Schwarze Haarzunge

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 7. Oktober 2015
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Die schwarze Haarzunge (Lingua villosa nigra) bezeichnet eine Erkrankung der Zunge, die sich in einer Schwarzfärbung der Papillen auf der mittleren und hinteren Zunge äußert. Der dunkle Zungenbelag ist pelzartig und die Papillen der Zunge sind verlängert, wodurch sie an Haare erinnern.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine schwarze Haarzunge?

Die Schwarze Haarzunge hat im Grunde keinen Krankheitswert. Die Schwarzfärbung der Zunge tritt äußerst selten, schätzungsweise bei bis zu 3 % der Bevölkerung, auf. Der Großteil der Betroffenen sind männliche Raucher. Die verlängerten Papillen verfärben sich durch pigmentbildende Bakterien sowie färbende Lebensmittel. Auch Sekundärinfektionen etwa mit Candida albicans können zur Entstehung beitragen.

Ursachen

Eine Schwarze Haarzunge entsteht, wenn sich eine bestimmte Art Zungenpapillen (Papillae filiformes) verlängert. Dies wird durch eine starke Hornbildung (Hyperkeratose) verursacht. Meist wird diese verstärkte Hornbildung durch Stoffe ausgelöst, die die Zunge stark reizen. Dazu können Teer aus Zigarettenrauch, bestimmte Medikamente, vor allem Antibiotika, und übermäßige Verwendung von Mundspüllösungen führen.

Außerdem gibt es Theorien über einen potentiellen Einfluss von Niacinmangel auf die Entstehung einer Schwarzen Haarzunge. Darüber hinaus kann sich offensichtlich auch die Ernährungsweise auf die Entstehung der Krankheit auswirken. Über die exakte Ursache besteht unter Medizinern noch keine Einigkeit.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome der schwarzen Haarzunge:

Die Schwarze Haarzunge zeigt sich im mittleren und hinteren Bereich der Zunge. Dort bildet sich ein haariger, gefärbter Zungenbelag. Die Verfärbungen sind meist dunkel bis schwarz, können aber auch grün, grau, gelb und braun sein. Weitere Begleiterscheinungen können in Zungenbrennen, Juckreiz, Mundgeruch, metallischem Geschmack und generellen Geschmacksveränderungen bestehen.

Auch können Betroffene unter Übelkeit und Appetitmangel sowie weiteren Beschwerden leiden. Die haarartig verlängerten Papillen können ein Kitzeln oder Brechreiz beim Schlucken verursachen. Es ist möglich, dass die Haarzunge von allein verschwindet oder aber längere Zeit bestehen bleibt. Die Schwarze Haarzunge sollte durch eine ärztliche Untersuchung exakt diagnostiziert und von anderen Erkrankungen im Mundraum abgegrenzt werden.

Diagnose

Das ausschlaggebende Kriterium besteht darin, dass die Papillen über 3 mm verlängert sind. Diese Diagnose ist wichtig, da die Zunge auch vorübergehend verfärbt sein kann, ohne dass eine Verlängerung der Papillen festzustellen ist. Dies kann beim Verzehr von färbenden Früchten wie etwa Heidelbeeren oder anderen dunklen Beeren, Rotwein oder der Verwendung von Mundspülungen der Fall sein. Auch die Verzehr von Bismuthsalzen kann zu Verfärbungen der Zunge führen.

Da weitere Erkrankungen eine ähnlich abnormale Erscheinung der Zunge hervorrufen können, muss die Verfärbung unbedingt ärztlich abgeklärt werden. Zu den möglichen Erkrankungen, mit denen die Schwarze Haarzunge verwechselt werden kann, zählen Haarleukoplakie, Acanthosis nigricans sowie Candidamykose.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung der Schwarzen Haarzunge gestaltet sich schwierig, da die Ursachen nicht vollständig geklärt sind. Die Beseitigung des potentiellen Auslösers der Erkrankung hat oberste Priorität. Auch wird die Therapie je nach Grad und Schwere der Ausprägung der Schwarzen Haarzunge angepasst. In weniger schweren Fällen wird zuerst mit einer nicht-medikamentösen Therapie versucht, die Schwarze Haarzunge zu beseitigen.

Oft bewirken schon eine Ernährungsumstellung und der Verzicht auf Noxen, etwa dem Rauchen, ein Nachlassen der Symptome. Teilweise wird eine positive Wirkung von Nicotinamid beobachtet. Generell verursacht die Schwarze Haarzunge nur in seltenen Fällen Komplikationen oder Beschwerden. Wichtig ist, dass Betroffene sich an eine gründliche Mundhygiene mit milder Zahnpasta halten. Mit einer sanften Zahnbürste oder einem Zungenreiniger bzw. Zungenschaber kann die obere Hautschicht der Zunge abgetragen werden. Dadurch werden Verunreinigungen sowie die verlängerten Papillen beseitigt und gleichzeitig verhindert, dass diese erneut entstehen.

Darüber hinaus sollten Betroffene unbedingt mit dem Rauchen aufhören. Reizende Mundspülungen sollten vermieden werden, weil sie zu einer Förderung der Beschwerden führen können. Eine medikamentöse Therapie ist erst angezeigt, wenn die nicht-medikamentöse Behandlung keinen oder nur geringe Erfolge zeigt oder in besonders schweren Fällen. Die Verhornungsstörungen können mit Keratolytika wie etwa Trichloressigsäure, Salicylsäure oder entsprechend verdünntem Harnstoff lokal therapiert werden.

Diese Wirkstoffe sollten vom Arzt verschrieben werden. Auch Ascorbinsäure-Lutschtabletten (Vitamin C), Tretinoin und verdünntes Wasserstoffperoxid kommen als Wirkstoffe in Frage. Diese müssen jedoch ärztlich verordnet und die Dosierung festgelegt werden. Antimykotika zur äußerlichen oder innerlichen Anwendung kommen nur zum Einsatz, wenn eine Sekundärinfektion mit dem Pilz Candida albicans vorliegt.

In besonders schweren Fällen müssen die Hyperkeratosen chirurgisch entfernt werden. Dieser Eingriff erfolgt unter Lokalanästhesie und wird hauptsächlich bei langandauernden oder schweren Krankheitsverläufen angewendet.

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Vorbeugung

Auch wenn die Ursachen der Schwarzen Haarzunge nicht vollständig geklärt sind, so sind doch zahlreiche Risikofaktoren bekannt. Dazu zählen übermäßiger Konsum von Genussmitteln wie Zigaretten, Alkohol, Kaffee und Tee.

Reizende Substanzen in Form von Mundspülungen, Mundwasser oder Lutschtabletten sollten vermieden werden. Auch wird ein Vitaminmangel bei der Entstehung diskutiert, etwa von Vitamin B und Niacin. Bestimmte Medikamente, besonders einige Antibiotika, können die Entstehung einer Schwarzen Haarzunge begünstigen.

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