Radiuskopf-Luxation (Chassaignac-Luxation)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 29. November 2016
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Als Radiuskopf-Luxation (Chassaignac-Luxation) wird eine Teilausrenkung des Radiusköpfchens bezeichnet. Diese Verletzung tritt bei Kindern unter vier Jahren auf.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Radiuskopf-Luxation (Chassaignac-Luxation)?

Mediziner bezeichnen die Radiuskopf-Luxation auch als Chassaignac-Luxation, Chassaignac-Lähmung, Kindermädchen-Ellenbogen oder Pronatio dolorosa. Gemeint ist damit eine zumeist unvollständige Ausrenkung des Ellenbogengelenks. Von dieser Verletzung betroffen sind in erster Linie Kinder unter vier Jahren, wobei es zu einem ruckartigen Ziehen am Arm kommt. Bei älteren Kindern zeigt sich die Radiuskopf-Luxation dagegen nur noch sehr selten, weil das Ringband des Ellenbogens mit zunehmendem Alter an Kraft und Stabilität gewinnt.

Ursachen

Zusammengesetzt wird der menschliche Unterarm aus der Speiche (Radius) und der Elle (Ulna). Zusammen mit dem Oberarm bilden sie das Ellenbogengelenk. Für die Stabilität des Gelenks sorgt u. a. das Ringband (Ligamentum anulare radii). Die Sicherung des Radiuskopfes durch das Band bewirkt eine problemlose Drehung des Unterarms. Wird der Unterarm jedoch ausgerenkt, hat dies das Abrutschen des Radiuskopfs aus dem Ringband zur Folge.

Von einer Chassaignac-Luxation ist die Rede, wenn die Gelenkflächen des Oberarms sowie der Speiche zum Teil noch miteinander verbunden sind. Selbst bei einer vollständigen Ausrenkung bleibt das Ringband meist unversehrt. In seltenen Fällen kann es auch zu seinem Riss kommen. Kinder unter vier Jahren sind häufig von einer Radiuskopf-Luxation betroffen, weil das Größenverhältnis zwischen Radiuskopf und Ringband bei ihnen noch nicht übereinstimmt.

Seine endgültige Größe erzielt der Radiuskopf erst ab dem vierten Lebensjahr. Vorher besteht jedoch das Risiko seines Herausrutschens aus dem Ringband, was ab dem fünften Lebensjahr nur noch sehr selten geschieht. Hervorgerufen wird eine Radiuskopf-Luxation zumeist durch ruckartiges Ziehen an den Armen der Kinder. Dabei wollen zum Beispiel die Eltern das Kind an den Armen festhalten, damit es nicht stürzt.

Manchmal wird das Kind auch heftig zurückgezogen, weil es über die Straße laufen will. Als weitere Ursache kommt das Herumschleudern des Kindes an den Armen beim Spielen infrage. Auch beim Fangenspielen unter Kindern ist eine Radiuskopf-Luxation möglich.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome der Radiuskopf-Luxation (Chassaignac-Luxation):

Ein typisches Anzeichen der Radiuskopf-Luxation ist die Schonhaltung des betroffenen Armes. So macht der Arm den Eindruck, als sei er gelähmt, weil das Kind ihn nicht mehr benutzt. Aus diesem Grund wird die Verletzung auch als Chassaignac-Lähmung bezeichnet. Dabei hängt der verrenkte Arm lose herunter. Das Ellenbogengelenk wird nicht belastet und der Unterarm sowie die Hand zeigen etwas nach innen.

Während es beim Eintreten der Luxation zu starken Schmerzen kommt, sind bei der Schonhaltung kaum Schmerzen zu verspüren. Gelegentlich zeigt sich über dem Radiusköpfchen auch eine Schwellung. Obwohl die Radiuskopf-Luxation mit unangenehmen Schmerzen verbunden ist, gilt sie im Grunde genommen jedoch als harmlos. So nimmt die Chassaignac-Lähmung bei entsprechender Behandlung meist einen günstigen Verlauf. Nur sehr selten treten Komplikationen wie eine erneute Ausrenkung, bleibende Bewegungseinschränkungen oder Verkalkungen der Gelenkkapsel auf.

Diagnose

Für einen erfahrenen Arzt ist es nicht weiter schwierig, eine Radiuskopf-Luxation zu diagnostizieren. So deuten bereits die typischen Symptome, der Hergang des Unfalls, sowie die Haltung des Arms auf diese Verletzung hin. Im Rahmen einer körperlichen Untersuchung lässt sich der Ellenbogen schmerzfrei strecken und beugen. Eine Drehung des Unterarms ist allerdings nicht möglich.

Um weitere Verletzungen wie eine Knochenfraktur auszuschließen, kann eine Röntgenuntersuchung durchgeführt werden. Allerdings gilt sie als umstritten, weil der Befund durch die vorherige Untersuchung meist schon klar ist. Ein weiteres Verfahren stellt die Sonographie (Ultraschalluntersuchung) dar. Mit ihrer Hilfe lassen sich das Radiusköpfchen und seine Stellung bildlich wiedergeben.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung einer Radiuskopf-Luxation findet in den meisten Fällen konservativ statt. Zu diesem Zweck renkt der Arzt die Luxation mit einem simplen Griff wieder ein. Da sich die Armfunktion auf diese Weise wiederherstellen lässt, kann das Kind seinen Arm normalerweise schon wenige Minuten später wieder benutzen. Eine anschließende Nachbehandlung ist in der Regel nicht nötig.

Liegt eine vollständige Ausrenkung des Radiuskopfes vor und lässt er sich nicht sogleich wieder einrenken, kann eine Ruhigstellung des Arms für einen Zeitraum von zwei bis vier Tagen erforderlich sein. Dabei kommt es durch die Entspannung mitunter zu einer spontanen Reposition.

Ansonsten wird vom Arzt ein weiterer Einrenkungsversuch unternommen. Nur sehr selten bedarf es einer operativen Einrenkung. Diese erfolgt erst dann, wenn sämtliche konservativen Therapiemaßnahmen keinen Erfolg zeigen.



Vorbeugung

Damit es gar nicht erst zu einer Ausrenkung des Radiuskopfes kommt, ist es ratsam, bis zum fünften Lebensjahr nicht heftig an den Ärmchen der Kinder zu ziehen. Das gilt auch für das Herausheben des Kindes aus seinem Bettchen. Ab dem späten Vorschulalter ist dann keine Radiuskopf-Luxation mehr zu befürchten.

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