Leukämie (Blutkrebs)


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 11. Dezember 2018

Jedes Jahr erkranken nach Angaben der deutschen Krebsgesellschaft etwa 13.700 Menschen neu an Leukämie (Blutkrebs), darunter auch Kinder. Diese bösartige Krebserkrankung verbreitet sich über das Blut und betrifft das gesamte Körpersystem, weshalb sie schwer einzudämmen ist. Sie zeichnet sich durch die Entstehung von funktionsuntüchtigen Blutzellen (Blasten) aus, die ins Blut geschwemmt werden. Es können dabei verschieden Formen unterschieden werden.Im Folgenden sollen Ursachen, Formen sowie Behandlungen der Erkrankung thematisiert werden.

Inhaltsverzeichnis

Was Leukämie (Blutkrebs)?

Diagnose: Blutkrebs. Über 13.000 Menschen erkranken jedes jahr neu an Leukämie. Dank moderner Medizin lässt sich die Krankheit gut behandeln.

Der Begriff Leukämie umfasst eine Gruppe von Erkrankungen, die als Blutkrebs bezeichnet werde. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass im blutbildenden Knochenmark funktionsuntüchtige Leukozyten (weiße Blutkörperchen) in großen Mengen gebildet werden. Diese tendieren zu einer unregulierten Vervielfältigung und verdrängen so mit der Zeit andere Zellen aus dem Blut des Patienten. Die Folge ist eine Blutarmut (Anämie) und ein erhöhtes Risiko für Infektionen und Blutungen. Es können vier Formen unterschieden werden.

Die akute myeloische Leukämie (AML), die akute lymphatische Leukämie (ALL) sowie deren chronische Formen. Das sind sie chronische myeloische Leukämie (CML) und die chronische lymphatische Leukämie (CLL). Die akuten Formen zeichnen sich durch einen sehr rasche Entwicklung der Symptome aus, wohingegen die die chronischen Formen oft lange Zeit unbemerkt bleiben und nur langsam fortschreiten.

Ursachen

Ursächlich für die Entstehung der Erkrankung sind Mutationen im Erbgut der blutbildenden Zellen im Knochenmark. Dadurch kommt es zum Verlust der Kontrollmechanismen, welche die Teilungsfähigkeit der Zellen eigentlich regulieren. So kann eine große Anzahl von Zellklonen entstehen, die allerdings ihre ursprüngliche Funktion nicht erfüllen kann. Diese Zellen sind nicht ausreichend gereift und für den Körper nicht von Nutzen. Hintergründe dieser Mutationen sind noch nicht endgültig erforscht.

Als Einflussgrößen kommen Chemikalien (Landwirtschaftlich genutzte Insekten- und Unkrautvernichter), verschiedene Viren, ionisierende Strahlung aber erbliche Faktoren in Frage. Radioaktivität als Auslöser ist umstritten. Bei sehr jungen Patienten wurde eine stark erhöhte Erkrankungsrate für Patienten mit Trisomie 21 festgestellt, ebenfalls steht Benzol im Verdacht die Entstehung von Krebs zu fördern.

Symptome und Verlauf

Die verschiedenen Leukämieformen äußern sich durch unterschiedliche Symptome. Die akuten Formen, also AML und ALL, können sich ohne Vorzeichen durch spontane Blutungen, Schwäche und einen blassen Hautton äußern. Ebenso können Lymphknoten und Milz vergrößert sein und der Erkrankte zeigt eine hohe Anfälligkeit für Infektionen. Der Appetit kann reduziert sein und nächtliche Schweißausbrüche, Müdigkeit und Appetitlosigkeit können auftreten. Die chronischen Formen CLL und CML nehmen einen schleichenden Verlauf. Sie können durch Ermüdung und Unwohlsein, aber auch geschwollene Lymphknoten, Hautjucken und Infektionen in Erscheinung treten.

Wie bei den akuten Leukämieformen kann es zu einem Gewichtsverlust und Nachtschweiß kommen. Die Schwellung von Milz und Leber kann Schmerzen der Eingeweide verursachen und sich so bemerkbar machen. Die Hoden können anschwellen und es kann zu Knochenschmerzen kommen. Auch Atemnot bei Belastung und in Ruhe können auftreten, genau wie Wucherungen des Zahnfleisches.

Wann zum Arzt?

Da es keine Früherkennung für Leukämie gibt, wird die Erkrankung oft durch Zufall entdeckt. Die Symptome für sich genommen können jeweils der Ausdruck einer wesentlich harmloseren Krankheit sein und deuten nicht direkt auf eine Krebserkrankung hin. Ein Arztbesuch sollte dennoch erflogen, wenn der Betroffene Veränderungen an sich entdeckt, wie zum Beispiel unerklärliche Blutergüsse, Zahnfleisch- oder Nasenbluten, geschwollene Lymphknoten oder unerklärliches und anhaltendes Fieber. Auch Hautveränderungen und Ausschläge können einen Arztbesuch rechtfertigen. Die beschriebenen Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit usw. sollten im Zweifelsfall auch nicht davon abhalten, ärztlichen Rat einzuholen.

Diagnose

Erste Maßnahme eines Arztes ist stets die klinische Untersuchung. Das bedeutet, er beurteilt den Zustand des Patienten an äußerlich beobachtbaren Kriterien. Dazu gehören Hautbeschaffenheit, Auftreten, Reflexprüfung, Bewegungsfähigkeit und die Beurteilung von Herztätigkeit, Atmung, Blutdruck und weiteren Werten. Ebenfalls wird die Funktion des Nervensystems geprüft. Dem folgt dann die Entnahme einer Blutprobe, welche im Fall der Leukämie auf die Zahl und Zusammensetzung der Blutzellen untersucht werden kann.

