Wie verläuft eine Geburt


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 9. September 2018

Die Geburt eines Kindes ist das wohl schönste Ereignis, das Menschen teilen können. Der Geburtsvorgang als solcher stellt aber, insbesondere für die werdende Mutter und das ungeborene Kind, zunächst einmal einen außerordentlichen Kraftakt dar. Grundsätzlich verläuft eine Geburt in drei Phasen: Eröffnungs-, Austreibungs- und Nachgeburtsphase. Einige Kinder müssen aufgrund medizinischer Indikationen über einen Kaiserschnitt auf die Welt gebracht werden, da das Risiko einer regulären Geburt sowohl für die werdende Mutter als auch für das ungeborene Kind zu hoch wäre.

Inhaltsverzeichnis

Wie läuft eine Geburt ab?

Das Baby ist endlich da. Mit der Geburt endet die aufregende Zeit der Schwangerschaft.

Fetale Signale und Hormonwirkungen leiten circa 40 Wochen nach der Befruchtung die Geburt ein. Grundsätzlich gilt, dass jede Geburt anders verläuft und einen einzigartigen Vorgang darstellt. Eine allgemein gültige Erklärung des Geburtsablaufs ist daher schwierig zu treffen. Grundsätzlich wird die Geburt in drei Phasen gegliedert. Der Eröffnungsphase schließt sich die Austreibungsphase an. Mit der Nachgeburtsphase endet die Geburt. Die Phasen kündigen sich meist einige Zeit im Voraus an. Daher bleibt der werdenden Mutter normalerweise noch ausreichend Zeit erste Vorbereitungen zu treffen, bevor sie sich in eine Klinik begibt.

Ankündigung der Geburt

Wenn der Geburtstermin immer näher rückt, sollte die Schwangere auf bestimmte Anzeichen achten, die eine bevorstehende Geburt ankündigen. Neben dem Abgang eines blutigen Sekrets aus der Scheide, deuten Wehen im Abstand von fünfzehn bis zwanzig Minuten auf eine baldige Niederkunft hin.

Wehen sind als Kontraktionen in der Gebärmutter spürbar. Sie treten in sehr regelmäßigen zeitlichen Abständen auf. Verkürzen sich die Abstände zwischen den einzelnen Wehen auf etwa vier bis fünf Minuten, sollte zeitnah eine Geburtsstation aufgesucht werden.

Auch unspezifische Symptome wie Übelkeit und Erbrechen können Vorboten für eine Geburt sein. Einige Frauen geben an, dass sie kurz vor der Geburt an unruhigen Schlaf und innerer Unruhe litten. Häufig treten auch Schmerzen im Bereich des Beckenbodens sowie im Scham- und Kreuzbein auf. Der eindeutigste Beweis, dass die Geburt bevorsteht, ist allerdings der Sprung der Fruchtblase.

Beginn des Geburtsvorgangs

Der offizielle Beginn des Geburtsvorgangs wird von Geburtshelfern, Ärzten und Hebammen mit dem Auftreten von Wehen eingeläutet, die zur Öffnung des Muttermundes beitragen. Sogenannte Vorwehen treten häufig auf, führen jedoch weder zur Öffnung des Muttermundes noch zu einer Verkürzung des Gebärmutterhalses. Werden gebärdende Frau befragt, beginnt der Geburtsvorgang jedoch bereits mit Einsetzen dieser Wehen.

Die Latenzphase

Die Latenzphase kann sich über einen Zeitraum von acht Stunden erstrecken. In dieser Zeit öffnet sich der Muttermund lediglich um wenige Zentimeter. Die Wehen setzen häufiger und länger ein. Vor allem während der Latenzphase kann die Mutter durch gezielte Übungen den Verlauf der Geburt positiv beeinflussen. Förderlich für die Dehnung des Muttermundes sind langsames Herumlaufen im Raum sowie beckenbodenentlastende Übungen. Dazu kommen etwa Hüftkreisen, angewinkelte Knie oder eine Hocke in Betracht. Allerdings ist darauf zu achten, dass die durchgeführten Übungen für die werdende Mutter nicht zu anstrengend sind, da sie für den weiteren Geburtsvorgang noch möglichst viel Kraft und Energie benötigt.

Die Eröffnungsphase

Die Eröffnungsphase beschreibt den zeitlichen Rahmen zwischen Einsetzen regelmäßiger Wehen und der vollständigen Öffnung des Muttermunds. Bei der Erstgeburt kann sich diese Phase auf zwölf Stunden hinauszögern. Bei Mehrgebärenden ist die Phase normalerweise innerhalb von sieben Stunden beendet.

