Volkskrankheit Diabetes

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 5. Februar 2016
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Diabetes mellitus - eine moderne Volkskrankheit? Ein Großteil der Bevölkerung ist mit Volkskrankheiten konfrontiert, die zwar meist nicht tödlich enden, doch eine lange – manchmal sogar für ein ganzes Leben dauernde – Behandlung benötigen und schwerwiegende Folgeerkrankungen auslösen können.

Inhaltsverzeichnis

Diabetes mellitus Typ 2

Grundsätzlich handelt es sich bei Diabetes mellitus Typ 2 um eine chronische Stoffwechselerkrankung, die in der Folge zu erhöhten Blutzuckerwerten führt. Diese schädigen über kurz oder lang die Blutgefäße und die Nerven, womit zahlreiche organische Probleme verursacht werden können. Folgeerkrankungen sind etwa:

Ob jemand an Diabetes erkrankt, ist in erster Linie genetisch bedingt, auch ungesunde Lebensweisen wie Übergewicht und Bewegungsmangel können Auslöser für die Erkrankung sein. Derzeit geht eine Hochrechnung des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) von 7,5 Millionen Erkrankten in Deutschland aus, wobei die Tendenz steigend ist und auch nicht mehr nur Erwachsene, sondern auch schon Kinder davon betroffen sein können.

Knapp 90 Prozent der derzeit Betroffenen leiden an Diabetes Typ 2, wobei Experten davon ausgehen, dass es bis zu 2,7 Millionen Menschen gibt, die nicht wissen, dass sie krank sind. Da Diabetes nicht meldepflichtig ist, kann die Zahl der Erkrankten nicht konkret erfasst werden, sondern unterliegt Schätzungen. Demzufolge sind deutschlandweit bis zu elf Millionen Personen als Risikogruppe für eine Diabeteserkrankung zu bezeichnen.

Ursachen schnell erkannen

Zusätzlich zur erblichen Veranlagung gibt es weitere Ursachen, die zu einer Erkrankung an Diabetes führen können. Dabei sind unter anderem zu viel Fettgewebe und Bewegungsmangel anzuführen, die in der Folge zu Insulinresistenz im Körper führen. Das bedeutet, dass die Körperzellen auf Insulin unempfindlich reagieren und ihrer Aufgabe, den Zucker aus dem Blut in die Zellen zu transportieren, nicht mehr nachkommen. Übergewicht führt zu einer erhöhten Bildung von Fettgewebe, wobei dieses gerade in der Bauchregion dazu führen kann, dass eine Insulinresistenz entstehen kann. Zunächst tut der Körper alles, um diese zu überwinden, indem einfach mehr Insulin produziert wird.

Dies ist allerdings nur über einen bestimmten Zeitraum möglich, bevor der Insulinspiegel im Körper sinkt und gleichzeitig der Blutzuckerspiegel ansteigt. Damit sind die Kriterien für das Vorliegen von Diabetes mellitus erfüllt. Meist tritt diese Form der Zuckerkrankheit in Kombination mit zu hohem Blutdruck auf und mit Fettstoffwechselstörungen. Mediziner sprechen in diesem Zusammenhang vom metabolischen Syndrom.

Behandlung und Therapie

Ist die Zuckerkrankheit erstmal diagnostiziert, kann mit der Therapiemaßnahme begonnen werden. Diese setzt sich zusammen aus:

  • Regelmäßiger Kontrolle des Blutzuckers durch Messung
  • Insulingabe nach Bedarf
  • Zusätzliche medikamentöse Unterstützung durch Tabletten je nach Begleiterkrankung

Patienten, die an Diabetes leiden, müssen in regelmäßigen Abständen ihre Blutzuckerwerte messen. Dies erfolgt mittels hochmoderner Geräte, die mit nur einem Blutstropfen und einem entsprechenden Messstreifen ein verlässliches Ergebnis wiedergeben. Bevor Mahlzeiten verzehrt werden, sollte der aktuelle Blutzuckerwert erhoben werden, um rechtzeitig die zur Verdauung notwendige Insulinmenge im Körper zur Verfügung zu haben.

Um hier den Verlauf der Erkrankung einschätzen zu können, finden Betroffene die Möglichkeit, ein entsprechendes Tagebuch zu führen, um regelmäßig die Werte festzuhalten und deren Entwicklung einschätzen zu können. Passende Vorlagen dazu finden sich im Internet, bei der Apotheke oder beim behandelnden Arzt. Insulin wird meist durch Spritzen dem Körper zugeführt. Dabei ist es sinnvoll, direkt in die Haut in einer Region zu stechen, die vor allem Fettgewebe enthält. Viele Diabetiker verabreichen sich ihre Insulindosis über das Bauchfett.

