Rissige Fingerkuppen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 21. Mai 2017
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Rissige Fingerkuppen sind eine Reaktion der Haut auf starke Belastungen mechanischer oder chemischer Art an den Händen, besonders jedoch an den Fingerspitzen. Sie sind normal, können aber schmerzen und zu weiteren Komplikationen führen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind rissige Fingerkuppen?

Auf hohe mechanische oder chemische Belastung reagiert die menschliche Haut, indem sie rau und fest wird. Sie lagert eine dickere Schicht verhornten Materials an der betroffenen Stelle ab, in diesem Fall an den Fingerkuppen. Das führt dazu, dass die Haut zunächst rau, dick und widerstandsfähig wird. Allerdings kann das kein Dauerzustand sein, denn bei weiterer Belastung der Haut reißt diese verdickte, verhornte Hautschicht auf - und zwar tief. Es kommt zu schmerzhaften Rissen an der Fingerkuppe, die beinahe alle Hautschichten durchdringen und auch bluten können.

Da es sich bei rissigen Fingerkuppen um offene Wunden handelt, ist das Infektionsrisiko an der betroffenen Hand hoch. Entzündet sich ein solcher Riss in der verhornten Haut, kann es zu eitrigen Wunden und natürlich zu Schmerzen kommen. Typische Auslöser rissiger Fingerkuppen sind Putzmittel im Haushalt, aber auch gewisse Bedingungen auf der Arbeit. Berufe, in denen die Hände eingesetzt und beansprucht werden, haben ein besonders hohes Risiko, rissige Fingerkuppen zu entwickeln.

Ursachen

Meistens liegt die Ursache rissiger Fingerkuppen in jahrelangem Putzen des eigenen Haushalts mit handelsüblichen Putzmitteln oder besonders aggressiven Stoffen. Der entscheidende Unterschied zu Menschen mit gesunden Händen liegt aber darin, dass entweder keine schützenden Handschuhe getragen wurden oder die Haut einfach besonders sensibel ist und schnell auf die eingesetzten Putzmittel reagiert. Mit der Zeit nützt auch die beste Hautpflege nichts mehr, wenn die Fingerkuppen nicht geschützt wurden.

Manche Berufe bergen ebenfalls ein gewisses Risiko für rissige, verhornte Haut an den Händen. Das trifft beispielsweise auf handwerklich orientierte Berufe wie den Schreiner oder den KFZ-Mechaniker zu, die ihre Hände brauchen. Deswegen gibt es in diesen Berufen schützende Handschuhe, die zumindest hierzulande auch vorgeschrieben sind. Würden sie nicht nach Vorschrift getragen, wären rissige Fingerkuppen binnen weniger Monate in diesen Berufen normal. Seltener ist das so genannte trockene Fingerkuppenekzem, das mit trockenen Mundwinkeln und Ohrläppchen auftreten kann und eine besondere Form der Neurodermitis ist. Auch dieses kann durch Kontakt zu Putzmitteln oder Abrieb entstehen, ist jedoch weit ernster zu nehmen.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Rissige Fingerkuppen treten bei vielen Menschen durch eine falsche Pflege der Hände und Finger auf. Betroffene können auch ohne einen Arzt ihre individuelle Situation überprüfen und Veränderungen einleiten. Hierzu zählt insbesondere die Nutzung von Seifen, Shampoo, Cremes, Wasch-, Reinigungs- und Spülmittel. Bei der Verwendung von weiteren Produkten mit chemischen Zusätzen, wie beispielsweise Haarfärbungen, kommt es ebenfalls zu den Beschwerden. Die Hände sollten ausreichend mit Handschuhen geschützt und zusätzlich mit feuchtigkeitsspendenden Pflegemitteln versorgt werden.

Halten die rissigen Fingerkuppen dennoch über mehrere Wochen oder Monate an, ist ein Arzt zu konsultieren. Nimmt das Ausmaß der Risse kontinuierlich zu, empfiehlt es sich ebenfalls, dies von einem Arzt abklären zu lassen. Bei Störungen der Durchblutung können sich die rissigen Fingerkuppen einstellen. Treten weitere Beschwerden wie Taubheit in den Fingern, kalte Finger oder brüchige Nägel auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Hat der Betroffene nicht mehr genügend Kraft in den Händen, um alltägliche Aufgaben zu verrichten, benötigt er einen Arzt.

Durch die rissigen Fingerkuppen steigt das Risiko für Infektionen. Stellen sich Schmerzen oder Veränderungen des Hautbildes ein, ist ein Arztbesuch notwendig. Bei der Bildung von Eiter oder dem Austritt von Blut, müssen die Beschwerden von einem Mediziner abgeklärt werden, um eine Ausbreitung zu vermeiden.

Diagnose und Verlauf

Rissige Fingerkuppen sind meistens schon jahrelang vorhanden, wenn sich Betroffene erstmals an ihren Arzt wenden. Sie brauchen einige Monate, um zu entstehen. Häufig beginnt es damit, dass die Haut direkt neben den Nägeln trocken und rissig wird und die Nägel brüchiger erscheinen. Sie erreichen ihre bisherige Länge nicht mehr und sehen auch nicht mehr gesund aus. Die trockene Haut breitet sich schnell bis zu den Fingerkuppen aus und kann die gesamte Handfläche betreffen, je nach Ursache.

Zu diesem Zeitpunkt versuchen es viele Betroffene noch mit Handcremes, die aber nicht dauerhaft helfen. Die Haut an den Fingerkuppen und der Handfläche wird immer dicker und reißt irgendwann auf, was schmerzende und manchmal blutende Risse nach sich zieht. Kommen Rötungen, Schwellungen oder pochende Schmerzen an einem solchen Riss hinzu, handelt es sich um eine Entzündung. Zur Diagnose durch den Arzt reichen die Krankengeschichte des Patienten sowie eine Untersuchung mit bloßem Auge. Bei Entzündungen kann bei Bedarf der Erreger bestimmt werden.

