Schmerzen am Kreuzbein

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 9. Mai 2017
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Schmerzen am Kreuzbein sind im Volksmund in Form vieler Krankheiten und Begriffe bekannt. Zu diesen gehören Ischias, Rheuma, Fahrradsattel und Steißbeinfistel. Wenn das Kreuzbein unangenehme Empfindungen ausstrahlt, können viele Ursachen vorliegen. Eindeutig ist jedoch, dass die Schmerzen die Bewegungsfreiheit und das Wohlbefinden stark einschränken.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Schmerzen am Kreuzbein?

Das Kreuzbein ist quasi Teil der Wirbelsäule, es folgt nach den Lendenwirbeln im unteren Rücken. Besonders häufig von Schmerzen im Kreuz betroffen sind Menschen, die einen großen Teil des Tages im Sitzen verbringen. In sitzender Position muss die Lendenwirbelsäule das gesamte Gewicht, einschließlich das von Armen und Kopf, tragen. Generell ist aber die Gesamtheit der Lebensgewohnheiten dafür ausschlaggebend, ob Menschen ein erhöhtes Risiko aufweisen, jemals an Kreuzbeinschmerzen zu leiden.

Die Schmerzen sind dabei keine Erkrankung, sondern meistens ein Symptom anderer Beschwerden. Die Ursachen müssen nicht unbedingt regional das Kreuzbein treffen, sie können ebenfalls auf organischen Fehlfunktionen beruhen, welche die Schmerzen zu dem Bereich weiterleiten. Während Kreuzbeinschmerzen oft als sehr unangenehm empfunden werden, lassen sie sich gezielt vorbeugen. Abhängig von der gestellten Diagnose ist die Wahrscheinlichkeit einer vollkommenen Genesung hoch.

Ursachen

Angesichts dessen, dass die Wirbelsäule im Sitzen 1,5 mal mehr Gewicht tragen und eine aufrechte Haltung bewahren muss, ist es nicht überraschend, dass die Schmerzen mit Verspannungen der Muskulatur und Sehnen des Beckens zusammenhängen. Besonders beim Sitzen ist es Aufgabe des Beckens, den Rücken gerade zu halten. Bei sehr langen Episoden des Sitzens oder einer falschen Haltung entstehen so schnell Verspannungen.

Aber das Sitzen allein ist nicht für die Entwicklung der Schmerzen verantwortlich. Weitere Faktoren, wie mangelnde Bewegung, falsche Ernährung und zuviel Stress müssen in den meisten Fällen ebenfalls erfüllt sein. Somit sind Störungen der Muskeln, Sehnen und Bänder einer der Hauptursachen für Kreuzbeinschmerzen. Darüber hinaus können eine Arthrose des Hüftgelenks, Ischias, Enzündungen des Kreuz-Darmbein-Gelenks oder Gefäßerkrankungen vorliegen.

Auch eine falsche Belastung weist das Potenzial auf, in Schmerzen zu müden. Hierzu gehören vorallem Muskelzerrungen, Muskelkater und generell mechanische Belastungen, wie zum Beispiel durchs Fahrradfahren. Innere Ursachen finden sich bei Fehlfunktionen von Nieren oder Unterleibsorganen. Diese treten bei Männern und Frauen gleichermaßen auf.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Anhaltende Schmerzen am Kreuzbein über mehrere Tage sind von einem Arzt abzuklären. Ein zunehmendes Schmerzempfinden oder plötzliche ohne ersichtlichen Grund auftretende Schmerzen sollten ebenfalls von einem Arzt untersucht werden. Breiten sich die Schmerzen in den oberen Rücken oder über das Becken in die Beine aus, muss ein Arzt aufgesucht werden. Treten zu den Schmerzen weitere Beschwerden wie Gefühlsstörungen, Knacken der Knochen oder Belastungsprobleme auf, sollten ärztliche Untersuchungen eingeleitet werden.

Die Schmerzen am Kreuzbein werden häufig durch eine falsche Belastung des Körpers ausgelöst. Die Körperhaltung beim Sitzen oder Tragen von Gegenständen ist zu kontrollieren und zu optimieren. Hilfreiche Tipps geben Mediziner oder Krankengymnasten. Darüber hinaus können selbständig Maßnahmen wie ausreichende körperliche Bewegung, Massagen, Schonung oder Muskelaufbau durchgeführt werden. Darüber hinaus ist darauf zu achten, dass der Rücken ausreichend Wärme bekommt.

