Warum sich im Winter Hautkrankheiten verschlechtern

Letzte Aktualisierung am 26. März 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Das kennen wir alle: Im Winter ist die Haut trocken, die Hände sind rissig, die Lippen spröde. Heizungsluft und Kälte machen uns zu schaffen, die Haut meldet sich und reagiert gereizt. Da hilft nur Gegensteuern und richtig pflegen. Warum wir der Haut im Winter mehr Aufmerksamkeit schenken müssen und warum Menschen mit Hautkrankheiten in der Kälte häufig mehr leiden als sonst, erfahren Sie hier. Und: Ein Hautexperte gibt Wintertipps, die Probleme und Gereiztheit mindern können!

Kälte macht der Haut zu schaffen

Trockene Haut ist porig und rissig. Häufig kommt es sogar zu Schmerzen bei Bewegungen. Zur Regeneration braucht die Haut feuchtigkeitsspendende Cremes.

Hände, Gesicht und Lippen müssen wir in der Regel im Winter öfter eincremen als im Sommer, um sie zu pflegen. Grund: Unser größtes Organ, die Haut, leidet unter dem UV-Licht-Mangel sowie den extremen Temperaturwechseln zwischen drinnen und draußen, die nicht selten mehr als 20°C betragen – das ist viel für die Haut, die sich auf großer Fläche anpassen muss.

Zusätzlich ist auch das Raumklima ein anderes. Die trockene Heizungsluft in Gebäuden beansprucht die Haut mehr als sonst. Das deutlich verringerte Lüften sorgt dafür, dass die Lust drinnen deutlich weniger Feuchtigkeit enthält, die die Haut aufnehmen könnte. Die Heizung macht das nicht besser. Und auch draußen hat die Haut wenig Chance, sich zu regulieren, denn um uns vor der Kälte draußen zu schützen, verdecken wir den Großteil der Haut mit warmer Kleidung. Das hat den negativen Effekt, dass zu wenig Sonnenstrahlen die Hautoberfläche erreichen. Darunter leidet die Vitamin-D-Produktion – das wichtige Vitamin wird in der Haut gebildet und schützt sie. Insgesamt ist das eine schlechte Bilanz, die deutlich aufzeigt: Wir tun der Haut im Winter wenig Gutes.

Auch mögliche Kompensationsversuche helfen da nicht viel: Wer glaubt, der Gang in ein Solarium würde helfen, liegt falsch: „Solarien liefern keine UVB Strahlen wie die Sonne, sondern nur UVA Strahlen, was aber Hautkrebs fördert“, sagt Professor Eggert Stockfleth, Direktor der Dermatologie am Uniklinikum Bochum, im Interview. Er empfiehlt die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten, die den zeitweisen Mangel ausgleichen können. Außerdem: Rausgehen wann immer es geht. Die wenigen Sonnenstunden optimal zu nutzen hilft auch der Laune, die im Winter nur zu gerne absinkt.

Hautkrankheiten im Winter häufig schlimmer

Die typischen Hautentzündungen einer Schuppenflechte treten vor allem an den Streckseiten von Ellenbogen und Knien auf.

Der gefühlt ewig lange Winter drückt bei den meisten Menschen aufs Gemüt. Die Sonne lässt sich in der kalten Jahreszeit manchmal tagelang kaum blicken. Das führt zu einem Tageslichtmangel, der die Psyche belasten kann. Hautexperte Stockfleth empfiehlt: „Tägliche Bewegung an der frischen Luft steigert die Abwehr und hebt nebenbei noch die Stimmung. Auch regelmäßige Saunagänge und Wechselduschen härten ab.“ Das kalte Wasser macht fit, pusht den Kreislauf und ist zudem noch förderlich für die Abwehrkräfte – ein Grund, eine solche Routine in die morgendliche Dusche mit aufzunehmen.