Um die kindlichen Herztöne und die Wehen überwachen zu können, wird die Mutter an einen sogenannten Kardiotokografen angeschlossen. Dafür ist eine Seitenlagerung nach links empfehlenswert. Anderenfalls ist es möglich, dass das Ungeborene gegen die mütterliche Hohlvene drückt. Dies kann zu einem Kollaps der Schwangeren führen und sollte daher dringend vermieden werden.

Für den Fall, dass während der Geburt eine Narkose notwendig wird, sollte die Mutter nach regelmäßigem Einsetzen der Wehen keine Speisen mehr zu sich nehmen. In der Regel ist der Appetit zu diesem Zeitpunkt sowieso sehr gering.

Die Austreibungsphase

Die Austreibungsphase beginnt mit der kompletten Öffnung des Muttermundes. Sie endet bei der Geburt des Säuglings.

Diese Phase stellt sowohl für die Mutter als auch für das ungeborene Kind die anstrengendste Phase der Geburt dar. Deshalb werden die Herztöne des Kindes in der Klinik ununterbrochen kontrolliert, damit bei möglichen Zwischenfällen schnell eingeschritten werden kann.

Vor allem bei einer Erstgeburt kann die Austreibungsphase lange dauern. In der Regel ist die Phase jedoch nach zwei Stunden überstanden. Bei der Zweitgeburt und weiteren Geburten verläuft die Phase normalerweise zügiger ab.

Die Austreibungsphase kann ihrerseits in zwei Phasen unterteilt werden. In der frühen Austreibungsphase setzen die Wehen im Minuten-Takt ein. Zusätzlich übt das Kind sehr viel Druck Richtung Gebärmutterhals aus. Diese Umstände können dazu führen, dass die werdende Mutter unkontrolliert ihren Darm entleert. Dies ist bei einer Geburt nicht immer zu vermeiden und passiert häufig.

Meist bemerkt die Gebärdende die Entleerung gar nicht. Unkontrollierte Darmentleerungen werden von Geburtshelfern und Ärzten sehr häufig beobachtet. Ein stark ausgeprägtes Schamgefühl ist in dieser Situation nicht angebracht, da es ein sehr natürlicher Vorgang ist.

Nach der frühen Austreibungsphase folgt die Pressphase. Diese Phase stellt den Höhepunkt der Geburt dar. Wenn das Kind im Beckenboden der Mutter angekommen ist, stellt sich der weibliche Körper auf das Hinauspressen des Ungeborenen ein. Hierzu treten in sehr kurzen Intervallen heftige Wehen auf. Häufig können die Gebärenden in dieser Phase keine Pause der Wehentätigkeit mehr feststellen.

Diese starken Wehen können in vielen Fällen ausreichen, dass Kind in Richtung Scheidenausgang zu schieben, ohne das die Mutter durch Pressen nachhelfen muss. Dabei ist es wichtig, dass die werdende Mutter auch erst einmal nicht presst um ihre Kräfte zu sparen. Ist der Drang jedoch unüberwindbar, kann die Gebärdende nachgeben und in möglichst gleichmäßigen Zügen pressen. Der Rhythmus von Pressen und Ruhepausen sollte von der werdenden Mutter selbst und nicht von den Geburtsbegleitern gesteuert werden. Bei dieser Vorgehensweise ist die Schwangere weniger schnell erschöpft.

Die werdende Mutter sollte den Pressvorgang in dem Moment in dem der Kopf des Kindes aus der Vagina gekommen ist unterbinden. Presst sie zu diesem Zeitpunkt sehr stark, ist das Risiko für einen Dammriss sehr hoch. Anstatt zu Pressen sollte die Gebärdende die in den Geburtshilfekursen erlernte Atemtechnik des Hechelns einsetzen. Ist der Kopf des Kindes erst einmal sichtbar, vorläuft die restliche Geburt in der Regel recht zügig.

Nach erfolgreicher Geburt wird das Kind von der Nabelschnur von der Mutter getrennt. Etwa zehn Zentimeter vom Bauchansatz entfernt wird sie mit Hilfe von zwei Klemmen umfasst und dort durchtrennt.

