Abstehende Ohren (Segelohren)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 18. Dezember 2014
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Abstehende Ohren werden im Alltagsjargon auch als Segelohren bezeichnet. Bei einem Menschen mit abstehenden Ohren stehen diese weiter vom Kopf ab, als beim Durchschnitt der Bevölkerung. Es entstehen zwar keine körperlichen Beeinträchtigungen, jedoch können die sogenannten Segelohren aufgrund von Verspottungen aus dem Umfeld zu psychischen Erkrankungen führen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind abstehende Ohren?

Abstehende Ohren sind eine Fehlbildung des äußeren Hörorgans. Diese Art der Fehlbildung liegt vor, wenn eines oder beide Ohren mehr als 30° Grad vom Kopf abstehen oder der Abstand zwischen Kopf und Ohrmuschel größer als zwei Zentimeter ist.

Durch abstehende Ohren werden weder die Hörfähigkeit noch der Gleichgewichtssinn gestört. Es kann allerdings zu psychischen Beeinträchtigungen kommen, da Menschen mit abstehenden Ohren nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen und somit das Ziel von Mobbing werden können.

Ursachen

Für abstehende Ohren gibt es zwei Ursachen: Zum einen kann der Grund für die Segelohren eine zu schwach ausgebildete Ohrmuschel-Hauptfalte, von Medizinern "Anthelix" genannt, sein oder die Ohrmuschel ist zu groß und steht deshalb vom Kopf ab.

Die Ohrform wird zudem vererbt. Gibt es in einer Familie viele Familienmitgliedern mit abstehenden Ohren, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Neugeborene ebenfalls abstehende Ohren haben werden. Welche genauen Faktoren allerdings dafür sorgen, dass und wie stark abstehende Ohren vererbt werden, ist wissenschaftlich noch nicht erforscht.

Symptome und Verlauf

Abstehende Ohren beeinträchtigen das Hörvermögen nicht. Im Gegensatz zu Tieren, die durch bewegliche Ohren die Richtung des Schalls lokalisieren, braucht der Mensch diese Fähigkeit in seinem heutigen Lebensraum nicht mehr. Verkümmerte Muskeln im Ohr zeugen allerdings davon, dass auch der Mensch früher einmal dazu in der Lage war, seine Ohren zu bewegen. Deshalb können einige Menschen mit den Ohren wackeln.

Symptome, die durch abstehende Ohren hervorgerufen werden, sind dagegen psychischer Natur. Da abstehende Ohren nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen, kann es gegenüber Menschen mit dieser Fehlbildung zu Hänseleien kommen. Dementsprechend kann dies zu einem Minderwertigkeitskomplex, Angst vor Verspottung und sogar Depressionen bei betroffenen Personen führen. Diese psychischen Belastungen können das Sozialleben von Menschen mit abstehenden Ohren erheblich stören.

Diagnose

Abstehende Ohren werden von einem Arzt bereits durch die optische Wahrnehmung diagnostifiziert. Um die Diagnose zu verifizieren, werden im Anschluss Messungen vorgenommen. Wenn der Winkel zwischen Ohrmuschel und Kopf größer als 30° ist oder der Abstand zwischen Ohrmuschel und Kopf mehr als zwei Zentimeter beträgt, handelt es sich laut der medizinischen Definition um abstehende Ohren.

Behandlung

Die Behandlung von abstehenden Ohren ist nur mittels Otopexie möglich. Otopexie ist eine Operation, bei der die Fehlstellung der Ohren vollständig korrigiert wird. In der Umgangssprache nennt man diese auch Vorgang als "Ohren-anlegen". Oft versuchen Eltern, ihren Kindern im frühkindlichen Alter die Ohren anzukleben oder anzubinden. Dieser Therapieversuch hat allerdings keinen Erfolg. Abstehende Ohren lassen sich nur operativ korrigieren.

Um die Fehlbildung abstehende Ohren operativ zu entfernen, gibt es verschiedene Methoden. Die klassische Operationsmethode nach Mustardé beruht auf einer Nahttechnik. Hierbei legt der Chirurg die Rückfläche der Ohrmuschel frei, um anschließend den Ohrknorpel durch Fadenzug in die korrekte Position zu bringen. Häufig wird auch die Schnitt-Naht-Technik nach Converse eingesetzt. Sie ähnelt dem Verfahren von Mustardé stark. Jedoch wird hier die Knorpelstruktur beschnitten. So ist sie besser formbar und die Operation gelingt leichter.

Bei der Ritztechnik nach Sternström wird, wie der Name vermuten lässt, der Knorpel eingeritzt. Somit ist keine Naht erforderlich, da durch das Ritzen der Knorpel einfach verformbar ist. Vorteil dieser Methoden ist ein sehr exaktes Ergebnis. Es gibt allerdings auch Nachteile: Es verbleiben leichte Narben hinter den Ohren und der Heilungsprozess nimmt eine lange Zeit in Anspruch. Die ersten ein bis zwei Wochen nach dem Eingriff muss ein Verband getragen werden, was gegebenenfalls zu Arbeitsunfähigkeit führt.

Zusätzliche Nachwirkungen können starke Schmerzen und eine erhöhte Empfindlichkeit der Ohren sein. Eine modernere Methode zur Ohrenkorrektur ist die Fadenmethode. Hier wird kein Schnitt gesetzt, weshalb auch keine sichtbaren Narben zurück bleiben. Es werden an den notwendigen Stellen Nähte eingearbeitet, die die abstehenden Ohren korrigieren.

Bei der Fadenmethode gibt es nur selten Komplikationen wie eine Entzündung der Ohren aufgrund der Nähte oder die Rückbildung der Korrektur, weil die Fäden in den Ohrknorpel einschneiden und diesen dann nicht mehr straff halten. Welche Methode zur Korrektur von abstehenden Ohren geeignet ist, entscheidet der Chirurg nach einer Voruntersuchung.

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Vorbeugung

Der Fehlbildung abstehende Ohren kann nicht vorgebeugt werden, denn sie ist erblich und damit genetisch bedingt. Abstehende Ohren können lediglich durch einen operativen Eingriff korrigiert werden. Da sie weder das Hörvermögen noch den Gleichgewichtsinn einschränken, liegt die Notwendigkeit einer Operation im Ermessen des Betroffenen oder der Eltern eines Kindes mit abstehenden Ohren. Auch mit abstehenden Ohren kann ein Mensch ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln und ein erfülltes Leben ohne psychische Beeinträchtigungen führen.

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