Steißbeinschmerzen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 31. März 2015
Gesundpedia.deSymptome Steißbeinschmerzen

Steißbeinschmerzen werden in medizinischen Kreisen auch als Kokzygodynie bezeichnet. Dabei handelt es sich um lokale Schmerzen im unteren Bereich der Wirbelsäule, im Steißbein.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Steißbeinschmerzen?

Steißbeinschmerzen sind eine körperliche Beschwerde, die bei Menschen als ernsthafte Erkrankung nur selten auftreten. Davon sind Frauen häufiger betroffen, wobei die Anfälligkeit mit dem Alter steigt. Die Kokzygodynie äußert sich durch scharfe, stechende und ziehende Schmerzen. In besonders schweren Fällen strahlen die Schmerzen auch in angrenzende Bereiche aus.

Die Beschwerden können einen chronischen Verlauf annehmen oder nur spontan über einen kurzen Zeitraum auftreten. Da es sich bei der Kokzygodynie nicht immer um eine Verletzung der Wirbelsäule handelt, wird die Beschwerde auch als psychosomatische Erkrankung klassifiziert. Konkret soll es sich dann um eine Erkrankung handeln, die auf die psychische Verfassung des Patienten zurückzuführen ist.

Ursachen

Für Steißbeinschmerzen gibt es in vielen Fällen keine nachweisbare Ursache. Dies gilt insbesondere dann, wenn es sich um eine spontane Kokzygodynie handelt. Experten vermuten, dass die Steißbeinschmerzen zuvor durch eine übermäßige Belastung ausgelöst worden sind. So beklagen viele Patienten, die Schmerzen würden nach langem Sitzen auf harten Unterlagen, etwa einem Stuhl, auftreten.

Entsprechend wird die Kokzygodynie im englischen Sprachraum auch als "television bottom" (Fernsehhintern) bezeichnet. Für eine akute Erkrankung kann auch eine Verletzung des Steißbeins sprechen. Mögliche Ursachen sind Prellungen, Stauchungen, Verrenkungen und Brüche des Steißbeins. Ferner können Fehlstellungen des Steißbeins und Verletzungen des Beckens als Auslöser herangezogen werden.

In seltenen Fällen entwickelt sich eine Kokzygodynie mit einer Tumorbildung oder als Folge eines chirurgischen Eingriffes. Von einer chronischen Kokzygodynie spricht man, wenn Mikrotraumen über einen längeren Zeitraum auftreten. Mikrotraumen sind kleine Gewebeverletzungen, die bei mechanischen Belastungen entstehen. Bei dem Auslöser der Mikrotraumenbildung kann es sich um eine Extremsportart handelt, die mit ständigen Prellungen und Stößen im Bereich der Wirbelsäule einhergeht.

Krankheiten

Diagnose und Verlauf

Steißbeinschmerzen treten oft als eine spontane Beschwerde auf, die nach wenigen Tagen wieder nachlässt. Sollten die Schmerzen eine Woche überschreiten, empfiehlt es sich, einen Arzt zu konsultieren. Hierbei kann es sich um den Hausarzt oder einen Orthopäden handeln. Der Arzt beginnt mit einer Anamnese. Sie umfasst den bisherigen Krankheitsverlauf und die mit der Kokzygodynie einhergehenden Symptome.

Weiterhin wird der Arzt Hintergrundfragen zu den Lebensgewohnheiten und den Freizeitaktivitäten stellen. Im Rahmen einer körperlichen Untersuchung versucht der Arzt, die Schmerzen exakt zu lokalisieren. Dazu übt er auf das Steißbein einen Druck aus, um eine schmerzhafte Reaktion auszulösen. Zur genauen Diagnose erfolgt eine Ultraschalluntersuchung des Beckenbereichs.

