Coxa vara

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 13. Juni 2017
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Als Coxa vara wird eine Deformität der Hüfte bezeichnet. Diese kann im schlimmsten Fall zu einer Verkürzung oder Fehlstellung der Beine führen. Von Coxa vara können Menschen sämtlicher Altersgruppen betroffen sein.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Coxa vara?

Der lateinische Begriff Coxa vara steht für „auswärts gebogene Hüfte“ und bezeichnet eine falsche Stellung des Winkels zwischen Hals und Schaft des Oberschenkelknochens. Dieser Winkel wird als Centrum-Collum-Diaphysen-Winkel, kurz CCD-Winkel, bezeichnet und misst bei Erwachsenen zwischen 120 und 130, bei Neugeborenen zwischen 140 und 150 Grad.

Liegt der CCD-Winkel bei unter 120 Grad, spricht man von Coxa vara. Beträgt der CCD-Winkel weniger als 90 Grad, ist nicht mehr von Coxa vara, sondern von einer Hirtenstabdeformität die Rede. Bei etwa 70 Prozent aller Betroffenen tritt Coxa vara auf einer Körperseite auf, die restlichen 30 Prozent leiden an einer beidseitigen Deformität.

Ursachen

Es gibt eine Vielzahl von Ursachen für Coxa vara, die sich zum Teil nach dem Alter des Betroffenen unterscheiden. Grundsätzlich wird jedoch nach angeborener und nach erworbener Coxa vara unterschieden, wobei erstgenannte sehr selten vorkommt. Oft tritt sie zusammen mit anderen Formen von Deformität der Oberschenkelknochen auf.

Auch bei großem Druck auf den Knochen, der durch eine ungünstige Lage im Mutterleib bedingt ist, kann Coxa vara entstehen. Ältere Kinder können Coxa vara dadurch erwerben, dass sie an Morbus Perthes erkranken, ein Leiden, bei dem Knochengewebe am Hüftkopf abstirbt. Auch eine Rachitis, die durch Mangel an Vitamin D verursacht wird, gilt als mögliche Ursache für Coxa vara.

Bei Erwachsenen sind die Osteodystrophia deformans, eine fortschreitende Verformung von Teilen des Skeletts, und die Niemann-Pick-Krankheit, eine Stoffwechselerkrankung, für das Auftreten von Coxa vara verantwortlich. Schließlich kann die Deformität durch einen falsch verheilten Bruch des Oberschenkels, die Fraktur des Schenkelhalses oder die Entzündung des Knochenmarks verursacht werden.

Wann zum Arzt?

Ungewöhnliche Veränderungen der Hüfte sollten stets von einem Arzt untersucht und kontrolliert werden. Unabhängig des Vorhandenseins von Beschwerden oder Beeinträchtigungen, entsprechen Änderungen des Skelettsystems in den meisten Fällen keinem natürlichen Verlauf und müssen ärztlich versorgt werden. Treten Schmerzen auf oder breiten sich die Veränderungen der Knochen aus, muss ein Arzt konsultiert werden. Kommt es zu einer Schiefhaltung des Beckens, der Hüfte oder der Schultern, sind medizinische Untersuchungen notwendig, um die Ursache zu ermitteln.

Humpelt der Betroffene oder hat er Probleme bei der Fortbewegung, muss ein Arzt konsultiert werden. Werden das Sitzen, Stehen oder Liegen eingeschränkt, ist ein Arztbesuch notwendig. Bemerkt der Betroffene, dass seine Beine eine unterschiedliche Länge haben, sollte er diese Anzeichen abklären lassen. Stellen sich aufgrund der Beschwerden Schlafstörungen, ein allgemeines Unwohlsein oder emotionale Probleme ein, ist ein Arztbesuch zu empfehlen. Sinkt die körperliche Leistungsfähigkeit und kommt es zu Einschränkungen der Bewegungen, sollten diese abgeklärt werden.

Treten durch die Veränderungen der Knochenstruktur Muskelbeschwerden ein, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Bei Schwindel, Herzrasen oder Beeinträchtigungen des Bewusstseins wurden durch die Coxa vara Störungen der Durchblutung ausgelöst. Ein Arztbesuch ist notwendig, da ohne entsprechende Behandlungsmaßnahmen in schweren Fällen ein lebensbedrohlicher Zustand eintreten kann.

Symptome und Verlauf

Coxa vara lässt sich an einer Differenz der Beinlängen und einem daraus resultierenden Hinken oder Humpeln erkennen. Zudem tritt bei der betroffenen Person ein Schmerz im Hüftbereich auf, der zu einer Behinderung der Bewegungsfreiheit führt. Durch den Schmerz werden die Muskeln der betroffenen Region nicht mehr ausreichend belastet, was eine Muskelschwäche zur Folge hat.

Bewegt sich der Betroffene trotz der Beschwerden häufig, kann es zu Zerrungen kommen. In vielen Fällen kann Coxa vara sogar zu einem Oberschenkelhalsbruch führen, da der Oberschenkelhals durch den verkleinerten Winkel nicht mehr ausreichend stabilisiert ist. Zudem kann Coxa vara zu einer Pseudoarthrose führen, also die nicht erfolgte Heilung der Fraktur des Schenkelhalses.

