Aminosäuren


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 27. August 2018

Aminosäuren gelten als die Bausteine des Lebens, ohne sie ist Leben nicht möglich. Als kleinste Basis der Proteine tragen sie bei verschiedenen Prozessen im Körper eine Mitverantwortung. Die Folge von unausgewogener Ernährung, Stress und chronischen Erkrankungen kann ein Mangel an Aminosäuren sein. Das Immunsystem ist geschwächt und es kommt zu Müdigkeit. Verschiedene Aminosäuren haben zudem Einfluss auf die Gewichtsreduktion oder auch den Muskelaufbau. Aminosäuren spielen also in vielen Bereichen des menschlichen Organismus eine bedeutende Rolle.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Aminosäuren?

Eiweißreiche Lebensmittel liefern lebensnotwendige Aminosäuren.

Bei Aminosäuren (AS, auch als Aminocarbonsäuren oder veraltet Amidosäuren bezeichnet) handelt es sich um organische Verbindungen mit mindestens einer Carboxygruppe und einer Aminogruppe. Aminosäuren stellen die Grundbausteine der Proteine dar.

Der menschliche Organismus besteht aus 20 Prozent dieser Proteine, welche eine wichtige Schlüsselrolle an fast allen biologischen Prozessen im Körper spielen. Aus Aminosäuren besteht ein Großteil des Gewebes, der Zellen und der Muskeln. Zellen erhalten durch sie Struktur, außerdem sind sie für den Transport sowie die Speicherung von Nährstoffen von Bedeutung. Der Mensch besitzt 21 proteinogene Aminosäuren, bekannt sind aber mehr als 400 nicht-proteinogene und natürlich vorkommende Aminosäuren mit unterschiedlichen biologischen Funktionen.

Eine Unterscheidung erfolgt in essentielle und nicht essentielle Aminosäuren. Die essentiellen Aminosäuren müssen über die Ernährung aufgenommen werden, während nicht essentielle Aminosäuren vom Körper selbst gebildet werden.

Welche Lebensmittel enthalten essentielle Aminosäuren?

Essentielle Aminosäuren

Vor allem essentielle Aminosäuren müssen dem Körper regelmäßig über proteinhaltige Lebensmittel zugeführt werden. Zu diesen Aminosäuren gehören Histidin, Isoleucin, Leucin, Lysin, Methionin, Phenylalanin, Theronin, Tryptophan sowie Valin.

Nicht (semi-) essentielle Aminosäuren

Alanin, Arginin, Asparagin, Cystin, Cystein, Glutamin, Glutaminsäure, Glycin, Hydroxyprolin, Prolin, Serin und Tyrosin sind die nicht essentiellen Aminosäuren, die der Körper selbst bilden kann.

In bestimmten Lebensmitteln sind Aminosäuren in höheren Mengen enthalten. Eine Unterversorgung an Aminosäuren ist dabei eigentlich nicht möglich, wenn man sich an grundsätzliche Empfehlungen zur Ernährung hält. Besonders reich an Aminosäuren sind Lebensmittel wie Fleisch (vor allem Rinderfilet), Wurstwaren, Fisch (besonders Thunfisch), Eier, Milchprodukte (z. B. auch Joghurt, Quark und Käse), Eier, Nüsse, Sojabohnen, Weizenkeime sowie weiße Bohnen und Linsen.

Wirkung und Funktion

Egal ob essentiell oder nicht essentiell: Aminosäuren spielen bei verschiedenen Funktionen des Körpers eine zentrale Rolle. Der Transport sowie die Speicherung von Nährstoffen wird von ihnen unterstützt, der Stoffwechsel reguliert, die Zellen versorgt und der Blutkreislauf aufgrund der Entspannung der Gefäße geregelt. Aminosäuren setzen sich als Grundbausteine für Proteine zu langen Ketten zusammen, wodurch die Proteinstruktur gebildet wird. Diese Struktur bestimmt wiederum die Wirkung und Funktion der Proteine. Um die gesunde Körperfunktion zu unterstützen, ist die Einnahme von Nahrungsergänzungen mit Aminosäuren möglich.

Lebensnotwendige Bausteine

Mit den wertvollen Aminosäuren aus Lebensmitteln oder in Kapselform werden dem Organismus lebensnotwendige Stoffe zur Verfügung gestellt. Den unterschiedlichen Aminosäuren werden dabei sehr unterschiedliche Aufgaben zugeordnet. So liefert Isoleucin beispielsweise dem zentralen Nervensystem verschiedene Botenstoffe und nimmt Einfluss auf den Muskelaufbau.

