Regulationsstörungen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 13. April 2015
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Regulationsstörungen (oder auch Dreimonatskolik) beschreiben den Zustand, wenn das Baby in seinen ersten drei Lebensmonaten heftig und übermäßig viel schreit. Wird die Regulationsstörung diagnostiziert, müssen die Eltern nicht nur Nervenstärke beweisen, sondern auch viel Ausdauer mitbringen. Statistisch betrachtet, ist jedes zehnte Baby von einer Regulationsstörung betroffen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Regulationsstörungen?

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Das "Schreibaby" ist nicht nur schwer zu beruhigen, sondern schreit - wie der Name schon sagt - außergewöhnlich viel und intensiv. Heute bezeichnet der Mediziner das Neugeborene aber nicht mehr als "Schreibaby", sondern spricht von einer Regulationsstörung; der veraltete Begriff lautet Dreimonatskolik. Der veraltete Begriff stammt aus einer Zeit, in welcher der Mediziner noch davon ausgegangen ist, dass Blähungen und Bauchschmerzen der Auslöser für etwaige Schreiattacken sind.

Heute ist jedoch bekannt, dass die Blähungen und die übermäßige Luft, die sich im Bauchraum sammelt, die Folge der Schreiattacken sind, da zu viel Luft "geschluckt" wird. Das Neugeborene gilt dann als klassisches "Schreibaby", wenn es mehr als drei Stunden (mindestens drei Tage in der Woche) grundlos schreit und sich nicht oder nur sehr schwer beruhigen lässt. Jener Zustand muss mindestens drei Woche anhalten, damit der Mediziner von einer Regulationsstörung sprechen kann.

Ursachen

Das intensive und exzessive Schreien ist eine Folge der verspäteten Verhaltensregulation des Neugeborenen. Die Babys müssen lernen, dass sie ihr Verhalten an die interaktive Situation anpassen. Das bedeutet, dass eine Art Regulation erlernt werden muss, die im Rahmen der Fütterung, beim Wunsch nach Aufmerksamkeit sowie auch beim Schlafen angewandt werden. Die betroffenen Säuglinge haben aber enorme Schwierigkeiten mit der Tatsache, dass sie die eingetretenen Situationen richtig einschätzen, sodass sie nicht angemessen reagieren.

Die Eltern trifft, wenn eine Regulationsstörung vorliegt, keine Schuld. Schlussendlich haben sie auf die Schreiattacken keinen oder nur einen sehr geringen Einfluss. Das Baby muss die Regulation selbst erlernen. Da die Babys aber auf die Eltern angewiesen sind und die Bedürfnisse nach Nahrung oder Aufmerksamkeit nicht selbst stillen können, können Regulationsstörungen oftmals im Rahmen einer gestörten Mutter-Kind-Beziehung auftreten. Die Gründe sind vielfältig; mitunter kann ein Stressfaktor nach der Geburt der Auslöser sein.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome von Regulationsstörungen:

Das Baby schreit nicht nur exzessiv, sondern leidet auch unter Schlafstörungen. Ebenfalls können Fütterstörungen bzw. Schluck- wie Saugprobleme auftreten und Gedeihstörungen vorliegen. Das Hauptsymptom der Regulationsstörung ist jedoch das exzessive, nicht begründete und lang anhaltende Schreien. Während der Säugling in der letzten Minute noch einen zufriedenen Eindruck vermittelte, kann dieser - wenige Augenblicke später - einen Schreianfall bekommen.

Im Regelfall treten jene Schreiattacken am Abend auf. Das Baby hat nicht nur starke Einschlafprobleme, sondern schläft auch während der Tageszeiten nur selten bzw. nicht länger als 30 Minuten. Auch während den Nachtstunden wird der Säugling immer wieder wach und schreit. Weitere typische Anzeichen sind eine enorme Reizbarkeit sowie eine ausgeprägte Schreckhaftigkeit. Begleitsymptome, die im Rahmen der Regulationsstörung auftreten, sind eine rote Hautfarbe, ein aufgeblähter Bauch sowie auch eine angespannte Muskulatur.

Diagnose

Damit der Mediziner die Diagnose der Regulationsstörung stellen kann, muss er im Vorfeld den Säugling auf etwaige körperliche Erkrankungen untersuchen. Dazu zählt auch die Untersuchung des Gehirns, um etwaige Schäden ausschließen zu können. Ebenfalls muss der Mediziner eine Kindesmisshandlung ausschließen, bevor er die Diagnose Regulationsstörung stellen kann. Vorwiegend legt der Arzt sein Augenmerk auf die Beziehung zwischen dem Kind und seiner Mutter. Somit werden auch die eigenen Erfahrungen in der Kindheit der Mutter, die Qualitäten der Beziehung der Eltern oder auch die psychosozialen Probleme eines Elternteils (oder beider Eltern) in die Diagnosestellung miteinbezogen.

Behandlung und Therapie

Beginnt das Baby mit seiner Schreiattacke, muss in erster Linie eine Beruhigungsmaßnahme durch die Eltern erfolgen. Dazu zählen etwa Körperkontakt, beruhigende Bäder, Geräusche sowie auch behutsame Bewegungen, Babymassagen oder auch Hintergrundgeräusche, die für eine Beruhigung der Situation sorgen sollen. Ist der Säugling ruhig bzw. beruhigt worden, sollte er von seinen Eltern regelmäßig getragen werden.

Studien haben gezeigt, dass das Tragen des Säuglings sehr wohl eine beruhigende Maßnahme ist, die etwaige Schreianfälle verhindern kann. Die Eltern müssen Ruhe bewahren und mitunter - wenn sie mit der Situation überfordert sind - seriöse Hilfe wahrnehmen. Im weiteren Verlauf ist es wichtig, dass ein ruhiger und geregelter Tagesablauf gestaltet wird, damit das Baby keinen neuen Situationen ausgesetzt wird, welche es nicht einschätzen kann.

Ebenfalls können verschiedene therapeutische Therapien sowie Ansätze helfen, damit die Eltern die Bedürfnisse des Babys verstehen bzw. in weiterer Folge auch besser darauf eingehen können. So kann eine Beziehungsanalyse (mit sogenanntem Video-Feedback) helfen, die Situation zu beruhigen bzw. kann auch eine Eltern-Kind-Psychotherapie in Anspruch genommen werden.

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Vorbeugung

Damit die Regulationsstörung vorgebeugt werden kann, muss eine sogenannte ausgeglichene Interaktion zwischen den beiden Elternteilen und dem Baby gegeben sein. Geregelte Tagesabläufe, eine minimale Hektik, ruhige Hintergrundgeräusche sowie auch die Vermeidung von Reizüberflutungen sind allesamt vorbeugende Maßnahmen, damit die Regulationsstörung vermieden wird.

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