Diagnose

Ist die von Coxa vara betroffene Person ein Säugling, erkennt der Kinderarzt die Deformität bereits bei der Vorsorgeuntersuchung U3. Diese wird in der 4. bis 5. Lebenswoche durchgeführt und beinhaltet unter anderem einen Hüftultraschall. Bei älteren Kindern wird Coxa vara üblicherweise erst dann erkannt, wenn sie laufen lernen, da sie dann humpeln.

Auch bei Erwachsenen macht sich die Deformität durch ein verändertes Bewegungsbild bemerkbar. Außerdem erkennt der Orthopäde Anzeichen für Coxa vara, wenn das betroffene Bein kürzer ist das nicht erkrankte. In diesem Fall fertigt er Röntgenbilder der Hüfte und Oberschenkel an, um eine endgültige Diagnose stellen zu können. Wichtig ist, dass Coxa vara umgehend behandelt wird, da die Erkrankung eine Reihe von Folgen nach sich zieht.

Komplikationen

Durch die Coxa vara kommt es in den meisten Fällen zu einer Fehlstellung der Beine. Die Beine können dabei auch verkürzt sein, was zu erheblichen Bewegungseinschränkungen und zu starken Komplikationen im Alltag führen kann. Die Lebensqualität wird durch diese Krankheit erheblich verringert. Der Patient leidet dabei an starken Schmerzen im Bereich der Hüfte. Diese können entweder in Form von Ruheschmerzen oder als Druckschmerzen auftreten. Ruheschmerzen führen dabei nicht selten zu Schlafbeschwerden und einer Reizbarkeit des Patienten. Auch die Muskeln in den betroffenen Regionen werden abgeschwächt, sodass körperliche Anstrengungen nicht mehr möglich sind.

Ebenso werden sportliche Betätigungen stark eingeschränkt. Im weiteren Verlauf kann es durch eine übermäßige Belastung auch zu einem Oberschenkelhalsbruch oder zu einer Zerrung kommen. In den meisten Fällen führt eine Behandlung der Coxa vara zu einem positiven Krankheitsverlauf und die Symptome werden relativ gut beseitigt. Weitere Komplikationen treten nicht auf und der Betroffene leidet an keinen besonderen Einschränkungen im Erwachsenenalter. Auch die Lebenserwartung wird durch die Krankheit nicht verringert. Komplikationen können dann entstehen, wenn die Coxa vara zu spät behandelt wird oder wenn der Patient sich starken Belastungen trotz der Krankheit aussetzt.

Behandlung und Therapie

Es gibt keine Möglichkeit, dass Coxa vara ohne Behandlung verheilt. Um den Bewegungsapparat zu entlasten, fertigt ein Orthopädietechniker zunächst eine Orthese für die betroffene Person an. Sie stützt die Hüfte und sorgt dafür, dass sich der CCD-Winkel nicht noch weiter verkleinert. Im Idealfall bewirkt eine Orthese bei Kleinkindern, dass der Winkel ein normales Maß erreicht und so Coxa vara therapiert wird.

In besonders schweren Fällen von Coxa vara kommt der Betroffene nicht um eine Operation herum. Dabei wird der Oberschenkelhals durchtrennt und mit Metallschienen in die richtige Position gebracht. Dies bezeichnet man als valgisierende Osteotomie. Obwohl sie als die Behandlungsform gilt, die bei Coxa vara den größten Erfolg versprechen, wird die Operation nur bei ausgeprägten Formen durchgeführt.



Vorbeugung

Eine echte Vorbeugung gegen Coxa vara gibt es nicht. Damit nach Auftreten der Deformität eine schnelle Behandlung sichergestellt werden kann, sollte bei Hüftbeschwerden sofort der Hausarzt oder ein Orthopäde aufgesucht werden. Wenn ein Kind zu laufen beginnt, erkennen die Eltern üblicherweise schnell, ob es humpelt oder sich auf andere Art beschwerlich bewegt. Auch in diesem Fall sollte schnellstmöglich ein Orthopäde konsultiert werden. Wird Coxa vara frühzeitig erkannt, kann mit einer Orthese dafür gesorgt werden, dass die Fehlstellung ohne Operation behandelt wird.

Bücher über Hüftschmerzen

Quellen

  • Rüther, W. & Lohmann, C.H.: Orthopädie und Unfallchirurgie, Urban & Fischer, 20. Auflage, 2014
  • Heisel, J.: Physikalische Medizin - Praxiswissen Halte- und Bewegungsorgane, Georg Thieme Verlag, 1.Auflage, 2005
  • Wülker N. Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme Verlag. 2. Auflage 2010.
  • Mayer, C. et Siems, W.: 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, Springer Medizin Verlag, 1.Auflage, 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Imhoff, A.B. et al.: Checkliste Orthopädie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2014

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