Großhirn

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 26. Juni 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Das Gehirn lässt sich in verschiedene Teile einordnen, wobei das Großhirn den größten Teil darstellt. Das Großhirn setzt sich aus zwei ovalen Halbkugeln zusammen, welche die obere Schädeldecke besetzen.

Inhaltsverzeichnis

Überblick: Was ist das Großhirn?

Querschnitt durch das Gehirn. Das Großhirn nimmt den größten Teil des Gehirns ein.

Das Großhirn, auch Cerebrum genannt, ist der größte Teil des menschlichen Gehirns und besteht aus zwei Hemisphären, die durch den Balken (Corpus callosum) miteinander verbunden sind. Jede Hemisphäre ist in vier Hauptlappen unterteilt: den Stirnlappen (Frontallappen), den Scheitellappen (Parietallappen), den Schläfenlappen (Temporallappen) und den Hinterhauptlappen (Okzipitallappen).

Der Stirnlappen ist für kognitive Funktionen wie Denken, Planen und Problemlösen sowie für die Kontrolle von Bewegungen und Sprache zuständig. Der Scheitellappen verarbeitet sensorische Informationen wie Berührung, Temperatur und Schmerz. Der Schläfenlappen ist an der Verarbeitung von auditiven Informationen und Gedächtnis beteiligt, während der Hinterhauptlappen primär für die visuelle Verarbeitung verantwortlich ist.

Funktionell ist das Großhirn das Zentrum für höhere geistige Aktivitäten, einschließlich Bewusstsein, Wahrnehmung, Gedächtnis, Denken und Emotionen. Es ermöglicht komplexe Bewegungen, Sprache und das Verstehen der Umwelt durch die Verarbeitung sensorischer Informationen.

Schädigungen des Großhirns können vielfältige Auswirkungen haben, abhängig von der betroffenen Region. Verletzungen oder Erkrankungen des Stirnlappens können zu Veränderungen in Persönlichkeit, Urteilsvermögen und motorischen Fähigkeiten führen. Schäden im Scheitellappen können die sensorische Wahrnehmung beeinträchtigen, während Schädigungen im Schläfenlappen zu Gedächtnisverlust und Sprachproblemen führen können. Verletzungen des Hinterhauptlappens können zu Sehproblemen oder -verlust führen.

Insgesamt ist das Großhirn ein komplexes und wesentliches Organ für das Funktionieren und Erleben des menschlichen Lebens. Es spielt eine zentrale Rolle bei nahezu allen Aspekten des täglichen Lebens und der menschlichen Erfahrung.

Definition

Das Großhirn (oder auch Cerebrum bzw. Endhirn) ist der größte "Gehirnteil". Beide Hemisphären weisen eine mittige Spaltung auf, die mit dem Hirnbalken (dem Callosum) verbunden ist. Im weiteren Verlauf kommunizieren beide Hirnhälften mit dem Hirnstamm.

Im Großhirn werden des Weiteren sensorische sowie motorische Funktionen gesteuert; ebenfalls kann im Großhirn die Steuerung der geistigen Aktivitäten vorgenommen werden. Das sind etwa Vorstellungen, das Urteilsvermögen, Wahrnehmungen oder auch die Entscheidungsfindung oder Vernunft.

Anatomie

Das Großhirn setzt sich aus einer linken sowie rechten Hirnhälfte zusammen; hier spricht der Mediziner von den Hemisphären. Jene werden durch den Corpus Callosum verbunden, sodass eine Kommunikation stattfinden kann.

Die Hemisphären sind des Weiteren in vier Hirnlappen unterteilt (Schläfen-, Stirn-, Scheitel- und Hinterhauptlappen). Die Scheitel- und Stirnlappen werden (durch die sogenannte Zentralfurche) getrennt und auch vom vorderen Motorcortex sowie vom hinteren Cortex abgegrenzt. Eine Furche sorgt auch dafür, dass die Hinterhauptlappen und die Scheitellappen voneinander getrennt sind.

Das Großhirn selbst setzt sich aus der Hirnrinde sowie dem inneren weißen Hirnmark zusammen. Dabei handelt es sich bei der äußeren Rinde um eine gefaltete Substanz, welche in ihrem Aussehen an eine Walnuss erinnert. Diese besteht aus zahlreichen Neuronen sowie Nervenfasern, die in weiterer Folge in das Hirnmark ragen.

Funktion

Das Großhirn setzt sich aus vier Lappen zusammen, welche allesamt für unterschiedliche Aufgaben verantwortlich sind. So werden nicht nur die Gedanken, sondern auch die Bewegungen und Sinne des Menschen kontrolliert. Das Corpus Callosum ist etwa dafür zuständig, dass Nachrichten zwischen den Hirnhälften weitergeleitet werden.