Fühlt sich der Betroffene einem hohen emotionalen Druck ausgesetzt oder ist er mit den Anforderungen des Alltags überfordert, können sich die Beschwerden einstellen. Ein Arzt sollte um Hilfe gebeten werden, sofern der Betroffene zur Bewältigung der Aufgaben Hilfestellungen benötigt. Grundsätzlich ist ein Arzt aufzusuchen, sobald das allgemeine Wohlbefinden des Betroffenen deutlich eingeschränkt ist oder es zu Problemen bei der Ausführung von alltäglichen Aktivitäten kommt.

Diagnose und Verlauf

Vor einer körperlichen Untersuchung steht das Gespräch mit dem Patienten im Mittelpunkt. Dieser sollte genaue Informationen über die Art des Schmerzes geben können. Wichtig ist es zudem zu erwähnen, seit wann und wo genau die Empfindungen bestehen. Darüber hinaus kann es hilfreich sein, zu differenzieren, ob und inwiefern sich die Schmerzen bei Bewegung verändern. Bei der physischen Untersuchung achtet der Arzt insbesondere auf das Geh- und Stehvermögen des Betroffenen sowie auf Form und Grad der Beweglichkeit der Wirbelsäule.

Die Stellung des Beckens wird fachgerecht untersucht. Besondere Aufmerksamkeit erhält die Muskulatur. Hier wird auf Kraft, Spannung und eventuell existierende Schmerzen geachtet. Zudem muss das Schmerzempfinden des Patienten kontrolliert werden. Liegt der Verdacht nahe, dass es sich nicht um eine Verspannung der Muskeln handelt, werden meistens Blutuntersuchungen, Röntgen- und Ultraschallbilder oder ein MRT angefordert.

Komplikationen

Schmerzen am Kreuzbein können zu einer Blockierung der Gelenke führen. Das Kreuz-Darmbein-Gelenk verbindet das Kreuz mit dem Becken. Werden die Bänder in dieser Region fehlerhaft belastet, tritt eine Gelenkblockierung ein. Diese ist bewegungseinschränkend und führt zu Erkrankungen der Lendenwirbelsäule sowie einer Schiefhaltung des Beckens. Werden die Muskeln am Kreuzbein beschädigt, treten Verspannungsbeschwerden auf. Sie führen zu einer Steifheit im unteren Rücken oder einem Muskelkater. Schmerzhafte Schäden der Nervenenden im Bereich des Kreuzbeins basieren häufig auf einer mangelhaften Bewegung. Diese kann zu Übergewicht führen oder durch ein zu starkes Gewicht ausgelöst werden.

In schweren Fällen treten Essstörungen auf. Diese erhöhen das Risiko einer Diabeteserkrankung, Herz-Rhythmusstörungen sowie einem Herzinfarkt. Schmerzen am Kreuzbein können auf Veränderungen der Lendenwirbel hindeuten. Verknöcherungen sind möglich, die eine Einschränkung des Bewegungsapparates auslösen. Neben einer Schiefhaltung können dauerhafte Veränderungen des Skelettsystems entstehen. Bei einem operativen Eingriff besteht das Risiko, dass sich ein Abszess bildet. Ebenso sind Blutungen im Gesäßmuskel möglich, die weitere Beeinträchtigungen auslösen. Probleme der Bandscheiben können neben den Schmerzen am Kreuzbein auch zu Lähmungserscheinungen sowie Gefühlsstörungen führen. Als weitere Komplikation kann eine Arthrose vorliegen. Diese Erkrankung ist chronisch und führt zu weiteren Schmerzen an anderen Gelenken im Organismus.

Behandlung und Therapie

Die Therapie hängt von der diagnostizierten Ursache ab. Liegen Verspannungen und Sehnen, Muskeln und Bändern vor, existieren konservative Maßnahmen, die hohe Erfolgschancen aufweisen. Zu diesen gehört an erster Stelle die Behandlung der Schmerzen. Durch Schmerzmittel in Form von Tabletten oder Injektionen soll die Bewegungsfreiheit wiederhergestellt werden. Wenn dem Arzt die genauen Punkte des Schmerzes bekannt sind, kann es besonders hilfreich sein, das Medikament in ebendiese zu spritzen.

