Verätzung

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 5. Juli 2015
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Chemische Substanzen können bei direktem Kontakt mit dem Körper eine Verätzung hervorrufen, die eine Schädigung des Gewebes zur Folge hat. Je nach Schweregrad verursacht eine Verätzung oft schwerwiegende Verletzungen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Verätzung?

Eine Verätzung entsteht, wenn die Hautoberfläche oder die Schleimhaut verschiedener Körperregionen mit ätzenden Stoffen in Berührung kommen. Das können sowohl chemische Säuren als auch Laugen sein, die häufig in Reinigungsmitteln enthalten sind.

Dabei ist die Schwere der Verätzung abhängig von der Konzentration und der Menge der Chemikalien, aber auch von der Länge der Einwirkungszeit. Eine schnelle ärztliche Versorgung und wichtige Erste-Hilfe-Maßnahmen können das verätzte Gewebe retten, doch vorbeugende Maßnahmen lassen es erst gar nicht zu einer Verätzung kommen.

Ursachen

Die Ursache für eine Verätzung ist ein Kontakt der Haut mit ätzenden Chemikalien. Besonders Haushaltschemikalien, aber auch ätzende Abbeizstoffe können bei direkter Berührung mit der Haut eine Verätzung auslösen. Oft liegen die Gründe für einen Unfall mit einer ätzenden Flüssigkeit auch in der falschen Beschriftung von Flaschen und Behältern.

Wenn eine Säure auf die Haut trifft, gerinnen die Zelleiweiße, so dass die ätzende Flüssigkeit nicht in die tiefer liegenden Hautschichten eindringen kann. Der medizinische Fachbegriff für diese körperliche Abwehrreaktion nennt man Koagulationsnekrose mit Schorfbildung.

Bei einer Verätzung durch eine Lauge oder Base passiert genau das Gegenteil: Die Eiweißmoleküle verklumpen nicht wie bei der Säure, sondern das Gewebe wird flüssig. Der medizinische Fachausdruck für diese Form der Verätzung ist Kolliquationsnekrose. Eine Lauge kann sich einen Weg in tiefere Schichten bahnen und verursacht daher eine weit größere Verätzung als eine Säure.

Symptome und Verlauf

Als erstes Symptom einer Verätzung der Haut empfindet die verletzte Person große Schmerzen an der betroffenen Stelle. Das Gewebe rötet sich, kann bluten oder sogar zerstört sein, je nach Ausmaß der Verätzung. Ähnlich wie bei einer Verbrennung besteht bei einer Verätzung auch die Gefahr eines schnellen und hohen Flüssigkeitsverlustes.

Eine Verätzung der Augen führt ebenfalls zu starken Schmerzen, Auslöser dafür ist die Schädigung der Hornhaut. In Extremfällen kann es zu akuten Sehstörungen oder sogar Blindheit kommen. Bei einer Verätzung des Magen-Darm-Trakts leidet der Patient unter krampfartigen Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Wenn der Mund oder die Speiseröhre von einer Verätzung betroffen sind, machen sich Schluckbeschwerden, vermehrter Speichelfluss und eine Schwellung der Schleimhaut bemerkbar. In allen Fällen einer Verätzung besteht außerdem die Gefahr eines Schocks.

Diagnose

Die Diagnose einer Verätzung stellt der Arzt, indem er sich ein Bild macht über die Intensität der Verätzung an der betroffenen Kontaktstelle. Außerdem benötigt er Informationen zur Art und Menge der Flüssigkeit, die die Verätzung verursacht hat.

Eine genaue Untersuchung, die je nach Körperregion auch eine Röntgenaufnahme oder eine Endoskopie einschließt, stellt die Genauigkeit der Diagnose und die damit verbundene Therapie sicher. Eine Röntgenaufnahme weist auf eventuelle Wanddurchbrüche im Brustraum hin. Wenn der Verdacht besteht, dass die Speiseröhre verätzt wurde, kann der behandelnde Arzt mit Hilfe eines Endoskops feststellen, in welchem Ausmaß die Speiseröhre von der Verätzung betroffen ist.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung der Verätzung richtet sich nach dem Grad der Verletzung und der Konzentration der ätzenden Flüssigkeit. Wenn die Flüssigkeit noch die betroffene Stelle berührt – zum Beispiel durch ein Kleidungsstück – wird sie entfernt. Dabei schützt das Tragen von Handschuhen die Haut des Arztes.

Der verätzte Bereich wird zur Reinigung mit reichlich klarem Wasser gespült, im Idealfall bis zu 15 Minuten lang. Danach deckt ein steriler Wundverband die Stelle ab. Ist die Verletzung besonders schwer, kann auch ein plastisch-chirurgischer Eingriff nötig sein. Bei einer Verätzung der Augen wird als erste Maßnahme der Augenwinkel gespült. Manchmal muss der Augenarzt Reste der ätzenden Substanz mit Hilfe eines Mikroskops von der Hornhaut entfernen.

Eine Spülung sollte auch angewendet werden, wenn eine Verätzung im Mund- oder Rachenbereich eingetreten ist. Auch verdünnende Maßnahmen können dem Körper helfen, sich von dem Gift zu befreien. Ein Erbrechen sollte allerdings vermieden werden.

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Vorbeugung

Wer in einer Notfallsituation schnell handelt, kann gerade bei einer Verätzung schlimme Langzeitschäden vermeiden. Die Telefonnummer der Vergiftungsnotrufzentrale sollte also in Reichweite sein, am besten sie liegt neben dem Telefon.

Als vorbeugende Maßnahme sollten giftige und ätzende Substanzen auf keinen Fall in Behältern für Lebensmittel aufbewahrt werden, sondern im Originalbehälter, auf dem sich deutliche Warnhinweise zur Verwendung der Chemikalie befinden.

Für Kinder dürfen toxische Substanzen nicht erreichbar sein. Wer mit ätzenden Stoffen im Haushalt oder bei der Arbeit umgeht, sollte entsprechende Kleidung zum Schutz vor einer Verätzung tragen.

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