Spondylolisthesis (Wirbelgleiten)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 5. März 2016
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Die Spondylolisthesis (Wirbelgleiten) wird umgangssprachlich auch als Wirbelgleiten bezeichnet und entspricht einer Instabilität in der Wirbelsäule. Das obere Teilstück gleitet dabei mit einem Gleitwirbel nach ventral über den daruntergelegenen Wirbelkörper ab. Die Spondylolisthesis ist entweder erworben, oder angeboren.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Spondylolisthesis (Wirbelgleiten)?

Das Wirbelgleiten ist das Abrutschen eines Wirbelsegments nach ventral und kann die Wirbelsäule um bis zu 75 Grad verschieben. Die erworbenen Formen gliedern sich in eine traumatische, eine postoperative, eine degenerative und eine pathologische Variante auf. Die angeborene Form gliedert sich in eine dysplastische und eine isthmische Variante auf. Abhängig vom Versatz werden unterschiedliche Schweregrade der Erscheinung unterschieden. Die Schwere kann zwischen MD I Grad und MD IV Grad variieren.

Manchmal ist auch dann von einer Spondylolithesis die Rede, wenn die Wirbel gänzlich den Kontakt verloren haben und frei nach ventral gleiten. Diese MD-V°-Form wird Spondyloptose genannt. Von dem Wirbelabgleiten sind degenerative Prozesse zu unterscheiden, die an der Bandscheibe oder den Wirbelgelenken altersbedingt stattfinden und geringgradige Verschiebungen der Wirbelkörper zur Folge haben können. Dieses Phänomen wird auch Pseudospondylolisthesis genannt.

Ursachen

Aus ätiologischer Sicht ist die Voraussetzung für eine Spondylolisthesis eine Spondylolyse, die eine Hypermobilität des Wirbelsäulensegments verursacht. Zyklisch reklinierende Bewegungsarten wie beim Trampolinspringen oder Turnen können die Sponylolyse auslösen. Grundsätzlich werden viele weitere Ursachen für die Entstehung einer Spondylolisthesis in Betracht gezogen. Die angeborene Form geht zum Beispiel auf eine Fehlentwicklung oder einen Defekt im Erbgut zurück.

Der dysplastische Subtyp dieser Form wird von einer Gefügestörung zwischen der Lendenwirbelsäule und dem Kreuzbein verursacht. Entweder begünstigen axial ausgerichtete Gelenkfortsätze das Abgleiten oder sagittale Wirbelgelenke lassen den Wirbel nach ventral gleiten. Davon zu unterscheiden ist die isthmische Form, bei der die Interartikularportion eines Wirbelbogens nicht verknöchert ist und damit nach einer Fraktur das Abgleiten begünstigt.

Bei der erworbenen degenerativen Form handelt es sich ursächlich dagegen um Veränderungen, die im Rahmen von Verschleiß im Zwischenwirbelraum oder am Wirbelgelenk auftreten. Die erworben traumatische Form wird durch Verletzungen im Interartikularportion verursacht. Die erworbene pathologische Form ist dagegen die Folge einer Knochenerkrankung mit reduzierter Knochenfestigkeit. Bei der erworben postoperative Form gleiten die Wirbel aufgrund einer operativen Veränderung ab.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome der Spondylolisthesis (Wirbelgleiten):

Patienten einer Spondylolisthesis leiden an einer Hypermobilität eines bestimmten Wirbelsäulensegments, das verschiedene Druckverhältnisse an den Grundplatten und Deckplatten entstehen lässt. Ein asymmetrisch anmutendes Wachstum des Wirbels ist die Folge. Die dadurch entstehenden Symptome treten meist nicht gleich nach dem Wirbelgleiten ein. Am Anfang ist die Spondylolisthesis in den meisten Fällen gänzlich asymptomatisch. Nur in seltensten Fällen liegen schon zu Anfang Lumbalgien vor.

