Autismus

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 12. Juni 2017
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Autismus ist eine angeborene Entwicklungsstörung, die im Kindesalter einsetzt und starke Beeinträchtigungen der Persönlichkeit mit sich bringt. Personen, die unter dieser Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörung leiden, isolieren sich klassischerweise von ihrer sozialen Umwelt und neigen zu immer wieder gleichen Verhaltensweisen (Stereotypen).

Inhaltsverzeichnis

Was ist Autismus?

Autismus ist eine starke Störung, welche die Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen stark einschränkt. Die Medizin differenziert zwischen verschiedenen Formen von Autismus. Sie unterscheiden sich in Schwere, Verlauf sowie in auftretenden Symptomen.

Der frühkindliche Autismus ist die bekannteste Form der Störung. Das Asperger-Syndrom ist ein Autismus geringerer Schwere. Es weist Ähnlichkeiten zum atypischen Autismus auf. Das sogenannte Rett-Syndrom ist ebenfalls eine tief greifende Entwicklungsstörung mit Charakteristika des Autismus.

Ursachen

Die Ursachen für Autismus sind nicht eindeutig erforscht. Es wird vermutet, dass insbesondere biologische Faktoren von großer Bedeutung sind. So gibt es viele Hinweise auf genetische Faktoren, die ein Leiden an Autismus innerhalb einer Familie wahrscheinlicher erscheinen lassen.

Ferner spielen biochemische Faktoren eine Rolle. So weisen autistische Personen häufig hohe Serotoninwerte auf. Der unregelmäßige Gehirnstoffwechsel könnte ein möglicher Grund für die Aufmerksamkeitsdefizite, das problematische Sozialverhalten und die Lernschwierigkeiten von autistischen Personen sein.

Einige Wissenschaftler ziehen zur Erklärung dieser Entwicklungsstörung zudem neurologische Faktoren heran. Autistische Kinder zeigen gestörte Gehirn-Wellenmuster sowie eine schlechtere Durchblutung des Gehirns.

Auch eine Unterwicklung gewisser Gehirngebiete ist keine Seltenheit. Sollte eine Mutter während der Schwangerschaft an Röteln erkranken, erhöht sich das Autismus-Risiko für ein Baby um etwa das Zehnfache. Der Grund dafür liegt darin, dass Röteln das zentrale Nervensystem negativ beeinträchtigen und dies wiederum Schaden dem ungeborenen Kind zufügen kann. Psychologische Ursachen wie ein Erziehungsversagen werden nicht mehr als potenzielle Ursache für Autismus in Betracht gezogen.

Wann zum Arzt?

In der Regel sind die Auswirkungen von Autismus so gravierend, dass der Betroffene nicht in der Lage ist ohne Unterstützung sein Leben zu gestalten, weshalb ein Arztbesuch bei den ersten Anzeichen angeraten ist. Die ersten Anzeichen für eine autistische Entwicklungsstörung werden bereits vor dem dritten Lebensjahr sichtbar. Dazu zählen z. B. mangelnder Blickkontakt oder auch das nicht Verfolgen des elterlichen Blickes. Betroffene Kinder spiegeln nicht den emotionalen Gesichtsausdruck des Gegenübers. Ihre Aufmerksamkeit liegt überwiegend auf Dingen und nicht auf Personen.

Auch normal entwickelte Kleinkinder vermitteln wiederkehrende Routinen Sicherheit. Kinder mit Autismus reagieren hingegen schon auf kleinste Abweichungen in der täglichen Routine ungewöhnlich heftig. Darüber hinaus zeigen sie häufig stereotype Verhaltensweisen. Autismus gilt als nicht heilbar, aber als therapierbar, daher ist es angeraten, bei Verdacht bereits in der frühen Kindheit einen Arzt aufzusuchen.

Je nach Ausprägung der Störung haben die Betroffenen auch im erwachsenen Alter unterschiedlich große Probleme soziale und emotionale Signale einzuschätzen und zu kommunizieren. Kennzeichnend sind darüber hinaus eingeschränkte Interessen, Aktivitäten und stereotype Verhaltensmuster. Ein Arzt sollte immer dann hinzugezogen werden, wenn diese Beeinträchtigungen zu einem Leidensdruck bei dem Betroffenen führen. Spätestens jedoch dann, wenn durch die Beeinträchtigung selbst- oder fremdgefährdendes Verhalten entsteht, ist eine medizinische Begleitung zwingend erforderlich.

Symptome und Verlauf

Autismus zeigt sich durch unterschiedliche Symptome, welche nicht bei allen Betroffenen gleichermaßen auftreten. Wann die Störung auftritt, hängt ferner von der Autismusform ab. Prinzipiell lässt sich jedoch festhalten, dass zu den klassischen Krankheitsanzeichen eine gestörte Sprache, ein limitiertes Interesse, stereotype Verhaltensweisen sowie Störungen der zwischenmenschlichen Beziehungen gehören.

Wie die Störung verläuft, hängt entscheidend von der Autismusform und des Schweregrades ab. Meist bleiben die Betroffenen ein Leben lang autistisch. Ist der Autismus nur schwach ausgeprägt, können autistische Erwachsene häufig ihren Alltag selbstständig gestalten. Die soziale Isolation bleibt jedoch bestehen. Beim frühkindlichen Autismus und Rett-Syndrom benötigen die autistischen Personen eine stetige Unterstützung bei der täglichen Lebensführung.

