Unterleibsschmerzen in der Schwangerschaft

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 21. Mai 2017
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Unterleibsschmerzen in der Schwangerschaft sind ein häufiges Syndrom im Laufe der 9 Monate, in der das Kind im Bauch der Mutter heranwächst. Viele Schwangere suchen irgendwann wegen Unterleibsschmerzen in der Schwangerschaft ihren Frauenarzt auf. Meist sind solche Schmerzen harmloser Natur. Manchmal können Unterleibsbeschwerden aber auch ein Hinweis auf eine gesundheitliche Gefährdung sein.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Unterleibsschmerzen in der Schwangerschaft?

Unter Unterleibsschmerzen in der Schwangerschaft werden alle Formen von Schmerzen verstanden, die während der 40 Wochen auftreten können. Dabei können die Unterleibsschmerzen unterschiedlich empfunden werden. Manche Schwangere sprechen von stechenden Schmerzen. Andere werdende Mütter klagen über ein lang anhaltendes Druckgefühl. Auch wehenartige Schmerzen werden beschrieben. Unterschiedlich kann auch die Lokalisation des Schmerzempfindens sein.

Unterleibsschmerzen in der Schwangerschaft können sowohl im Bereich der Gebärmutter angesiedelt sein, die am Ende der Schwangerschaft auf der Höhe des Rippenbogens zu tasten ist. Viele Frauen benennen den Schmerzpunkt aber auch im Bereich der Vulva. Dem behandelnden Arzt sollten Lokalisation, Häufigkeit des Schmerzes und Art des Schmerzempfindens möglichst konkret beschrieben werden. Manchmal ergibt sich daraus schon ein erster Anhaltspunkt für die Diagnostik.

Ursachen

Die Ursachen für Unterleibsschmerzen in der Schwangerschaft sind von Frau zu Frau unterschiedlich. Gerade in der Frühschwangerschaft, also in den ersten 12 Wochen, treten solche Unterleibsschmerzen häufig auf. Meist kann vom Arzt keine spezielle Ursache festgestellt werden. Die Ursache liegt dann vermutlich in der Dehnung von Gebärmutter und Organen begründet. Dies kann ziehende bis stechende Schmerzen auslösen, die sich oftmals auch in der Leistengegend bemerkbar machen.

Leider kommt es gerade in den ersten 12 Wochen in manchen Fällen auch zu einem spontanen Abort. Grund hierfür sind meist schwere chromosomale Fehlbildungen des Kindes. Stechende, krampfartige Bauchschmerzen können ein Hinweis auf eine beginnende Fehlgeburt sein. Speziell im Zusammenhang mit Blutungen sollten Schwangere deswegen immer unverzüglich einen Gynäkologen aufsuchen. Die Dehnung der Gebärmutter, des Bindegewebes und damit verbunden die Verdrängung der anderen Bauchorgane können auch im weiteren Verlauf der Schwangerschaft Ursache für Unterleibsschmerzen sein. Dies wird häufig bei Zwillingsschwangerschaften beobachtet.

In zweiten und dritten Trimenon können auch die zunehmenden Kindsbewegungen im Bauch Schmerzen verursachen. Gerade wenn hierdurch Nerven gereizt werden, können die Unterleibsschmerzen sehr stark werden und bis in den Rücken ausstrahlen. Viele Schwangere sind im Zusammenhang mit diffusen Schmerzen im Unterleib unsicher, ob es sich gegebenenfalls um Wehen handelt. Übungswehen und Senkwehen bereiten den Körper auf die Geburt vor, stellen aber keine Gefahr für Mutter und Kind dar. Vom Schmerzempfinden her sind sie aber gerade für Erstgebärende nicht immer sicher von wirklichen Geburtswehen abzugrenzen. Deswegen sollen Frauen auch hier bei Unsicherheit und starkem wiederholten Schmerzempfinden einen Facharzt zu Rate ziehen.

Wann zum Arzt?

Unterleibsschmerzen in der Schwangerschaft gelten in den meisten Fällen als wenig besorgniserregend. Insbesondere zu Beginn der Schwangerschaft treten die Beschwerden vermehrt auf, da sich die Organe dehnen und an die Veränderungen anpassen müssen. Durch das Wachstum des Fötus treten die Unterleibsschmerzen jedoch auch wiederholt im Verlauf der gesamten Schwangerschaft auf. Insbesondere bei Zwillings- oder Mehrlingsgeburten gelten die Unterleibsschmerzen in der Schwangerschaft als Normalfall.

