Vesikorenaler Reflux

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 7. November 2015
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Als vesikorenaler Reflux wird der Rückfluss von Urin aus der Blase bezeichnet. Mediziner unterscheiden zwischen einer primären und einer sekundären Form.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein vesikorenaler Reflux?

Von einem vesikorenalen Reflux (VRR) ist die Rede, wenn der Urin unphysiologisch aus der Blase wieder zurück in die Harnleiter oder ins Nierenbecken zurückfließt. Die Erkrankung wird auch als vesiko-uretero-renaler Reflux oder vesikoureteraler Reflux (VUR) bezeichnet. Der Rückfluss des Harns birgt die Gefahr in sich, dass schädliche Bakterien bis zum Nierenbecken vordringen und dort eine Entzündung hervorrufen. Nimmt der vesikorenale Reflux einen chronischen Verlauf, sind außerdem Nierenfunktionsstörungen im Bereich des Möglichen.

Ursachen

Im Normalfall gelangt der Urin ausschließlich über die beiden Harnleiter in die Harnblase, wo er letztlich aus dem Körper ausgeschieden wird. Dabei dient die Ureteröffnung gewissermaßen als Ventil und verhindert, dass der Urin wieder zurück zu den Nieren gelangt. Eine Störung dieser Funktion ist sowohl an beiden Harnleitern als auch nur an einem einzelnen möglich. Die Medizin teilt den vesikorenalen Reflux in eine primäre sowie eine sekundäre Form ein. Während die primäre Form bereits seit Geburt besteht, wird die sekundäre Form im Laufe des Lebens erworben.

Zu einem angeborenen vesikoureteralen Reflux kommt es durch Fehlanlagen der Uretermündung innerhalb der Harnblasenwand. Dabei liegt in der Regel eine Verkürzung des intramuralen Verlaufs eines Harnleiters vor. Der obere Harntrakt lässt sich deswegen im Falle eines intravesikalen Anstiegs von Druck nicht richtig abdichten. Ein sekundärer vesikorenaler Reflux wird durch unmittelbare Schädigungen der Uretermündung (Ostium ureteris) verursacht. Auslösende Gründe können spezifische und unspezifische Entzündungen der Harnblase oder neurogene Blasenfunktionsstörungen sein.

Als weitere Ursache kommt eine überdehnte Blasenwand im Fall einer Blasenentleerungsstörung infrage. Seit 1985 gibt es eine Einteilung des vesikorenalen Refluxes in verschiedene Schweregrade von I bis V. Bei Schweregrad I erreicht der Urin das Nierenbecken noch nicht, während dies bei Grad II der Fall ist. Im Falle von Schweregrad III liegt eine leichte Dilatierung des Nierenbeckens vor, die bei Grad IV mäßig ausfällt. Außerdem kommt es zu einer Verplumpung der Nierenkelche. Von Grad V ist die Rede, wenn der Ureter erheblich dilatiert und sich das Hohlraumsystem deutlich erweitert. Darüber hinaus lassen sich die meisten papillären Impressionen nicht mehr erkennen.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome des vesikorenalen Refluxes:

Bemerkbar macht sich ein vesikorenaler Reflux zumeist durch Nierenschmerzen beim Wasserlassen. Diese entstehen durch einen weitergeleiteten Anstieg des Drucks. Gelangen Bakterien durch den Rückstau des Urins bis zum Nierenbecken, kann dies zu einer Refluxnephropathie führen. Dabei kommt es wiederholt zu Harnwegsinfektionen, die mit hohem Fieber und Schmerzen in der Flankengegend verbunden sind.

Im späteren Verlauf treten weitere Beschwerden auf. Dazu gehören Bluthochdruck sowie eine Niereninsuffizienz. Im Kindesalter können zudem Gedeihstörungen, deren Ursprung unklar ist, und eine kindliche Inkontinenz auftreten. Bei älteren Kindern und erwachsenen Patienten zeigen sich übelriechender Urin, Harndrang, Brennen beim Wasserlassen sowie krampfartige Schmerzen während des Wasserlassens.

Ohne eine Behandlung drohen durch einen vesikorenalen Reflux eine Erweiterung der Harnleiter und chronische Entzündungen des Nierenbeckens. Im schlimmsten Fall kann es sogar zu einer Niereninsuffizienz kommen. Ist der Reflux dagegen weniger schwerwiegend, erfolgt im Kindesalter mitunter eine spontane Abheilung der Krankheit.

Diagnose

Erster Schritt der Diagnostik bei einem vesikorenalen Reflux ist das Erfassen der Krankengeschichte des Patienten. Erhärtet wird der Verdacht durch eine Sonographie (Ultraschalluntersuchung). Um den Reflux sowie dessen Schweregrad nachzuweisen, erfolgt ein Miktionszysto-Urethrogramm. Danach wird eine Spiegelung der Harnblase vorgenommen, in deren Rahmen der Arzt Position, Größe und Form der Harnleitermündungen festlegt. Anschließend wird die Therapie bestimmt.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung eines vesikorenalen Refluxes richtet sich nach dessen Form und Schweregrad. Handelt es sich um einen leichten Schweregrad, erfolgt eine Therapie mit Antibiotika, deren Dosierung niedrig ausfällt. Auf diese Weise wird Entzündungen im Harntrakt entgegengewirkt. Im Abstand von einem Vierteljahr findet eine Kontrolle durch einen Urintest statt, bei dem die Ansiedlung von neuen Bakterien festgestellt wird. Ein solcher Test wird auch durchgeführt, wenn sich erneut eine Blasenentzündung zeigt.

Bringt die Therapie mit Antibiotika nicht die erhoffte Wirkung, muss ein chirurgischer Eingriff erfolgen. Eine Operation ist auch dann nötig, wenn der Patient unter einem schwerwiegenden Reflux leidet, der mit einer unzureichenden Ventilation der Harnleitermündung einhergeht. Im Rahmen des Eingriffs trennt der Operateur den Harnleiter von der Blase ab. Anschließend setzt er ihn mit einem funktionstüchtigen Verschlussmechanismus wieder ein. Dieser Eingriff wird als antirefluxive Harnleiter-Neuimplantation bezeichnet. Er weist eine Erfolgsrate von etwa 95 Prozent auf.

Die Nachsorge besteht aus Kontrolluntersuchungen des Harns, Blutdruckkontrollen sowie Sonographien von Harnleitern und Nieren, die bis ins Jugendalter andauern. Eine andere Therapieoption ist das Injizieren eines Medikaments während einer Blasenspiegelung. Auf diese Weise wird der Harnleiter verengt, was sich wiederum positiv auf den Urinrückfluss auswirkt.

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Vorbeugung

Einem primären vesikorenalen Reflux lässt sich nicht vorbeugen. Im Falle der sekundären Form empfehlen Ärzte eine Blasenentleerung in wenigstens zwei Abschnitten. Nach der ersten Entleerung sollte bis zum weiteren Entleeren einige Minuten gewartet werden.

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