weniger Verletzung bei ihrer Entnahme am Hinterkopf verursachen und auch schonender wieder eingesetzt werden können.



Vorbeugung

Eine sichere Vorbeugung gegen die Geheimratsecken ist wegen ihrer genetischen Ursache nicht möglich. Verschiedene Ansätze existieren jedoch in der Alternativmedizin über Ernährungstherapie, schonende Haarpflege oder Lebensstilmaßnahmen gegen zu viel Stress.

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