Tourette Syndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 1. Oktober 2015
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Das Tourette-Syndrom ist eine Nervenerkrankung, bei der Betroffene an sogenannten verbalen und/oder motorischen Tics leiden, bei denen beispielsweise Kraftausdrücke oder Schimpfwörter laut ausgestoßen werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Tourette-Syndrom?

Das Tourette-Syndrom bezeichnet eine Nervenkrankheit. Betroffene leiden dabei an sogenannten Tics, sie stoßen beispielsweise unflätige Wörter aus oder beleidigen ihr Gegenüber. Diese Reaktionen sind unwillkürlich und können in aller Regel von dem am Tourette-Syndrom Erkrankten nicht gesteuert werden.

Durch ihr unkontrollierbares Verhalten erleben sie aus von Seiten der Umwelt negative Reaktionen, die von Unsicherheit, Angst bis hin zu Aggressivität reichen, wenn das Gegenüber nicht mit den Symptomen des Syndroms vertraut ist und sie daher als persönliche Beleidigung auffasst.

Benannt ist das Tourette-Syndrom nach dem französischen Arzt Georges Gilles de la Tourette, weil er die Symptome als Erster zusammenfassend beschrieben und die Krankheit charakterisiert hat.

Ursachen

Die Ursachen des Tourette-Syndroms konnten bisher nicht eindeutig geklärt werden. Es gibt Hinweise darauf, dass das Syndrom mit Defekten an den Basalganglien, die für die Feinabstimmung der Körperregionen zuständig sind, zusammenhängen.

So ist beispielsweise denkbar, dass Stoffwechselvorgänge im Zusammenhang mit Dopamin bzw. Serotonin außer Kontrolle geraten und die typischen Tics verursachen. Eine andere Theorie besagt, dass es sich beim Tourette-Syndrom um eine Autoimmunerkrankung handeln könnte, bei der Autoantikörper die Basalganglien in ihrer Funktion einschränken.

Darüber hinaus wird diskutiert, ob eine Mutation des Gens "SLITRK1", welches sich auf dem Chromosom 13q31.1 befindet, für die Entwicklung des Tourette-Syndroms ursächlich ist, denn schließlich beeinflusst das Gen die Bildung der Nervenzellen.

In diesem Zusammenhang wird auch vom erblichen Tourette-Syndrom gesprochen, da erste Ergebnisse nahelegen, dass in etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle die Genmutation von einem Elternteil auf das Kind übertragen werden kann.

Symptome und Verlauf

Beim Tourette-Syndrom treten bei Betroffenen unwillkürlich und unkontrolliert sowie plötzlich sogenannte Tics auf. Auf motorischer Ebene kann das beispielsweise ein Naserümpfen oder Zwinkern sein, doch auch Schlagen, unkontrollierte Zuckungen und selbstverletzende Reaktionen (wie das Schlagen des Kopfes gegen eine feste Fläche) werden beobachtet.

Auf verbaler Ebene kann es sich um ein einfaches Husten, Räuspern oder das Nachmachen von Tierstimmen beziehen, komplexer wird es, wenn - oft völlig unabhängig vom Gesprächskontext - laut obszöne und beleidigende Dinge herausgeschrien oder andere Personen imitiert werden. Dieses Verhalten ist nicht bewusst und auch nicht steuerbar, und es tritt vermehrt in Situationen auf, die emotional belastend oder stressbehaftet sind.

Das Tourette-Syndrom äußert sich in aller Regel zuerst im Grundschulalter und erreicht seine volle Ausprägung bis zum Alter von etwa 14. In der Pubertät hat das Tourette-Syndrom seine "Blützeit", teilweise klingt es danach ab oder verschwindet sogar (bei sehr wenigen Fällen) vollständig.

Diagnose

Die Diagnose des Tourette-Syndroms erfolgt durch Beobachtung, nicht durch klinische oder psychologische Tests. Damit das Syndrom diagnostiziert werden kann, muss zumindest ein verbaler Tic sowie zwei motorische Tics vorhanden sein.

Dabei muss auszuschließen sein, dass die Tics eine Reaktion auf einen Substanzenmissbrauch sind oder auf der Basis eines Krankheitsfaktors entstehen. Die Tics müssen zwingend vor Abschluss des 20. Lebensjahres das erste Mal aufgetreten sein, damit die Diagnose Tourette-Syndrom gerechtfertigt ist.

Behandlung und Therapie

Eine direkte Kurierung des Tourette-Syndroms kann nicht erfolgen, da schließlich die Ursachen, die zur Entstehung führen, noch nicht bekannt sind. Die einzige Möglichkeit, Betroffenen zu helfen, ist, sie einer psychologischen Therapie oder einer medikamentösen Behandlung zu unterziehen. Ausschlaggebend für die Wahl der Therapiemethode(n) ist dabei die Beratung durch Fachpersonal wie (Jugend-)Psychologen und Neurologen.

Die medizinische Behandlung ist in der Regel nur in schweren Fällen angezeigt und erfolgt durch die Gabe sogenannter Neuroleptika wie Tiaprid, Pimozid und Haloperidol. Teilweise werden auch andere Medikamente eingesetzt, und zwar gerade dann, wenn neben dem Tourette-Syndrom auch noch andere Störungen wie beispielsweise eine Angststörung oder Zwangsstörung bestehen.

Auf psychologischer Ebene können die "Tiefe Hirnstimulation" sowie Selbstkontroll- und Entspannungstraining zum Einsatz kommen. Es ist auch hilfreich, am Tourette-Syndrom Leidende so zu therapieren, dass sie lernen, mit Spannungs- und Stresssituationen, die oft Auslöser der Tics sind, besser umzugehen.

Manche Betroffene können beispielsweise lernen, ihre Tics eine kurze Zeit zu meistern und diese Spanne zu nutzen, um beispielsweise in eine Art "Schonraum" zu gehen und dort ihre Tics herauszulassen, ohne dass es jemand mitbekommt. Vielen Betroffenen hilft auch die Musiktherapie - wenn sie beispielsweise ein Instrument, das Hand- und Fußeinsatz erfordert (Klavier, Orgel und Schlagzeug beispielsweise) erlernen, können die nervösen Impulse umgeleitet und genutzt werden.

Auch Übungen zur Stimmbildung können bei verbalen Tics helfen, denn es kann beispielsweise trainiert werden, dass statt unflätiger Ausdrücke eine Melodie verlautbart wird. Das kann vor allem helfen, dass die am Tourette-Syndrom Erkrankten besser mit ihrer Umwelt auskommen.

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Vorbeugung

Da die Ursache des Tourette-Syndroms noch nicht abschließend geklärt ist, ist auch keine wirksame Vorbeugung bekannt. Jedoch sollten Eltern, deren Kinder Anzeichen des Tourette-Syndroms zeigen, sich vor Augen halten, dass ihre Kinder unwillkürlich und keinesfalls absichtlich so reagieren und dass es ihnen selbst höchst unangenehm ist.

Wenn ein Tic vorkommt, sollte ihm möglichst wenig Beachtung geschenkt werden. Außerdem sollte Kindern, die vom Tourette-Syndrom betroffen sind, möglichst früh von ihren Eltern vermittelt werden, dass sie nichts Böses tun und sich nicht schämen müssen, und dass die Reaktionen der Umwelt nur Zeichen von Unverständnis sind.

Mit einer weitergehenden Aufklärung bezüglich des Tourette-Syndroms wird sich zukünftig hoffentlich ein besseres Verständnis für das Syndrom verbreiten und den Leidensdruck der Betroffenen mindern.

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