Die Nachgeburtsphase

Nach der Geburt des Kindes erfolgt die sogenannte Nachgeburtsphase. Hierbei werden die Reste der Fruchtblase und die Plazenta herausgetrieben. Beides wird durch Hilfe der Nachwehen ausgestoßen. Die Nachgeburtsphase kann bis zu einer Stunde dauern. Nachwehen sind normalerweise weit weniger schmerzhaft als Wehen während der Geburt. In vielen Fällen werden sie von der Mutter nicht einmal mehr wahrgenommen, da diese zu diesem Zeitpunkt meist ihre gesamte Konzentration auf ihr Neugeborenes richtet.

Bei einigen Geburten wird diese Phase durch eine sogenannte Cord-Traction unterstützt. Die Cord-Traction beschreibt den Zug an der Nabelschnur. Unter Umständen kann zusätzlich ein Wehenmittel verabreicht werden. Die Nachgeburtsphase kann darüber hinaus durch Akupunktur, eine aufrechte Körperhaltung, Massagen und Stillen vorangetrieben werden.

Wenn sich der Mutterkuchen trotz der oben beschriebenen Maßnahmen nicht vollständig abspaltet, ist es notwendig, ihn von Hand zu lösen. Wird er nicht entfernt, sind mögliche Infektionen nicht auszuschließen. Dieser Vorgang wird in der Regel über die Gabe einer Peridualanästhesie, kurz PDA, durchgeführt.

Kaiserschnitt - Vorteile und Risiken

In einigen Fällen kann das ungeborene Kind nur durch einen Kaiserschnitt gesund zur Welt gebracht werden. Dabei wird durch einen Schnitt der mütterlichen Bauchdecke und Gebärmutter das Kind künstlich geholt. Ohne diese Operation wären viele Kinder heute nicht gesund geboren worden oder bereits während des Geburtsvorgangs verstorben. Etwa ein Drittel der Kinder in Deutschland wird mittlerweile durch einen Kaiserschnitt zur Welt gebracht.

Ursprünglich wurde ein Kaiserschnitt angewendet, wenn das Risiko einer normalen Geburt für Mutter und/oder Kind zu hoch war. Medizinische Gründe zur Durchführung eines Kaiserschnitts sind unter anderem eine Querlage des Kindes, die vorzeitige Ablösung des Mutterkuchens, ein Einreißen der Gebärmutter, eine fetale Azidose, Krampfanfälle der Mutter und ein Nabelschnurvorfall.

Mittlerweile entscheiden sich einige Frauen bewusst für einen solchen Geburtsvorgang. Gründe dafür sind die Angst vor der bevorstehenden Geburt und der Wunsch zur Planung des genauen Geburtstermins. Mediziner stehen diesem Trend jedoch sehr kritisch gegenüber, da ein Kaiserschnitt ohne medizinische Notwendigkeit mehr Nachteile als Vorteile mit sich bringt.

Ein Kaiserschnitt birgt etliche Risiken für Mutter und Kind. Aufgrund verbesserter Operationstechnik und einem optimierten Infektionsschutz sind die Risiken jedoch geringer als früher. Akute Probleme eines Kaiserschnitts für die Mutter stellen der große Blutverlust, die Bildung von Thrombosen, eine Verletzung benachbarter Organe wie Darm und Harnblase sowie Infektionen und Narkosekomplikationen dar. Mögliche langfristige Folgen eines Kaiserschnitts sind Verwachsungen des Gewebes, posttraumatische Belastungsstörungen, Bindungsprobleme und Lagerungsschäden.

Zudem erhöht ein Kaiserschnitt die Notwendigkeit eines weiteren operativen Geburtsvorgangs bei späteren Schwangerschaften. Dies ist durch das gesteigerte Risiko von Gebärmuttereinrissen und Plazentaschieflagen zu begründen. Das Neugeborene kann durch den Kaiserschnitt Verletzungen wie Schnittwunden erleiden. Zudem sind Anpassungsstörungen und Bindungsstörungen möglich. Dadurch können sich Probleme beim Stillen ergeben. Darüberhinaus weisen Kaiserschnitt-Kinder häufig eine erhöhte Infektanfälligkeit auf, da sie nicht in Kontakt mit der wertvollen Bakterien-Flora der mütterlichen Scheide gekommen sind.

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Quellen

  • Ludwig, M.: Gynäkologische Endokrinologie. Ein Handbuch für die Praxis, 2.Auflage, optimist Fachbuchverlag, 2011
  • Weyerstahl, T., Stauber, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013
  • Kirschbaum, M., et al.: Checkliste Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2005
  • Uhl, B.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2010


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