Um Fehlstellungen und Verletzungen der Wirbelsäule auszuschließen, kann die Behandlung mit einer Computertomographie (CT) oder einer Magnetresonanztomographie fortgeführt werden. Ein hierbei verwendetes Kontrastmittel zeigt schließlich auf, ob eine Entzündung vorliegt. Mit den Ergebnissen kann zudem ein Tumorbefall erkannt werden. Im Zweifelsfall kann die Diagnose von einer Röntgenuntersuchung begleitet werden. Mit dieser gelingt es dem Arzt, den Patienten auf weitere Erkrankungen der Wirbelsäule zu untersuchen.

Behandlung

Ziel der Behandlung ist es in erster Linie, die Schmerzen zu lindern. So können sich Steißbeinschmerzen bereits bei der Anwendung von nicht-steroidalen Antirheumatika (Schmerzmittel) bessern. In besonders schweren Fällen werden örtliche Betäubungsmittel, sogenannte Lokalanästhetika, in die betroffenen Stellen injiziert. Diese haben den Vorteil, dass Schmerzen nicht nur im Steißbein, sondern auch in den angrenzenden Weichteilen therapiert werden.

Neben der Schmerzlinderung gilt es ferner, Entzündungsprozesse zu hemmen. Hierfür kommen Glukokortikoide zum Einsatz. Dies sind Corticosteroide, die eine entzündungshemmende und immunsuppressive Wirkung einnehmen. Darüber hinaus kann die Behandlung durch eine physiotherapeutische Maßnahme abgerundet werden. In mehreren Sitzungen wird das Steißbein mit diversen Übungen mobilisiert. Außerdem gelingt es dem Physiotherapeuten, die Muskulatur der Wirbelsäule zu stärken. Zusätzlich kann eine Wärmebehandlung zur Entspannung der Muskulatur führen, während eine Akupunktur die Durchblutung fördert.

Dies sind aber nur kurzfristige Lösungen, sollte eine Grunderkrankung aus Auslöser diagnostiziert worden sein. Bei psychosomatischen Ursachen wird eine Psychotherapie eingeleitet. Sie soll das Wohlbefinden des Patienten steigern. Im Falle einer Fehlstellung, einer Störung des Bewegungsapparats oder einer Tumorbildung steht dagegen eine operative Behandlung im Vordergrund. Anschließend übernimmt ein Orthopäde oder ein Chiropraktiker die Behandlung, um das Steißbein sukzessive zu stabilisieren.

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Vorbeugung

Es gibt viele Möglichkeiten, mit der einer Kokzygodynie vorgebeugt werden kann. Im Vordergrund steht das Ziel, das Steißbein zu schonen. Entsprechend wird das Sitzen auf harten Unterlagen und das Ausüben von Extremsportarten eingeschränkt. Kann das Sitzen während der Arbeit nicht vermieden werden, empfiehlt sich ein Sitzkissen.

Darüber hinaus lohnt es sich, Übungen zum Aufbau der Rumpfmuskulatur durchzuführen. Übungen zum Muskelaufbau können bei einer Psychotherapie erlernt werden. Schließlich hat es sich erwiesen, dass Steißbeinschmerzen durch Übergewicht begünstigt werden. Bei Übergewicht kann eine Diät eine Abhilfe leisten. Ferner empfiehlt es sich, sportliche Tätigkeiten auszuüben. Schonende Sportarten sind Schwimmen, Joggen und Tennisspielen. Diese haben den Vorteil, dass die Rumpfmuskulatur trainiert wird.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Hanne75 kommentierte am 19.12.2015 um 21:09 Uhr

