Sehnerventzündung

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 10. Oktober 2016
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Eine Sehnerventzündung bezeichnet eine entzündliche Erkrankung des Sehnervs mit oft unklarer Ursache. Häufig ist sie jedoch ein Begleitsymptom der multiplen Sklerose.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Sehnerventzündung?

Die Sehnerventzündung wird auch als Neuritis nervi optici bezeichnet. Je nach Lokalisation der Entzündung spricht man von Papillitis, Retrobulbärneuritis oder Neuroretinitis. So ist der Sehnerv bei der Papillitis im Auge und bei der Retrobulbärneuritis hinter dem Auge betroffen. Die Neuroretinitis zeichnet sich zusätzlich durch eine Beteiligung der Netzhaut aus.

Die Aufgabe des Sehnervs besteht darin, optische Eindrücke von der Netzhaut zum Gehirn zu leiten, welches dann diese Eindrücke in Bilder verwandelt. Eine Sehnerventzündung behindert diese Weiterleitung und führt zur Sehminderung bis hin zur Erblindung, Einschränkung des Gesichtsfeldes und einem erheblich gestörten Farbsehen.

Ursachen

Oft bleibt die Ursache einer Sehnerventzündung ungeklärt. Allerdings tritt eine Retrobulbärneuritis ungefähr zu 30 Prozent im Zusammenhang mit einer multiplen Sklerose auf. Die multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung, bei welcher das körpereigene Immunsystem die Nervenzellen angreift. Es richtet sich gegen Bestandteile der Nervenfasern. Dabei kommt es im ganzen Körper zu Entzündungsreaktionen am Nervensystem.

Im Rahmen dieser Erkrankung bleibt auch der Sehnerv nicht verschont. Eine Sehnerventzündung kann sogar eines der ersten Symptome der multiplen Sklerose sein. Allerdings können auch andere Autoimmunerkrankungen, wie entzündliche Gefäßerkrankungen oder ein Lupus erythematodes zu Sehnervschädigungen führen.

Andere Ursachen sind beispielsweise generalisierte bakterielle oder virale Infektionskrankheiten, Infektionen des Zentralnervensystems (Meningitis, Hirnabszess) sowie Vergiftungen mit Alkohol und Chinin oder eine Schwermetallvergiftung. Nicht zuletzt gibt es auch erblich bedingte Formen der Sehnerventzündungen.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome einer Sehnerventzündung:

Eine Sehnerventzündung ist gekennzeichnet durch Schmerzen hinter den Augen, die sich durch Augenbewegungen oder Druck auf die Augen noch verstärken. Weiterhin tritt eine rasche meist einseitige Sehminderung bis hin zur Erblindung auf. Außerdem entsteht eine blinde Stelle in der Mitte des Auges (Zentralskotom).

Die Kontraste verschwimmen und die Farben werden matter und dunkler empfunden. Der Verlauf der Erkrankung ist ganz unterschiedlich. Es gibt Fälle mit vollständiger Erblindung. Andererseits beobachtet man auch Spontanheilungen.

Bei einer multiplen Sklerose verschlechtert sich zwar langfristig das Sehvermögen. Zwischenzeitlich kann es aber auch da zu spontanen Verbesserungen kommen, besonders dann, wenn gerade ein Krankheitsschub abklingt. Jeder entzündliche Prozess lässt jedoch viele Nervenzellen absterben, die dann nicht mehr ersetzt werden können. So ist die langfristige Folge chronischer Sehnerventzündungen immer der Verlust des Sehvermögens.

Diagnose

Die Diagnose einer Sehnerventzündung ist oftmals schwierig, weil die Augen selber nicht erkrankt sind und der Arzt daher nichts sehen kann. Nur in wenigen Fällen kann es zur Pupillenschwellung kommen. Jedoch gibt dies noch keine eindeutigen Hinweise auf entzündliche Prozesse des Sehnervs, da die Schwellungen auch bei anderen Erkrankungen auftreten können.

Mithilfe des Swinging-Flashlight-Testes kann der Arzt die Reaktionszeit der Pupillen auf Lichteinwirkung untersuchen. So verengen sich die Pupillen unter dem Einfluss von Licht mit einer bestimmten Geschwindigkeit. Tritt die Verengung verzögert ein bei sonst unauffälligem Befund, deutet das auf eine Sehnerventzündung hinter dem Auge (Retrobulbärneuritis) hin.

Da diese Erkrankung zu 30 Prozent bei multipler Sklerose vorkommt, sollten weitergehende Untersuchungen in diese Richtung unternommen werden. Am besten kann eine Sehnerventzündung durch eine kontrastmittelunterstützte Magnetresonanztomografie (MRT) festgestellt werden.

Behandlung

Die Therapie einer Sehnerventzündung richtet sich nach der jeweiligen Ursache beziehungsweise Grunderkrankung. Oftmals heilt die Erkrankung von alleine aus. Wird jedoch der Verdacht auf eine multiple Sklerose bestätigt, konzentriert sich die Behandlung auf die Durchbrechung des entzündlichen Schubes.

Eine entzündungshemmende Therapie mit Kortikosteroiden, wie Kortison, beschleunigt oft die Beendigung des entzündlichen Prozesses. Diese Behandlung zeitigt zwar kurzfristige Erfolge, kann jedoch den langfristigen Krankheitsprozess nicht stoppen, sondern lediglich verzögern. Auch bei anderen Autoimmunerkrankungen, die zu einer Entzündung des Sehnervs führen, ist die Behandlung mit Kortikosteroiden indiziert.

Bei Infektionen kommen je nach Erreger Antibiotika oder Virostatika zum Einsatz. In den meisten Fällen, mit Ausnahme der multiplen Sklerose, sind die Heilungschancen jedoch gut. Innerhalb weniger Tage lässt der Augenschmerz nach und nach einigen Wochen verbessert sich das Sehvermögen. Nur bei einer durch multiple Sklerose bedingten Sehnerventzündung kann es durch wiederholte Entzündungsschübe zu einer dauerhaften Sehminderung oder gar Erblindung kommen.



Vorbeugung

Zur Vorbeugung vor einer Sehnerventzündung gibt es keine konkreten Empfehlungen. Oft beruht diese Erkrankung auf autoimmunologischen Prozessen, für die es keine Möglichkeit einer Prophylaxe gibt. Oft sind auch die wirklichen Auslöser der Entzündung nicht bekannt. Da jedoch auch Gifte, Reizstoffe und Infektionen eine Neuritis nervi optici auslösen können, hilft allgemein die Vermeidung des Kontaktes mit diesen Stoffen und die Stärkung des Immunsystems die Zahl der Erkrankungen mit Sehnerventzündungen zu reduzieren.

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