Wer an einer chronisch-entzündlichen Hauterkrankung wie Neurodermitis oder Schuppenflechte leidet, den plagen im Winter meist intensivere und häufiger auftretende Krankheitsschübe. Die Haut ist im Winter trockener, da die Talgdrüsen bei niedrigen Außentemperaturen ihre Arbeit einstellen. Zudem geht Feuchtigkeit schneller verloren. „Die Haut juckt jetzt noch stärker als sonst, ist noch angespannter, reißt leichter und kribbelt“, erklärt Stockfleth. Das ist unangenehm und sorgt dazu auch noch für psychische Spannung – beides hängt eng zusammen, ein Teufelskreis im Winter.

Um Beschwerden so gering wie möglich zu halten, ist hier vorbeugen. Sinnvoll ist es, wenn Betroffene keine hautirritierende Kleidung tragen, durch die Wärme nicht abtransportiert werden kann, sondern atmungsaktive Schichten aus natürlichen Materialien, die einen Luftaustausch zulassen. Draußen ist es wichtig, Handschuhe plus Mütze als Kälteschutz nicht zu vergessen. Hilfreich ist zudem, die Haut mit einer Salbe einzucremen, die „fünf bis zehn Prozent Harnstoff enthält“, sagt Professor Stockfleth und ergänzt: „Harnstoff kann die Feuchtigkeit in den obersten Hautschichten halten und dem Austrocknen entgegenwirken.“ Von Produkten wie Melkfett oder Ringelblumen-Salbe rät der Experte hingegen ab. Diese blockieren die natürliche Feuchtigkeitsregulierung, da sie schlichtweg zu fettig sind. Harnstoff – auch bekannt als Urea – hingegen sorgt auch für einen passenden pH-Wert.

Schuppenflechte – wenn die Haut brennt wie Feuer

Raue Flecken auf der Haut können auf eine Schuppenflechte hinweisen. Häufig jucken oder spannen die betroffenen Hautstellen.

In Deutschland leiden rund zwei Millionen Personen an Psoriasis, wie Schuppenflechte im Fachjargon heißt. Die nicht-ansteckende und häufig erblich bedingte Hautkrankheit gilt als nicht heilbar, lässt sich aber mittlerweile gut behandeln. Zum Einsatz kommen neben kortisonhaltigen Cremes und Salben neuartige Biologika mit dem Wirkstoff Secukinumab – diese Medikamente lindern die Beschwerden auch bei sehr schweren Krankheitsverläufen. Die neuartigen Medikamente, im englischen auch als Biologicals bezeichnet, entstehen in lebenden Zellen. Mit Gentechnik werden sie so gezüchtet, dass sie direkt am Ursprungsort wirken können. Hauptsächlich werden sie bei entzündlichen Autoimmunerkrankungen, Krebsleiden und Stoffwechselerkrankungen eingesetzt.

Psoriasis gehört in fachkundige Hände. Gemeinsam mit dem Hautarzt können Mittel und Wege gefunden werden, die Beschwerden einzudämmen. Aber nicht jeder, der im Winter unter trockener Haut leider, hat gleich Schuppenflechte, die wie oben beschrieben nicht ansteckend ist. Wenn wir eine vermehrte Schuppung der Haut erleben und auch mal kleine Stellen zu Jucken anfangen, ist das kein Grund zur Beunruhigung: Harnstoffhaltige-Creme, frische Luft und ausreichende Flüssigkeitszufuhr können bereits helfen. Ebenso kann es sinnvoll sein, das Händewaschen während starker Kälteperioden ein wenig zu reduzieren. Wasser und Seife zerstören sonst immer wieder den empfindlichen Säureschutzmantel der Haut, was zusätzliche Probleme bereitet.

Da der Zustand der Haut auch viel über das Innenleben und psychische Gleichgewicht eines Menschen aussagt, kann es zudem helfen, im Winter vermehrt auf Wellness und Entspannung zu setzen. Stress auszublenden, auch mal Fünfe gerade sein zu lassen und sich abends mit Tee und Buch dem eigenen Wohlbefinden zu widmen, hilft dabei, Stresshormone abzubauen und in die Balance zurückzufinden. Auch Sport – Joggen, Yoga oder Fitness - ist förderlich, um krankheitsfreie, aber dennoch gestresste Haut wieder in Einklang zu bringen.

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