Urogenitaltuberkulose

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 7. Dezember 2016
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Als Urogenitaltuberkulose bezeichnet man eine Erscheinungsform der Tuberkulose. Es handelt sich meistens um eine Sekundär- oder Organtuberkulose, bei der der ursprüngliche Erkrankungsherd in der Lunge liegt. Die Urogenitaltuberkulose ist keine Geschlechtskrankheit, da sie in der Regel durch Geschlechtsverkehr nicht übertragen werden kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Urogenitaltuberkulose?

Die Tuberkulose ist eine Infektionskrankheit, die durch Mykobakterien hervorgerufen wird. Sie ist weltweit verbreitet und befällt meistens die Lunge. Durch verschiedene Prozesse kann sie sich aber auch in anderen Organen, wie zum Beispiel dem Urogenitaltrakt manifestieren. Auch bei der Urogenitaltuberkulose findet sich der sogenannte Primärherd meist in der Lunge. Die Urogenitaltuberkulose ist in Deutschland zwar eher selten anzutreffen, gehört aber dennoch zu den meldepflichtigen Erkrankungen. 2006 wurden knapp 25 Fälle von Urogenitaltuberkulose gemeldet. Die Erkrankung ist heute meist zwischen dem 25. und dem 40. Lebensjahr oder im hohen Alter zu finden. Insbesondere ältere Menschen in Altenheimen sind betroffen.

Ursachen

Erreger der Tuberkulose sind Mykobakterien. In den meisten Fällen handelt es sich um das Mycobacterium tuberculosis, seltener um das Mycobacterium bovis. Der Erreger wird in erster Linie über das Einatmen von infizierten Tröpfchen übertragen. Viele der Erreger werden bereits in den Atemwegen unschädlich gemacht. Teilweise gelangen sie aber bis in die Lunge und werden dort von Fresszellen attackiert.

Aufgrund der besonderen Oberflächenstruktur des Bakteriums ist es den Fresszellen nicht möglich, den Erreger komplett zu zerstören. Um den Körper zu schützen, baut der Körper um die Fresszellen, die nun die noch lebenden Erreger beinhalten, eine Art Schutzwall aus zahlreichen Immunzellen. Nachdem die Fresszellen im Inneren dieses Walls zerfallen sind, werden die Erreger wieder freigesetzt und es bildet sich ein Entzündungsherd. Man bezeichnet dieses Gebilde nun auch als Primärherd.

Jahre bis Jahrzehnte kann der Körper die Bakterien so quasi in Gefangenschaft halten. Infolge einer Abwehrschwäche kann es aber zu einer Freisetzung der Bakterien in den Blutkreislauf kommen. Man spricht dann auch von einer hämatogenen Streuung. Über den Blutweg gelangen die Erreger dann zu den Nieren, Nebennieren, der Blase, den Harnwegen und zu den Genitalien.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome der Urogenitaltuberkulose:

In den Nieren und den anderen Urogenitalorganen kommt es zunächst zu kleinen Läsionen. Die so entstehenden kleinen Entzündungsherde verkalken. Schreitet die Erkrankung aufgrund einer schlechten Immunlage des Patienten voran, verkalkt die Niere zunehmend. Dadurch kommt es zu Schäden der Nierenkelche und der Nierenpapillen. Das Endstadium der Nierentuberkulose ist eine sogenannte Kittniere. Diese besteht fast nur noch aus verkäsenden Nekrosen und ist somit funktionslos. Durch Vernarbung der Harnleiter kann es zudem zu einem Harnstau mit folgender Niereninsuffizienz kommen.

Bei einem Befall der weiblichen Geschlechtsorgane kommt es fast immer zu einem beidseitigen Befall der Eileiterschleimhäute. Von dort aus breitet sich die Infektion bis in die Gebärmutter aus. Die Folge ist Unfruchtbarkeit. Die Urogenitaltuberkulose ist die häufigste Ursache für weibliche Unfruchtbarkeit in Entwicklungsländern. Bei den männlichen Geschlechtsorganen sind vor allem die Nebenhoden betroffen. Über die Samenwege kann sich die Infektion auch in die Hoden und in die Prostata ausbreiten.

Rund ein Fünftel aller Urogenitaltuberkulosen verläuft symptomfrei. Wenn Symptome auftreten, sind diese eher uncharakteristisch. Es kommt zu Schmerzen beim Wasserlassen, Rücken- und Flankenschmerzen, blutigem Urin, Eiter im Urin, Verstopfung oder Blähungen. Bei Frauen können Blutungsstörungen auftreten. Eventuell bleibt die Menstruation komplett aus. Sind die Nebenhoden befallen, kommt es zu Schmerzen, Schwellung und Rötung. Oft ist die Genitaltuberkulose jedoch ein Zufallsbefund.

Diagnose

Bei Verdacht auf eine Urogenitaltuberkulose wird zunächst ein Tuberkulin-Test durchgeführt. Dieser zeigt zwar an, ob der Patient bereits mit Tuberkuloseerregern in Kontakt gekommen ist, ist aber nicht beweisend. Zum Nachweis des Primärherdes in der Lunge wird die Lunge geröntgt. Zudem erfolgt ein kultureller Erregernachweis im Urin. Das Ergebnis dieses Tests liegt allerdings erst nach vier Wochen vor.

Ergänzend kann der Erreger auch mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) im Urin nachgewiesen werden. Auch ein Erregernachweis im Menstruationsblut ist möglich. Zusätzliche Hinweise liefern die Urografie und eine Gewebeuntersuchung der Gebärmutterschleimhaut. Eventuell wird auch eine Laparoskopie zur Untersuchung der Bauch- und Beckenorgane durchgeführt.

Behandlung und Therapie

Die Urogenitaltuberkulose wird medikamentös mit einer Kombination aus verschiedenen Antibiotika durchgeführt. Die Behandlung mit Isoniazid, Rifampicin, Pyrazinamid und Ethambutol erfolgt normalerweise über eine Dauer von sechs Monaten. Ist die medikamentöse Behandlung nicht erfolgreich oder kommt es zu einer Kittniere oder einem Harnstau, müssen die betroffenen Organe falls möglich entfernt werden. Trotz Behandlung führt die Urogenitaltuberkulose in 90 % der Fälle zu Unfruchtbarkeit.



Vorbeugung

Derzeit gibt es keine empfohlene Impfung gegen die Tuberkulose. An einem neuen Impfstoff wird aber gearbeitet. Wichtigste Präventionsmaßnahme ist die frühzeitige Behandlung von Personen mit Tuberkulose. Personen, die an einer offenen Tuberkulose leiden, müssen so lange in Quarantäne bleiben, bis keine Ansteckungsgefahr mehr besteht.

Damit sich aus einer Infektion mit dem Mycobacterium keine manifeste Tuberkulose entwickelt, kann eine Präventivbehandlung erfolgen. Dafür wird meist das Medikament Isoniazid eingesetzt.

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