Periduralanästhesie

Die Periduralanästhesie (PDA) ist eine Form der Teilanästhesie, bei der der Patient vom mittleren Rücken ab abwärts betäubt wird. Periduralanästhesien erfordern die Einführung einer Kanüle zwischen die Wirbel der Wirbelsäule ins Rückenmark, wodurch über einen längeren Zeitraum hinweg Wirkstoffdosen ins Rückenmark abgegeben werden können.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Periduralanästhesie?

Mit der Periduralanästhie können Körperteile halsabwärts ohne Bewusstseinsverlust betäubt werden. Die PDA wird häufig in der Geburtshilfe eingesetzt. © elnar - shutterstock.com

Die Periduralanästhesie gehört zu den teilweise wirkenden Formen der Anästhesie, genauer zur rückenmarksnahen Regionalanästhesie. Der Patient bleibt dabei wach, kann aber sediert werden. Für eine Periduralanästhesie wird eine Hohlnadel zwischen die Rückenwirbel hindurch in den Spinalkanal eingeführt, wo das Narkosemittel direkt auf das Rückenmark einwirken kann. Die so genannte Tuohy-Nadel verbleibt im so genannten Periduralraum, sodass konstante Mengen eines Lokalanästhetikums für die Dauer des medizinischen Eingriffs in den Körper des Patienten abgegeben werden. Er verliert von der Einstichstelle an abwärts das Schmerzempfinden, die genaue Stelle der Punktion ist dabei abhängig von der zu betäubenden Stelle. Periduralanästhesien werden für operative Eingriffe eingesetzt, aber auch über Wochen und Monate zur Linderung chronischer Schmerzzustände.

Anwendungsgebiete

Die Periduralanästhesie gewährt dem Patienten eine Reduktion von Schmerzen bis hin zur Schmerzfreiheit des Torsos und der Beine. Sie umgeht die Notwendigkeit einer vollständigen Narkose und aller dazugehörigen Risiken. Eine Periduralanästhesie kann dabei minuten- oder stundenweise wirken, bei chronischen Schmerzpatienten kann sie über Wochen und Monate eingesetzt werden - jedoch mit zunehmendem Entzündungsrisiko.

Durch die bedarfsweise oder kontinuierliche Gabe eines lokal wirksamen Anästhetikums wird erreicht, dass der Patient schmerzfrei wird oder Schmerzen auf ein erträgliches Maß reduziert werden. Operative Eingriffe im Brust-, Bauch- und Beinbereich sind jetzt möglich, in der Geburtshilfe werden durch die Periduralanästhesie die Kräfte der Frau geschont und der Wehenschmerz reduziert und chronischer Schmerz lässt sich in Form einer langfristig gesetzten Periduralanästhesie durch den Patienten selbst ausschalten.

Was muss der Patient beachten?

Eine Periduralanästhesie birgt wie jede Form der Betäubung Risiken und kann mit Nebenwirkungen einhergehen. Ein Beratungsgespräch mit dem durchführenden Anästhesisten ist deswegen auch bei der Periduralanästhesie vorgeschrieben und findet in der Klinik statt, in der der Eingriff durchgeführt wird. Der Anästhesist wird den Patienten daher Tage oder Wochen vor dem Eingriff ins Krankenhaus bitten, ihm die Periduralanästhesie erklären und ihn auch auf mögliche Empfindungen vorbereiten, die er dabei haben könnte. Dadurch ist der Patient vorbereitet und reagiert nicht ängstlich, wenn die Periduralanästhesie zu wirken beginnt.

Weiterhin kann der Patient das Gespräch nutzen, um eigene Fragen zu stellen, sich über das Vorgehen klar zu werden und Wünsche wie beispielsweise eine Beruhigungstablette einzubringen. Zudem wird in diesem Rahmen die Krankheitsgeschichte des Patienten abgefragt und er wird über weitere Vorbereitungsmaßnahmen aufgeklärt, die er unter Umständen für die Periduralanästhesie ergreifen muss.

Durchführung - Wie läuft die Untersuchung ab?