Falls hochgradige Verschiebungen stattfinden, sind diese Veränderungen allerdings häufig als Rumpfverschiebung zu erkennen und manifestieren sich so als Sprungschanzenphänomen, das mit einer Irritation innerhalb der L5-Wurzel einhergeht. Eine länger bestehende Listhesis kann Kreuzschmerzen verursachen. Abhängig von den beteiligten Nerven treten nach geraumer Zeit außerdem oft Missempfindungen oder Taubheitsgefühle auf. Der abgleitende Wirbel kann Nerven derart quetschen, dass zusätzlich Lähmungen auftreten. Dauerhafte Schädigungen der eingeklemmten Nerven sind in diesem Fall nicht ausgeschlossen.

Diagnose

Die Dignose einer Spondylolisthesis wird in der Regel mittels Bildgebender Verfahrengestellt. In einigen Fällen hat der Arzt nach der Blickdiagnose bereits einen ersten Verdacht auf das Phänomen und ordnet eine Röntgenbildgebung an. Auch wenn der Patient bei der Anamnese über Rückenschmerzen und ausstrahlenden Schmert in die Beine klagt, findet üblicherweise eine Röntgenbildgebung auf zwei Ebenen statt. Das verbreitetste Verfahren ist die Röntgen 45°-Schrägaufnahme oder die Seitaufnahme. Oft handelt es sich bei den Befunden der Diagnose auch um einen reinen Zufallsbefund.

Die Position und die Haltung des Patienten können für die Diagnosestellung ausschlaggebend sein. Manchmal findet das Wirbelgleiten nur bei bestimmten Bewegungen statt. Um es zu diagnostizieren, sind in diesem Fall Funktionsaufnahmen erforderlich, die in stehender Vorbeugung und in stehender Rückneigung aufgenommen werden. Für eine detailliertere Darstellung kann zusätzlich ein CT oder MRT angeordnet werden. Mittels MRT klärt der Arzt meist vor allem die Beteiligung von Nerven. Das CT kann die Frage nach knöchernen Defekten klären.

Behandlung und Therapie

Aktuell existiert für die Therapie einer Spondylolisthese kein gültiger Leitfaden. Entweder wird der Patient nach gegebener Studienlage oder nach der persönlichen Erfahrung des Arztes therapiert. Eine wichtige, konventionelle Behandlungsmaßnahme ist die Teilnahme an einer Rückenschule oder Rückengymnastik. Die Rückenmuskulatur wird durch diesen Behandlungsweg gekräftigt. Die Lordose vermindert sich damit idealerweise. Da die Studienlage zu korrigierenden Operationen bislang unklar ist, ist das operative Vorgehen zunächst nicht die erste Wahl.

Ein zweiter Schritt der konventionellen Therapie kann die Gabe von Schmerzmitteln sein. Zusätzlich kann eine Schmerzbehandlung über Infiltrationstherapie und PRT stattfinden. Darüber hinaus mildern medizinische Massagen die Schmerzen der Patienten oft ab. Im Einzelfall eignen sich Rumpforthesen als zusätzlicher Behandlungsschritt. Auch physiotherapeutische Maßnahmen können zur Stabilisation der Wirbelsäule beitragen und die Muskulatur stärken.

Wenn die konventionellen Therapieschritte keinen Erfolg zeigen, kommt eine operative Behandlung infrage. Der Arzt führt den Wirbelkörper bei der Operation an seine eigentliche Position zurück und verblockt ihn. Dazu muss er einen vorderseitigen oder rückwärtigen Wirbelsäulen-Zugang legen. Da es sich bei der Operation um einen aufwändigen Prozess handelt, sind meist zwei Sitzungen einzuplanen. Wegen der einzubringenden Schrauben in der Wirbelsäule können schwerwiegende Komplikationen wie irreversible Nervenverletzungen eintreten.

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Vorbeugung

Einer erworbenen Spondylolisthesis lässt sich in Maßen vorbeugen. So sind zum Beispiel die häufig verursachenden Bewegungen zu vermeiden. Da zyklisch reklinierende Bewegungsarten eine Ursache für das Phänomen sein können, sollte beim Trampolinspringen oder Turnen vorsichtig vorgegangen werden.

Auch der regelmäßige Besuch von Rückentrainings kann in diesem Zusammenhang das Risiko für die Erkrankung minimieren, da die Stärkung der Rückenmuskulatur eine Stabilität in der Wirbelsäule schaffen kann.

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