Scrofulose

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 6. Dezember 2016
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Scrofulose ist ein Krankheitsbegriff, der heute nicht mehr genutzt wird. Es handelt sich viel mehr um eine historische Betitelung einer Hauterkrankung, die mit Halsdrüsengeschwülsten einherging. Heute vermutet man, dass es sich bei der Scrofulose in den meisten Fällen um eine Hauttuberkulose handelte.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Scrofulose?

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Medikamente gegen: Hautkrankheiten

Die Scrofulose war eine Hauterkrankung, die mit Geschwüren der Lymphknoten einherging. In dem bekannten klinischen Wörterbuch des deutschen Arztes Otto Dornblüth wird die Scrofulose zum einen als eine konstitutionelle Neigung bezeichnet. Personen mit dieser Neigung würden auch auf harmlose Reize mit einer chronischen Entzündung reagieren.

Einige Mediziner sahen diese konstitutionelle Neigung schon als eine frühe Form der Tuberkulose. Zweite Bedeutung laut Dornblüth ist die Tuberkulose des Kindesalters mit den entsprechenden chronischen Entzündungen von Schleimhaut, Knochen und Lymphknoten. Heilmittel war damals die Braunwurz, die deshalb auch unter dem Namen Scrophularia bekannt ist. Der Begriff Scrofulose wird heute nicht mehr genutzt. Mediziner gehen ebenso wie Dornblüth davon aus, dass es sich bei der Erkrankung um die Hauttuberkulose handelte.

Ursachen

Aus heutiger Sicht war die Ursache der Scrofulose eine Infektion mit Mykobakterien. Erreger können das Mycobacterium tuberculosi, dasMycobacterium bovis, das Mycobacterium africanum oder das Mycobacterium microti sein. Die Tuberkulose wird meist durch Einatmung infektiöser Tröpfchen übertragen. Auch durch die Aufnahme von erregerhaltigen Nahrungsmitteln, durch Schmierinfektion oder durch sexuellen Kontakt kann die Tuberkulose übertragen werden.

In den meisten Fällen werden die Erreger direkt in den Atemwegen abgewehrt. Bei schlechtem Ernährungszustand, einer genetischen Veranlagung oder einem geschwächten Immunsystem, kann es sein, dass Erreger bis in die Lunge vordringen. Dort können die Erreger in der Regel zwar von den Fresszellen, den Makrophagen, aufgenommen, aber nicht zerstört werden. Der Erreger lebt also in den Fresszellen weiter.

Zum Schutz baut das Immunsystem um diesen Infektionsherd einen Abwehrwall aus verschiedenen Immun- und Fresszellen. Innerhalb dieses Herdes kommt es zu einem Gewebsuntergang. Das gesamte Werk wird auch als tuberkulöses Granulom bezeichnet und verhindert zunächst eine Weiterverbreitung des Erregers. Bei einer weiteren Schwächung des Immunsystems brechen die Granulome auf, die Erreger können sich im Blut verteilen und verschiedene Organe befallen. Bei der Scrofulose war überwiegend die Haut beteiligt.

Symptome und Verlauf

Grundsätzlich gilt, die Hauttuberkulose ist ein Chamäleon und kann sich in den unterschiedlichsten Hautveränderungen äußern. Kardinalsymptom ist aber ein schlecht heilendes Geschwür der Haut oder der Schleimhaut mit einer Entzündung der regionalen Lymphknoten. Sind die Erreger direkt an dieser Stelle in den Körper eingedrungen und nicht über die Lunge, so bezeichnet man diese Hauterscheinung auch als Primärkomplex.

Eine weitere typische Hauterscheinung bei der Hauttuberkulose ist die Tuberculosis cutis luposa. Diese findet sich vor allem im Gesicht, an der Nasenschleimhaut oder an den Extremitäten. Es handelt sich dabei um flächenhafte, bräunlich-rote und leicht schuppende Hautherde. Schlussendlich vernarben diese Hauterscheinungen. Die Tuberculosis cutis verrucosa findet sich meistens an den Händen, da sie in der Regel exogen übertragen wird. Das bedeutet, dass die Erreger direkt die Hände befallen.

Diese Form zeigt sich als warzenähnlicher Herd mit einer Entzündung der Umgebung. Später geht das Gewebe komplett ein. Ein häufiges Symptom der damaligen Scrofulose war wohl auch die Tuberculosis cutis colliquativa. Vor allem bei Kindern waren hier häufig die Halslymphknoten betroffen. Es bilden sich entzündliche Knoten, die später erweichen, aufreißen und Fisteln bilden. Nach Abheilung bilden sich teils bizarre Narben.

Diagnose

Aufgrund der teils katastrophalen medizinischen Verhältnisse war eine sichere Diagnose der Scrofulose kaum möglich. So wurden anhand des klinischen Bildes vermutlich zahlreiche Hauterscheinungen unabhängig der Ursache als Scrofulose bezeichnet. Heute erfolgt die Diagnose der Hauttuberkulose unter anderem über einen Tuberkulin-Hauttest. Dabei wird eine bestimmte Menge Antigene aus Mykobakterien in die Haut gespritzt.

Ist das Immunsystem des Patienten schon einmal in Kontakt mit den Bakterien getreten, wird an der Injektionsstelle innerhalb von drei Tagen eine Hautreaktion sichtbar. Der Test sagt allerdings nur aus, ob das Immunsystem schon einmal in Kontakt mit den Erregern war, nicht aber, ob wirklich eine aktive Infektion vorliegt. Die Diagnose der Tuberkulose gilt deshalb erst als gesichert, wenn ein kultureller Erregernachweis vorliegt.

Bei der Hauttuberkulose kann der Erreger entweder aus Abstrichen der Hauterscheinungen oder durch Punktionen gewonnen werden. Als weitere Diagnosemöglichkeit kann auch der sogenannte γ-Interferon-Test genutzt werden. Hier werden Abwehrzellen aus dem Blut des Patienten mit Bakterien-Antigenen stimuliert. Hatte das Immunsystem schon Kontakt mit den Bakterien, so bilden sie den Botenstoff Interferon γ.

Behandlung und Therapie

Zu früheren Zeiten erfolgte die Therapie der Scrofulose durch Handauflegen des damaligen Königs. Zudem wurde die Braunwurz zur Behandlung eingesetzt. Heute besteht die Standardtherapie gegen die Hauttuberkulose aus einer vierfachen Kombination von Antibiotika. Die Antibiotikabehandlung erfolgt dabei über mindestens ein halbes Jahr.



Vorbeugung

Es gibt derzeit keine wirksame Impfung gegen die Hauttuberkulose. Einzige Vorbeugung ist, dass infizierte Personen schnell entdeckt und behandelt werden. In diesem Zusammenhang sind in Deutschland Fälle von Hauttuberkulose extrem selten.

Ein erhöhtes Risiko an Tuberkulose zu erkranken besteht bei Auslandsreisen in Länder mit hoher Tuberkuloserate. Gleichzeitig besteht bei Personen, die Kontakt mit Obdachlosen, Drogenabhängigen oder Gefängnisinsassen haben, eine erhöhte Gefahr.

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