Ein Arzt ist aufzusuchen, sobald sich zu den Unterleibsschmerzen Krämpfe in der Bauchregion oder im Unterleib einstellen. Bei stechenden Bauchschmerzen ist schnellst möglich ein Arzt zu konsultieren da das Risiko einer Fehlgeburt besteht. Treten die Unterleibsschmerzen in der Schwangerschaft im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme auf, kann eine vorübergehende Unverträglichkeit vorliegen. Die Symptome sind mit dem Arzt zu besprechen und bis zum Ende der Schwangerschaft sollte die Nahrung umgestellt werden.

Je weiter die Schwangerschaft fortgeschritten ist, desto wahrscheinlicher ist das Auftreten von zusätzlichen Rückenschmerzen. Ein Arzt ist nur aufzusuchen, wenn das Schmerzerleben als ungewöhnlich oder besonders intensiv empfunden wird. Grundsätzlich sollte die werdende Mutter einen Arzt konsultieren, sobald sie die Unterleibsschmerzen als bedenklich einstuft. Treten zusätzlich Blutungen ein oder kommt es zu Schmerzen beim Wasserlassen oder bei der Entleerung des Darms, ist ein Arztbesuch notwendig.

Diagnose und Verlauf

Wenn Unterleibsschmerzen in der Schwangerschaft immer wieder auftauchen und als verunsichernd wahrgenommen werden, sind Frauenarzt und Hebamme kompetente Ansprechpartner. Eine ausführliche Diagnostik verschafft der Schwangeren Sicherheit und kann gegebenenfalls Mutter und Kind schützen. Bei Vorstellung einer Schwangeren mit Unterleibsschmerzen wird im Regelfall ein Ultraschall gemacht. Hierbei kann der Arzt Lage und Größe des Kindes kontrollieren. Manchmal ergibt sich hieraus ein klarer Hinweis auf die Ursache der Schmerzen. So beispielsweise, wenn das ungeborene Kind immer mit den Füßen in den Rippenbereich der Mutter tritt.

Die Diagnostik kann in seltenen Fällen auch einen Nierenstau der Mutter, bedingt durch die Kindslage, ergeben. An den Ultraschall schließt sich meist eine vaginale Untersuchung an. Hier beurteilt der Arzt vor allem Länge des Zervixkanals. Eine Verkürzung kann ein Hinweis auf Überlastung und auf eine drohende Wehentätigkeit sein. Ein CTG wird geschrieben, wenn die Frage nach einer eventuellen Wehuntätigkeit abgeklärt werden muss. Ergibt die ambulante Diagnostik in der frauenärztlichen Praxis kein klares Ergebnis, kann die Überweisung der Schwangeren in eine Klinik mit Geburtshilfe nötig sein. Hier kann die werdende Mutter rund um die Uhr überwacht werden, was vor allem bei Blutungen wichtig ist.

Komplikationen

Unterleibsschmerzen in der Schwangerschaft können normal sein, andererseits aber auf Probleme hindeuten. Normal sind sie beispielsweise, wenn sich die Eizelle frisch eingenistet hat, oder auch kurz vor der Geburt des Babys, wenn die Übungswehen einsetzen. Treten Schmerzen im Unterleib in Verbindung mit Blutungen auf, sind sie in der Schwangerschaft immer ernst. Schlimmstenfalls handelt es sich um eine verfrüht einsetzende Geburt oder eine Verletzung der Plazenta oder der Gebärmutter. Entstehen können Unterleibsschmerzen mit Blutungen auch durch große körperliche und seelische Anstrengungen für die Mutter oder nicht vollständig ausgeheilte Verletzungen vorangegangener Geburten und Schwangerschaften.

Ist eine frühere Schwangerschaft kompliziert verlaufen und treten jetzt Unterleibsschmerzen auf, sollte die Frau das ebenfalls dringend untersuchen lassen. Persistierende Unterleibsschmerzen können darauf hindeuten, dass Rückenprobleme aufgrund des zunehmenden Gewichts des Babys aufgetreten sind. Das passiert meist im letzten Trimester, wenn das Baby an Gewicht zunimmt. Das ist zwar ungefährlich, aber dennoch unangenehm. Gegen Beginn einer Schwangerschaft können Unterleibsschmerzen auf ein weit gefährlicheres Problem hin: Eileiterschwangerschaft. Vielen Frauen ist noch gar nicht bewusst, dass sie schwanger sind, wenn sie schnell stärker werdende Unterleibsschmerzen, Fieber und Schüttelfrost und schließlich Kreislaufprobleme entwickeln. Die Eizelle hat sich in diesen Fällen außerhalb der Gebärmutter eingenistet, ist abgestorben und setzt jetzt Giftstoffe frei. Eine Eileiterschwangerschaft ist ein Notfall.

