Kalkschulter


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 22. August 2018

Bei einer Kalkschulter handelt es sich um meist schmerzhafte Kalkablagerungen im Schultergelenk. Nicht immer ist die Kalkschulter dem betroffenen Patienten bewusst. Eine Kalkschulter kann lange Zeit bestehen, ohne beeinträchtigende Symptome hervorzurufen. Wird eine Kalkschulter zur Qual, stehen verschiedene medizinische Behandlungsmethoden zur Verfügung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Kalkschulter?

Nicht immer werden bei einer Kalkschulter Symptome gemerkt. Meist wird diese nur per Zufall entdeckt.

Von einer Kalkschulter ist in der Medizin die Rede, wenn sich beim Menschen Kalkdepots in der Nähe der Schulterblätter bilden. Häufig sind bei der Kalkschulter entsprechende Kalkablagerungen in der sogenannten Supraspinatus-Sehne (einer Sehne unterhalb des Schulterdachs, die unter anderem für ein äußeres Abspreizen der Arme verantwortlich ist) vorzufinden.

Statistiken zufolge sind Frauen häufiger von einer Kalkschulter betroffen als Männer. Bei Frauen tritt eine Kalkschulter dabei gehäuft zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr auf.

Ursachen

Als eine der Ursachen für eine Kalkschulter kommt vermutlich eine erblich begünstigte, schwache Durchblutung der an der Kalkschulter beteiligten Sehnen infrage. Die Supraspinatus-Sehne ist darüber hinaus ohnehin schwach durchblutet, da ihr Verlauf durch Knochenstrukturen der Schulter eingeengt wird.

Folge der schwach durchbluteten Supraspinatus-Sehne bei einer Kalkschulter kann nun ein Absterben von Knorpelzellen sein, was die Bildung von Kalkkristallen begünstigt. Mit zunehmender Größe der Kalkablagerungen bei vorliegender Kalkschulter wird auch der Verlauf der Supraspinatus-Sehne zusätzlich verengt.

Die Sehne kann darauf mit Reizungen und Sehnenentzündungen reagieren, wodurch bewegungsabhängige Schmerzen provoziert werden. Auch weitere sogenannte innere Ursachen, wie beispielsweise der natürliche Alterungsprozess, können zu einer Kalkschulter führen.

Anders als von vielen Betroffenen vermutet, ist die Kalkschulter nach Expertenaussagen häufig keine Folge einer Überbelastung der Schulter. In einigen Fällen können aber Überbelastungen und andere äußere Einflüsse wie etwa Unfälle oder Sehnenrisse das Entstehen einer Kalkschulter begünstigen.

Wann zum Arzt?

Starke Schmerzen in der Schulter- und Nackenregion deuten auf eine Kalkschulter hin. Ein Arztbesuch empfiehlt sich, wenn die Beschwerden nicht von selbst zurückgehen und Selbsthilfemaßnahmen keine Wirkung zeigen. Sollte sich ein plötzlicher Schmerz einstellen, muss ein Arzt konsultiert werden. Der Mediziner kann anhand des Ultraschallbilds die Diagnose stellen und geeignete Medikamente sowie physiotherapeutische Übungen verordnen. Menschen zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr sind besonders gefährdet. Auch Diabetes sowie Extrembelastungen durch Ausdauersport sind mögliche Risikofaktoren, die abgeklärt werden sollten, wenn die genannten Symptome auftreten.

Treten die Schmerzen nach einer Verletzung auf, wird am besten umgehend ein Arzt aufgesucht. Sollten die Beschwerden bereits länger als drei bis sechs Monate bestehen, muss unter Umständen operiert werden. Der Eingriff ist minimal invasiv und wird ambulant durchgeführt. Nach der Operation muss für die regelmäßigen Verlaufskontrollen der Orthopäde aufgesucht werden. Eine leichte Kalkschulter, die sich nicht zu verstärken scheint, muss man nicht unbedingt ärztlich abklären lassen.

