Luftröhrenschnitt (Tracheotomie)


Aktualisiert am 13. Februar 2019 von Dr. med. Nonnenmacher

Unter einem Luftröhrenschnitt wird das chirurgische Öffnen der Luftröhre verstanden. Der Eingriff trägt auch die Bezeichnung Tracheotomie. Bei einem Luftröhrenschnitt oder einer Tracheotomie handelt es sich um das operative Anlegen eines Zugangs zur menschlichen Luftröhre (Trachea). Er dient unter besonderen Umständen zur Sicherung der Atemwege. Dies gilt in erster Linie für Patienten, bei denen über einen längeren Zeitraum eine künstliche Beatmung erforderlich ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Luftröhrenschnitt (Tracheotomie)?

Luftröhrenschnitt (Tracheotomie)

In der Medizin wird die künstliche Verbindung, die der Luftröhrenschnitt schafft, auch als Tracheostoma bezeichnet. Die Atemluft findet dann ihren Weg ins Innere des Körpers nicht mehr über die Nase, sondern über eine Öffnung, die der Chirurg am Hals anlegt. Mithilfe des Tracheostomas lässt sich die Beatmung des Patienten gewährleisten. Außerdem verschluckt sich der Erkrankte nicht. So können weder Speichel, Nahrung oder Getränke in die Luftröhre vordringen.

Als sinnvoll gilt ein Luftröhrenschnitt zum Beispiel nach dem Herausoperieren des Kehlkopfes aufgrund eines Krebstumors oder nach einem Schlaganfall, der den Schluckvorgang des Patienten behindert.

Das Sprechen ist für den Patienten nach einer Tracheotomie nur nach dem Einlegen einer Sprechkanüle möglich. Nicht zu verwechseln ist die Tracheotomie mit der Koniotomie.

Wann ist ein Luftröhrenschnitt notwendig?

Durchgeführt wird eine Tracheotomie, wenn über längere Zeit eine künstliche Beatmung stattfinden muss. Als häufigste Gründe dafür kommen eine chronische Atemschwäche oder das Eintreten eines Komas in Betracht. Gleiches gilt für Krebsgeschwüre, die sich verengend auf die Nasen- und Rachenregion auswirken.

Weitere denkbare Indikationen für einen Luftröhrenschnitt sind das Entfernen des Kehlkopfes aufgrund eines Kehlkopfkarzinoms, länger anhaltende Atemstörungen nach einem Schlaganfall oder einem Schädel-Hirn-Trauma, Schwellungen in der Luftröhrenregion, eine Lähmung der Stimmbänder, Gesichts- oder Halsverletzungen, durch die die Atemfunktion in Mitleidenschaft gezogen wird, das Sichern der Atemwege aufgrund von Schluckstörungen oder einem Mangel an Schluckreflexen, Missbildungen, Verbrennungen oder Verätzungen. Ein weiteres Einsatzgebiet stellen bestimmte Operationen dar.

Eine Tracheotomie kann auch dann vorgenommen werden, wenn sich eine Intubation nicht mehr durchführen lässt. Von einer Intubation ist die Rede, wenn ein Schlauch aus Kunststoff, auch Tubus genannt, via Nase oder Mund in die Luftröhre gelangt. Ist dies nicht möglich, bildet der Luftröhrenschnitt eine Alternative, was auch nach einer langen Intubation sinnvoll sein kann, um Komplikationen vorzubeugen. Ferner lässt sich der Patient durch die Tracheotomie allmählich von der künstlichen Beatmung entwöhnen und kann spontan atmen. Dennoch ist jederzeit wieder eine künstliche Beatmung durchführbar.

Notfalleingriff: Koniotomie

Nicht selten wird die Tracheotomie mit der Koniotomie (Luftröhrenpunktion) verwechselt, was mitunter sogar Medizinern passiert. Bei der Koniotomie handelt es sich jedoch um einen Notfalleingriff. Bei diesem Verfahren wird das Gewebe, welches den Ringknorpel und den Schildknorpel miteinander verbindet, durchstochen. Im Unterschied zum Luftröhrenschnitt nehmen die Ärzte die Koniotomie nur im Notfall vor, wenn das Risiko besteht, dass der Patient erstickt und andere Methoden zur Beatmung sinnlos sind. Dies kann zum Beispiel bei einem Anschwellen des Halses aufgrund einer allergischen Reaktion der Fall sein.

