Riechtest

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 16. September 2016
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Im Normalfall besitzt der Mensch die Fähigkeit, Tausende Gerüche voneinander zu unterscheiden. Bei Riechstörungen ist der Geruchssinn jedoch teilweise beeinträchtigt oder es droht völliger Geruchsverlust. Ein Riechtest zeigt, in welchem Ausmaß das Geruchsvermögen gestört ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Riechtest?

Riechstörungen gehören zu den relativ häufig vorkommenden Gesundheitsproblemen und können die Lebensqualität Betroffener massiv einschränken. Bei einem Riechtest (Olfaktometrie) handelt es sich um ein diagnostisches Untersuchungsverfahren, mit dem sich Störungen des Geruchsvermögens feststellen lassen.

Diese Dysfunktionen können durch Nasennebenhöhlenentzündungen, Alterungsprozesse oder anatomische Besonderheiten verursacht werden. Eine Verschlechterung des Geruchssinns gilt zudem als Hinweiszeichen für eine Alzheimer- oder Parkinson-Demenz. Normalerweise leiten die Nervenzellen der Nase die Signale wahrgenommener Geruchsstoffe an das Gehirn weiter, wo die Identifizierung der Substanz erfolgt.

Die Olfaktometrie kommt bei Patienten mit verminderter Riechfähigkeit (Hyposmie) sowie bei vollständig fehlendem Geruchssinn (Anosmie) zur Anwendung. Verschiedene Testverfahren ermöglichen subjektive und objektive Riechprüfungen.

Anwendung und Funktion

Zur Diagnose von Riechproblemen ist die Olfaktometrie ein geeignetes Verfahren, denn bei Störungen im Geruchssinn kommen vielfältige Ursachen in Betracht. Unterschieden werden sinunasale Riechstörungen infolge infektiöser oder nicht-infektiöser Nasenerkrankungen und Nebenhöhlenerkrankungen sowie durch nicht-entzündliche Auslöser hervorgerufene Störungen der Geruchswahrnehmung wie Verengungen in der Nase.

Die Riechsinneszellen können sich selbst regenerieren, was sie von allen anderen Sinneszellen unterscheidet. Mit zunehmendem Alter oder bedingt durch bestimmte Einflüsse wie Rauchen lassen sich jedoch Gerüche immer schlechter wahrnehmen und identifizieren.

Riechstörungen mit Hyposmie oder Anosmie entstehen durch Schädigungen der Riechschleimhaut, Hormonstörungen, Kontakt mit reizenden Substanzen, Infektionen der oberen Atemwege, Verletzungen oder Erkrankungen wie Diabetes mellitus. Auch Hindernisse in der Nase, Heuschnupfen oder Polypen sind häufig ursächlich für ein eingeschränktes Geruchsvermögen.

Ein herabgesetzter oder völlig fehlender Riechsinn ist nicht ungefährlich, denn er warnt als wichtiges Alarmsystem vor Gefahren, zum Beispiel vor Feuer oder verdorbenen Nahrungsmitteln. Zudem schränkt ein nicht intaktes Riechvermögen oder dessen kompletter Ausfall die Lebensqualität erheblich ein und kann auf lange Sicht sogar zu Depressionen führen.

Mit einem Riechtest lässt sich der menschliche Geruchssinn zuverlässig kontrollieren, um bei Vorliegen einer Riechstörung individuell an das Beschwerdebild angepasste Therapiemaßnahmen einzuleiten.

Was muss der Patient beachten?

Die Abklärung von Störungen des Geruchssinns erfolgt zunächst durch die Anamnese. Vor der Durchführung einer Olfaktometrie erkundigt sich der Mediziner nach Vorerkrankungen wie Virusinfektionen, Ess- und Trinkgewohnheiten, ob ein Unfall als Ursache infrage kommt und welche Medikamente der Patient einnimmt. Die Genussmittelanamnese ist in diesem Rahmen ein wichtiges Kriterium, denn das Rauchen gilt als hoher Risikofaktor für eine eingeschränkte Riechfähigkeit.

Damit eine sorgfältige Erhebung des Gesundheitszustands erfolgen kann, ist die aktive Mithilfe des Patienten von immenser Bedeutung. Denn je genauer die Informationen sind, desto besser kann der Arzt entscheiden, ob die subjektive oder objektive Olfaktometrie das geeignete Testverfahren ist.

Ablauf und Durchführung

Zur Diagnose einer Riechstörung ist die vor der Olfaktometrie durchgeführte HNO-Untersuchung ein wichtiger Bestandteil, wobei insbesondere die Inspektion der Riechschleimhaut in der Nasenhöhle im Fokus steht. Erst im Anschluss erfolgt die eigentliche Kontrolle des Geruchsvermögens.

