Toxisches Schocksyndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 3. Oktober 2015
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Das Toxische Schocksyndrom (TSS) betrifft vor allem Frauen, die während der Regelblutung Tampons anwenden. Die Krankheit ist sehr selten, aber schwerwiegend und kann tödlich enden. Mit gründlicher Hygiene lässt sich eine Infektion leicht vermeiden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Toxische Schocksyndrom?

Das Toxische Schocksyndrom ist eine bakterielle Infektion, die zum schweren Versagen von Kreislauf und Organen führt. Ohne Behandlung verläuft die Krankheit tödlich. Das Syndrom tritt sehr selten auf und wird jährlich bei 0,5 von 100.000 Einwohnern diagnostiziert. Erstmals wurde TSS in den späten 1970er Jahren in den USA bei jungen Mädchen beschrieben, die während der Menstruation stark saugfähige Tampons verwendeten. Durch unzureichende Hygiene und übermäßige Tragedauer infizierten sie sich über die Scheide mit Staphylokokken.

Ursachen

Die Bakterien produzieren das Gift Toxic-Shock-Syndrom-Toxin-1 (TSST-1). Dies wirkt als Superantigen und aktiviert eine überhöhte Immunreaktion. Die gebildeten Antikörper greifen unspezifisch auch körpereigene Zellen an und lösen damit den Schock aus. Seltener als Staphylokokken sind bestimmte Bakterienformen der Streptokokken oder Clostridien für TSS verantwortlich. Diese produzieren ähnlich wirkende Toxine.

In mehr als der Hälfte aller Fälle lässt sich das Auftreten der Krankheit auf die inadäquate Verwendung von Tampons und Diaphragmas zurückführen. Daher rührt auch die landläufige Bezeichnung als „Tamponkrankheit“. Nutzen die Anwenderinnen beim Einführen keine entsprechenden Applikatoren, besteht die Gefahr, dass die Bakterien über die Haut der Finger eingebracht werden. Zudem begünstigt eine zu lange Tragedauer die Toxin-Produktion der Staphylokokken in Scheide und Gebärmutter: Dem magnesiumarmen Milieu der Vagina wird durch den Tampon zusätzliches Magnesium entzogen.

In einer solchen Umgebung können die Bakterien das Gift schneller herstellen. Die Krankheit kann aber auch durch das Eindringen der Bakterien über den Atmungstrakt oder Wunden in der Haut verursacht werden (Schnittwunden, Verbrennungen, chirurgische Wunden, Insektenstiche, Schleimbeutelentzündungen).

Symptome und Verlauf

Typische Symptome des Toxischen Schocksyndroms:

Das Toxische Schocksyndrom bricht bei voller Gesundheit ohne Vorzeichen aus. In den ersten 48 Stunden entsteht auf der Haut ein gleichmäßiger, sonnenbrandähnlicher Ausschlag. Betroffen sind insbesondere Fußsohlen und Handflächen, aber auch Schultern und in schwächerer Form das Gesicht. Die akute Phase ist gekennzeichnet von hohem Fieber über 39°C, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Schüttelfrost.

Weiterhin fällt der Blutdruck und es kommt zu Kopf- und lokalen Muskelschmerzen sowie Herzrasen. Aus der Scheide tritt eitriger Ausfluss aus und die Schleimhäute sind gerötet. Die enorme Belastung des Körpers kann zudem zum Kreislaufkollaps führen. Kritisch sind die Störungen multipler Organsysteme – wird TSS nicht behandelt oder kommt es zu Komplikationen, kann Multiorganversagen zum Tod führen.

Die Sterblichkeit liegt in den ersten drei Wochen zwischen drei und fünf Prozent (andere Zahlen sagen zwischen zwei und elf Prozent). Zudem kann eine Unterfunktion der Leber und der Nieren entstehen. Bei erfolgreicher Therapie lösen sich während der Genesungsphase Hautzellen ab (Schuppung). Nach der Heilung kann zudem der Verlust von Nägeln und Haaren auftreten.

Diagnose

Die Diagnose von TSS erfolgt anhand der auftretenden Symptome. Neben Fieber, geringem Blutdruck und den Hautausschlägen weisen Muskelschmerzen und die geröteten Schleimhäute in Vagina und Mund auf die Krankheit hin. Entscheidend sind zudem beobachtbare Störungen der Organsysteme. Hier sind entsprechend der genannten Beschwerden das Verdauungssystem, das Nervensystem sowie Leber und Nieren betroffen.

Die Bakterien können durch Abstriche an vaginalen oder anderen Schleimhäuten nachgewiesen werden. Ebenso ist ein Nachweis der Toxin-Antikörper im Blut möglich. Der Arzt sollte von der Patientin über ihren Zyklus und ihre Anwendung von Tampons ausführlich informiert werden.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung wird im Krankenhaus und aufgrund der schwerwiegenden Symptome in vielen Fällen auf der Intensivstation durchgeführt. Die Infektion wird beseitigt durch Bekämpfung der Bakterien mit Antibiotika und Antikörpern. Hierbei sollten im Vorfeld eventuelle Resistenzen der Erreger mit einem Antibiogramm ausgeschlossen werden. Zudem empfiehlt sich eine lokale Behandlung in der Scheide. Für die erfolgreiche Genesung ist neben der Bekämpfung der Infektion eine einhergehende Stabilisierung des Kreislaufes und der gestörten Organsysteme von Nöten: Der Schock resultiert aus einer Unterversorgung des Gewebes mit Sauerstoff, was durch Sauerstoffzufuhr und eventuelle Beatmung vermieden werden kann.

Der durch Schwitzen und erhöhte Nierenaktivität auftretende Flüssigkeitsverlust wird durch intravinös zugeführte Flüssigkeit ausgeglichen. Zudem sollte der pH-Wert des Blutes normalisiert werden. Medikamentös können Mittel zur Senkung des Fiebers, zur Beruhigung und zur Schmerzlinderung verabreicht werden. Wird das Syndrom frühzeitig therapiert, ist eine Prognose für die Behandlung gut. Die Sterblichkeit liegt in den ersten drei Wochen zwischen drei und fünf Prozent (bei nicht menstrueller Infektion zwischen zwei und elf Prozent). Wird die Krankheit nicht behandelt liegt die Sterblichkeit bei 50 Prozent.

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Vorbeugung

Um eine Infektion zu vermeiden ist auf eine gründliche Hygiene während der Regelblutung zu achten. Das Einführen der Tampons sollte mit gereinigten Händen oder entsprechenden Applikatoren erfolgen. Die Anwenderinnen sollten die Tampons regelmäßig alle vier bis acht Stunden wechseln und alternativ auf Binden zurückgreifen. Tampons aus Biobaumwolle und wiederverwendbare Menstruationskappen mindern das Infektionsrisiko. Bei auftretenden Symptomen sollte umgehend der Arzt kontaktiert werden.

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