Yersiniose

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 9. Oktober 2016
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Als Yersiniose wird eine Infektionskrankheit bezeichnet. Sie entsteht durch Yersinien-Bakterien. Magen-Darm-Beschwerden, wie Durchfall, Bauchschmerzen oder Übelkeit sowie grippeähnliche Beschwerden (Fieber) gehören zum klassischen Krankheitsbild einer Yersiniose.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Yersiniose?

Die Yersiniose ist eine bakterielle Infektion, die in der Medizin auch die Bezeichnungen Yersinien-Gastroenteritis, Pseudoappendizitis, Yersinien-Enterokolitis oder Yersinien-Enteritis trägt. Bei den Yersinien handelt es sich um Bakterien, die nach dem Schweizer Bakteriologen Alexandre Yersin (1863-1943) benannt wurden. Dieser entdeckte den gefährlichen Pestkeim Yersinia pestis. Das Bakterium hat die Form eines Stäbchens und ist in zahlreichen Säugetier- und Vogelarten zu finden. Seine Ausbreitung wird durch die Massentierhaltung von Rindern und Schweinen gefördert.

Ursachen

Verursacher der Yersiniose sind die Yersinienarten Yersinia pseudotuberculosis und Yersinia enterocolitica. Yersinia pseudotuberculosis hat seinen Verbreitungsort in erster Linie in Russland und anderen osteuropäischen Ländern. In Mittel- und Westeuropa wird die Yersiniose dagegen von dem Bakterium Yersinia enterocolitica bzw. dessen Subtypen 0:3 und 0:9 verursacht. Als Energiereservoir der Yersinien dienen Tiere wie zum Beispiel Schweine. So können sie in rohem Schweinefleisch, aber auch in Milchprodukten oder Trinkwasser vorkommen. Auf diese Weise erfolgt die Übertragung der Keime auf den Menschen. In Deutschland sind Yersinien für rund 1 Prozent sämtlicher infektiöser Durchfallerkrankungen verantwortlich.

Hauptauslöser für eine Yersiniose ist unzureichende Hygiene bei der Verarbeitung von rohen Lebensmitteln. Als bedenklich gelten der Verzehr von rohem Fleisch wie zum Beispiel Tatar oder Milch, die nicht pasteurisiert wurde. Aber auch das Zuschneiden von kontaminiertem Fleisch auf einem Brett, auf dem danach Salat verarbeitet und verzehrt wird, gilt als möglicher Auslöser.

Bei mangelhafter Hygiene kann auch eine Übertragung der schädlichen Keime von Mensch zu Mensch erfolgen. Allerdings lassen sich die Quellen der Infektion nur schwer feststellen. Die Yersinien vermehren sich sogar im Kühlschrank. Um sie abzutöten, müssen die Lebensmittel genügend erhitzt werden. Die Inkubationszeit bei einer Yersiniose liegt zwischen 12 und 72 Stunden.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome der Yersiniose:

Die Ausprägung der Symptome richtet sich bei einer Yersiniose nach deren jeweiligen Unterformen. So leiden Kleinkinder besonders unter einer Yersinien-Gastroenteritis, bei der es zu starkem Durchfall und Flüssigkeitsverlust kommt. Bei älteren Kindern und Jugendlichen tritt dagegen zumeist eine Pseudo-Appendizitis auf. Dabei schwellen die Lymphknoten am Dünndarmgekröse (Mesenterium) an, was Ärzte als Lymphadenitis mesenterica bezeichnen.

Da die Darmbeschwerden, bei denen auch Fieber zutage tritt, einer Appendizitis (Entzündung des Blinddarm-Wurmfortsatzes) ähneln, trägt diese Krankheitsform den Namen Pseudoappendizitis. Eine weitere Form ist die Yersinien-Enterokolitis, die mit kolikartigen Bauchschmerzen und Durchfall einhergeht. Ihre Dauer liegt zwischen 10 und 14 Tagen. Weitere mögliche Symptome bei einer Yersiniose sind Übelkeit, Erbrechen und Darmkrämpfe. Bei erwachsenen Menschen verlaufen die Beschwerden mitunter auch grippeähnlich.

Der Verlauf einer Yersiniose ist unterschiedlich. So dauert die Erkrankung bei manchen Menschen nur ein bis zwei Tage, während andere bis zu 14 Tage unter ihr leiden. In einigen Fällen kann es auch zu Komplikationen wie einer Gelenkentzündung kommen. Besonders betroffen davon sind das Sprunggelenk, das Knie, das Kreuzbein-Darmgelenk und die Zehen. Bei einer Immunsuppression besteht zudem das Risiko einer lebensbedrohlichen Sepsis (Blutvergiftung). Die meisten Patienten sind allerdings von einer reaktiven Arthritis betroffen, die sich erst Wochen oder sogar Monate später zeigt.

Diagnose

Für die klare Diagnose einer Infektion mit Yersinien bedarf es eines Erregernachweises. Zu diesem Zweck wird eine Stuhlprobe entnommen, um eine Bakterienkultur anzulegen. Bei Verdacht auf eine Pseudoappendizitis oder Komplikationen werden die mesenterialen Lymphknoten oder das Blut untersucht. Durch einen spezifischen DNA-Nachweis lässt sich auch ein indirekter Beleg für eine Yersinieninfektion erbringen. Ferner gibt es serologische Untersuchungsmethoden, bei denen Antikörper im Blut auf die Subtypen des Bakteriums Yersinia enterocolitica nachgewiesen werden.

Behandlung und Therapie

In den meisten Fällen findet eine symptomatische Behandlung der Yersiniose statt. So wird das Immunsystem in der Regel selbst mit den schädlichen Keimen fertig. Als gefährdet gelten allerdings bestimmte Patientengruppen wie kleine Kinder, alte Menschen oder Personen, die unter Vorerkrankungen leiden. Diese Patienten benötigen ärztliche Aufsicht oder sogar eine stationäre Therapie in einer Klinik. Durch den erheblichen Durchfall besteht die Gefahr einer Austrocknung. Aus diesem Grund benötigen die Patienten viel Flüssigkeit wie ungesüßten Kräutertee oder Wasser. Hilfreich kann auch die Zufuhr von Elektrolytlösungen, die wichtige Mineralstoffe enthalten, sein.

Die Gabe von Medikamenten erfolgt nur in schweren Verlaufsfällen. So werden bei Verdacht auf eine Sepsis Antibiotika verabreicht. Zur Abdeckung von eventuellen Resistenzen kommt in der Regel eine Kombination aus Cephalosporinen und Fluorchinolonen zum Einsatz. Klingen die Beschwerden ab, darf der Patient wieder Schonkost zu sich nehmen. Dazu gehören zum Beispiel gequetschte Bananen, geriebene Äpfel, eine Gemüsesuppe oder gekochte Karotten.



Vorbeugung

Damit es gar nicht erst zu einer Yersiniose kommt, empfiehlt sich ein hygienischer Umgang mit Lebensmitteln. So ist es wichtig, Fleisch stets gut durchzugaren. Wer eine Reise in exotische Länder unternimmt, sollte auf rohes Fleisch gänzlich verzichten, Vorsicht bei Salaten walten lassen und nur abgekochtes Trinkwasser zu sich nehmen. Um keinerlei Risiko einzugehen, ist auch der prinzipielle Verzicht auf rohe Eier, Milch, die nicht pasteurisiert wurde, und rohes Fleisch zu empfehlen.

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