Cyberchondrie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 8. Juni 2017
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Unter dem Begriff Cyberchondrie bezeichnen Mediziner eine neue Krankheit. Diese lässt sich auf das Internet und die Selbstrecherche einzelner Patienten zurückführen. Die Cyberchondrie ist vergleichbar mit der Krankheit des Hypochonders.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Cyberchondrie?

Mediziner klassifizieren die Cyberchondrie als psychische Störung. Bei dieser psychischen Erkrankung entwickeln Patienten Angst vor diversen Erkrankungen, die sie bei ihrer Recherchen im Internet finden.

Durch die Suche nach etwaigen Symptomen, bilden sich die Patienten eine womöglich im Internet gefundene Krankheit ein. Die Cyberchondrie ist eine neue Wortschöpfung, die sich aus den Begriffen "cyber" sowie "Hypochondrie" zusammensetzt. Die Cyberchondrie gilt als neue Krankheit bzw. psychische Störung.

Ursachen

Die Ursache der Cyberchondrie oder auch des hypochondrischen Spektrums liegen in einer früheren Erfahrung und Prägung des Menschen. Das bedeutet, dass vor allem bei diesen Personen das Vertrauen in der eigenen Gesundheit stark gestört ist. Des Weiteren verlassen sie sich nicht auf ihre Gesundheit und ihren Körper.

Personen, die unter der Cyberchondrie leiden, haben oftmals in ihrem familiären Umfeld - im Kindesalter - schwere Erkrankungen von Angehörigen mitverfolgt. Auch liegt der Ursprung immer wieder in der Erziehung. Dem Betroffenen ist bereits im Kindesalter von der "gefährlichen Welt" berichtet worden. Das bedeutet, dass sehr wohl auch die Erziehung eine Teilschuld an der psychischen Störung hat. Des Weiteren vermuten Ärzte auch eine genetische Veranlagung.

Durch die Möglichkeit der Selbstrecherche im Internet, beginnen viele Patienten bereits auch harmlose Symptome mit Suchmaschinen zu suchen. Doch die Fülle an Informationen wie Möglichkeiten überfordert die Personen. Schlussendlich ist es die nicht durchschaubare Masse an möglichen Informationen und Krankheiten, welche die Personen prägt. Durch die intensive Recherche entsteht somit eine Möglichkeit der Cyberchondrie.

Wann zum Arzt?

In den heutigen Zeiten der Multimedia ist es völlig normal, ab und zu Krankheitssymptome in Suchmaschinen wie Google & Co. einzugeben und so medizinische Informationen aus dem Internet zu beziehen. Auch eine einmalig auftretende Beunruhigung über die auf einer Website entdeckten Informationen im Hinblick auf mögliche Ursachen der eigenen Beschwerden ist noch nicht als bedenklich zu werten. Ratsam wird der Gang zum Arzt jedoch dann, wenn die Suche nach Symptomen und Krankheiten den Betroffenen stark ängstigt und zunehmend in der Bewältigung seines privaten und beruflichen Alltags einschränkt.

Wenn sich der Blick der von Cyberchondrie betroffenen Personen nicht mehr auf die häufig harmlosen Ursachen von Krankheitssymptomen, sondern zunehmend auf ernsthafte Erkrankungen richtet, läuft der Patient Gefahr, immer weiter in diese Angstspirale hineinzugeraten. Der Blick für realistische Ursachen wird immer mehr in Richtung potenziell lebensbedrohlicher Ursachen verschoben und es werden häufig immer mehr Symptome am eigenen Körper wahrgenommen.

Ein Arztbesuch wird also in zweierlei Hinsicht bei Cyberchondrie besonders wichtig. Zum einen dann, damit der von großer Angst und Sorge Betroffene seine Beschwerden von einem Arzt vor Ort abklären kann. Zum anderen, wenn die Cyberchondrie dazu führt, dass durch laufende Beobachtung des eigenen Körpers und ständiges Googeln nach Krankheiten das Angstlevel immer mehr steigt und den Patienten in seiner realistischen Wahrnehmung immer mehr einschränkt.

Symptome und Verlauf

Personen, die unter einer Cyberchondrie leiden, haben folgende Symptome sowie Anzeichen: Sie haben Angst krank zu werden bzw. Angst, dass ihre Krankheit gefährlich und lebensbedrohlich ist. Des Weiteren recherchieren Betroffene nahezu zwanghaft im Internet und studieren Gesundheitsinformationen.

Auch sind Personen, die unter einer Hypochondrie leiden gefährdet, dass sie an einer Cyberchondrie erkranken. Es gibt für die Cyberchondrie kein festes Krankheitsbild, sodass die Diagnose äußerst schwer zu stellen ist. Mediziner erkennen oft dann eine Cyberchondrie, wenn bereits eine hypochondrische Störung diagnostiziert wurde. Diese hat die typischen Merkmale, dass Personen Angst vor gefährlichen Erkrankungen haben, obwohl sie keine Anzeichen haben, tatsächlich an dieser Erkrankung erkrankt zu sein.

