Sensibilitätsstörung der Haut

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 16. Oktober 2017
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Um Sensibilitätsstörungen der Haut verstehen zu können, muss man folgendes wissen: Die Haut verfügt über diverse winzige Sinnesorgane, die äußere Reize wahrnehmen und sie zur Verarbeitung ans Gehirn und Rückenmark weiterleiten. Alle diese Rezeptoren befinden sich in den einzelnen Hautschichten, manche von ihnen sogar noch in Gelenken und inneren Organen. Außer diesen Berührungsrezeptoren hat der Mensch noch Sinneszellen, mit denen er andere Sinnesreize wahrnimmt. Arbeiten sie optimal mit den entsprechenden Arealen in Gehirn und Rückenmark zusammen, entsteht das, was als normales Empfindungsvermögen (Sensibilität) bezeichnet wird.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Sensibilitätsstörungen der Haut?

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Die menschliche Sensibilität kann jedoch durch Erkrankungen oder Unfälle beeinträchtigt werden. Häufig ist eine Nervenwurzel, ein einzelner Nerv oder ein ganzes Bündel von Nervenfasern geschädigt oder verletzt. Je nachdem, welche der Sinneszellen in ihrer Aktivität eingeschränkt sind, leidet der Betroffene an einer gestörten Wahrnehmung von Schmerz-, Berührungs-, Bewegungs-, Lage-, Vibrations-, Temperatur- oder Kraft-Reizen. Normale Reize werden entweder als schmerzhaft oder als unangenehm empfunden (Dysästhesie).

Fehlempfindungen, also die Wahrnehmung nicht existierender Reize, werden als Parästhesie bezeichnet. Ist die Haut-Empfindlichkeit herabgesetzt, liegt eine Hypästhesie vor, ist sie erhöht, handelt es sich um eine Hyperästhesie. Wird ein auf der Haut ankommender Reiz überhaupt nicht mehr wahrgenommen, leidet der Betroffene an einer Anästhesie. Die Sensibilitätsstörung der Haut kann eine oder mehrere Sinnesempfindungen betreffen und unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Die Betroffenen verspüren Taubheitsgefühle (eingeschlafene Hände oder Füße) oder haben den Eindruck, als steche jemand mit einer Nadel in ihre Haut. Mitunter leiden sie unter kribbelnder, juckender und brennender Haut oder nehmen Temperaturen an bestimmten Körperstellen als zu heiß oder zu kalt wahr, obwohl sich die Hautoberfläche dort normal anfühlt.

Ursachen

Die Ursachen der Haut-Sensibilitätsstörung sind so vielfältig wie die Symptome, mit denen sie sich zeigt. Wo sie auftritt, wie sie im Körper verteilt ist und mit welchen Anzeichen sie sich äußert, lässt Rückschlüsse auf den Ort ihrer Entstehung zu. In manchen Fällen können Mediziner daraus auch auf die Ursache der Empfindungsstörung schließen. Im harmlosesten Fall ist eine vorübergehende Nervenreizung der Auslöser für die Missempfindungen. Das ist bei einem Migräne-Anfall mit Aura, Durchblutungsstörungen und bestimmten Viruserkrankungen (Gürtelrose) der Fall.

Um abzuklären, was die Missempfindungen verursacht, sollte der Patient schnellstmöglich einen Facharzt für Neurologie konsultieren. Ist eine partielle Rückenmarkschädigung schuld, kann der Betroffene zwar Berührungen wahrnehmen, nicht aber Temperaturen und Schmerzen. Bei einer Querschnittslähmung leidet er ab einer bestimmten Körperhöhe an Fehlempfindungen. Diabetiker haben oft noch eine Polyneuropathie: Die kleinen Nerven an Händen und Fußsohlen sind durch die bei Diabetes-Patienten häufig vorkommenden Durchblutungsstörungen geschädigt. Die Betroffenen bemerken dann oft nicht, wenn sich Risse auf der Haut bilden und es kommt dann zu schweren Infektionen.

Eine dauerhafte Schädigung der Nerven mit einer Sensibilitätsstörung der Haut wird oft durch einen Schlaganfall und Verbrennungen verursacht. Außerdem kommt sie bei Erkrankungen wie Multipler Sklerose und Parkinson vor. Darüber hinaus können Tumore im Gehirn und Rückenmark die Missempfindung auf der Haut auslösen. Bakterielle Infektionen kommen ebenfalls als Verursacher infrage. Die unerklärlichen Empfindungsstörungen können sogar durch psychische Erkrankungen verursacht werden. Das ist beispielsweise bei manchen Angststörungen der Fall.