Eine Periduralanästhesie sollte so vorbereitet wie möglich gesetzt werden. Besonders bei der Geburtshilfe ist das aber nicht immer möglich, da viele Frauen die Periduralanästhesie vorher ablehnen und sie dann doch wünschen, wenn die Wehen eintreten.

In diesem Fall wird die Gebärende vorher beraten und aufgeklärt, dann wird die Periduralanästhesie gesetzt. Der Patient liegt dazu entweder auf dem Bauch, besser seitlich mit angewinkelten Beinen. Sie kann notfalls auch im Sitzen gemacht werden, der Patient begibt sich auch hier in Embryonallage. Dadurch weiten sich die Zwischenräume zwischen den Wirbeln und der Anästhesist kann die Nadel leichter einführen.

Die Einstichstelle wird großflächig desinfiziert und lokal betäubt. Der Patient wird beim Setzen der Kanüle einen Druckschmerz spüren, da die lokale Betäubung nur auf der Haut wirken kann. Sobald die Kanüle sitzt, spürt er nichts mehr. Der Anästhesist wird sie so befestigen, dass der Patient sich bewegen kann, dann wird er an eine PDA-Pumpe angeschlossen und es wird kontinuierlich ein lokales Betäubungsmittel in den Periduralraum abgegeben.

Bei kurzfristigen Periduralanästhesien gibt der Arzt die Dosis vor, langfristige Formen der Periduralanästhesie erlauben nach Bedarf dem Patienten die kontrollierte Dosierung. Sicherheitshalber sollte sich der Patient nach der Periduralanästhesie nicht mehr bewegen, da das Gefühl in den Beinen stark eingeschränkt oder gar ausgeschaltet sein wird.

Wer übernimmt die Kosten?

Für eine Periduralanästhesie kommt die gesetzliche Krankenkasse auf. Für jedwede Form der Anästhesie liegen medizinische Indikationen vor, Ausnahmen hierzu gibt es nur wenige. Insbesondere bei operativen Eingriffen stellt sich die Frage nach der Indikation gar nicht. Auch in der Geburtshilfe gilt die Notwendigkeit einer Periduralanästhesie selbst bei natürlichen Geburten als anerkannt und gehört zum Angebot von Geburtskliniken. Die privaten Versicherungen handhaben die Übernahme von Periduralanästhesien in der Regel wie die gesetzlichen Krankenkassen. Übernommen wird nicht nur die Periduralanästhesie selbst, sondern auch das Beratungsgespräch und die eventuelle Nachsorge des Patienten.

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Risiken, Komplikationen und Nebenwirkungen

Eine Periduralanästhesie geht mit Risiken einher und kann natürlich Nebenwirkungen haben. Ein unwahrscheinliches, aber nicht geringfügiges Risiko ist das der Querschnittslähmung. Wird das Rückenmark verletzt, können dauerhafte Nervenschädigungen bleiben. Minimale Verletzungen der Dura Mater des Rückenmarks können zum Austritt von Flüssigkeit und zu starken Kopfschmerzen führen. Das betrifft junge Patienten eher als ältere Menschen. Geschieht das, kann eine so genannte totale Spinalanästhesie eintreten, bei der es zu Atemproblemen, Herzrhythmusstörungen und zum Herzstillstand kommen kann. Mit Beatmung und Gabe von Atropin lässt sich dieser lebensgefährliche Zustand aber beherrschen.

Während der Periduralanästhesie kann es zu Blutdruckabfällen kommen. Sollte die Kanüle nicht richtig gesetzt worden sein, wird die Periduralanästhesie nicht wirken und kann sogar zu schlimmeren Schmerzen als vorher führen. Blutergüsse und spätere Schmerzen an der Einstichstelle nach beendeter Periduralanästhesie sind nicht selten, normalerweise heilen sie binnen weniger Tage wieder ab. Lediglich bei Infektionen der Einstichstelle ist eine Nachsorge durch den Arzt geboten. Extrem selten ist eine Meningitis als direkte Folge einer Infektion nach der Periduralanästhesie.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der aktuellen medizinischen Fachliteratur und fundierter wissenschaftlicher Quellen verfasst.
Qualitätssicherung durch: Dr. med. Nonnenmacher
Letzte Aktualisierung am: 4. Januar 2021

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