Spätestens wenn Patienten nur noch an die Möglichkeit einer schweren Erkrankung denken, liegt es wohl auf der Hand, dass diese an der psychischen Störung leiden. Mediziner untersuchen somit auch die körperlichen Aspekte der Person. Der Unterschied zur Cyberchondrie ist, dass hier Personen oftmals stundenlang im Internet recherchieren.

Diagnose

Patienten, die bereits ihrem Arzt mitteilen, welche Krankheit sie haben und welche Auswirkung diese hat, sind ein klassisches Beispiel - und auch das erste Warnzeichen für den Mediziner, dass die Person wohl unter Cyberchondrie leidet. Jedoch ist es für den Arzt schwer, die richtige Diagnose zu ermitteln. Vor allem, weil Personen, die unter einer Cyberchondrie leiden, im Endeffekt immer mit körperlichen Beschwerden den Arzt besuchen.

Im Regelfall dauert es durchschnittlich sieben Jahre, bis der Arzt endgültig die Diagnose Cyberchondrie stellt. Durch das jahrelange Nichtentdecken ist es für den Mediziner schwer, die aufgetretenen Symptome sowie das Verhalten des Patienten zu behandeln.

Komplikationen

Durch die Cyberchondrie kommt es in den meisten Fällen zu starken psychischen Beschwerden. Im schlimmsten Falle kann die Cyberchondrie dabei Angstzustände und Selbstmordgedanken entwickeln und dabei auch zum Selbstmord führen. Nicht selten muss die Krankheit daher auch in einer geschlossenen Klinik behandelt werden, da die Betroffenen in der Regel uneinsichtig sind und die Erkrankung nicht anerkennen. Die Therapie und Behandlung erweist sich aus diesem Grund als aufwendig. Durch die Cyberchondrie kann der Betroffene auch Medikamente einnehmen oder Behandlungen durchführen, die nicht notwendig sind. Diese können dem Körper Schaden zufügen, wenn sie unkontrolliert durchgeführt werden.

Die sozialen Kontakte werden durch die Cyberchondrie erschwert und es kommt oft zu einer starken Ausgrenzung und zu Depressionen. Der Patient leidet auch an einem allgemeinen Schwächegefühl und an Schlaflosigkeit und ist dadurch anfälliger für Infekte und andere Krankheiten. Die Behandlung selbst findet meistens bei einem Psychologen mit Hilfe einer Verhaltenstherapie statt, wobei es zu keinen weiteren Komplikationen kommt. Allerdings können mehrere Monate vergehen, die bis die Behandlung anschlägt und eine Besserung eintritt. Auch nach der Behandlung kann es zu einem Rückfall zur Cyberchondrie kommen.

Behandlung und Therapie

Derzeit gibt es keine spezialisierten Behandlungsprogramme gegen die Cyberchondrie. Das liegt vor allem daran, da es sich um eine neuartige Erkrankung handelt. Viele Mediziner wenden gleichartige Behandlungen wie bei Hypochondrie an, das bedeutet eine psychotherapeutische Behandlung des Patienten.

Des Weiteren führt der Arzt eine kognitive Verhaltenstherapie durch. Der Mediziner versucht den Patienten zu überzeugen, dass dieser keine schwere Erkrankung hat - und überzeugt somit den Betroffenen, dass dieser an einer Fehlüberzeugung glaubt. Ebenfalls versucht der Mediziner den Patienten dahingehend zu trainieren, dass er sein Verhalten über seinen Körper und die Gesundheit grundlegend ändert.

Auch versucht der Mediziner dahingehend zu agieren, dass er den Patienten überzeugt, nicht selbständig im Internet diverse Symptome zu recherchieren. Oftmals wendet man auch eine medikamentöse Behandlung bei Cyberchondrie an (Antidepressiva).



Vorbeugung

Im Regelfall gilt es für den Patienten, die an Cyberchondrie erkrankt sind, nicht im Internet nach Symptomen und dementsprechenden Krankheiten zu suchen. So kann ein eventueller Hypochonder die Cyberchondrie abwenden. Das Vermeiden der Selbstrecherche gilt als wichtiger Punkt beim Verhindern der Cyberchondrie. Auch sollte man mit dem Arzt über etwaige Ängste reden, sodass diverse Symptome und Erscheinungen nicht mit der Zeit über Hand nehmen und sich dementsprechend ausbreiten.

Bücher über Cyberchondrie

Quellen

  • Payk, T.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Dilling, H. & Freyberger, H.J.: Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, Huber Verlag, 6. Auflage 2012
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Bergner, T. M. H.: Burnout-Prävention. Schattauer, Stuttgart 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Tölle, R., Windgassen, K.: Psychiatrie. Springer, Berlin 2014

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