Krankheiten

Diagnose und Verlauf

Patienten mit einer Sensibilitätsstörung der Haut verletzen sich manchmal, ohne dass sie es bemerken. Dann kann es zu schweren Wundinfektionen kommen. Daher sollten Personen, die über einen längeren Zeitraum bei sich Symptome der Sensibilitätsstörung feststellen, einen Arzt aufsuchen. Dasselbe gilt für Betroffene, bei denen es häufig zu plötzlich auftretenden Missempfindungen und zu stark ausgeprägten Störungen kommt.

Der Facharzt für Neurologie stellt durch eine Patienten-Befragung fest, seit wann die Empfindungsstörung der Haut besteht und ob es zuvor zu auslösenden Ereignissen kam. Außerdem lässt er sich über Vorerkrankungen, sonstige Beschwerden und die Einnahme von Medikamenten informieren. Anschließend führt er eine körperliche und eine neurologische Untersuchung durch. Er überprüft, auf welche Hautreize der Patient noch reagiert.

Das entnommene Blut wird zur Analyse ins Labor geschickt. Nachdem er die Symptome eingegrenzt hat, muss er noch die Differenzialdiagnose erstellen. Dazu nutzt er je nach Verdachtsdiagnose Verfahren wie Magnetresonanztomografie (MRT), Computertomografie (CT), Elektroenzephalografie (EEG), Elektromyografie (EMG), Elektroneurografie (ENG), Hirnwasser-Untersuchung und Ultraschall. Außerdem sind oft noch weitere Blutuntersuchungen nötig. In bestimmten Fällen werden danach noch orthopädische Untersuchungen und Allergie-Tests durchgeführt.

Behandlung und Therapie

Die Therapie der Sensibilitätsstörung der Haut ist davon abhängig, welche Ursache sie hat. Ist ein eingeklemmter Nerv oder ein Bandscheibenvorfall schuld, ist meist ein operativer Eingriff erforderlich. In leichteren Fällen reichen jedoch schon physiotherapeutische Übungen aus. Bei Wirbelblockaden kann eine manuelle Therapie sinnvoll sein. Schwere Nervenerkrankungen wie Parkinson und Multiple Sklerose werden mit speziellen Medikamenten behandelt.

Ist die Sensibilitätsstörung der Haut auf eine Körperhälfte beschränkt und reicht sie vom Scheitel bis zur Sohle, ist schnelles Handeln erforderlich: Der Schlaganfall-Patient muss sofort auf die Intensivstation eines Krankenhauses, um bleibende Schäden zu verhindern. Wurde die Empfindungsstörung durch die Nebenwirkungen eines Medikaments (Chemotherapie) verursacht, muss das Mittel unter ärztlicher Aufsicht abgesetzt werden.

Alkoholabhängige Patienten machen einen Entzug und erhalten noch zusätzlich Vitamin B1. Ist eine bakterielle Infektion Auslöser der belastenden Missempfindungen, verschreibt der Arzt dem Kranken geeignete Antibiotika. Für Diabetiker mit Polyneuropathie kann die Verabreichung von Alpha-Liponsäure hilfreich sein. Außerdem sollten sie natürlich ihre Blutzuckerwerte gut einstellen. Zusätzlich zur kausalen Therapie verschreiben die Mediziner ihren an starken Schmerzen leidenden Patienten oft noch Schmerzmittel oder krampflösende Medikamente. Sind sie nicht hilfreich, kann die Gabe von Antidepressiva sinnvoll sein.



Vorbeugung

Es ist grundsätzlich nicht möglich, den Sensibilitätsstörungen der Haut vorzubeugen. Lediglich bei Symptomen, die durch eine orthopädische Erkrankung verursacht werden, kann eine länger andauernde Physiotherapie vorbeugend angewendet werden. Ansonsten ist es sinnvoll, sich gesund und ausgewogen zu ernähren und für ausreichend Bewegung zu sorgen. Außerdem können eine Reduzierung des vorhandenen Übergewichts und der Verzicht auf Alkohol und Nikotin hilfreich sein.

Bücher über Gefühlsstörungen

Quellen

  • Furter, S., Jasch, K.C.: Crashkurs Dermatologie. Urban & Fischer, München 2007
  • Dirschka, T., Hartwig, R., Oster-Schmidt, C. (Hrsg.): Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Rassner, G.: Dermatologie – Lehrbuch und Atlas. Urban & Fischer, München 2009
  • Herold, S.: 300 Fragen zur Pubertät. Graefe und Unzer, München 2008
  • Ellsässer, S.: Körperpflege und Kosmetik. Springer, Berlin 2008
  • Abeck, D.: Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin: Klinik, Diagnose, Therapie, Springer Verlag, 2. Auflage, 2011
  • Abeck, D. & Cremer, H.: Häufige Hautkrankheiten im Kindesalter: Klinik - Diagnose - Therapie, Springer Verlag, 3. Auflage, 2006

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