Methionin hat direkten Einfluss auf den Aufbau von Eiweißen und kann Harnwegsinfekten vorbeugen, Valin spielt bei der Regulierung des Blutzuckers eine wichtige Rolle und transportiert diverse Botenstoffe ins Gehirn.

Dank der Aminosäure Tryptophan ist es dem Körper möglich, die Hormone Serotonin und Melatonin herzustellen und Lysin erhält Binde- und Muskelgewebe. Durch die Synthese von Lysin und Methionin entsteht außerdem Carnitin, welches oft beim Aufbau von Muskeln und der Gewichtsreduktion zum Einsatz kommt.

Phenylalin ist an der Bildung von roten und weißen Blutkörperchen beteiligt und nimmt auch Einfluss auf die Nierenfunktion. Threonin kann der Körper zu Glycin umwandeln, wodurch es zu einer Beruhigung der Nerven kommen kann. Zudem hat diese Aminosäure eine unterstützende Wirkung für den Aufbau von Knochen sowie bei der Bildung von Antikörpern.

Arginin und Tyrosin können im Säuglingsalter noch nicht vom Körper gebildet werden und gelten deshalb als semi-essentielle Aminosäuren. Vor allem Arginin gilt als förderlich für das Körperwachstum, aus Tyrosin kommt es zur Bildung von Schilddrüsenhormonen.

Aminosäuren in der Ernährung

Aminosäuren spielen vor allem in der Ernährungsmedizin eine wichtige Rolle. Seit den 1970er Jahren werden sie erforscht, seit den 1980er Jahren finden sie auch im Ausdauer- und Kraftsport Anwendung und werden dahingehend untersucht. Etwa seit den 1990er Jahren sind unterschiedliche Anwendungen von Aminosäuren bekannt, mit denen durch deren gezielte Einnahme bestimmte Vorgänge des Stoffwechsels unterstützt werden. Dabei zeigen sich durchaus viel versprechende Forschungsergebnisse.

Empfohlen werden Aminosäuren unter anderem zur Regeneration nach sportlicher Aktivität, zur Stärkung des Immunsystems, bei zu hohen Cholesterin- und Blutdruckwerten, bei Problemen mit der Haut und den Haaren, bei Schlafstörungen oder auch bei depressiven Verstimmungen. Die Zufuhr von Nahrungsergänzungen mit Aminosäuren ist vor allem bei einem Aminosäure-Mangel angezeigt. Dieser kann sich durch erhöhte Cholesterinwerte, eine reduzierte Herzleistung, Müdigkeit und Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Haut- und Haarprobleme oder auch dem Rückgang von Muskelmasse äußern.

Die Einnahme von Aminosäure ist vor allem für gestresste Menschen sowie Sportler mit langen Regenerationszeiten und beim Aufbau von Muskelmasse geeignet. Aber auch Menschen mit Herzrasen, hohem Ruhepuls, Bluthochdruck sowie hohen Cholesterinwerten profitieren von Aminosäuren.

Aminosäuren im Sport

Leistungssportler, vor allem Kraftsportler, haben einen erhöhten Bedarf an Aminosäuren, den sie für das Muskelwachstum benötigen. Aminosäuren können neben der Nahrung einzeln oder aber in Kombinationsprodukten zusätzlich zur Nahrung ergänzt werden, um den erhöhten Bedarf zu decken.

Ein ähnlicher Grund für den Einsatz von Aminosäuren liegt beim Kraftsport vor. Besonders nach intensiven Einheiten reagiert der Körper auf den Trainingsreiz mit einer erhöhten Proteinsynthese, die letztlich das Muskelwachstum auslöst und eine Rolle bei der Regeneration der Muskeln spielt. Jedoch müssen für dieses Wachstum genügend Ausgangsstoffe zur Verfügung stehen.

Besonders bewährt haben sich in diesem Anwendungsbereich aufgrund guter Resorption durch die gleichzeitig vorhandenen verzweigtkettigen Aminosäuren Leucin, Isoleucin und Valin sogenannte BCAAs (Branched Chain Amino Acids). Ebenso kann der Körper aus diesen Aminosäuren Glutamin herstellen, dessen Konzentration während des Trainings in der Regel sinkt, was aber für den Aufbau der Muskulatur ausschlaggebend ist.