Bei einem subjektiven Riechtest handelt es sich um eine Orientierungsprüfung, bei der der Patient verschiedene Riechstoffe identifiziert und selbst Auskunft über die wahrgenommenen Gerüche erteilt. Dabei kommen reine Riechstoffe wie Kaffee oder Zimt, Geruchsstoffe mit Trigeminusreizkomponente wie Pfefferminze oder Essigsäure und Substanzen mit zusätzlicher Geschmackskomponente wie Chloroform zum Einsatz. Vor allem Sniffin-Sticks (Riechstifte) haben sich als Geruchsträger bewährt.

Nachdem der Patient einige Sekunden an den Stiften gerochen hat, kann er zwischen mehreren Antwortmöglichkeiten für den wahrgenommenen Geruchsstoff wählen. In einigen Fällen ist ein objektiver Riech-Identifikationstest angezeigt, etwa für ein medizinisches Gutachten.

Bei dieser Testmethode spielen die subjektiven Reaktionen des Patienten keine Rolle, da sie die Testergebnisse nicht beeinflussen. So lassen sich auch eventuelle Manipulation ausschließen. Die Riechprüfung erfolgt bei diesem Verfahren mittels EEG, das die Hirnströme aufzeichnet.

Während der objektiven Olfaktometrie leitet der Untersuchende den Geruchsreiz über eine feinen Schlauch erst in das eine, dann in das andere Nasenloch. Das Auswerten des EEG wird mithilfe computergestützter Technik durchgeführt. Die elektrische „Antwort“ auf den Geruchsreiz bezeichnen Mediziner auch als olfaktorisch evozierte Potentiale. Das objektive Testverfahren ist aufwändiger als die subjektive Riechprüfung und findet zumeist im Rahmen wissenschaftlicher Fragen Anwendung.

Bei der Diagnose von Riechstörungen kommen zur weiteren Abklärung außerdem andere Untersuchungsmethoden zum Einsatz. Dazu zählen etwa Nasendurchfluss-Tests oder Schmeck-Tests. Auch bildgebende Verfahren wie das MRT (Magnetresonanztomografie) sind manchmal zur Identifizierung von Riechstörungen nötig, ebenso die Zusammenarbeit mit Ärzten verschiedener Fachrichtungen wie Neurologen oder Internisten.



Eigenleistung oder Krankenkasse - wer übernimmt die Kosten?

Ein Riechtest kann früh Hinweise auf Schleimhautveränderungen, Infektionen oder ernstzunehmende Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer liefern. Die Testergebnisse ermöglichen die erfolgreiche Behandlung vieler Störungen des Geruchssinns. Etwa durch simple Schnupfenviren verursachte Zellschädigungen in der Riechrinne oder chronische Nasennebenhöhlenentzündungen.

Der Riechtest ist jedoch nicht Teil des Behandlungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherer, weshalb die Kosten für die diagnostische Untersuchungsmethode in aller Regel nicht erstattet werden. Private Krankenkassen bezahlen dagegen häufig die Olfaktometrie. Die Kosten werden üblicherweise nach der aktuell gültigen GOÄ (Gebührenverordnung für Ärzte) berechnet. Allgemeinmediziner und Fachärzte erteilen gerne Auskunft über die genaue Kostenhöhe.

Risiken, Gefahren und Komplikationen

Anders als der Verlust des Seh- oder Hörvermögens ist der Verlust der Riechfähigkeit ein vergleichsweise geringfügiges Gesundheitsproblem. Ein Risiko für Patienten mit Riechstörungen besteht dennoch, beispielsweise, wenn ausströmendes Gas zu einer Gefahr wird. Die Erforschung des Auslösers ist deshalb bei jeder Art von Riechproblem sinnvoll.

Sämtliche Methoden der Olfaktometrie sind harmlos und erzeugen weder während der Testung noch danach Beschwerden. Patienten müssen lediglich ein wenig Zeit für eine ausführliche Anamnese, die folgende HNO-Untersuchung und den eigentlichen Riechtest mitbringen. Die Heilungschancen von Riechstörungen sind um so größer, je schneller sie entdeckt werden.

Ein spezielles Riechtraining unterstützt Patienten außerdem dabei, ihren Geruchssinn deutlich zu verbessern oder komplett wiederherzustellen. Für eine erfolgreiche Therapie ist es essentiell, die Ursachen für eine Geruchsstörung zu ermitteln. Ein angeborener oder durch das Alter bedingter Verlust des Riechvermögens ist nicht therapierbar.

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