Rechenschwäche (Akalkulie)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 12. April 2015
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Als Rechenschwäche (Akalkulie) wird die Beeinträchtigung oder auch den Verlust der bereits erworbenen Rechenkompetenzen bezeichnet. Vorwiegend ist die Akalkulie auf eine Schädigung der linken Hirnhälfte (bzw. der kortikalen Zentren) zurückzuführen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Rechenschwäche (Akalkulie)?

Die Rechenschwäche (Akalkulie) ist eine erworbene Beeinträchtigung, welche sich primär bei arithmetischen Größen bzw. den Umgang mit Zahlen oder Rechenoperationen, zeigt. Es handelt sich dabei um eine Schädigung in der linken Hemisphäre (linke Hirnhälfte) bzw. um eine Schädigung im kortikalen Zentrum des Gehirns. Der Betroffene weist enorme Schwierigkeiten mit Telefonnummern, Geld, Zeitangaben sowie auch bei der Berechnung bzw. Abschätzung von Entfernungen oder auch Preisrabatten sowie Mengen auf, wobei die sonstige Intelligenz keineswegs eingeschränkt oder beeinträchtigt ist.

Während viele Personen lediglich von einer Beeinträchtigung im Rahmen komplexer arithmetischer Rechenoperationen betroffen sind, gibt es auch Fälle, in denen selbst die Grundrechenarten sowie auch das Subtrahieren oder Addieren von einstelligen Zahlen nur bedingt bzw. gar nicht möglich sind. Die Akalkulie muss jedoch von einer Dyskalkulie unterschieden werden, da jene bereits im Kindesalter festgestellt wird. Die Dyskalkulie ist eine spezifische Störung der Entwicklung und steht in keiner Verbindung zu der Akalkulie.

Ursachen

Die primäre Akalkulie tritt eher selten auf und kann auf Grund einer Schädigung - etwa auf Grund eines Insults (Schlaganfalls) - eintreten. Primär wird der sprachdominante Cortex geschädigt. Liegt eine sekundäre Akalkulie vor, welche gleichzeitig die häufigere Variante der Erkrankung darstellt, wird im weiteren Verlauf eine Gedächtnisstörung, eine Perseverationsneigung sowie auch eine Störung der Aufmerksamkeit beobachtet.

Ebenfalls assoziieren Mediziner die Akalkulien mit Schädigungen des Temporal- sowie des Parietallappens. Mitunter kann die Akalkulie auch ein Anzeichen des sogenannten Angularis-Syndroms bzw. des Gerstmann-Syndroms sein. Jenes äußert sich in weiterer Folge durch eine Rechts-Links-Störung sowie einer Fingeragnosie. Da die Rechenoperationen über die sprachliche Fähigkeit und Funktion gesteuert werden, kann die Akalkulie auch mit einer Aphasie auftreten. Die Aphasie beschreibt eine zentralnervös bedingte Sprachstörung, die oftmals im Rahmen von Tumorbildungen, Entzündungen sowie Gehirnblutungen oder Schlaganfällen auftritt.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome der Rechenschwäche (Akalkulie):

Klassische Symptome sind etwa Beeinträchtigungen im Bereich der Zahlenverarbeitung, des Verständnisses für Zahlen sowie auch der Anordnung von Zahlen. Der Betroffene weist zudem Beeinträchtigung beim Lesen sowie Schreiben von Zahlen auf; ebenfalls sind Beeinträchtigungen im Rahmen von schriftlichen und mündlichen Rechnungen gegeben. Auch Rechenzeichen können nur bedingt verarbeitet werden.

Je nach Art sowie Lokalisation der Läsion, die für die Akalkulie verantwortlich ist, hängen auch der Verlauf sowie die Prognose der Krankheit ab. Auch wenn es keine nachhaltigen Studien gibt, so kann man davon ausgehen, dass nach dem Akalkulie auslösenden Ereignis, rund sechs bis sieben Monate später eine deutliche Verbesserung eintritt.

Diagnose

Liegt der Verdacht einer Akalkulie vor, hat der Mediziner verschiedene Möglichkeiten, welche primär auf den Screening-Verfahren beruhen. Im Rahmen der Screening-Verfahren kann der Mediziner dem Patienten Rechenoperationen stellen und spezifische Tests durchführen lassen. Das sind etwa Rechen- sowie Zahlenverarbeitungstests (ZRT), welche im weiteren Verlauf mit einem Test einhergehen, der das kognitive Schätzen des Betroffenen überprüft.

Ebenfalls kommt der "Number Processing and Calculation Battery"-Test (auch NPC-Test) zur Anwendung. Bevor der Mediziner die Diagnose Akalkulie stellt, müssen jedoch andere Erkrankungen ausgeschlossen werden. Das bedeutet, dass der Mediziner mittels einer Differenzialdiagnose die Akalkulie feststellt und im Rahmen der Ermittlung eine Demenz, eine Dyskalkulie sowie einen Analphabetismus der Zahlen ausschließen kann. Ebenfalls muss, damit auch eine prämorbide Minderleistung ausgeschlossen werden kann, das Leistungsniveau berücksichtigt werden, welches vor der Läsion bestanden hat.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung und Therapie einer Akalkulie zielen entweder auf die Reorganisation oder die Restitution ab. Die Restitution beschreibt den Zustand der Wiederherstellung von bereits erlernten Fähigkeiten sowie Funktionen, welche im Rahmen der Akalkulie beeinträchtigt sind. Bei einer Reorganisation werden hingegen die intakten Funktionen kompensatorisch ausgeglichen. Wird eine Behandlung im Rahmen einer Restitution begonnen, werden intensive Übungseinheiten angeordnet, damit das verlorene Wissen, welches bereits vorhanden war, wieder trainiert und "gespeichert" wird.

Natürlich muss der Mediziner darauf Acht geben, dass er alltagsspezifische Übungen - etwa den Umgang mit Geld, das Ablesen der Uhrzeit oder auch das Errechnen von Wechselgeld im Zahlungsverkehr - präsentiert, welche in weiterer Folge dafür sorgen, dass der Betroffene wieder in das Berufsleben bzw. das tägliche Leben integriert werden kann. Das Schwierigkeitsniveau sollte zudem auf jener Stufe eingestellt werden, in welchem der Patient bereits erste Beeinträchtigungen zeigt.

Das können mitunter auch Grundrechenarten mit einstelligen Zahlen sein. Entscheidet sich der behandelnde Arzt für eine Reorganisation, werden mit dem Patienten spezifische Strategien trainiert, sodass dieser die arithmetischen Grundregeln anwenden kann. Die Therapien dauern mehrere Monate an; Verbesserungen treten rund ein halbes Jahr später ein.

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Vorbeugung

Die Akalkulie kann im Endeffekt nur restringiert vorgebeugt werden. Das bedeutet, dass auslösende Faktoren, wie ein Schlaganfall, vorgebeugt werden sollten, damit im weiteren Verlauf keine Akalkulie auftritt.

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