Komplikationen

Rissige Fingerkuppen sind ein Nährboden für Keime. Viren und Bakterien können über die Risse in die tiefen Hautschichten gelangen und sich dort vermehren. Sie lösen entzündliche Prozesse aus und verursachen Hautveränderungen, Schmerzen oder Deformierungen des Fingernagels. Die Durchblutung ist bei rissigen Fingerkuppen häufig gestört. Das führt zu einer mangelhaften Versorgung der Haut und des Nagels in den Fingern. Gefühlsstörungen in Form von Taubheit oder Überempfindlichkeit treten ein. Die Nerven in den Fingern sind durch die Beschwerden beschädigt und können in schweren Fällen irreparable Schäden erleiden oder absterben.

Die rissigen Fingerkuppen führen häufig zu einer Einschränkung der Muskelkraft. Gegenstände können nicht mehr wie gewohnt festgehalten oder getragen werden. Bei vielen Menschen lösen die Beschwerden emotionale Probleme aus. Begrüßungen mit dem üblichen Ritual des Händegebens werden vermieden. Dies führt zu sozialen Komplikationen. Missverständnisse und fehlerhafte Interpretationen des Verhaltens treten auf. Scham und ein Verlust des Selbstbewusstseins sind möglich. Berührungen werden insgesamt vermieden, so dass sich ebenfalls partnerschaftliche Probleme einstellen können. Die rissigen Fingerkuppen sind häufig ein Hinweis auf Hauterkrankungen. Neurodermitis, ein Pilzbefall oder Schuppenflechte können vorhanden sein. Die Erkrankungen breiten sich aus, so dass es auch an anderen Körperstellen zu Beschwerden kommt. Die Risse können darüber hinaus auf Störungen des Flüssigkeithaushaltes hindeuten.

Behandlung und Therapie

Zur Behandlung rissiger Fingerkuppen wird der Arzt zunächst wissen wollen, woher sie kommen. Im Beruf müssen fortan die vorgeschriebenen Schutzhandschuhe jederzeit getragen werden. Im Haushalt gilt beim Putzen dasselbe, wobei hier dünne Latexhandschuhe aus der Drogerie oder Mehrfach-Handschuhe aus Gummi ausreichend sind. Wichtig ist, dass die rissigen Fingerkuppen ab sofort nicht mehr mit Reinigern in Berührung kommen. Auch sollte beim Händewaschen eine Weile auf Seife verzichtet werden oder zumindest ein pH-neutrales Produkt für sensible Haut verwendet werden.

Bei kalten Außentemperaturen helfen wärmende Handschuhe dabei, die Feuchtigkeitsproduktion der Hände neu anzuregen und zu verhindern, dass die rissigen Fingerkuppen durch Kälte noch mehr unnötig geschwächt werden. Außerdem werden die Hände ab sofort täglich mit einer Handcreme mit 10-15%igem Anteil an Harnstoff (Urea) behandelt. Diese führen ihr Feuchtigkeit in hohen Mengen von außen zu und sorgen dafür, dass die rissigen Fingerkuppen sich wieder erholen können. Entzündungen werden vorher mit antibiotischen Verbänden behandelt und mit dem Abbau der rissigen Haut wird nach der Abheilung der Infekte begonnen. In jedem Fall dauert es aber mehrere Monate unter Einhaltung aller Vorgaben des Arztes, bis sich rissige Fingerkuppen sichtlich bessern. Außerdem gibt es eine Reihe von [[Hausmittel gegen trockene, raue, rissige Hände|Hausmitteln gegen rissige Fingerkuppen.



Vorbeugung

Die beste Vorbeugung gegen rissige Fingerkuppen besteht im Tragen von Schutzhandschuhen. Das gilt besonders für den Beruf, aber auch für den Haushalt. Die Hände sollten bestenfalls gar nicht mit Putzmitteln in Berührung kommen. Sensible Haut muss noch vorsichtiger behandelt und regelmäßig eingecremt werden.

Normale Hände brauchen ebenfalls gelegentlich Feuchtigkeit, bei manchen Menschen beschränkt sich das aber auf den Winter. Zur regelmäßigen Handpflege eignen sich niedrige Konzentrationen Urea, aber auch Kokosöl oder Sheabutter. Wichtig ist die Zufuhr von Feuchtigkeit, wenn sich die Hände und Fingerkuppen trocken anfühlen. Damit diese einziehen kann, darf eine pflegende Handcreme keinen Alkohol enthalten, zumal dieser die Haut noch zusätzlich austrocknet.

Bücher über trockene Haut

Quellen

  • Furter, S., Jasch, K.C.: Crashkurs Dermatologie. Urban & Fischer, München 2007
  • Dirschka, T., Hartwig, R., Oster-Schmidt, C. (Hrsg.): Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Rassner, G.: Dermatologie – Lehrbuch und Atlas. Urban & Fischer, München 2009
  • Herold, S.: 300 Fragen zur Pubertät. Graefe und Unzer, München 2008
  • Ellsässer, S.: Körperpflege und Kosmetik. Springer, Berlin 2008
  • Abeck, D.: Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin: Klinik, Diagnose, Therapie, Springer Verlag, 2. Auflage, 2011
  • Abeck, D. & Cremer, H.: Häufige Hautkrankheiten im Kindesalter: Klinik - Diagnose - Therapie, Springer Verlag, 3. Auflage, 2006

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