Die rechte Gehirnhälfte steuert die linke Körperhälfte, wobei die linke Gehirnhälfte die rechte Körperseite steuert. Der Stirnlappen verfügt über einen motorischen sowie präfrontalen Cortex. Hier werden etwa Emotionen, Planungen, Bewegungen sowie Kreativität oder Problemlösungen gesteuert.

Die Persönlichkeit sowie auch Kultur werden durch den präfrontalen Cortex durchgeführt. Freiwillige Bewegungen werden hingegen im primären motorischen Cortex kontrolliert. Hinter dem Stirnlappen befindet sich zudem noch der Scheitellappen.

In jenem Bereich werden etwa die Geschmacksinne, Temperaturen, Berührungen sowie auch Druck oder Schmerzen gelenkt. Der Schläfenlappen befindet sich auf der linken sowie rechten Seite und ist hinter den Schläfen positioniert. Jener Teil spielt vor allem für die Sprach- und Hörfunktionen eine wesentliche Bedeutung. Der Hinterhauptlappen liegt hinter dem Endhirn. Jener steuert Visionen und hat die Gabe, dass er Objekte erkennen kann.

Häufige Erkrankungen des Großhirns

Das Großhirn ist der größte Teil des menschlichen Gehirns und spielt eine entscheidende Rolle bei zahlreichen wichtigen Funktionen wie Denken, Erinnern, Fühlen und Bewegung. Schädigungen des Großhirns können daher erhebliche Auswirkungen auf die körperliche und geistige Gesundheit haben.

Schädigungen des Großhirns können durch verschiedene Ursachen hervorgerufen werden, darunter Schlaganfälle, traumatische Hirnverletzungen, Tumore, Infektionen und neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson. Die Art und Schwere der Symptome hängen davon ab, welcher Teil des Großhirns betroffen ist.

Schlaganfall

Ein Schlaganfall tritt auf, wenn die Blutversorgung eines Teils des Gehirns unterbrochen wird, was zu einem Absterben von Gehirnzellen führt. Dies kann Sprachstörungen, Lähmungen, Gedächtnisverlust und Verhaltensänderungen verursachen. Ein traumatische Hirnverletzung (TBI), die durch äußere Gewalt wie einen Unfall oder Sturz entsteht, kann ebenfalls ähnliche Symptome hervorrufen und kognitive sowie motorische Funktionen beeinträchtigen.

Tumore

Tumore im Großhirn können je nach Lage und Größe zu Kopfschmerzen, Krampfanfällen, Persönlichkeitsveränderungen und neurologischen Defiziten führen. Infektionen wie Enzephalitis, die durch Viren oder Bakterien verursacht werden, können Entzündungen im Gehirn verursachen und schwere neurologische Schäden hervorrufen.

Alzheimer und Parkinson

Neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson führen zu einem fortschreitenden Verlust von Nervenzellen im Gehirn. Alzheimer beeinträchtigt hauptsächlich das Gedächtnis und die kognitiven Fähigkeiten, während Parkinson Bewegungsstörungen wie Zittern, Steifheit und verlangsamte Bewegungen verursacht.

Weitere Erkrankungen

  • Encephalitis
  • Hirnabzess

Liegt eine Schädigung des Frontallappens vor (etwa durch einen Tumor), kann der Charakter des Menschen verändert werden. Oftmals kommt es zu pseudo-depressiven Störungen. Das bedeutet, dass der Patient antriebslos ist, wenig Emotionen zeigt und ein deutlich reduziertes Verlangen nach etwaigen sozialen Kontakten aufweist.

Das Großhirn kann auch durch etwaige Erkrankungen des Gefäßsystems Schaden nehmen. So kann - etwa nach einem Schlaganfall - ein Teil des Großhirns nicht mit genügend Sauerstoff versorgt werden, sodass jener Teil abstirbt.

Je nach Dauer und auch Schwere der Durchblutungsstörung, kann in weiterer Folge eine dauerhafte Hirnschädigung eintreten. Das sorgt für etwaige Lähmungen der Extremitäten oder führt zu Seh- sowie Sprechstörungen. Klassisch ist der hängende Mundwinkel oder auch die raushängende Zunge.

Liegt ein erhöhter Druck im Schädel vor, der durch eine erhöhte Hirnflüssigkeit verursacht wird, können Mobilitätsprobleme auftreten. Des Weiteren klagen viele Personen über Demenz. Auch etwaige Infektionen (Encephalitis, Meningitis), Hirnabszesse oder auch Epilepsie wie verschiedne Tumore können gravierende Beschwerden verursachen.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der aktuellen medizinischen Fachliteratur und fundierter wissenschaftlicher Quellen verfasst.
Qualitätssicherung durch: Dr. med. Nonnenmacher
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