Dyskalkulie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 8. Februar 2016
Gesundpedia.deKrankheiten Dyskalkulie

Dyskalkulie bezeichnet Schwierigkeiten beim Lernen oder Verstehen arithmetischer Aufgabenstellungen, wie das Verständnis von Zahlen, beim Rechnen oder dem Erlernen mathematischer Fakten. Von der allgemein als Entwicklungsstörung aufgefassten Dyskalkulie sind etwa 3 - 6 % der Bevölkerung betroffen, wobei ein Viertel der rechenschwachen Kinder gleichzeitig die Symptome von ADHS aufweist.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Dyskalkulie?

Der Begriff Dyskalkulie ist dem Griechischen (dys/schlecht) und dem Lateinischen (calculare/zählen) entlehnt. Die Störung wurde über Fallstudien mit Patienten, die bestimmte arithmetische Behinderungen als Folge von Schäden an bestimmten Gehirnregionen erlitten hatten, identifiziert.

Häufiger jedoch tritt Dyskalkulie als offensichtlich genetisch bedingte Lernbehinderung auf, die die intuitive Fähigkeit einer Person, Zahlen zu verstehen oder zu verwenden, beeinträchtigt. Dyskalkulie kann bei Menschen aus dem gesamten IQ-Spektrum auftreten, die Verständnisschwierigkeiten von Zeit, Messung und räumlichem Denken aufweisen.

Ursachen

Im Gegensatz zur Legasthenie ist noch sehr wenig über Prävalenz und Ursachen von Dyskalkulie bekannt. Tritt Dyskalkulie als Ergebnis von Hirnverletzungen auf, wird in der Regel der Begriff „acalculia“ verwendet, um eine Unterscheidung zur angeborenen, genetisch bedingten oder aufgrund von Entwicklungsstörungen ausgeprägten Dyskalkulie zu treffen.

Generell konnte bislang keine abschließende Definition der Ursachen gefunden werden. So geht die Neurologie von Läsionen an den Scheitellappen des Gehirns aus, andere Forscher vermuten Defizite im Arbeits- oder Kurzzeitgedächtnis.

Ein größeres Risiko für Dyskalkulie scheint es möglicherweise bei Personen mit dem Turner-Syndrom, dem Velocardiofacial Syndrom, dem Williams-Syndrom, einem fötalen Alkoholsyndrom oder einem niedrigen Geburtsgewicht zu geben. Gleichzeitig können visuell-räumliche Schwierigkeiten, mit Problemen der Verarbeitung des Gesehenen sowie sprachliche Beeinträchtigungen mit Problemen der Verarbeitung von Gehörtem eine Dyskalkulie befördern.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome der Dyskalkulie betreffen abgesehen von einer grundlegenden Unfähigkeit des Verständisses des Konzeptes „Zahl“ zahlreiche darauf aufbauende Fähigkeiten. So ergeben sich Schwierigkeiten beim Lernen und Abrufen von abstrakten Rechenregeln und Verfahren sowie der Anwendung von Zahlen mit Nullen. Desweiteren haben von Dyskalkulie Betroffene oft Schwierigkeiten im Umgang mit Geld oder analogen Uhren, dem Schätzen von Werten und Probleme mit Begriffen wie Geschwindigkeit oder Temperatur. Symptomatisch sind Schwierigkeiten bei der räumlichen Orientierung in bestimmte Richtungen oder beim Kartenlesen. Dyskalkulie umfasst teilweise eine Überempfindlichkeit gegen Lärm, Geruch, Licht und die Unfähigkeit, unerwünschte Informationen oder Eindrücke zu filtern.

Diagnose

Diagnoseverfahren für Dyskalkulie beurteilen das numerische Potential unabhängig von den kognitiven Fähigkeiten in anderen Bereichen und setzen prioritär auf einen Vergleich zu objektiven Anforderungen. Dazu sind verschiedene Dyskalkulie Screener und Testverfahren erprobt. Mit Blick auf die anzustrebende individuelle Therapie wurde in Deutschland das Testverfahren QUADRIGA (Qualitative Diagnostik Rechenschwierigkeiten im Grundlagenbereich Arithmetik) entwickelt. Dieses greift auf Basis der Interview-Methode „Lautes Denken“ auf einen Pool von 42 Fragestellungen verschiedener mathematischer Themenkomplexe zu, um die Rechenschwächen differenziert auszuwerten und eine geeignete Behandlung der Dyskalkulie zu ermöglichen.

Behandlung

Je früher eine Dyskalkulie diagnostiziert werden kann, desto größer ist die Aussicht auf eine erfolgreiche Behandlung. Bereits vor Schuleintritt besteht die Möglichkeit einer Präventionsdiagnose, um die Abstraktionsfähigkeit zu überprüfen. Zeigen sich erste Rechenschwächen, besteht die Möglichkeit einer lerntherapeutischen Frühbegleitung. Können die grundlegenden mathematischen Fakten nicht erlernt werden, werden Jugendliche und Erwachsene mit Dyskalkulie im späteren Lebenslauf erhebliche Schwierigkeiten haben, fortgeschrittene Anwendungen mathematischer oder komplexerer Struktur zu meistern.

Aufgrund der relativ jungen Forschung und Diagnoseverfahren sind die Behandlungsansätze für Dyskalkulie relativ überschaubar, setzen jedoch bei einer individuell abgestimmten Lerntherapie an. Diese ist auf die Gesamtpersönlichkeit und den Aufbau eines gesunden Selbstbewusstseins des Patienten ausgerichtet und keinesfalls als Nachhilfeunterricht zu interpretieren.

Zum Abbau der Dyskalkulie müssen ein grundlegendes Verständnis von Mengen und Rechenvorgängen erarbeitet und individuelle Lernstrategien erlernt werden. Dazu ist die Mitwirkung der jeweiligen Lehrer und Eltern erforderlich, um Lernerfolge zu sichern und die Motivation zu halten. Der Betroffene muss sämtliche mathematische Grundlagen Schritt für Schritt nachvollziehen können.

Mathematisch und didaktisch ausgebildete Dyskalkulietherapeuten sind speziell dazu befähigt, individuell differenzierte Therapiepläne zu entwickeln. Durch eine integrierte Verlaufsdiagnostik können die notwendigen Lernschritte angepasst und die durch die Dyskalkulie angefallenen Defizite aufgearbeitet werden.

Rezeptfreie Medikamente gegen Konzentrationsstörungen


Vorbeugung

Da die Mathematik einer strengen Logik aufeinander aufbauender Sachverhalte folgt, muss bei ersten Anzeichen von Dyskalkulie präventiv eingegriffen werden. Probleme beim Erlernen mathematischer Fähigkeiten bedeuten nicht notwendigerweise, dass eine Lernbehinderung vorliegt. Je nach Alterstufe deuten bestimmte Faktoren jedoch auf eine Dyskalkulie hin.

Probleme beim Zählen und dem Lösen formaler Aufgaben, Schwierigkeiten im Umgang mit den Grundrechenarten oder dem mathematischen Wortschatz, Unfähigkeit der Umsetzung stretegischer Spiele oder beim Kopfrechnen können signifikante Alarmzeichen sein. Grundlegend können Eltern einer Dyskalkulie durch eine frühzeitige Förderung der simultanen Wahrnehmung entgegenwirken.

Bücher zum Thema Konzentrationsstörungen

Weitere Infos

Das könnte Sie auch interessieren:

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Dyskalkulie?

Name oder Pseudonym:

E-Mail: (optional)

(wird nicht angezeigt, nur notwendig, wenn aktuelle Gesundheitsinformationen erwünscht werden)

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?