Anwendung in der Naturheilkunde

In der Naturheilkunde kommen Aminosäuren auch bei unterschiedlichen Beschwerden zum Einsatz. Gerade Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes, Arthrose, erhöhte Cholesterinwerte, Schlafstörungen lassen sich oft auf Störungen des Stoffwechsels zurückführen. Gleiches gilt für Probleme mit Haarausfall oder Faltenbildung der Haut. Die Naturheilkunde setzt Aminosäuren auch bei Darmbeschwerden oder Beschwerden während der Wechseljahre ein. Sinnvoll ist – egal ob in der Schul- oder der Naturmedizin – eine Blutprobe, mit der sich ein Gleichgewicht der Aminosäuren im Körper feststellen lässt. Denn nur bei einem Aminosäure-Gleichgewicht ist auch die Bildung von Proteinen möglich. Ein Ungleichgewicht, welches durch Stresssituationen, Krankheit oder auch intensiven Sport ausgelöst werden kann, lässt sich durch spezielle Präparate mit Aminosäuren ausgleichen.

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Ist eine Nahrungsergänzung notwendig?

Aminosäuren stellen natürliche und auch essentielle Basisstoffe einer gesunden Ernährung dar, weshalb es in der Regel nicht oder nur in sehr seltenen Fällen zu Nebenwirkungen kommt.

Nebenwirkungen treten meist dann auf, wenn zusätzlich zu Nahrungsergänzungspräparaten auch Medikamente eingenommen werden. In diesem Fall kann die Wirkung der Medikamente dann verstärkt oder abgeschwächt werden. Unter Umständen ist auch eine vollständige Neutralisation der Wirkung der jeweiligen Medikamente denkbar.

Werden die Dosier- und Anwendungshinweise für Aminosäurepräparate nicht beachtet, kann es außerdem zu Magen-Darm-Beschwerden bis hin zu Übelkeit und Durchfall kommen. Deshalb sollte die empfohlene Tagesdosis nicht überschritten werden.

Wird dem Körper zu viel Eiweiß zugeführt und er kann dies nicht mehr in seine Aminosäuren zerlegen, kann es zu Schädigungen kommen. Es wird dann zu viel Harnsäure produziert, welche sich in Kristallform in den Gelenken ablagert und dann zu Gicht führen kann. Hinzu kommt, dass auch die Nieren unter zu viel Harnsäure leiden und sich Nierensteine bilden können.

L-Arginin - Die besondere Aminosäure

Arginin bzw. L-Arginin besitzt eine besondere Stellung unter den Aminosäuren. Es Arginin ist eine essentielle Aminosäure. Dies liegt vor allem an dem chemischen Aufbau. Arginin hat im Vergleich zu anderen Aminisäuren den höchsten Stickstoffanteil. Aufgrund dieses hohen Stickstoffgehalts kann der Körper in Verbindung mit Sauerstoff Stickstoffmonoxid bilden. Stickstoffmonoxid hat einen entscheidenden Einfluss auf die Erweiterung der Blugefäße. Diese besondere Eigenschaft macht Arginin zu einem medizinischen Multitalent. Arginin wird u.a. zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder als Potenzmittel eingesetzt.

L-Arginin-Milchshake: Besonders Nüsse und Samen (Kürbiskerne, Mandeln, Haselnüsse) haben einen hohen Arginin-Gehalt.

Weiterhin fördert Arginin die Ausschüttung von Wachstumshormonen und hat einen begünstigt den Eiweiß- und Fettstoffwechsel (Fettabbau). Arginin ist daher in Verbindung mit intensivem Training verantwortlich für das Muskelwachstum und die Funktionsfähigkeit der Muskelmasse.

Was ist Arginin?

Arginin ist eine natürliche chemische Substanz, die als so genannte proteinogene Alpha-Aminosäure bekannt ist. Für den Laien stellt Arginin eine Aminosäure dar. Aminosäuren wie Arginin sind ganz umfassend am Aufbau körpereigener Zellen und damit von Gewebe und Organen beteiligt. Außerdem kann das Immunsystem ohne Arginin nicht in ausreichendem Maße arbeiten. Nachgewiesen wurde ebenfalls, dass sich das Fehlen von Arginin nachteilig auf die Fortpflanzungfähigkeit des Mannes auswirkt. Arginin befindet sich in eiweißhaltigen Hormonen, welche das Wachstum des Menschen steuern und vorantreiben. Ohne das in der Hirnanhangsdrüse befindliche Arginin würden Kinder nicht wachsen.