Behandlung und Therapie

Behandlung und Therapie von Unterleibsschmerzen in der Schwangerschaft richten sich nach der festgestellten Ursache. Eine körperliche Überlastung der Frau kann Unterleibsprobleme begünstigen. Sofern ansonsten keine Ursachen festgestellt werden, besteht die Therapie aus körperlicher Schonung und Ruhe. Eine Krankschreiben für einige Tage kann nötig sein. Sofern die Unterleibsbeschwerden anhalten oder sich im Zusammenhang mit Blutungen darstellen, kann ein Arzt ein individuelles Beschäftigungsverbot ausstellen.

Bei vorzeitigen Wehen kann in leichten Fällen neben körperlicher Schonung Magnesium verordnet werden. Präparate mit Magnesium helfen, die Gebärmutter ruhigzustellen. Die Gebärmutter ist ein Muskel und Kontraktionen können durch Magnesium gelindert werden oder zum Stillstand kommen. Bei schweren Wehen zu einem verfrühten Zeitpunkt in der Schwangerschaft ist meist eine stationäre Einweisung der Schwangeren nötig.

Hier besteht die Therapie in strikter Bettruhe unter gleichzeitiger Gabe starker wehenhemmender Medikamente. Oft werden diese über die Vene verabreicht und bedürften der ärztlichen Kontrolle rund um die Uhr. Da gerade am Ende der Schwangerschaft starke Unterleibsschmerzen auch ein Indikator für eine Gefährdung von Mutter und Kind sein können, setzt der Arzt oftmals mehrere Blutuntersuchung an. Ergeben sich hieraus hohe Entzündungswerte oder andere labordiagnostische Anomalien, kann schlimmstenfalls das Leben von Mutter und Kind in Gefahr sein. Im Zusammenhang mit einem so genannten HELLP Syndrom, einer Arzt inneren Vergiftung, kann die Therapie meist nur in der vorzeitigen Beendigung der Schwangerschaft bestehen. Meistens wird dann ein Kaiserschnitt durchgeführt.



Vorbeugung

Vorbeugen kann man Unterleibsschmerzen in der Schwangerschaft durch Ruhe, Schonung und Meinung von körperlicher Überanstrengung. Schweres Heben, langes Tragen von schweren Gegenständen, ständiges Bücken, aber auch langes gekrümmtes Sitzen können Schmerzen im Unterleib begünstigen und sollten deswegen vermieden werden. Nicht immer ist dies einfach möglich. Gerade dann nicht, wenn schon andere Kinder zu versorgen sind. Schwangere sollten dennoch bemüht sein, dem Körper ausreichende Ruhephasen zu geben. Scheint dies wegen der familiären Situation beispielsweise nicht möglich, können Krankenkassen auch eine Haushaltshilfe verordnen.

Manchen Ursachen für Unterleibsschmerzen in der Schwangerschaft wie beispielsweise HELLP Syndrom, starken Wehen oder ungünstiger Kindslage kann man nicht vorbeugen. Diesen Problematiken kann man nicht durch eine spezielle Lebensführung vorbeugen. Bei unklaren Schmerzen im Unterleib sollte aber gleich zu welchem Zeitpunkt in der Schwangerschaft immer ein Arzt aufgesucht werden. Schweren Komplikationen kann durch eine zeitnah einsetzende Therapie manchmal vorgebeugt werden.

Bücher über Schwangerschaftsprobleme

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Ludwig, M.: Gynäkologische Endokrinologie. Ein Handbuch für die Praxis, 2.Auflage, optimist Fachbuchverlag, 2011
  • Kuhl, H.: Sexualhormone und Psyche: Grundlagen, Symptomatik, Erkrankungen, Therapie,1. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2002
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Weyerstahl, T., Stauber, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013
  • Kirschbaum, M., et al.: Checkliste Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2005

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