Symptome und Verlauf

Mögliche Beschwerden bei Kalkschulter:

  • Schmerzen der betroffenen Schulterregion
  • Schulterschmerzen bei Belastung
  • Bewegungseinschränkung der Schulterregion
  • Bewegungsverlust im Schulterbereich

Die Symptome, die mit einer Kalkschulter einhergehen, sind individuell verschieden: Eine Kalkschulter kann bei Betroffenen zu lediglich mäßigen, aber auch zu sehr starken Schmerzen und Bewegungsbeeinträchtigungen führen. Zu Beginn der Erkrankung bleibt eine Kalkschulter häufig zunächst unbemerkt. Schmerzen, die im Zusammenhang mit einer Kalkschulter auftreten, äußern sich typischerweise bei Drehbewegungen der Arme oberhalb von Schulter bzw. Kopf.

Auch der Verlauf der Kalkschulter kann sich bei Betroffenen unterscheiden: Die Beschwerden können sich recht schnell steigern, aber auch über längere Zeit in einem niedrigen Stadium verbleiben. Der Beginn einer Kalkschulter ist in der Regel gekennzeichnet durch eine Umwandlung von Sehnen- in Bindegewebe. Dieses Bindegewebe ist nun anfällig für Kalkablagerungen; entsprechende Ablagerungen können schmerzhafte Entzündungen im Schulterbereich hervorrufen. Häufig tragen diese Entzündungen aber zu einem Abbau des Kalks bei.

Diagnose

Häufig wird eine Kalkschulter durch Zufall beim Orthopäden diagnostiziert, wenn sie noch beschwerdefrei verläuft. Haben sich bereits Schmerzen und Bewegungsbeeinträchtigungen eingestellt, kann aufgrund verschiedener typischer Beschwerden eine Verdachtsdiagnose erstellt werden. Zu diesen typischen Beschwerden einer Kalkschulter zählen etwa stechende und plötzliche Schulterschmerzen, Schulterschmerzen beim Liegen auf der entsprechenden Schulter oder plötzliche Bewegungseinschränkungen.

Bestätigt werden kann die Verdachtsdiagnose Kalkschulter dann beispielsweise mithilfe sogenannter bildgebender Verfahren. Zu diesen Verfahren zählen etwa Ultraschall oder Röntgen: Mit beiden Methoden ist es möglich, bestehende Kalkdepots bei einer Kalkschulter zu erkennen und optisch darzustellen.

Komplikationen

In erster Linie kommt es bei der Kalkschulter zu erheblichen Schmerzen. Diese treten in der Regel vor allem dann auf, wenn der Betroffene seine Schulter anhebt oder wenn er sich auf die Seite legt. Die Schmerzen breiten sich in vielen Fällen auch in benachbarte Areale aus, sodass dadurch die Lebensqualität des Patienten erheblich verringert wird. In schwerwiegenden Fällen kann der Betroffene seinen Arm gar nicht mehr bewegen, sodass dieser an Einschränkungen im Alltag leidet.

Auch Entzündungen oder Blutungen können dabei an der Schulter auftreten und zu weiteren Schmerzen führen. Die betroffenen Regionen sind oft angeschwollen oder gerötet. Auch Schmerzen im Kopf oder im Nacken treten bei der Kalkschulter auf. Durch die verspannte Muskulatur kommt es bei der Kalkschulter in vielen Fällen auch zu psychischen Beschwerden oder zu einer Gereiztheit des Betroffenen. In der Regel können die Beschwerden gut behandelt werden. Hierbei kommt es nicht zu Komplikationen. Eine vollständige Heilung dieser Erkrankung kann allerdings nicht in jedem Falle garantiert werden. Die betroffene Region muss vom Patienten auf jeden Fall geschont werden.

