Angst vor Clowns (Coulrophobie)


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 2. November 2018

Coulrophobie ist die wissenschaftliche Bezeichnung für die Angst vor Clowns. Diese tritt häufig bei Kindern auf, da diese sich zumeist vor dem "abnormalen" Verhalten und der dicken Schminke erschrecken. Allerdings leiden auch viele Erwachsene darunter. Film und Fernsehen sind daran nicht ganz unschuldig.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Coulrophobie (Angst vor Clowns)?

Die künstliche Erscheinung einer Clownsmaske wirkt auf einige Menschen abschreckend. Auch die Filmindustrie hat einen erheblichen Anteil an der Angst vor Clowns (Coulrophobie).

Die Angst für sich ist eine Reaktion bzw. ein Gefühl, das schon dem Urmenschen vor Jahrtausenden das Überleben gesicher hat. Es handelt sich um eine Emotion mit einer Warn- und einer Schutzfunktion. Bei einer Bedrohung oder auch bereits bei der bloßen Vorstellung ebendieser tritt dann die Emotion Angst auf. Alle verfügbaren Energien werden dann als Reaktion angewandt, um sich selbst aus der jeweiligen bedrohlichen Situation zu befreien bzw. sich zu retten. Aus evolutionsbiologischer Sicht ist die Angst vor wilden Tieren durchaus nachvollziehbar. Die Coulrophobie enspringt demselben Grundgedanken: Die Angst vor etwas Unbekanntem. Sie zählt wie auch die Angst vor Spinnen, Schlangen oder Gewittern zu den sogenanntenn spezifischen Phobien, die sich auf ein bestimmtes Objekt beziehen.

Ursachen

In der heutigen Zeit ist Hollywood und damit die Filmindustrie nicht ganz unschuldig an der Coulrophobie. Immer wieder werden Clowns also böse, furchteinflößende Wesen dargestellt, die nichts Gutes im Schilde führen. Seit den 1980er Jahren werden Clowns vor allem in der Populärkultur immer häufiger als böse Artgenossen dargestellt, 2015 und 2016 kam es weltweit zu Vorfällen, in die "Horrorclowns" verwickelt waren. Das Ganze ging natürlich viral und erhielt einen hohen Stellenwert in den Medien.

In einer Studie untersuchte der amerikanische Psychologe Frank McAndrews die Merkmale und Eigenschaften, die ein anderes Wesen als furchteinflößend oder gruselig erscheinen lassen. An dieser Studie nahmen 1.341 Personen teil. Er stellte fest, dass vor allem Menschen, die in den "falschen" Momenten zu lachen beginnen oder sich generell ungelenk bewegen. Auch gelten seltsame Kleidung, stark blasse Haut und dunkle Augenringe als bedrohlich. Männer werden bedrohlicher als Frauen eingeschätzt.

Des Weiteren sind auch zu viele oder zu wenige Emotionen ein angsteinflößendes Merkmal. Ein Clown verfügt typischerweise über all diese Merkmale. Überzeichnete und grelle Schminke kümmert sich um den Rest: Dem Träger wird durch diese "Maske" eine neue Identität verliehen. Bei Außenstehenden kommt der Effekt der "kognitiven Dissonanz" zu tragen: Sie empfinden eine innere Verunsicherung.

Im Widerspruch zu dieser Wahrnehmung steht die Tatsache, dass ein Clown grundsätzlich ein lustiges und harmloses Wesen darstellt. Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass jede Phobie ein falsch gelerntes Verhaltensmuster darstellt. Dieses wird meist durch ein psychisches Problem falsch gelernt.

Wann zum Arzt?

Grundsätzlich ist es jedem, der unter Coulrophobie leidet, selbst überlassen, ob und wann er zum Arzt geht. Ist jedoch allein schon die Angst, vielleicht auf einen Clown stoßen zu können, so groß, dass die Wohnung oder das Haus kaum mehr verlassen wird, so ist es auf jeden Fall ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Dieser kann eine Diagnose stellen und Betroffene an einen Fachkollegen weiterverweisen. Zumeist wird jedoch auf einen guten Psychologen verwiesen. Wird es als nötig empfunden, so kann auch eine Schnelltherapie verordnet werden. Dies wird jedoch im Einzelfall entschieden, denn es ist problemlos möglich, Clowns aus dem Weg zu gehen, ohne die eigene Lebensqualität einschränken zu müssen.

Symptome und Verlauf

Zu den häufigsten Symptomen der Coulrophobie zählen Herzrasen, Panikattacken, Kurzatmigkeit, beschleunigter Herzschlag und Zittern. Wird Coulrophobie vom Arzt diagnostiziert, so wird der Patient zu einem Fachkollegen des Arztes, einem Psychiater oder Psychologen, weiterverwiesen.