Medizinische Verwendung

In der Medizin ist insbesondere das L-Arginin von großer Bedeutung und hat seit seiner Erforschung einen breiten Wirkungskreis erlangt. Da Arginin einen positiven stärkenden Effekt auf das Herz-Kreislauf-System besitzt, wird es in sowohl prophylaktisch als auch therapeutisch eingesetzt, um die Arteriosklerose, die Verkalkung der Gefäße zu verhindern oder zu reduzieren.

Für viele Menschen ist L-Arginin zu einer wichtigen medizinischen Hilfe im Zusammenhang mit der Bekämpfung und Behandlung von Bluthochdruck geworden. Medizinische Forschungen haben gezeigt, dass eine zu geringe Versorgung mit dem lebensnotwendigen Arginin einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall begünstigen kann.

Einige Erkrankungen, zu denen die Diabetes (Zuckerkrankheit) gehört, gehen mit krankmachenden Veränderungen der Arterien und Venen einher. Um dies erfolgreich therapieren zu können, sind Präparate mit L-Arginin enorm wichtig geworden. Menschen, die unter einer venösen Durchblutungsstörung leiden, die gleichsam als Schaufensterkrankheit bekannt ist, werden konservativ mit L-argininhaltigen Medikamenten behandelt. Dies betrifft ebenfalls Männer, die von einer so genannten erektilen Dysfunktion, einer speziellen Potenzstörung betroffen sind.

Arginin als Nahrungsergänzungsmittel

Arginin ist eine Substanz, welche der menschliche Organismus innerhalb des biochemischen Stoffwechsels selbst auf- und abbauen kann und die unter normalen Umständen in ausreichendem lebensnotwendigem Maße vorliegt. Unter extremer körperlicher Belastung, wie diese häufig bei intensivem Kraft- und Ausdauersport der auftritt, kann eine Unterversorgung auftreten.

Um die Konzentration an Arginin in ausreichendem Maße zu gewährleisten, was bei extremem Sport nicht mehr nur über verschiedene Nahrungsmittel realisiert werden kann, nehmen viele Sportler das Arginin in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zu sich.

Arginin schützt wegen seinem basischen pH-Wert ebenfalls den Organismus beim Training vor einer vorzeitigen Übersäuerung.

Darüber hinaus erzeugt Arginin eine vermehrte Insulinbereitstellung. Arginin begünstigt zudem die Ausschüttung der Hormone, welche die Zunahme der Muskelmasse begünstigen.

Arginin ist auch in vielen Lebensmitteln enthalten. Nüsse und Kerne sind Nahrungsmittel mit einem relativ hohen Gehalt an Arginin. Dazu gehören u.a.: Kürbiskerne, Pinienkerne, Walnüss und Erdnüsse.

Risiken und Nebenwirkungen

Die Einnahme von Arginin kann nach einigen Tagen zum Absinken des Blutdrucks führen. Deshalb wird Arginin auch zur Behandlung von hohem Blutdruck und einer allgemeinen Stabilisierung des Blutdrucks eingesetzt.

Darüber hinaus kann Arginin eine gesteigerte Libido (Sexualtrieb) hervorrufen. Diese Nebenwirkungen sind eher als günstig zu beurteilen. Bei zu niedrigem Blutdruck kann eine Reduzierung der Dosis Abhilfe schaffen, was jedoch mit einem Arzt geklärt werden sollte.

Quellen

  • Hans Konrad Biesalski, Matthias Pirlich, Stephan C. Bischoff, Arved Weimann: Ernährungsmedizin. Thieme, 5. Auflage 2017.
  • Aktories, K., Förstermann, U., Hofmann, F., Forth, W.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Urban & Fischer, aktuelle Auflage
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S.H.E., Schulz, Th.F. (Hrsg.) : Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012


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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Klaus kommentierte am 03.10.2014

Ich habe trotz Einnahme der empfohlenen Tagesdosis, sogar etwas unter dieser, Schwindelgefühle bekommen.
Kann es sein, dass Wetter und eventuelle Entzündungen im Körper das Schwindelgefühl fördern?