Weitere Hinweise liefern Gerinnungswerte, Leber- und Nierenwerte. Bildgebende Verfahren wie die Sonografie (Ultraschall), das CT und Röntgenverfahren können zur Darstellung der Lymphknoten und der Bauchorgane verwendet werden.

Gesichert werden kann die Diagnose dann durch die Entnahme von Gewebe aus dem Knochenmark und den Lymphknoten, welche dann ebenfalls untersucht werden können. Um eine Einwanderung der leukämsichen Zellen in das Nervensystem zu beweisen, muss eine eine sogenannte Liquordiagnostik durchgeführt werden. Dazu wird das Nevenwasser (Liquor) Über eine hohle Nadel aus dem Rückenmarkskanal entnommen.

Komplikationen

Durch ihre rasche Vermehrungsfähigkeit verdrängen die mutierten Zellen die blutbildenden Vorläuferzellen. Als Folge verringert sich die Anzahl der übrigen gesunden Zellarten drastisch. Das Immunsystem ist stark geschwächt und eigentlich harmlose Infektionen können für den Patienten zu einem ernst zu nehmenden Problem werden. Durch seinen Mangel an Blutplättchen können schon kleine Stürze zu starken Blutungen führen oder zu großen Blutergüssen führen.

Die verringerte Anzahl an roten Blutplättchen reduziert das körperliche Leistungsvermögen drastisch und schränkt den Patienten so ebenfalls ein. Auch können die entarteten Zellen sich an vielen Stellen im Körper einlagern. Dazu zählen auch Gehirn, Leber, Milz oder Hoden. Kommt es zum raschen Zellzerfall, droht ein Tumorlyse-Syndrom. Durch den schnellen Zelltod werden große Mengen an Salzen und Zellbestandteilen aus den Krebszellen frei. Diese begünstigen die Bildung von Kristallen in den Nieren.

Behandlung und Therapie

In erster Linie kommen bei der Behandlung von Leukämie Chemotherapeutika zum Einsatz. Allen voran die Zytostatika, also Medikamente, die die Zellteilung unterbinden und das Wachstum der entarteten Zellen einschränken sollen. Gerade bei akuten Formen wird durch eine anfängliche Hochdosierung der Medikamente die Zahl der Krebszellen stark reduziert und eine folgende niedrigere Dosis soll den Erfolg der Behandlung dann längerfristig erhalten.

Auch der Einsatz von Strahlung zur Zerstörung der bösartigen Zellverbände ist gebräuchlich. Da die unregulierten Vorläuferzellen im Knochenmark die gesunden Zellen allmählich verdrängen, ist die Transplantation von Stammzellen aus dem Knochenmark eines geeigneten Spenders notwendig. Diese können dann ein neues, funktionsfähiges Knochenmark aufbauen.

Die Behandlung der verschiedenen Leukämieformen ist allerdings häufig sehr unterschiedlich und erfordert verschiedenartige Ansätze. So kommen auch Präparate aus sogenannten monoklonalen Antikörpern zum Einsatz. Experimentell sind derzeit die Gentherapien, bei denen das körpereigene Immunsystem so verändert wird, dass es sich auch gegen Krebszellen richten kann und diese vernichtet. Unterstützend sollte auf eine gründliche Hygiene geachtet werden, sowie psychische Unterstützung angeboten werden.

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Aussicht und Prognose

Eine allgemeingültige Prognose ist schwer zu stellen. Vor allem junge Patienten besitzen eine gute 5-Jahre-Überlebensrate. Diese liegt bei etwa 80 Prozent bei der ALL . Bei älteren Patienten fällt sie allerdings auf etwa 20 Prozent ab. Bei der AML liegt sie hingegen zwischen 10 Prozent und 60 Prozent. Einfluss nehmen immer auch bereits bestehende Vorerkrankungen des Patienten.

Schlechte Prognosen haben auch sehr junge Patienten unter einem Jahr und sehr alte Patienten. Gerade die akute Leukämie führt unbehandelt in der Regel innerhalb von 3 Monaten zum Tod. Selbst wenn die Erkrankung anfänglich beherrscht werden kann, können nach einer gewissen Zeit Rückfälle auftreten. Dann muss eine neue Behandlung begonnen werden. Chronische Leukämieformen sind oft unheilbar, durch die Behandlung kann sich der Verlauf der Leukämie ausbremsen lassen und somit lange verzögern. Symptome, die die Lebensqualität einschränken können so häufig abgemildert werden.

Vorbeugung

Eindeutige Maßnahmen zur Vorbeugung einer Leukämie existieren nicht. Alle vermeidbaren Risikofaktoren sollten gemieden werden. Dazu zählt der Kontakt mit Benzol in Erdöl und Erdölprodukten, Tabakrauch oder Röntgenstrahlung. Unnötiger Einsatz von hoher ionisierender Strahlung sollte vermieden werden. Dazu zählt auch Röntgen- und UV-Strahlung. Ein Röntgenpass kann hier zu einer besseren Kontrolle beitragen. Mit Pestiziden belastetes Obst und Gemüse sollte möglichst nicht gegessen werden.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Braun, J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013


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