Diagnose

Die Diagnose wird nach den diagnostischen Kriterien des DSM-IV und auf Basis einer psychologischen Untersuchung gestellt. Dem Betroffenen werden Fragen gestellt, es wird zugehört und das Ergebnis wird dann untersucht und beurteilt. Auch die Schwere der Coulrophobie wird bestimmt. Ist sie sehr stark ausgeprägt, so sollte eine Therapie gemacht werden. Anschließend wird der Betroffene vom Psychologen genau aufgeklärt, welches Krankheitsbild er aufweist, woran genau er leidet und welche Möglichkeiten es gibt, dagegen vorzugehen. Wird der Arzt nicht aufgesucht, so kann es schnell passieren, dass die Phobie noch stärker ausgeprägt wird und der Betroffene sich sozial abschottet.

Komplikationen

Für den Patienten ist es besonders wichtig, den Weg zum Psychologen selbst gewählt zu haben und das Ende seiner Phobie wirklich selbst zu wollen. Ist dies nicht der Fall, so wird die gesamte Therapie und meist auch der Psychologe nicht im Geringsten ernst genommen. Dies kann zu Komplikationen während der Therapie führen. Selten aber doch kommt es vor, dass die Psychotherapie nicht beim Betroffenen richtig greift. Dies kann die unterschiedlichsten Ursachen haben. Im schlimmsten Fall können sich die Symptome und somit die Phobie sogar noch verstärken. Bei einer Phobie wird davon ausgegangen, dass ein falsches Verhaltensmuster gelernt wurde, wie eben das Angst haben vor einem Clown. Ein eingeprägtes Verhaltensmuster ist nicht leicht zu verändern oder gänzlich zu löschen. Daher kann es auch gelegentlich zu Komplikationen während oder nach der Therapie kommen.

Behandlung und Therapie

In den meisten Fällen genügen einige wenige intensive Sitzungen mit einem guten Psychologen. Der Fachpsychologe kann durch die Durchführung einer Verhaltenstherapie dabei helfen, die Angst vor Clowns zu überwinden.

Bei einer Verhaltens- oder auch Psychotherapie wird der Betroffene immer wieder mit Clowns, also dem angstauslösenden Objekt konfrontiert. Dadurch wird dem Patienten bewusst gemacht und vor Augen geführt, dass keine konkrete Gefahr von Clowns ausgeht. Dies wird so oft wiederholt, bis der Betroffene seine Angst überwinden kann.

Es können verschiedene Techniken bei der Psychotherapie angewandt werden. Generell wichtig sind jedoch die individuellen Sichtweisen des Betroffenen sowie die Diese Verhaltenstherapie wird bei allen spezifischen Phobien angewendet, also beispielsweise auch bei der Angst vor Spinnen, Schlangen oder Gewittern.

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Aussicht und Prognose

Eine Psychotherapie weist in fast allen Fällen wirksame Ergebnisse auf. Somit sind die Aussichten, von einer Coulrophobie geheilt zu werden, sehr gut. Eine Heilung von der Angst vor Clowns kann mit sehr hohen Erfolgschancen innerhalb kürzester Zeit prognostiziert werden.

Vorbeugung

Hat die Therapie angeschlagen, so kann es trotzdem passieren, dass der Betroffene wieder zurück in seine alten Verhaltensmuster fällt und durch diesen Rückfall wieder zum Phobiker wird. Dies geschieht durch die Absenkung der Hemmschwelle. Während der Therapie wird der Phobiker immer wieder mit seinem angstauslösendem Objekt, hier dem Clown konfrontiert. Er gewöhnt sich an diese Konfrontation, wodurch auch das Angstverhalten reduziert wird. Danach fehlen diese Konfrontationen jedoch. Dadurch sinkt die Hemm- und die Reaktionsschwelle und es droht ein Rückfall in die überbrückte Phobie. Es ist wichtig, dem vorzubeugen. Hier wird das Erlernte, also die Konfrontation konsquent und regelmäßig wiederholt. Dadurch normalisiert sich das Angsverhalten in belastenden Situationen.

Außerdem ist es von Vorteil, neben den neugewonnenen Handlungs- zusätzlich neue Sichtweisen für sich selbst zu entwickeln und sich anzueignen. Es hat sich auch bewährt, ein Angst-Tagebuch zu führen. Die meisten Psychologen und Psychotherapeuten geben genaue Anweisungen mit, was der Betroffene selbst noch zu tun hat. Dazu gehört meistens auch ein kleines Reglement aus durchschnittlich 10 Regeln zum richtigen Umgang mit der Angst.

Quellen

  • Payk, T.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Dilling, H. & Freyberger, H.J.: Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, Huber Verlag, 6. Auflage 2012
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Bergner, T. M. H.: Burnout-Prävention. Schattauer, Stuttgart 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012


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