Wasserallergie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. Oktober 2017
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Eine besondere Form unter den Urtikaria bildet die sogenannte Wasserallergie, die bei Betroffenen zu starken Hautreaktionen unter Einfluss von Wasser führt. Juckreiz, Rötungen und Papeln schränken ihr Leben häufig extrem ein. Welche Bestandteile genau dafür verantwortlich sind und wie die erhöhte Ausschüttung von Histamin zustande kommt, ist noch nicht geklärt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Wasserallergie?

Die umstrittene Wasserallergie, auch aquagene Urtikaria oder Wasserurtikaria genannt, tritt weltweit nur sehr selten auf. Betroffene zeigen bei Kontakt mit Wasser die typischen Symptome einer Nesselsucht, wie Juckreiz, Rötungen und Papeln. Da eine Allergie gegenüber der Flüssigkeit selbst unwahrscheinlich ist, werden andere Stoffe als Grund für den gesteigerten Histaminausstoß angenommen. Erstmals wurde sie 1964 von Shelley und Rawnsley beschrieben. In der Forschung konnten seitdem verschiedene Ansätze entwickelt werden, die bisher noch nicht vollständig bestätigt sind. In der Gesellschaft stößt diese Form der Urtikaria aufgrund der ungeklärten Ursachenlage und der geringen Zahl an Fällen auf Skepsis.

Bei einer Wasserallergie kommt es zu Symptomen, die auch bei einer Nesselsucht auftreten: juckende Quaddeln.

Ursachen

  Bei einer Urtikaria oder Nesselsucht werden durch Granulation der Mastzellen Histamin und andere Stoffe freigesetzt. Das Histamin aktiviert die sensorischen Nerven in der Haut, wodurch ein Juckreiz ausgelöst wird. Außerdem weitet es die Blutgefäße, was deren Durchlässigkeit erhöht und Blutwasser hindurch treten lässt. Auf diese Weise entstehen die ödemähnlichen Quaddeln als schwellartige und unförmige Erhebungen auf der Haut. Dieser Reiz trägt weiterhin zur Rötung der Haut bei.

Die Ausschüttung von Histamin im Zuge einer Urtikaria kann verschiedene Ursachen haben und bestimmt die Einteilung der Hautreaktion. Neben spontaner Urtikaria, die in Schüben und ohne erkennbare Regelmäßigkeit ausgelöst wird, gibt es die induzierte Urtikaria, die häufig physikalische Ursachen wie Druck oder Wärme hat. Die Reaktionen auf der Haut werden in diesem Fall durch bekannte Einwirkungen verursacht. Zu den besonderen Formen der induzierten Urtikaria gehört unter anderem auch die aquagene, gemeinhin als Wasserallergie bezeichnet.

Da davon ausgegangen werden kann, dass nicht die Flüssigkeit selbst die allergieähnliche Reaktion auslöst, wurden verschiedene Stoffe im Wasser auf ihre Unverträglichkeit und in Wechselwirkung mit den Bestandteilen der Haut getestet. So wurden bereits Chlor und bestimmte Ionen als Auslöser für die Wasserallergie vermutet. Der genaue Vorgang kann allerdings noch nicht vollständig rekonstruiert werden. Neuere Untersuchungen legen außerdem einen genetischen Zusammenhang nahe, der vor allem an Zwillingspaaren festgestellt werden konnte. Daneben tritt die seltene Nesselsucht aber auch immer wieder sporadisch und ohne entsprechenden familiären Hintergrund auf.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome einer Wasserallergie:

Bei Kontakt mit Wasser entsteht eine allergieähnliche Hautreaktion aus Juckreiz, Rötung und Papeln. Dies geschieht bereits wenige Minuten danach und die Symptome können mehrere Stunden anhalten. Betroffen sind vor allem Jugendliche und Erwachsene, bei denen die Erkrankung plötzlich ausbricht. Die Symptome treten vorrangig am Oberkörper auf, seltener an Gesicht und unteren Extremitäten. Teile der Haut, die nicht mit dem Wasser in Berührung gekommen sind, zeigen keine Veränderungen.

Während bei vielen Formen der Nesselsucht Quaddeln zu beobachten sind, treten im Falle einer Wasserallergie Papeln auf. Sie sind von geringerer Größe und bilden knötchenförmige Erhebungen auf der Haut. Abzugrenzen ist die aquagene Urtikaria von dem aquagenen Pruritus. Es treten weder Quaddeln noch Papeln auf, sondern ein 10 bis 45 Minuten andauernder Juckreiz bei Kontakt mit Wasser. Der Pruritus breitet sich symmetrisch von den unteren Extremitäten her aus.