Darüber hinaus wird ein entzündungshemmendes Medikament verabreicht. Bessern die Beschwerden sich nicht, greifen viele Mediziner zu fachgemäßen Massagen und Krankengymnastik. Diese sollen die Muskeln lockern und somit auch den Schmerz reduzieren. Da ebenso psychische Faktoren zur Entwicklung von Verspannungen beitragen, kann es bei bestehenden Problemen hilfreich sein, einen Psychologen aufzusuchen.

Kreuzbeinschmerzen können zudem ein Symptom des Ischias sein, der sich wiederum in weitere zahlreiche Ursachen aufstaffelt. So kann zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall für die Beschwerden verantwortlich sein, aber auch Blutungsstörungen, Tumoren oder Nervenwurzelentzündungen kommen potenziell in Frage, die jeweils differenziert behandelt werden müssen. Bei einem Bandscheibenvorfall helfen Wärme, moderate Bewegung und Physiotherapie, während fortgeschrittene Nervenschädigungen meist operativ behoben werden müssen.



Vorbeugung

Kreuzbeinschmerzen können vorgebeugt werden. Hier spielt ein gesunder Lebensstil eine besonders große Rolle. Ausschlaggebend ist es, dass ein optimaler Ausgleich zwischen Stress und Arbeit gefunden wird. Es sollte weder zuviel Zeit im Sitzen noch im Stehen verbracht werden.

Darüber hinaus ist es wichtig, sich regelmäßig zu bewegen und auf eine gesunde Körperhaltung zu achten. Besonders bei Arbeiten im Büro kann das Erlernen der richtigen Haltung während des Sitzens präventiv wirken. Aber auch bei dem Umgang mit dem Tragen von schweren Gewichten ist es wichtig, auf die Signale des Körpers zu hören. Hastige Bewegungen gilt es zu vermeiden. Vor dem eigentlichen Training sollte die Phase des Aufwärmens nicht vergessen werden.

Bücher über Schmerzen am Kreuzbein

Quellen

  • Rüther, W. & Lohmann, C.H.: Orthopädie und Unfallchirurgie, Urban & Fischer, 20. Auflage, 2014
  • Heisel, J.: Physikalische Medizin - Praxiswissen Halte- und Bewegungsorgane, Georg Thieme Verlag, 1.Auflage, 2005
  • Wülker N. Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme Verlag. 2. Auflage 2010.
  • Mayer, C. et Siems, W.: 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, Springer Medizin Verlag, 1.Auflage, 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Imhoff, A.B. et al.: Checkliste Orthopädie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2014

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Finnimaus kommentierte am 15.10.2015 um 16:47 Uhr

Ich habe seit nunmehr 4 Wochen Schmerzen am Kreuzbein. Links fing es an. So stark, dass der Notarzt und ein Krankenwagen vor Ort waren. Ohne Morphin wäre ich nicht transportfähig gewesen. Dann ging es mit Entzündungshemmer Diclofenac und Novalgin weitere 3 Wochen lang. Der aufrechte Gang ging wieder. Aber richtigen Erfolg brachte es auch nicht. Die Schmerzen waren noch da und Bewegungseinschränkungen auch. Es ging nicht in der Hocke, nach vorne Beugen auch nicht, ganz gerade Liegen nur mit Knie-Rolle und Kissen, vom Sitzen ganz zu schweigen. Eine enorme physische und psychische Belastung! Der Osteopath kam zu mir nach Hause und hat ein paar Übungen gemacht. Jetzt bin ich endlich beim Orthopäden vorstellig geworden, jetzt gibt es Physiotherapie und Akupunktur und ich hoffe inständig, dass die Schmerzen und die Bewegungseinschränkungen besser werden.Wenn nicht, dann wird wohl doch ein MRT gemacht. Ein leichter Beckenschiefstand ist wohl nicht relevant genug für die Beschwerden. Ich ernähre mich gesund, spiele 1x die Woche Tennis und meditiere um mit Stress und Weichteilrheuma besser klar zu kommen. Und trotzdem hat es mich so heftig erwischt. Ich hatte aber auch ein anstrengendes dreiviertel Jahr. Mutter sehr krank,Tochter Mukoviszidose und ich selbst hatte eine Krampfader-OP, mein Mann ist dauergestresst. Wärme hat mir nur gegen das Rheuma geholfen und ansonsten hilft und half bis jetzt nur ein Mix aus im Relax-Gartenstuhl liegen und hin und her laufen. Nun hoffe ich auf die Therapien.