Wurmfortsatz (Appendix vermiformis)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 27. November 2016
Gesundpedia.deAnatomie Wurmfortsatz (Appendix vermiformis)

Bei der Appendix vermiformis handelt es sich um ein Anhängsel des Blinddarms. Häufig wird der Wurmfortsatz mit dem eigentlichen Blinddarm verwechselt.

Inhaltsverzeichnis

Definition

Die Appendix vermiformis bildet ein Anhängsel des Blinddarms. Sie befindet sich in der rechten Hälfte des Bauches. Der Begriff Appendix stammt aus dem Lateinischen. Übersetzt bedeutet er soviel wie Anhang. In Deutschland wird die Appendix vermiformis auch als Wurmfortsatz bezeichnet. Dieser trägt im Volksmund zudem die Bezeichnung Blinddarm, was jedoch nicht korrekt ist. So handelt es sich bei ihm lediglich um eine Ausstülpung des Blinddarms (Caecum).

Anatomie

Anatomisch befindet sich die Appendix vermiformis, die sich zum größten Teil aus lymphatischem Gewebe zusammensetzt, im unteren rechten Abschnitt des Bauchraums im Bereich der Fossa iliaca (Darmbeingrube). Der Durchmesser des Wurmfortsatzes erreicht 6 bis 7 Millimeter. Seine Länge kann sehr unterschiedlich ausfallen. So schwankt sie zwischen mindestens 2 und maximal 20 Zentimetern. Die Lage der Appendix vermiformis ist intraperitoneal. Außerdem verfügt sie über ein eigenes Mesenterium. Dieses wird als Mesoappendix bezeichnet.

Die Lage des Wurmfortsatzes innerhalb der Bauchhöhle kann unterschiedlich ausfallen. So befindet er sich bei rund 65 Prozent der Menschen in aufsteigender Richtung hinter dem Blinddarm. Bei 31 Prozent aller Menschen ist die Lage jedoch absteigend. Darüber hinaus gibt es noch weitere Varianten wie die linksseitige Lage. Durch den konstanten Abgang der Appendix vermiformis lässt diese sich durch den Lanz-Punkt oder den McBurney-Punkt leicht lokalisieren. Die arterielle Versorgung des Wurmfortsatzes findet durch die Arteria appendicularis statt. Diese geht aus der Arteria ileocolica hervor.

Die Appendix vermiformis setzt sich aus mehreren Gewebeschichten zusammen. Dabei handelt es sich um eine Bindegewebsschicht, eine Schleimhautschicht, eine Muskelschicht, eine feingewebliche Schicht, die über glatte Muskelzellen verfügt, und eine seröse Hautschicht. Die Schicht, die den Wurmfortsatz umhüllt, geht in die Mesoappendix über.

Zwischen Schleimhautschicht und Muskelschicht sind die Peyer-Plaques zu finden. Diese stellen Lymphfollikelansammlungen dar, die an einigen Stellen wie eine Kuppel in das Appendixlumen hineinragen. An dieser Stelle sind vornehmlich M-Zellen anstelle von Krypten und Zotten vorhanden, die sonst üblicherweise vorkommen. Sie haben die Aufgabe, Antigene an die Lymphfollikel weiterzuleiten. Auf diese Weise erfolgt eine Immunreaktion.

Funktion

Die Funktion der Appendix vermiformis ist noch immer Gegenstand zahlreicher Diskussionen. Lange Zeit wurde angenommen, der Wurmfortsatz sei nur ein Überbleibsel der Evolution, der keinerlei Aufgaben hätte. In der heutigen Zeit gehen viele Wissenschaftler und Mediziner allerdings durchaus von einer immunregulatorischen Funktion des Wurmfortsatzes aus und rechnen ihn dem Immunsystem des Darms zu. Die genauen Aufgaben der Appendix vermiformis ließen sich jedoch noch nicht ergründen.

US-Studien ergaben bei Durchfallerkrankungen das Überleben von nützlichen Darmbakterien, indem sie durch eine Nische des Wurmfortsatzes geschützt werden. Dabei sind sie gemeinsam mit Immunsystem-Molekülen in einer Schleimschicht eingebettet und werden auf diese Weise vor der Ausschwemmung bewahrt. Außerdem versorgen die Zellen des lymphatischen Gewebes, das die Appendix vermiformis umgibt, die positiven Darmbakterien mit Abwehrstoffen. Klingt der Durchfall wieder ab, besiedeln die Mikroorganismen, die überlebt haben, den Dickdarm erneut und bekämpfen dabei schädliche Keime.

Von Bedeutung ist diese positive Funktion des Wurmfortsatzes in der heutigen Zeit nur noch in Ländern, in denen eine schlechte Hygiene vorherrscht. Sind die hygienischen Verhältnisse dagegen positiv, kann der Mensch getrost auf die Appendix vermiformis verzichten. So brauchen Bewohner von hoch entwickelten Staaten normalerweise keine negativen Auswirkungen durch das operative Entfernen des Wurmfortsatzes zu befürchten.

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Erkrankungen des Wurmfortsatzes

Bei der Blinddarmentzündung handelt es sich um eine Entzündung des Wurmfortsatzes.

Eine typische Erkrankung der Appendix vermiformis ist die Entzündung des Wurmfortsatzes. Bei Kindern und jüngeren Menschen kann die sogenannte Blinddarmentzündung insbesondere durch Nahrungsbestandteile hervorgerufen werden, die sich nicht verdauen lassen. Dazu gehören in erster Linie Obstkerne.

Aber auch Kotsteine haben mitunter einen Verschluss des Appendixlumens zur Folge. Dadurch staut sich das Sekret und führt zu Schädigungen an der Appendixwand. Infolgedessen finden Bakterien ausgezeichnete Bedingungen, um sich zu vermehren. Dies löst schließlich eine akute Appendizitis (Entzündung des Wurmfortsatzes) aus.

Bemerkbar macht sich eine Appendizitis zumeist durch starke, kolikartige Schmerzen im Bereich des Bauchnabels oder im rechten Oberbauch, Appetitlosigkeit, Fieber, Übelkeit und Erbrechen. Im weiteren Verlauf verlagert sich der Schmerz in Richtung Unterbauch. Da diese klassischen Symptome jedoch nur bei etwa 50 Prozent aller Patienten auftreten, fällt eine frühe Diagnose nicht immer leicht.

Eine gefährliche Komplikation der Appendizitis ist der Durchbruch des Wurmfortsatzes. Tritt dieser ein, kann das eitrige Sekret in die Bauchhöhle gelangen und eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) hervorrufen. Diese hat oftmals eine lebensgefährliche Sepsis (Blutvergiftung) zur Folge. Aus diesem Grund erfolgt bei einer Appendizitis in der Regel das operative Entfernen des Wurmfortsatzes.

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