Behandlung und Therapie

Da eine Kalkschulter in vielen Fällen durch natürliche Selbstheilungskräfte wieder ausheilt, ist eine Therapie nicht immer notwendig. Ob eine Kalkschulter medizinisch behandelt wird, hängt unter anderem ab vom Krankheitsstadium, von den Beschwerden eines Patienten und auch von der Größe diagnostizierter Kalkdepots.

Soll eine Kalkschulter therapeutisch behandelt werden, stehen hierzu verschiedene Methoden zur Verfügung. Welche Methode im Einzelfall eine geeignete zur Behandlung einer Kalkschulter ist, wird in der Regel im Dialog mit einem behandelnden Arzt besprochen.

Eine Möglichkeit der Behandlung einer Kalkschulter liegt in der medikamentösen Linderung von Schmerzen und Entzündungen, die mit einer Kalkschulter einhergehen können. Eine solche Medikation kann etwa in Form von Tabletten oder Injektionen verabreicht werden.

Verursacht eine Kalkschulter sehr starke Schmerzen, kann außerdem eine sogenannte Schulterorthese (also eine stützende Schiene) die betroffene Schulter entlasten. Sind bei einer schmerzhaften Kalkschulter Bewegungen möglich, so wird von Experten in vielen Fällen eine gezielte Physiotherapie (Krankengymnastik) empfohlen, die das Schultergelenk stärken soll.

Zur operativen Behandlung einer Kalkschulter kommt es vergleichsweise selten. Sinnvoll kann die operative Entfernung von Kalkdepots beispielsweise bei sehr großen Kalkablagerungen, bei langwierigem Verlauf oder bei angerissenen Schultersehnen sein.

Hier finden Sie Ihre Medikamente


Vorbeugung

Experten zufolge steht eine angemessene Ernährung im Fokus der Prävention (Vorbeugung) einer Kalkschulter. So soll etwa die Aufnahme magnesiumreicher Nahrung dazu beitragen können, vor einer Kalkschulter zu schützen. Lebensmittel, die reich an Magnesium sind, sind beispielsweise Vollkornprodukte oder Nüsse.

Anderen Risikofaktoren für die Entwicklung einer Kalkschulter (wie beispielsweise steigendes Lebensalter oder anlagebedingte schwache Durchblutung) kann nicht oder nur eingeschränkt vorgebeugt werden.

Quellen

  • Heisel, J.: Physikalische Medizin - Praxiswissen Halte- und Bewegungsorgane, Georg Thieme Verlag, 1.Auflage, 2005
  • Mayer, C. et Siems, W.: 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, Springer Medizin Verlag, 1.Auflage, 2011
  • Imhoff, A.B. et al.: Checkliste Orthopädie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2014


Hat Ihnen der Artikel geholfen? Dann empfehlen Sie ihn weiter:

Das könnte Sie auch interessieren:

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Kalkschulter?

Name oder Pseudonym:

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?

Mit dem Abschicken Ihres Kommentars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten (Datenschutzerklärung) durch diese Website einverstanden.

Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Violchen kommentierte am 27.12.2014

Ich habe seit fast 1,5 Jahren eine Kalkschulter, die trotz Physiotherapie, Tabletten und Tiefenröntgen jetzt auch auf die andere Schulter übergeht. Welche Ernährung, vor allem, welche Lebensmittel soll ich zu mir nehmen? Fehlen meinem Körper bestimmte Stoffe, die ihm durch Ergänzungsmittel zugeführt werden können? Hilft eine Matrix-Therapie oder eine Stoßwellen-Therapie?

Ursula kommentierte am 22.05.2017

Ich habe eine Frage:
Ist eine Kalkschulter identisch für Schulterarthrose?
Wenn es einen Unterschied gibt, wie erkennt ein Orthopäde
dann, um welche der beiden Erkrankungen es sich handelt?
Ist es normal, wenn der Orthopäde gleich eine Cortisonspritze
gibt, ohne vorher geröngt oder Ultraschall gemacht zu haben?