Ektropium (Auswärtskehrung des Augenlides)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 4. Januar 2015
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Ektropium ist ein Begriff aus der Ophtalmologie (Augenheilkunde). Er bezeichnet die Auswärtskehrung der Lidkante, die in den meisten Fällen das Unterlid betreffen. Folgen können Austrocknung und Entzündungen der Bindehaut sowie Hornhautschäden bis zur Erblindung sein.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Ektropium (Auswärtskehrung des Augenlides)?

Liegt ein Ektropium vor, ist die Lidkante soweit nach außen gewölbt, dass die auf der Innenseite des Lides befindliche Schleimhaut sichtbar ist. Diese ist meist gerötet, da sie durch den fehlenden Kontakt zur Augenoberfläche austrocknet und sich entzündet.

Nach den Ursachen unterscheidet man vier verschiedene Formen von Ektropien: das Ektropium atonicum, auch als Ektropium senile] bezeichnet, das Ektropium paralyticum, Ektropium cicatriceum und das Ektropium congenitum. Während das Ektropium senile nur am Unterlid auftritt, können die anderen drei Formen sowohl das Unter- als auch das Oberlid betreffen.

Ursachen

Am häufigsten kommt die altersbedingte, degenerative Form (Ektropium senile) vor. Mit dem Alter erschlafft die Muskulatur, die das Auge ringförmig umgibt. Durch die Verlängerung der Lidsehnen kann der Augenschließmuskel Musculus orbicularis oculi keine Spannung mehr aufbauen. Der Aufhängeapparat erschlafft, das Unterlid rollt sich durch die Schwerkraft nach außen und steht vom Augapfel ab.

Das Ektropium paralyticum kann nach einer Gesichtslähmung mit Schädigung des Gesichtsnervs Nervus facialis entstehen. Mit der Mimik erschlafft auch der Augenschließmuskel Musculus orbicularis oculi und es kommt zu den gleichen Folgeerscheinungen wie beim Ektropium senile.

Ein Ektropium cicatriceum kann nach einer Verletzung des Augenlides entstehen, wenn die Lidhaut narbig schrumpft oder sich verzieht, so dass sie keinen Kontakt mehr zur Augenoberfläche herstellen kann. In der Folge kehrt sich das Augenlid nach außen. Das Narbenektropium kann nach einer unbehandelten und chronisch gewordenen Bindehautentzündung oder nach einer vorangegangenen Augenlidoperation entstehen.

Das Ektropium congenitum ist angeboren und vererbbar. Diese Form des Ektropiums ist sehr selten und kommt meist in Verbindung mit weiteren Fehlbildungen am Lid und im Gesicht vor.

Symptome und Verlauf

Bei einem Ektropium liegt das Augenlid nicht mehr am Augapfel an. Das Lid ist nach außen gewölbt, so dass sich das Auge nicht mehr vollständig schließen lässt. Die Bindehaut ist exponiert und es entstehen Schäden und Entzündungen durch die Austrocknung der Schleimhaut. Die Entzündungen sind an der geröteten Bindehaut der Innenseite des Augenlides erkennbar. Mit der Austrocknung der Bindehaut geht die Austrocknung der Hornhaut einher. Dies kann in der Folge zu Hornhauttrübungen und Erblindung führen.

Weitere Symptome eines Ektropiums sind das ständige Tränenträufeln. Da das Lid nicht mehr auf dem Augapfel aufliegt, liegt auch die Puncta lacrimalia, das Tränenpünktchen frei. Die Tränen können nicht mehr normal über das Auge in Richtung Nase abfließen und träufeln beständig über das nach außen gekehrte Augenlid.

Diagnose

Die Diagnose eines Ektropiums ist einfach zu stellen, da die Lidfehlstellung mit Auswärtskehrung des Augenlides leicht erkennbar ist. Der Augenarzt wird feststellen, ob es bereits zu einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) oder gar zu einer Hornhautentzündung gekommen ist und die entsprechende Behandlung einleiten. Im Fall eines Ektropiums paralyticums wird auch die Ursache der Gesichtslähmung und die Funktion des Gesichtsnervs untersucht, da dieser die Ursache für das Ektropium paralyticum darstellt.

Behandlung

Bei leichten Formen eines Ektropiums wird man versuchen, die Folgen der Austrocknung von Bindehaut und Hornhaut zu beseitigen bzw. zu lindern. Zum Einsatz kommen salben- und gelartige Befeuchtungs- und Tränenersatzmittel, da Augentropfen sofort über das nach außen gekehrte Lid wieder abfließen würden. Ganz leichte Formen sind oftmals kaum zu erkennen, können jedoch die Ursache für ständig trockene Augen sein.

Im Fall eines Ektropium paralyticum wird das betroffene Auge mit einem "Uhrglasverband" vor Austrocknung geschützt. Dies ist eine Art Pflasterverband mit einem durchsichtigen Fenster in der Mitte, welcher die Feuchtigkeit zurückhält und das Auge vor dem Austrocknen schützt.

Entwickelt sich die Gesichtslähmung zurück, wird sich auch der Lidschluss verbessern. Handelt es sich jedoch um eine bleibende Gesichtslähmung, muss der Lidspalt operativ verkleinert werden.

Im Falle von altersbedingten Ektropien ist eine operative, unter örtlicher Betäubung durchgeführte Ektropium-Korrektur anzuraten. Dabei wird das Augenlid durch senkrechte Schnitte verkürzt und gestrafft.

Eine weitere Methode ist ein Schnitt an der Unterkante des Augenlides, um dieses wieder an den Augapfel anzulegen. Möglich ist auch ein Schnitt im äußeren Lidwinkel, um die gesamte Lidkante zu straffen. In manchen Fällen wird auch eine Kombination der verschiedenen Schnitttechniken angewandt.

Für die Korrektur eines narbenbedingten Ektropiums sind kompliziertere plastisch-chirurgische Eingriffe notwendig, um die Lidfehlstellung zu korrigieren.

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Vorbeugung

Eine Vorbeugung ist im Fall eines angeborenen, narbenbedingten und durch eine Lähmung verursachten Ektropiums nicht möglich. Um ein altersbedingtes Ektropium zu vermeiden, empfiehlt sich, jede Bindehautentzündung und Trockenheit der Augen frühzeitig behandeln zu lassen. Entzündete und tränende Augen verleiten zu häufigen Wischbewegungen über die Augen. Dabei ist zu beachten, dass man niemals nach unten und zum äußeren Augenwinkel, sondern stets nach oben und zur Nasenwurzel hin wischen sollte, um einer Auswärtskehrung des Augenlides vorzubeugen.

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