Diagnose

Da die Ursachen der Wasserallergie noch nicht vollständig geklärt sind und sie so selten auftritt, ist eine eindeutige Diagnose schwierig zu treffen. Weiterhin gilt es, sie von anderen dermatologischen Erkrankungen und Formen der Urtikaria abzugrenzen. Eine ähnliche Form ist beispielsweise die cholinergische Urtikaria. Die Symptome treten aber auch bei vielen anderen Erkrankungen auf. Als Kontaktallergie kann die Wasserallergie nur festgestellt werden, indem der entsprechende Vorgang getestet wird. Dafür werden wasserdurchtränkte Kompressen auf den Rücken gelegt und zur Kontrolle mit Alkohol durchtränkte Kompressen verglichen. Je nach Hautreaktion kann der Arzt dann feststellen, ob die aquagene Urtikaria vorliegt oder nicht.

Behandlung und Therapie

Eine Wasserallergie lässt sich nicht behandeln, es können lediglich die Symptome gemindert und die Ausschüttung von Histamin unterdrückt werden. Da jeder Mensch täglich mit Wasser in Berührung kommt, beispielsweise beim Duschen, gestaltet sich die prophylaktische Vermeidung als schwierig. Trotzdem sollte kein längerfristiger Kontakt mit Wasser stattfinden und so gut wie möglich vermieden werden. Da auch Schweiß zu einem Ausbruch beitragen kann, ist von anstrengenden Sportarten abzuraten. Einige Betroffene versuchen sich durch tägliches Duschen gegen die Wasserallergie abzuhärten, was nur in bestimmten Fällen und nach Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen sollte.

In der Körperpflege sollte zu stark fettenden und rückfettenden Produkten gegriffen werden. Dazu zählen Linola Fett oder Asche Basis Salbe. Sie wirken dem Juckreiz entgegen und schützen die Haut vor den Reizstoffen. So kann die Barrierefunktion des Organs aufrechterhalten werden. Ist der Juckreiz unerträglich, kann auch kurzzeitig zu Salben und Fettsalben zurückgegriffen werden, die Glucocorticoid enthalten. Zwar extrem wirkungsvoll gegen Entzündungen, löst Glucocorticoid zahlreiche Nebenwirkungen aus.

Medikamentös wird die Wasserallergie vor allem mit Antihistaminika behandelt. Sie unterdrücken die Wirkung von Histamin auf die Haut und können auch bei ungeklärter Ursache verwendet werden. So werden die Symptome in vielen Fällen beseitigt. Bei einigen Betroffenen der Wasserallergie sprechen die Antihistaminika allerdings nicht an. Dann kann auf Levocetirizin oder Desloratadin zurückgegriffen werden, je nach Anordnung des Arztes.



Vorbeugung

Der Wasserallergie als Erkrankung an sich kann nicht oder nur mittels bisher unbekannter Methoden vorgebeugt werden. Einmal ausgebrochen, kann aber heftigen und unkontrollierten Ausbrüchen prophylaktisch entgegengewirkt werden, indem der Kontakt mit Wasser eingeschränkt wird. Die Lebensweise der Betroffenen muss zumeist radikal an die Erkrankung angepasst werden. In bestimmten Fällen wird auch die Zeit nach einem Schub ausgenutzt.

Dann ist nicht mehr genügend Histamin vorhanden, um eine erneute Reaktion auszulösen. Die Betroffenen rufen die Reaktionen also selbst herbei und unter von ihnen gewählten Umständen. Möglich sind auch mehrere, kleine Schübe, die über den Tag verteilt werden und die Histaminreserven ausschöpfen. Diese Maßnahmen sollten nicht ohne Absprache mit dem Arzt ergriffen werden.

Bücher über Allergie

Quellen

  • Furter, S., Jasch, K.C.: Crashkurs Dermatologie. Urban & Fischer, München 2007
  • Dirschka, T., Hartwig, R., Oster-Schmidt, C. (Hrsg.): Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Rassner, G.: Dermatologie – Lehrbuch und Atlas. Urban & Fischer, München 2009
  • Herold, S.: 300 Fragen zur Pubertät. Graefe und Unzer, München 2008
  • Ellsässer, S.: Körperpflege und Kosmetik. Springer, Berlin 2008
  • Abeck, D.: Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin: Klinik, Diagnose, Therapie, Springer Verlag, 2. Auflage, 2011
  • Abeck, D. & Cremer, H.: Häufige Hautkrankheiten im Kindesalter: Klinik - Diagnose - Therapie, Springer Verlag, 3. Auflage, 2006

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