Bei schweren Formen der Zuckerkrankheit hat sich die Insulinpumpe bewährt, die rund um die Uhr am Körper getragen wird und automatisch bei Bedarf dem Körper das benötigte Insulin abgibt. Dies ist vor allem dann zu empfehlen, wenn es sich bei den Betroffenen um Kinder oder Personen mit stark schwankenden Blutzuckerwerten handelt. Denn gerade da kann die regelmäßige Abgabe über die Pumpe für einen stabileren Wert sorgen.

Wer sich jetzt fragt, ob die notwendigen Geräte wie Blutzuckermessgerät oder Insulinpumpe von der Krankenkasse bezahlt werden, so ist dies unterschiedlich zu beantworten. Grundsätzlich kann auf ärztliche Anordnung eine Teilleistung für das Messgerät rückerstattet werden, auch die Kosten für eine Insulinpumpe werden übernommen, sofern diese Behandlungsmethode medizinisch indiziert und vom Arzt empfohlen ist.

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Unterstützende Therapiemaßnahmen

Sobald bei einem Patienten Diabetes diagnostiziert ist, sollte er eine entsprechende Diabetes-Schulung besuchen. Hier erfährt er, wie er selbst zu einem gesünderen Leben und einer geringeren Beeinträchtigung durch die Krankheit im Alltag beitragen kann. Wichtig ist in erster Linie, dass ein ausgewogener Lebensstil mit viel Bewegung und dem Abbau von Übergewicht gewählt wird.

Regelmäßiger Sport – in welchem Ausmaß auch immer – sowie eine Gewichtsreduktion fördert die Insulinempfindlichkeit der Zellen und unterstützt damit den Transport von Zucker aus dem Blut in die Zellen. Es gilt als erwiesen, dass viele Menschen allein durch eine gesundheitsfördernde Lebensweise ihre Blutzuckerwerte wieder in den Bereich der Normalwerte bringen können. Wichtig zu wissen dabei ist allerdings, dass damit Diabetes nicht geheilt ist.

Bewegung und gesunde Ernährung leisten wichtigen Beitrag

Experten raten Diabeteserkrankten, mindestens 10.000 Schritte täglich zu gehen. Das ist ganz einfach umsetzbar, indem man etwa das Auto öfter für kurze Wege stehenlässt oder die Treppen statt des Aufzugs nimmt. Erfahrungsgemäß hilft ein Schrittzähler, der in jeder gut sortierten Apotheke erhältlich ist, als Motivation. Idealerweise bewegt man sich an mindestens fünf Tagen wöchentlich, wobei die Dauer mindestens eine halbe Stunde betragen sollte. Wer Sport treiben möchte, sollte eine Kombination aus Ausdauer und körperlicher Kraft wählen. Besonders geeignet sind:

Als Faustregel für die körperliche Anstrengung sollte gelten, dass die Intensität der Belastung dann genau richtig ist, wenn man leicht schwitzt, sich dabei aber noch unterhalten kann. Eine völlige Verausgabung ist nicht notwendig und bei Untrainierten geradezu gefährlich. Gerade diese sollten sich auch vor Beginn des Sports ärztlich untersuchen lassen. Verengte Blutgefäße können dazu führen, dass der Herzmuskel nicht ausreichend mit Blut versorgt wird, wobei Menschen, die an Diabetes leiden, diese Warnzeichen häufig nicht richtig oder zum richtigen Zeitpunkt erkennen können. Meist sind bei den Betroffenen nämlich die verantwortlichen Nervenzellen geschädigt. Wer sich im Vorfeld als Risikoperson einstuft, sollte eine sportmedizinische Untersuchung absolvieren und ein EKG durchführen lassen, um auf Nummer Sicher zu gehen.

Gesunde Ernährung

Was für gesunde Personen gilt, sollte für Diabetiker erst recht gelten. Gemeint ist eine ausgewogene Ernährung, die dennoch alle Bestandteile umfassen darf. Auch Zuckerhaltiges darf verzehrt werden, sofern man sich mit seiner Insulintherapie entsprechend gegen die Unterversorgung mit diesem Enzym im Vorfeld wappnet. Wichtig ist darauf zu achten, dass der Anteil der täglichen Kalorienzufuhr nicht höher ist als zehn Prozent Zucker, in Gramm ausgedrückt ist dies zwischen 30 und 50 Gramm. Sogenannte versteckte Zucker wie sie in vielen Brotaufstrichen, Fruchtnektar und häufig in Konserven bzw. Obst vorkommen, sind dabei miteingeschlossen.

