Hysterie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 11. Februar 2016
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Von Hysterie spricht man im Allgemeinen, wenn sich eine Person außerordentlich ichbezogen verhält und zu geradezu skurrilen Überreaktionen neigt. Inzwischen ist der Begriff Hysterie allerdings keine psychologische Diagnose mehr. Der Symptomkomplex wird inzwischen systematisch den dissoziativen Störungen und vor allem der histrionischen Persönlichkeitsstörung zugeordnet

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hysterie?

Die Hysterie ist schon in ihrer Definition problematisch, da sie eine Reihe verschiedenster Symptome umfasste und über die Jahrhunderte von verschiedenen Wissenschaftlern auf verschiedenste Art und Weise gedeutet wurde.

Wo noch bei Hippokrates der skurrile Irrglaube vorherrschte, hysterisches Verhalten käme nur bei Frauen, durch eine Unterversorgung der Gebärmutter mit Sperma vor, schrieb man im Laufe des 19. Jahrhunderts die Hysterie einer krankmachenden Vorstellung zu. Somit gerieten schnell alle Arten von Krankheitssymptomen in den Blick, für welche man keinerlei organische Ursache finden konnte.

Heutzutage weiß man, dass eine Reihe psychischer Störungen körperliche Symptome verursachen können. Der Begriff der dissoziativen Störung greift die Idee der Abweichung von Vorstellung und Realität, besonders in Bezug auf Gedächtnisinhalte und körperliche Dysfunktion, auf. Die etablierte Diagnose der histrionischen Persönlichkeitsstörung hingegen widmet sich vor allem der Persönlichkeit des Hysterikers.

Ursachen

Als Ursache der Hysterie wurde in der Antike angenommen, die unbefriedigte Gebärmutter ginge innerhalb des Körpers auf Nahrungssuche und verbeiße sich schließlich im Gehirn der Hysterikerin, was zu den genannten Symptomen führe. Dass dies keineswegs als Ursache in Frage kommt, belegen nicht nur Anatomie und aufgeklärter Menschenverstand, sondern auch die Tatsache, dass keineswegs nur Frauen zu hysterischem Verhalten neigen.

Bei der dissoziativen Störung ist zumeist ein Trauma Auslöser für psychogene Schmerzen. Bei dissoziativen Gedächtnisstörungen werden traumatische Erlebnisse durch Amnesie unzugänglich für den Gedächtnisabruf. Die Dissoziation ist hierbei ein Mechanismus, welcher helfen soll, mit dem Trauma weiter zu leben.

Bei der histrionischen Persönlichkeitsstörung hingegen geht man davon aus, dass die Entwicklung des Selbst nicht völlig abgeschlossen ist und vor allem histrionische und narzisstische Konflikte ungelöst blieben.

Symptome und Verlauf

Hysterie fällt vor allem durch ihre Symptome auf - so gerieten früher vor allem körperliche Leiden in den Blickpunkt, für welche keine körperlichen Ursachen gefunden werden konnten. Diese sind heute Bestandteil der dissoziativen Störungen und beinhalten selbst psychogene Bewegungsstörungen und Krampfanfälle.

Bei der histrionischen Persönlichkeitsstörung ist das hysterische Verhalten eines der Symptome: Hier beobachtet man oftmals übertriebene emotionale Reaktionen auf nahezu alltägliche Dinge, ein extremes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und ein egozentrisches Weltbild. Zusätzlich sind Histrioniker selbst leicht zu beeinflussen und gleichzeitig außerordentlich manipulativ. Gleichzeitig wird sich übermäßig mit der eigenen Erscheinung beschäftigt und ein attraktives Erscheinungsbild als übermäßig relevant eingeschätzt, Beziehungen zu anderen Personen werden als enger angesehen als sie sind und das Auftreten ist unangemessen verführerisch oder provokativ.

Es fehlt die Einsicht, dass das eigene Verhalten krankhaft oder auch nur übertrieben ist. Bei der histrionischen Persönlichkeitsstörung wird alles inszeniert, die eigene Persönlichkeit mit eingeschlossen. Aus diesem Grund suchen Histrioniker besonders die Nähe zu anderen Personen, denn nur im Kontext der Interaktion scheinen sie Zugang zu dem zu haben, was sie als ihre Persönlichkeit ansehen. Nur durch die Rückmeldung von anderen, scheinen sie sich bestätigt zu fühlen - einer der Gründe für ihre offenkundige Hysterie.

Diagnose

Hysterie sollte auf keinen Fall von einem Laien pseudodiagnostiziert werden. Wird Verhalten von Bekannten oder Verwandten wahrgenommen, das hysterisch wirkt, ist der erste Weg dennoch der zum Arzt, um organische Ursachen, die als dissoziativ fehlinterpretiert werden, auszuschließen.

Besonders bei der Persönlichkeit eines Menschen sollte man aufpassen, keine vorschnellen Schlüsse zu ziehen - Laien verwechseln hier viel zu oft hohe Ausprägungen normaler Persönlichkeitseigenschaften, wie beispielsweise Extraversion, mit einer krankhaften Störung.

Die Diagnose kann schlussendlich nur, nach einem systematischen Ausschluss körperlicher Ursachen, von einem professionellen Diagnostiker gestellt werden, welcher nach den Kriterien der ICD und des DSM forscht und geeignete Diagnoseinstrumente zur Verfügung hat. Hier werden vor allem Fragebögen zur Selbst- und Fremdbeurteilung verwendet, unter anderem der Fragebogen zu dissoziativen Symptomen und das Hypochondrie-Hysterie-Inventar.

Behandlung

Zur Behandlung von Hysterie, beziehungsweise Dissoziation und histrionischer Persönlichkeitsstörung, ist besonders die Psychotherapie geeignet und bezogen auf den Behandlungserfolg wichtig.

Im Falle der Dissoziation wird, vor allem im Rahmen einer Gesprächstherapie, versucht, das Trauma zu bewältigen und damit die Ursache für die Dissoziation zu beseitigen. Auch verhaltenstherapeutische Maßnahmen helfen in diesem Zusammenhang, das Leid der Betroffenen zu lindern.

Gerade bei der histrionischen Persönlichkeitsstörung macht ein stationärer Aufenthalt Sinn. Begründet ist dieser Teil der Behandlung, da es schwer ist, eine therapeutische Beziehung aufzubauen, in der der Patient langsam zur Einsicht seines Verhaltens und schrittweisen Änderung gebracht werden kann.

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Vorbeugung

Einer Hysterie und psychischen Störungen im allgemeinen vorbeugend, wirken sogenannte Schutzfaktoren. Dies sind Faktoren, die selbst bei Eintritt eines potentiell traumatischen Erlebnisses dafür sorgen können, dass keine Störung entwickelt wird. Hierzu zählen beispielsweise die aktive Stressbewältigung, ein positives Selbstwergefühl und soziale Unterstützung.

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