Die Koniotomie bedeutet oft die letzte Möglichkeit, einen Menschen vor dem Ersticken zu retten. Zu diesem Zweck nimmt der Chirurg einen Schnitt am Kehlkopf vor, mit dem er die Membran zwischen Schild- und Ringknorpel durchtrennt. Über diese geschaffene Öffnung führt der Arzt eine Kanüle ein. Dabei wird jedoch nicht in die Luftröhre geschnitten, sondern in den Kehlkopfbereich.

Durchführung - Wie läuft die Tracheotomie ab?

Im Gegensatz zur notfallmedizinischen Koniotomie erfordert die Tracheotomie einen deutlich größeren Aufwand, sodass der Eingriff meist unter kontrollierten Verhältnissen in Krankenhäusern stattfindet.

Vorbereitung

Bevor der Luftröhrenschnitt durchgeführt wird, erhält der Patient vom Arzt eine Vollnarkose. Dadurch bekommt er von dem Eingriff nichts mit und verspürt keine Schmerzen. Bei einigen Patienten braucht auch nur eine lokale Betäubung vorgenommen zu werden. Nächster Schritt der Tracheotomie ist das Desinfizieren des Halses, den der Arzt außerdem mit keimfreien Tüchern abdeckt.

Das Anlegen des künstlichen Luftröhrenausgangs kann durch eine Standardtracheotomie oder eine dilatative Tracheotomie erfolgen:

Standardtracheotomie

Im Rahmen des Standardluftröhrenschnitts öffnet der Chirurg die Luftröhre mit einem Querschnitt im oberen Abschnitt, bei dem er auch ein kleines Knorpelstückchen herausoperiert. In die Öffnung wird anschließend eine Kanüle aus Kunststoff oder Metall eingeführt, wodurch der geschaffene Zugang offen bleibt. Zum Fixieren befestigt der Operateur die Kanüle mit einem Halsband oder einer Naht.

Dilatativen Tracheotomie

Im Unterschied zur Standardtracheotomie wird bei einer dilatativen Tracheotomie in die Haut eingestochen. Der Arzt führt die Einstichstelle danach mit einer Schere solange auseinander, bis er auf die Luftröhre stößt, die er mit einer Nadel punktiert. Anschließend erfolgt das Einführen eines Drahts in die Luftröhre. Via Draht wird ein spezieller Dilatator vorgeschoben, der die Aufgabe hat, die Öffnung aufzudehnen. Im Anschluss daran lässt sich die Kanüle einbringen.

Nachsorge

Nach einem erfolgreichen Luftröhrenschnitt wird die Atemluft nicht mehr über die Nase und den Mund eingeatmet, sondern gelangt via Kanüle unmittelbar in die Luftröhre. Stärkere Geschmacks- und Geruchseinschränkungen sind die Folge. Darüber hinaus wird der Schluckvorgang des Patienten erschwert. Nicht selten sammelt sich deswegen Speichel an und verstopft die Kanüle. Aus diesem Grund ist das regelmäßige Absaugen des Speichels erforderlich.

Ist eine Beatmung durch das Tracheostoma nicht mehr nötig, wird die Kanüle wieder aus dem Körper entfernt, was zumeist beim Ausatmen geschieht. Die Wunde nach dem Durchführen des Luftröhrenschnitts verheilt selbstständig wieder oder lässt sich mit Nähten verschließen. Allerdings muss der Patient mit dem Zurückbleiben einer Narbe rechnen, die auf Dauer besteht.

Die Kosten für einen Luftröhrenschnitt tragen die gesetzlichen Krankenkassen. So handelt es sich bei der Tracheotomie um einen medizinisch notwendigen Eingriff.

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Risiken und Komplikationen

Ein Luftröhrenschnitt ist nicht frei von Risiken. So kann zum Beispiel der Ringknorpel am Kehlkopf geschädigt werden, wodurch eine Entzündung droht.

Weitere denkbare Komplikationen sind Blutungen, Verletzungen der Schilddrüse, ein Verschluss oder Verrutschen der Kanüle, Wundinfektionen sowie Verletzungen der hinteren Wand von Luftröhre oder Speiseröhre. Außerdem ist das Ansammeln von Luft innerhalb des Pleuraspalts oder des Mittelfellraums der Brusthöhle möglich. In einigen Fällen verschließt sich auch die Luftröhre.

Quellen

  • Zenner, H.P.: Praktische Therapie von Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Schattauer Verlag, 2008 3
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Suttorp, N. et al.: Infektionskrankheiten: verstehen, erkennen, behandeln, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2003
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008


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