Ein klares Nein sollten Diabetiker zu zuckerhaltigen Getränken sagen. Dies sollte nur dann gestattet sein, wenn eine akute Unterzuckerung vorliegt und diesbezüglich ein Gegengewicht gesetzt werden sollte. Dazu eignen sich derlei Getränke hervorragend, da Zucker aus Getränken sehr rasch direkt ins Blut übergeht und zu einer Erhöhung des Blutzuckers führt. Wenn jemand nicht ohne Zucker auskommt, dass sollte dieser in verpackter Form aufgenommen werden. Das bedeutet, dass Ballaststoffe und langsam verdauliche Stärkeprodukte als Inhaltsstoffe kombiniert sein sollten. Diese bewirken nämlich, dass der Zucker nicht so rasch ins Blut gelangt. So gesehen glätten sie quasi den Blutzuckerspiegel.

Zudem wurde durch eine große Studie in Deutschland nachgewiesen, dass eine ballaststoffreiche Ernährung sich positiv auf den Langzeitwert des Blutzuckers auswirkt und sich die Blutfettwerte verbessern. Man ist länger satt und das Abnehmen wird unterstützt. Diabetiker sollten deshalb ballaststoffreiche Lebensmittel häufig und zahlreich auf ihrem Speiseplan stehen haben. Zusätzlich ist es wichtig, dass viel Flüssigkeit zugeführt wird, denn so können die Ballaststoffe im Darm aufquellen und ihre positiven Eigenschaften voll entfalten – mehr zu den Details der Studie kann unter diabetesratgeber.net nachgelesen werden.

Folgende Lebensmittel enthalten reichlich Ballaststoffe:

Laut Ergo Direkt betrifft eine wichtige Regel außerdem das Thema Alkohol. Demnach enthalten alkoholische Getränke beinahe so viele Kalorien wie Fett, sodass sie im Diätplan keinen Platz finden und bei der Ernährung von Diabetikern generell keinen zu großen Anteil ausmachen sollten – wenn doch, so sollte währenddessen aber zumindest zu kohlenhydratreichen Mahlzeiten gegriffen werden.

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Gewicht reduzieren

Wer an der Zuckerkrankheit leidet, sollte auf sein Gewicht achten. Ist dieses zu hoch, sollte eine dauerhafte Reduktion auf der Tagesordnung stehen. Dies gelingt, wie immer wieder von Experten betont wird, nur durch eine konsequente Ernährungsumstellung und regelmäßige Bewegung. Zwischen Kalorienzufuhr pro Tag und dem tatsächlichen Energieverbrauch sollte ein Gleichgewicht bestehen, wobei bei der Nahrungsaufnahme natürlich auf die Fettzufuhr geachtet werden sollte. Diesbezüglich gilt es vor allem auf die sogenannten gehärteten Fette wie zum Beispiel Kokosfett zu verzichten.

Im Durchschnitt verzehrt jeder Deutsche täglich bis zu 130 Gramm Fett, für ein Halten des Gewichts sind aber lediglich 60 Gramm empfohlen. Vor allem fette Wurst und fetter Käse sollte auf dem Ernährungsplan von Diabetikern, die ihr Gewicht reduzieren möchten, nicht vorkommen. Besser ist es bei Milch und Milchprodukten auf die fettreduzierte Variante zu setzen. Bei der Zubereitung von Mahlzeiten sind Öle, die auf ungesättigten Fettsäuren basieren wie

zu bevorzugen. Auch Fisch, vor allem Seefisch, sollte einen Platz im Ernährungsplan finden, dabei haben hauptsächlich Lachs, Hering und Makrele Vorzug gegenüber anderen Fischarten, da diese wertvolle Omega-3-Fettsäuren enthalten.

Mit diesen Maßnahmen und dem regelmäßigen Check seiner Werte bei einer Routineuntersuchung, die günstigstenfalls einmal jährlich durchgeführt wird, kann der Erkrankung an Diabetes mellitus wesentliche Abhilfe geleistet werden. Denn auch wenn man inzwischen aufgrund umfassender Therapiemaßnahmen mit der Krankheit ganz gut leben kann, gilt es doch einen gesunden Lebensstil ohne täglichen Spritzen oder Tabletten zu bevorzugen.

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