Diagnose

Die Entwicklungsstörung Autismus ist nicht leicht zu diagnostizieren. Viele der typischen Anzeichen für diese Entwicklungsstörung treten auch bei anderen Persönlichkeitsstörungen auf. Besteht der Verdacht auf Autismus, stellt ein Kinder- und Jugendpsychiater den Eltern gezielt Fragen zu den typischen Verhaltensweisen ihres Kindes. Anschließend beobachtet der Arzt das Kind selber.

Im weiteren Verlauf der Diagnose wird nach dem Ausschlussprinzip vorgegangen. So wird versucht, andere Störungen wie Psychosen oder Intelligenzminderung auszuschließen. Eingehende Untersuchungen der Bereiche Sprache, Wahrnehmung, Motorik, Intelligenz und Sozialverhalten des betroffenen Kindes geben dem Arzt weitere Hinweise. Häufig vergeht viel Zeit, bis ein Autismus zweifelsfrei diagnostiziert werden kann.

Komplikationen

Autismus zählt zu den schweren geistigen Behinderungen, der Verlauf ist abhängig von der Art und der Schwere des Autismus. Asperger-Autisten etwa sind oft normal begabt, ihr Autismus zeigt sich in Verhaltensauffälligkeiten. Ihre allgemeine Begabung lässt zu, dass sie sich im Rahmen einer auf sie zugeschnittenen Therapie gesellschaftskonforme Verhaltensweisen aneignen können. Komplikationen sind - sofern der Betroffen in der Verhaltenstherapie ausreichend mitarbeitet - nicht zu erwarten. Betroffene mit frühkindlichem Autismus hingegen lassen sich aufgrund der Schwere ihrer Behinderung nur bedingt therapieren. Ihre Störung und ihre allgemeine Begabung lassen nicht immer zu, dass die Betroffenen sich auf eine umfassende Therapie einlassen können.

Allgemein erfolgsversprechende Ansätze - etwa ein ABA-Training - kann dazu führen, dass frühkindliche Autisten einige alltägliche Dinger erlernen können. Genauso oft kann aber gerade das häufige Drängen des Therapeuten dazu führen, dass der Autist in seiner eigenen Welt verbleibt und sich noch stärker zurückzieht. In solchen Fällen sind kaum noch Therapien möglich. Wird Autismus nicht diagnostiziert bzw. bleibt er unbehandelt, leiden insbesondere Asperger-Autisten oft unter ihrem Andersein. Völliger Rückzug aus dem Leben bis hin zur Ausbildung von Depressionen mit suizidalen Absichten können die langfristigen Folgen sein.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung bei der Entwicklungsstörung Autismus erfolgt nach den individuellen Einschränkungen und Stärken der betroffenen Person. Bei Kindern erfolgt eine Einbeziehung des gesamten sozialen Umfeldes. Eine Heilung im klassischen Sinn ist nicht möglich. Die Ziele einer Therapie bestehen daher in der Förderung der normalen Entwicklung des Patienten, in einer Hilfestellung beim Umgang mit anderen Personen, in einem Abbau der rigiden und stereotypen Verhaltensweisen sowie in einer Unterstützung der Familie des Betroffenen.

Diese übergeordneten Ziele einer Autismus-Therapie versuchen Psychologen, Pädagogen und Psychiater mit unterschiedlichen Methoden zu erreichen.

Ein bedeutender Baustein der Behandlung stellt das Verhaltenstraining dar, welches auf eine verbesserte Kommunikation, einen Abbau von aggressivem Verhalten und einer Limitierung unangemessener Reaktionen abzielt.

Vom Grundsatz her wird der Therapeut stetig erwünschtes Verhalten belohnen, was auch als positive Verstärkung bezeichnet wird. Die Therapie ist auf bestimmte Symptome oder ganzheitlich ausgelegt.

Auch eine Musiktherapie und Kunsttherapie können in Betracht gezogen werden. Eine medikamentöse Behandlung gegen Autismus existiert bisher nicht.

Einige Autisten nehmen jedoch Arzneimittel ein, um einige Begleiterscheinungen der autistischen Störung zu mildern. Neuroleptika und Benzodiazepine zum Beispiel helfen dem Abbau von ausgeprägten Spannungszuständen. Ferner kann mit diesen Medikamenten selbstverletzendes Verhalten eingegrenzt werden. Des Weiteren leiden viele Autisten an epileptischen Anfällen. Medikamente können auch diese Begleiterscheinung der Entwicklungsstörung Autismus einschränken.



Vorbeugung

Bisher sind keine Vorbeugungsmaßnahmen bekannt, die die Entwicklungsstörung Autismus verhindern könnten. Um einen möglichst günstigen Verlauf der Störung herbeizuführen, sollte sie möglichst frühzeitig erkannt und professionell behandelt werden. Ferner sollten angehende Mütter in der Schwangerschaft Krankheiten vermeiden, die das zentrale Nervensystem schädigen. Diese Beeinträchtigungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind mit Autismus geboren wird.

Bücher über Autismus

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Payk, T., Brüne, M.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Bewermeyer, H.: Neurologische Differenzialdiagnostik, Schattauer Verlag, 2011

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