War 30 Minuten auf dem Laufband, danach 10 Minuten leichtes Krafttraining und dann auf dem Rollsitz 3x30 Übungen mit 30 kg Gewicht, nach 50 Minuten habe ich den Sport beendet. Ich werde im Januar 75 Jahre alt, und ich bin topfit, so dass ich im Sportstudio mein Alter vergesse. Am nächsten Tag hatte ich leichte Steißbeschwerden (ich glaubte, es sei Muskelkater)! Am zweiten Tag konnte ich morgens kaum laufen, die Beine knickten ein, so dass ich nur mit Unterstützung laufen konnte. Das ging fünf Tage so. Jetzt ist es bereits 14 Tage her und die Schmerzen sind manchmal nicht zu ertragen. Meine Ärztin (Internistin) hat mich erst einmal mit Novamin versorgt, das ich bei Bedarf einnehme. Seit zwei Tagen leide ich nun an Appetitlosigkeit, was ich sonst gar nicht kenne. Wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht? Ich muss mich sicherlich voll in die Hand eines Arztes begeben, da ich meiner Ärztin per Telefon die Beschwerden erläutert habe, weil ich nicht zu ihr gehen konnte. Kann mir jemand etwas gegen Steißbeinschmerzen raten?

xyacht kommentierte am 23.02.2016 um 21:35 Uhr

Ich habe seit 9 Monaten mit starken Steißbein-, Kreuzbein- und Lendenschmerzen zu tun. Es wurde ein MRT sowie eine Röntgenaufnahme und ein Ultraschall rektal und über die Scheide vorgenommen. Es ergab sich kein Hinweis. Hausarzt und Orthopäde haben wegen Druckempfindlichkeit eine Coccygodinie diagnostiziert. Weder manuelle, craniosacrale oder ostheopathische Behandlungen haben geholfen. Eine Neuraltherapie hat die Schmerzen sehr verstärkt. Ein Orthopäde sagte mir, dass man da gar nichts machen kann. Was also nun?

khaki 86 kommentierte am 25.03.2016 um 00:16 Uhr

Bei mir wurde Kokzygodynie diagnostiziert. Zumindest glauben das die Ärzte weil in MRT und Röntgenbild nichts zu sehen ist. Ich hatte von einem Tag auf den anderen plötzlich Druck am Steißbein der sich von Tag zu Tag langsam immer stärker aufbaute. Die Muskulatur im Umkreis it erschlafft, der Darm funktioniert anders und Ischias habe ich ab und zu. Eine Zeit schliefen auch die Beine ein, jetzt aber nicht mehr. Seit 14 Monaten habe ich die Symptome. Nach einer Rektaluntersuchung meint der Orthopäde das Steißbein sei zu beweglich und es muss operativ entfernt werden. Ist das notwendig? Gibt es alternative Möglichkeiten? Kann es außer Kokzygodynie noch etwas sein?

Nett kommentierte am 21.07.2016 um 19:34 Uhr

Bei den Geburten beider Kinder, allerdings vor 21 und 18 Jahren, ist mir das Steißbein gebrochen. Seitdem habe ich immer mal Schmerzen. Fahrradfahren ist fast unmöglich. Wer weiß Antwort?

juna16 kommentierte am 11.08.2016 um 13:31 Uhr

Habe seit Februar Schmerzen im Steißbereich. Tabletten und Spritzen helfen fast nicht, wird eigentlich immer schlimmer. MRT zeigte, dass der Winkel des Steißbeins 80 Grad hat. Hatte eine erste Neuraltherapie, die nichts brachte. Soll nun zur Krankengymnastik. Fürchte, dass es dadurch schlimmer werden könnte. Hat jemand ähnliche Probleme oder Therapieansatz?

lolo kommentierte am 13.10.2016 um 23:12 Uhr

Ich habe die selben Symptome wie khaki seit mindestens 7 Monaten. Bei mir wurden Bandscheiben Vorwölbungen bei L1&2 festgestellt. Ebenso habe ich einen Knick im Steißbein, der von einem früheren Ski-Unfall resultiert. Die Zustände traten aber erst 1/2 Jahr später auf. Trotzdem ich bereits Physiotherapien und Behandlungen auf einer Streck-Liege gemacht habe, werden die Schmerzen nicht besser. Sitzen ist kaum möglich, Nerven, Knochen, Muskeln, das alles schmerzt. Nach Muskelaufbauübungen ist es meist noch mehr gereizt. Gibt es Erfahrungen, was helfen kann?