Hodenhochstand (Maldescensus testis)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 23. März 2015
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Von einem Hodenhochstand spricht man, wenn beim männlichen Neugeborenen ein oder beide Hoden sich nicht im Hodensack befinden. Diese Krankheit ist angeboren und in den meisten Fällen behandlungsbedürftig. Bei den Deformationen im Bereich des Harn- und Geschlechtsapparates tritt der Maldescensus testis - der lateinische Begriff für Hodenhochstand - am häufigsten auf.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hodenhochstand (Maldescensus testis)?

Bei einem Hodenhochstand lassen sich durch Abtasten keine Hoden im Hodensack feststellen. Bei einer normalen Entwicklung des Fötusses wandern im Zeitraum des 7. Schwangerschaftsmonates die Hoden aus dem Bauchraum in den Hodensack, welcher auch Skrotum genannt wird.

Aufgrund verschiedener Ursachen kann es jedoch zu einer Fehlanlage kommen. In diesem Fall befinden sich die Hoden im Bauchraum (Bauchhoden) oder dem Leistenkanal (Leistenhoden).

Demnach spricht man je nach Anlageort der Hoden von sogenannten Bauchhoden, Pendelhoden, Gleithoden oder Leistenhoden. Während der ersten sechs bis zwölf Monate können sich die Hoden noch von selbst senken, danach muss der Hodenhochstand jedoch medikamentös oder operativ behandelt werden.

Ursachen

Die Ursachen für einen Hodenhochstand sind äußerst vielfältig. Als gesicherte Ursache gilt u.a. eine hormonelle Störung bei der Mutter, welche auch beim Fötus auftreten kann. Oftmals findet eine unzureichende Ausschüttung des HCG-Hormons (Humanes Chorion-Gonadotropin) oder des männlichen Geschlechtshormons Testosteron statt.

Dadurch kann es während der Schwangerschaft zu Entwicklungsstörungen kommen, so dass z.B. der Leistenkanal als auch die Samenstränge unvollständig ausgebildet werden. Ursache eines Hodenhochstands können auch anatomische Abweichungen des Bauchraums, des Urogenitaltrakts als auch bei den angrenzenden Organen sein.

Vor allem bei Frühgeburten, bei denen die Entwicklung nur unzureichend abgeschlossen ist, tritt der Hodenhochstand sehr häufig auf. Eine weitere Ursache kann eine erbliche Veranlagung sein; Studien haben gezeigt, dass Neugeborene vermehrt einen Hodenhochstand aufweisen, wenn dieser schon bei Vater oder Großvater aufgetreten ist.

Symptome und Verlauf

Einen Hodenhochstand kann man nur mittels Tastbefund feststellen. Es liegen zu Beginn keinerlei Symptome wie z.B. Schmerzen oder andere Beschwerden vor. Symptome wie z.B. starkes, schmerzhaftes Ziehen in der Leistengegend oder Flüssigkeitsansammlungen um den Hoden herum, treten erst dann auf, wenn der Hodenhochstand unbehandelt bleibt. Die Therapie des Maldescensus testis sollte spätestens zwischen dem 6. und 9. Lebensmonat erfolgen. Ein unbehandelter Hodenhochstand kann neben Unfruchtbarkeit auch Hodenkrebs zur Folge haben.

Bei den sogenannten Leistenhoden erhöht sich das Risiko zudem einen Leistenbruch zu erleiden, wobei dieser oftmals schon bei der Geburt in Kombination mit dem Hodenhochstand auftritt. Eine weitere Komplikation kann eine Hodentorsion sein, bei der sich Samenstrang und Hoden aufgrund der Fehlanlage ineinander verdrehen. Dadurch wird der Hoden nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt. Um den Hoden als auch den Samenstrang zu retten, ist eine operative Behandlung des Hodenhochstands unumgänglich.

Diagnose

Diagnostiziert wird der Hodenhochstand mittels Tastbefund durch einen Kinderarzt oder eines Urologen. In der Regel kann durch das Abtasten die Lage der Hoden festgestellt werden. Zur weiteren Diagnose gehört ein sog. Hormonstimulationstest, der vor allem dann angewandt wird, wenn keine Hoden ertastet werden können. Der Test gibt Aufschluss darüber, ob Hodengewebe vorhanden ist, um welche Art von Hodenhochstand es sich handelt und ob evtl. eine Anorchie vorliegt, sprich das Fehlen jeglicher Hoden und Hodengewebes. Um die Diagnose Hodenhochstand zu sichern, kommen auch Ultraschalluntersuchung, Kernspintomographie und in schwierigen Fällen auch chirurgische Eingriffe wie z.B. eine Laparoskopie (Bauchspiegelung) zum Einsatz.

Behandlung und Therapie

Bevor man einen Hodenhochstand aktiv behandelt, wird zuerst abgewartet, ob sich der Hoden innerhalb der ersten sechs bis neun Lebensmonate von selbst in den Hodensack senkt. Dass nach diesem Zeitraum eine Senkung stattfinden wird, ist äußerst unwahrscheinlich. Der Hodenhochstand wird mittels Hormontherapie und/oder je nach Ausprägung der Anomalie durch einen operativen Eingriff behandelt.

Die Hormontherapie hat bei einem Hodenhochstand eine Erfolgsquote von ca. 20 Prozent. Das Rezidiv, also die Rückfallquote, liegt bei ca. 25 Prozent. Bei dieser Art von Therapie wird u.a. GnRH- (Gonadotropin-Releasing-Hormon) als auch HCG-Hormon (Humanes Chorion Gonadotropin) injiziert.

Diese Hormonarten regen die Ausschüttung von Testosteron an, wodurch die Wanderung des Hodens stimuliert wird, so dass er seinen Weg in den Hodensack vollziehen kann. Nach erfolgreicher Therapie ist eine engmaschige Kontrolle bis in die Pubertät Pflicht.

Eine Operation ist dann unumgänglich, wenn die Hormontherapie keine Wirkung zeigt und die Pubertät bereits erreicht ist. Auch bei extremer Fehllage des Hodens als auch bei gleichzeitig auftretendem Leistenbruch ist ein chirurgischer Eingriff nicht zu vermeiden.

Der Chirurg legt bei der operativen Behandlung einen Schnitt in der Leistengegend an. Der zugehörige Samenstrang wird freigelegt und nach unten in Richtung Hodensack geführt. Im Anschluss wird der Hoden am unteren Ende des Hodensacks mit Fäden fixiert. Die operative Behandlung des Hodenhochstands erfolgt unter Vollnarkose.

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Vorbeugung

Ein Hodenhochstand kann nicht mit vorbeugenden Maßnahmen vermieden werden. Da die Ursachen wie z.B. Störungen im Hormonhaushalt, verzögerte Entwicklung oder andere anatomische Deformationen nicht beeinflusst werden können, kann der Hodenhochstand nur behandelt werden. Jedoch lassen sich prophylaktische Maßnahmen für evtl. auftretende Folgeschäden ergreifen. Durch frühzeitige Kontrolle der Hoden und einer rechtzeitigen Behandlung des Hodenhochstands kann man Hodentorsionen, Unfruchtbarkeit als auch Hodenkrebs vorbeugen.

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